Music Review | verfasst 12.07.2019
Wilson Tanner
II
Efficient Space, 2019
Text Lars Fleischmann
Deine Bewertung:
7.0
Nutzer (1)
8.9
Redaktion
Cover Wilson Tanner - II

Aller Entspannungsübungen zum Trotz bleibt der Stress allgegenwärtig. Obwohl Yoga, Saunen, Beautyprodukte und healthy lifestyle Hochkonjunktur feiern und immer mehr Menschen die Knete, die sie verdienen, direkt wieder in geistige und körperliche Verwehung stecken, stets um zu vergessen, dass sie dafür gerade noch gearbeitet haben, merkt man die strapazierten Körper und Köpfe an jeder Ecke. Dabei ist die Formel für ein freies Leben doch so einfach: Heute Disco, morgen Umsturz, übermorgen Landpartie. Den ersten Schritt darf man dabei gerne mit dem neuen Langspieler des Duos Wilson Tanner machen. Das unschlagbare New-Age-Tandem Andrew Wilson, gelegentlich auch Andras Fox, und John Tanner aka Eleventeen Eston gräbt schon seit über fünf Jahren an den Synthpotis um eine gewisse Ruhe in die Hörerschaft zu injizieren. Ob auf Not Not Fun oder Growing Bin finden sich immer wieder diese Electronica-Kleinode, die gepaart mit Samples aus der großen, weiten Welt des pastoralen Lebens (Zirpen, Geplätscher, Tierrufe) dem gemeinen Großstädter die Schultern und das Hirn massieren. »II«, der Nachfolger von »69«, ist dennoch nicht bloß eine weitere Ausschlachtung des eigenen Erfolgrezepts, sondern kompositorisch ein großer Schritt. Das Nabelstück »Killchord Pts I-III« zeigt in gekonnt mäandernder Form, was Musik alles kann: temporale Verschiebungen, rhythmische Spaßgymnastik, intellektueller Genuss. Dies paart man diesmal mit großen Emotionen, schön versteckt zwischen all den gefälligen Chill-Sounds. Denn auch New-Age darf und kann mehr sein als bloß Oberfläche. Vielleicht reicht es schon diesmal zum Soundtrack einer kommenden, entspannten Gemeinschaft.

»II« von Wilson Tanner findest du bei HHV: Vinyl LP
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 19.05.2016
Wilson Tanner
69
Cool, uncool, befindlich und New Age: Das Album »69« von Wilson Tanner ist nur eins davon und damit ein bisschen radikal.
Music Review | verfasst 22.05.2018
Eleventeen Eston
At The Water
Growing Bin veröffentlicht »At The Water« von Eleventeen Eston und macht sich weiter einen Namen für plätschernde, schöne, freie Musik.
Music Review | verfasst 29.10.2010
Brian Eno
Small Craft On A Milk Sea
Altmeister und Ambient-Erfinder Brian Eno tobt sich auf seinem Debüt für Warp Records einfach nur aus.
Music Review | verfasst 20.01.2011
Pan American
For Waiting, For Chasing
Die Balance zwischen elektronischen und akustischen Klängen tarieren nur sehr wenige derart vollkommen.
Music Review | verfasst 17.02.2011
Tim Hecker
Ravedeath, 1972
Am Ende bleibt keine Erinnerung, nur ein Gefühl von amorpher Weite, die sich irgendwie heimisch anfühlt.
Music Review | verfasst 27.03.2011
Emanuele Errante
Time Elapsing Handheld
Emanuele Errante hat einen Versuch über die Zeit vorgelegt, in der die Töne das Schweben erlernen.
Music Review | verfasst 17.05.2011
Rene Hell
The Terminal Symphony
Der Syntheziser fungiert derzeit als Leitinstrument der elektronischen Musik. Rene Hell zeigt, wieso diese Renaissance Sinn macht.
Music Review
Various Artists
Esa Presents Amandla: Music To The People
DJ Esa Williams aus Kapstadt will mit seiner Compilation »Esa Presents Amandla: Music to the People« die Menschen zusammenbringen.
Music Review
Amelie Lens
Little Robot EP
Amelie Lens’ neueste EP »Little Robot« ist Big-Room-Techno auf der Höhe der Zeit. Nicht mehr und nicht weniger!
