Music Review | verfasst 23.07.2019
Ariel Kalma
Nuits Blanches Au Studio 116
Transversales Disques , 2019
Text Sebastian Hinz
Deine Bewertung:
/
Nutzer
8.0
Redaktion
Cover Ariel Kalma - Nuits Blanches Au Studio 116

Für Ariel Kalma kann Musik nicht unabhängig von den Menschen, Orten und Umgebungen gedacht werden, die sie geschaffen wurden. Nun ist der in Paris geborene Ariel Kalma jemand, dem nachgesagt wird, nicht sehr lange an einem Ort zu verweilen. Die Musik des Franzosen ist dementsprechend vielseitig. Formal wird er qua Protokoll der Groupe de Recherches Musicales um Pierre Henry, Luc Ferrari und Bernard Parmegiani zugeordnet, seine Musik verfolgt aber nicht ganz eindeutig dieser Programmatik. Offen gestanden folgt sie keiner Programmatik. Sie entwickelt sich einfach. Das kluge Label Rvng Intl hatte folgerichtig 2014 eine Werkschau mit zwischen 1972 und 1979 entstandene Aufnahmen von Ariel Kalma »An Evolutionary Music« genannt. In etwa diese Zeit fallen auch die fünf Stücke, die jetzt von Transversale Disques zum überhaupt ersten Mal veröffentlicht wurden. Und »Nuits Blanches Au Studio 116« beweist auch die Vielseitigkeit. Es beginnt mit einer Art Jazz (»Paris Flight«), allerdings von der elektronischen Seite aus gedacht, also in kleine groovende und nicht-groovende Versatzstücke zerlegt und dann in die Unendlichkeit geloopt. Es folgt das ambiente »Le soleil au couchant«, ein Stück von 1974, was die aktuelle Begeisterung für Fourth-World-Music schon früh antizipiert. Und dann »Voyage au centre de la tête«, das am ehesten an die vom Wort kommende radiophone Musique concréte angelegte Stück. Die B-Seite hingegen erinnert aus heutiger Sicht an norwegischen Jazz, an die Klavieretüden eines Bugge Wesseltoft (»Ballade sur le lac«) oder an die wehmütigen Kaskaden eines Arve Henriksen (»Japanese Dreams«). Nur waren die beiden Norweger noch im Schulorchester als die Stücke entstanden. Spannendes Zeugnis jedenfalls, was mit Musik so möglich ist.

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Kolumne | verfasst 02.12.2019
Jahresrückblick 2019
Top 20 Compilations
Die Compilation ist der Endgegner jedes Jahresrückblicks. Denn seien wir mal ehrlich: Wenn zehn bis zwanzig ganz unterschiedliche Tracks zusammenkommen, ist das Ergebnis nur in 1% der Fälle überzeugend. Wir haben trotzdem 20 rausgesucht.
Music Review | verfasst 09.03.2020
Pharoah Sanders
Live In Paris 1975
Pharoah Sanders nahm »Live In Paris 1975« in Umbruchszeiten auf. Das schlägt sich in seiner Diversität, nicht aber im Spiel nieder.
Music Review | verfasst 07.04.2020
Ennio Morricone
OST Uccidete Il Vitello Grasso E Arrostitelo
Transversales Disques hat mit »Uccidete Il Vitello Grasso E Arrostitelo« einen unbekannteren Soundtrack von Ennio Morricone veröffentlicht.
Music Review | verfasst 12.05.2011
Mountains
Air Museum
Dem Vorwurf, sich künstlerisch zu wiederholen, können sich Koen Holtkamp und Brian Anderegg mit Air Museum ein weiteres Mal entziehen.
Music Review | verfasst 17.05.2011
Rene Hell
The Terminal Symphony
Der Syntheziser fungiert derzeit als Leitinstrument der elektronischen Musik. Rene Hell zeigt, wieso diese Renaissance Sinn macht.
Music Review | verfasst 20.06.2011
Mark McGuire
A Young Person's Guide To
Der 24-jährig Mark McGuire, Gitarrist der Emeralds, legt seine erste abendfüllende Werkschau vor.
Music Review | verfasst 02.07.2011
Vladislav Delay Quartet
Vladislav Delay Quartet
Vladislav Delay hat ein neues Projekt. Im Miteinander mit Mika Vaino, Lucio Capece und Derek Shirley entsteht ein kraftvoller Sound.
Music Review
Nídia
Não Fales Nela Que A Mentes
Auf »Não Fales Nela Que A Mentes« braucht Nídia nicht als einen Rhythmus und einen Loop, um ein riesiges Koordinatensystem zu eröffnen.