Music Review
Hugo Heredia
Mananita Pampera
Mit dem 1976 von Hugo Heredia und seinem Ensemble aufgenommenen »Mananita Pampera« ist ein weiteres Juwel des Jazz wiederveröffentlicht.
Music Review
Barker
Utility
Schon viele Jahre in Berlin als DJ und Produzent unterwegs, legt Sam Barker mit »Utility« nun auf Ostgut Ton sein Debütalbum »Utility× vor.
Music Review
Ebo Taylor
Palaver
Mit dem neu entdeckten »Palaver« von Ebo Taylor gibt es ein erstes richtiges Highlight in der neuen Tabansi Gold Series von BBE Africa.
Music Review
Ill Considered
8
Etwas urbaner als der eher atmosphärische Vorgänger, präsentiert »Ill Considered 8« eine weitere Schattierung der britischen Jazzer.
Music Review
Sampa The Great
The Return
Sampa The Great ist mit »The Return« ein unglaublich tolles, gar beeindruckendes Debütalbum gelungen.
Music Review
Velodrome
На Велодроме 141
Dark Entries hat den belgischen New Beat-Knüller »На Велодроме 141« von Velodrome ausgegraben und wiederaufgelegt.
Music Review
Toshifumi Hinata
Broken Belief
Gemeinsam mit Chee Shimizu arbeitet Music From Memory das Frühwerk von Toshifumi Hinata als Compilation neu auf.
Music Review
Ebo Taylor Jnr & Wuta Wazutu
Gotta Take It Cool
Mit »Gotta Take It Cool« veröffentlicht Mr Bongo Records ein rares Album von Ebo Taylor Jnr, dem Sohn des bekannten Highlife-Musikers.
Music Review
R°A
Space Melody EP
1988 war die Welt echt noch in Ordnung: Mothball Records veröffentlicht mit der »Space Melody EP« von R°A ein Italo-Disco-Highlight.
Music Review
Miles Davis
Rubberband
Natürlich ist das wiederentdeckte Album »Rubberband« von Miles Davis keine Revolution, kein Aufbruch. Es ist dennoch gut.
Music Review
Richard Lamb
Automatic Tango
»Automatic Tango« von Richard Lamb pickt am aktuellen Kanada-Sound wie Ahornsirup an Blueberry-Pancakes.
Music Review
Lower Dens
The Competition
Gebannt von diesen Neonfarben: Mit »The Competition« wagen sich Lower Dens so offensiv wie nie zuvor in den musikalischen Wettstreit.
Music Review
Reggie Andrews And The Fellowship
Mystic Beauty
Reggie Andrews hat als Mentor von Thundercat oder Kamasi Washington Musikgeschichte geschrieben. Jetzt kann er als Musiker entdeckt werden.
Music Review
Bon Iver
i,i
Andpruchsvolle Musik, die nicht überfordern soll: mit »i,i« entfernen sich Bon Iver ein Stück von dem verträumten Folk der ersten Jahre.
Music Review
Dawl
Time To Throw Down EP
Es werden keine Gefangenen gemacht: Dawl ist DJ seit den Anfangstagen von Rave und das hört man seiner »Time To Throw Down EP« dann auch an.
Music Review
Moose Dawa
The Swap
»The Swap« ist eiine Hommage an das Sampling und den schwedischen Beatmaker Moose Dawa gilt es zu entdecken.
Music Review
!!! (Chk Chk Chk)
Wallop
Mit »Wallop« wagen !!! einen wilden Ritt durch die Jahrzehnte, ohne ihre Kernkompetenz der schrägen Dancefloor-Killer zu vernachlässigen.
Music Review
Gareth Quinn Redmond
Laistigh Den Ghleo
Der irische Komponist Gareth Quinn Redmond hat mit »Laistigh Den Ghleo« dem Ambientwerk »Still Way« von Satoshi Ashikawa Tribut gezollt.
Music Review
Satoshi Ashikawa
Still Way (Wave Notation 2)
Das 1982 entstandene, fantastische Album »Still Way « von Satoshi Ashikawa, an dem auch Midori Takada mitwirkte, wurde wiederveröffentlicht.
Music Review
Whitney
Forever Turned Around
»Forever Turned Around« ist der Nachfolger zu Whitneys gefeiertem »Light Upon The Lake«. Es ist dann nette sommerliche Popmusik geworden.