Music Review
Hessel Veldman
Eigen Boezem
In den Achtzigern entstandene DIY-Aufnahmen aus der holländischen Hafenstadt IJmuiden: »Eigen Boezem« stellt Musik von Hessel Veldman aus.
Music Review
Kanye West
Jesus Is King
»Jesus Is King« von Kanye West ist jetzt auf Vinyl erschienen. Und wir haben die pädagogisch wertvollste 7.0er Review aller Zeiten für dich.
Music Review
Various Artists
Artificial Dancers – Waves Of Synth
»Artificial Dancers – Waves Of Synth« offenbart weitere schrullige Raritäten in Sachen Synthesizermusik aus den Achtzigern.
Music Review
Auscultation
III
Auf »III« lauscht Auscultation, wie der Name glauben macht, nach innen. Das Hineinhorchen beruht hier auch auf einen tragischen Vorfall.
Music Review
Y-Bayani And Baby Naa & The Band Of Enlightenment, Reason & Love
Nsie Nsie
Brutal sauber ausproduzierter und abgemischter Reggae aus Ghana: Philophon hat »Nsie Nsie« von Y-Bayani veröffentlicht
Music Review
Various Artists
Pacific Breeze 2: Japanese City Pop, AOR & Boogie 1972-1986
An City-Pop-Compilations mangelte es zuletzt nicht. Jetzt erscheint ein zweiter Teil von »Pacific Breeze« auf Light In The Attic.
Music Review
Cucina Povera & Haron
Plafond 6
Cucina Povera und Haron teilen sich die Rillen auf »Plafond 6«. Das Dilettantische wird dabei mitunter so überhöht, dass es wehtut.
Music Review
Soft Power
Brink Of Extinction
Soft Power, das Helsinkier Sextett um den Multiinstrumentalisten Mikael Jurmu, hat ihr drittes Album »Brink Of Extinction« veröffentlicht.
Music Review
Heerlens Percussie Ensemble
Biologic Music
Wer jetzt »Trommelgruppe« sagt, fliegt raus: Hot Mule veröffentlicht »Biologic Music« des Heerlens Percussie Ensembles.
Music Review
Grischa Lichtenberger
kamilhan; il y a péril en la demeure
Grischa Lichtenberger bleibt auch mit »kamilhan; il y a péril en la demeure« der große falsche Fährtenleger der elektronischen Musik.
Music Review
Red Axes
Red Axes
Red Axes haben »Red Axes« veröffentlicht. Auf ihrem zweiten Album haben die Israelis anscheinend wieder zu sich selbst gefunden.
Music Review
Kaitlyn Aurelia Smith
The Mosaic Of Transformation
Kaitlyn Aurelia Smith hat für »The Mosaic Of Transformation« ihren Buchla-Synthesizer neu verkabelt.
Music Review
Jensen Interceptor
Strings Of Fear
Ohne Jensen Interceptor wäre der Electro-Hype in den letzten Jahren wohl kaum zu rechtfertigen gewesen. Jetzt gibt’s was neues.
Music Review
Einstürzende Neubauten
Alles In Allem
»Alles In Allem« fühlt sich hier nicht wie das Ende der Einstürzenden Neubauten an, sondern wie eine erneute Metamorphose.
Music Review
Phillip Sollmann
Monophonie
Philipp Sollmann setzt sich auf »Monophonie« mit Hermann von Helmholtz, Harry Partch und Harry Bertoia auseinander.
Music Review
Jonny Nash & Suzanne Kraft
A Heart So White
Auf »A Heart So White« treffen Johnny Nash und Suzanne Kraft zum zweiten Mal aufeinander. Kommunikation fand dabei nur über die Musik statt.
Music Review
Daily Fauli
Fauli Til Dauli
Minimal Wave veröffentlicht mit »Fauli Til Dauli« Fundstücke des dänischen Schauspielers Søren Fauli, der sich hier Daily Fauli nennt.
Music Review
Caspar Brötzmann Massaker
Home
Southern Lord veröffentlicht die Alben des Caspar Brötzmann Massaker neu. Darunter das abschließende »Home« aus dem Jahre 1995.
Music Review
Ron Boots, Jo Bogaert & Morten Søndergaard
Lachrymation / Ambient Kinsky / Sahara I Mine Hænder / Far Boundaries
Das neueste Release versammelt Stücke von Ron Boots, Jo Bogaert und Morten Søndergaard, einem Niederländer, einem Belgier und einem Dänen.
Music Review
Various Artists
Spiritual Jazz Vol.11: SteepleChase
Mit dem neuesten Teil ihre »Spiritual Jazz«-Reihe werfen Jazzman einen Blick auf das dänische Jazzlabel SteepleChase.
Music Review
Imagination
I'm Always Right (The WDR Tapes 1977)
Im Archivschrank des WDR schlummert so mancher Schatz. Mit »I’m Always Right« von Imagination wurde jetzt einer geborgen.
Music Review
El Michels Affair
Adult Themes
Mit »Adult Themes« haben El Michels Affair einen Soundtrack aufgenommen, für den es keinen Film gibt.
Music Review
Fire-Toolz
Rainbow Bridge
Weirdere, wundervollere Musik als auf »Rainbow Bridge« war bisher weder von Fire-Toolz noch bei Hausu Mountain zu hören.
Music Review
Shan
Tanzstuecke
Die Tanzstücke auf »Tanzstuecke« haben sich nie von den Achtziger gelöst. Stört aber keinen! Shan lässt das Jahrzehnt frisch aufleben.
Music Review
Pierre Tchana
Super-Disco
Come on baby, dance! Das Amsterdamer Label Royer veröffentlicht das ursprünglich 1978 veröffentlichtet »Super-Disco« von Pierre Tchana neu.
Music Review
Vladislav Delay
Mutila
Das gesamte Spektrum von Höhen und Tiefen: »Mutila« von Vladislav Delay wurde von Rashid Becker neu gemastert und wiederaufgelegt.
Music Review
Klara Lewis
Ingrid
Klara Lewis legt mit »Ingrid« eine gespenstisch gute Veröffentlichung vor, die weder als Album noch als EP bezeichnet werden kann.
Music Review
Earth Trax
LP1
Wenn Euphorie und Schwermut ineinanderfallen: Bartosz Kruczyński hat sein erstes Album »LP 1« unter dem Pseudonym Earth Trax veröffentlicht.
Music Review
Nkem Njoku & Ozzobia Brothers
Ozobia Special
»Ozobia Special«, das einzige Album von Nkem Njoku & Ozzobia Brothers, erscheint nun erstmals außerhalb von Nigeria.
Music Review
Jamie xx
Idontknow
Mit »Idontknow« meldet sich Jamie xx nach fünf Jahren auf dem Dancefloor zurück. Doof nur, dass der geschlossen ist.
Music Review
Leafar Legov
Mirror
Auf »Mirror« trotzt Leafar Legov der Redundanz im Ambient-Genre und lässt uns zudem etwas Trost in der Weltabkehr entdecken.
Music Review
Various Artists
Minna Miteru
Alle bitte mal hinschauen: Für Morr Music hat Saya Ueno von Tenniscoats eine Compilation mit aktueller Indie-Musik aus Japan kuratiert.
Music Review
Soul Connection
Street Soul
Invisible City Editions legt mit »Street Soul« eine Auswahl von Stücken des Ende der 1980er Jahre aktiven Duos Soul Connections neu auf.
Music Review
Litia~Loe
Each Dawn Every Dawn
Mixed Signals hat sich der Aufarbeitung der House-Music verschrieben. Eines ihrer ersten Releases ist »Each Dawn Every Dawn« von Litia~Loe.
Music Review
Giulio Aldinucci
Shards of Distant Times
Giulio Aldinucci macht Ambient, der keiner ist. Mit »Shards of Distant Times« intensiver noch als je zuvor.
Music Review
Piero Piccioni
OST Il Dio Sotto La Pelle
Nach 20 Jahren des Wartens bekommt Piero Piccioni’S Soundtrack zu »Il Dio Sotto La Pelle« via Musica Per Immagini die verdiente Neuafulage.
Music Review
The Dwarfs Of East Agouza
The Green Fdogs Of Dahshur
Vier Jahre nach »Bes« veröffentlichen The Dwarfs Of East Agouza mit »The Green Fdogs Of Dahshur« ein weiteres monumental-mutiges Album.
Music Review
Finlay Shakespeare
Solemnities
Finlay Shakespeare arbeitet auch mit »Solemnities« im kompletten Alleingang an einem akkuraten Entwurf zeitgemäßer Popmusik.
Music Review
Sepehr
Shaytoon
Der in San Francisco ansässige Produzent Sepehr hat mit »Shaytoon« eine durch und durch inspirierendes Debütalbum veröffentlicht.
Music Review
Pole
1 2 3
Zeit für Spurensuchen: Mute veröffentlicht die ersten drei Alben »1 2 3« von Pole neu gemastert und in ein Deluxe-Box-Set verpackt, erneut.