Music Review
Wu-Tang Clan
OST Of Mics And Men
Die Dokuserie „Of Mics and Men“ erzählt die Wu-Tang Saga. Den Soundrack zum faktenbasierten Vierteiler übernahm der Clan selbst.
Music Review
Grup Doğuş
Grup Doğuş
Grup Doğuş wurde von der Bühne weggesignt, nahmen ein Tape auf und gerieten in Vergessenheit. Der deutschen Rockszene entging damit etwas.
Music Review
Ezra Furman
Twelve Nudes
»The songs are naked with nothing to hide.« Ezra Furman ist auf »Twelve Nudes« so geradeaus wie nur selten zuvor.
Music Review
X.Y.R.
Robinson Crusoe
Soundtrack für den Cocktail-Kater: 2012 nur auf Tape erschienen, erhält »Robinson Crueso« von X.Y.R. nun eine Vinylversion.
Music Review
Saint Petersburg Disco Spin Club
Live Sessions Vol.2
Kito Jempere hat ein neues Darling: Saint Petersburg Disco Spin Club. Die »Live Sessions Vol.2« sind bei Emotional Response erschienen.
Music Review
Blanck Mass
Animated Violence Mild
Hinter Blanck Mass steckt Fuck Buttons’ Benjamin John Power. Sein »Animated Violence Mild« kann unglaublich nerven oder pervers mitreißen.
Music Review
Gökçen Kaynatan
Cehennem
1973-1975 verarbeitete Gökçen Kaynatan mit einem EMS Synthi AKS sein körperliches Leid. Das dabei entstandene Album erscheint erst jetzt.
Music Review
Alexander Tucker
Guild Of The Asbestos Weaver
»Guild Of The Asbestos Weaver« von Alexander Tucker ist ein absolutes rundes Ding. Große Wellen schlagen wird es trotzdem nicht.
Music Review
Alphonse
Stolen Sunrise
Die Sonne scheint jetzt immer. Auch auf dem Dancefloor. »Stolen Sunrise« von Alphonse ist deshalb eine der Platten der Stunde.
Music Review
Dazion
A Bridge Between Lovers
Sommerliche Töne sind auf »A Bridge Between Lovers«, dem neuen Release von Dazion zu hören, der soeben bei Second Circle erschienen ist.
Music Review
Kosh
Vicious Love
Kosh, der derzeit gehypteste Export aus Marokko seit Nanaminze, Haschisch und Bibelfilmen, fackelt auch auf »Vicious Love« nicht lange rum.
Music Review
Die Höchste Eisenbahn
Ich Glaub Dir Alles
Allerhöchste Eisenbahn! Mit »Ich Glaub Dir Alles« ist das zweite Album von Die Höchste Eisenbahn endlich erschienen.
Music Review
Brian Eno
Apollo: Atmospheres And Soundtracks
Neu gemastert und mit einer zweiten Platte mit neuen Songs bestückt wurde das tolle »Apollo« von Brian Eno aus dem Jahr 1983 neu aufgelegt.
Music Review
MR TC & Lo Kindre
Phase001
MR TC und Lo Kindre haben ein Label aus der Taufe gehoben und gleich auch ein gemeinsamen Release fertiggestellt.
Music Review
Floating Points
Lesalpx / Coorabell
Nach fast zwei Jahren ohne neue Musik hat Floating Points kürzlich die beiden neuen Tracks »Lesalpx« und »Coorabell« veröffentlicht,
Music Review
Iron Curtis
And The Temper
Iron Curtis kehrt auf Office Recordings zurück. Seine EP »And The Temper« erzählt eine kleine Geschichte – im House-Bereich eine Seltenheit.
Music Review
Freddie Gibbs & Madlib
Bandana
Freddie Gibbs und Madlib, der Rapper und der Beatschmied, haben sich endgültig gefunden. Mit »Bandana« ist ihnen etwas großartiges gelungen.
Music Review
Fernando Falcão
Memória Das Águas
Kein Ethnoscheiß und auch kein plumper Nihilismus: Selva Disco legt »Memória Das Águas« von Fernando Falcão wieder auf.
Music Review
Odd Okoddo
Okitwoye
Odd Okoddo sind Sven Kacirek und der Sänger und Lautenist Olith Ratego. »Okitwoye« liefert einen ersten Vorgeschmack auf ihr Debütalbum.