Music Review | verfasst 26.08.2019
Blanck Mass
Animated Violence Mild
Sacred Bones, 2019
Text Nils Schlechtriemen
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7.8
Redaktion
Cover Blanck Mass - Animated Violence Mild

Strapaziert wie nach durchzechter Trance-Nacht in einer abgelegenen Grillhütte wachst du auf, wenn die regenbogenfarbenen Exzesse von »Animated Violence Mild« nach gut 43 Minuten dein Trommelfell durch alle geschmacklosen Partyerinnerungen der letzten 25 Jahre geprügelt haben. Absehbar war das nicht nur am blutigen Apfel-Cover. Immerhin heißt Benjamin John Power wie seine Musik klingt und vollzog 2017 auf »World Eater« gleich mehrere Genrespagate mit verdammt aggressiver Schnauze, die sich bei vielen Gehör verschaffte – egal wie abgefuckt der Tenor geriet. Was dort noch apokalyptischen Flair versprühte, wird nun in einen aufgedrehten, grellen, kathartischen Tollwut-Rave übersteigert, der den meisten deutlich zu viel sein dürfte. Auf »Animated Violence Mild« kläfft es Electro-Industrial, klotzen Power Noise und Techno ihre wummernden Bässe durch euphorische Melodiezüge, während Uplifting Trance und dekonstruierte Club-Atavismen das unwahrscheinlichste Pop-Appeal ever erzeugen (wollen). Gemütlich war der blanke, massige Ansatz von Power ja noch nie, dafür aber immer interessant und eigen. Gestaltete Blanck Mass das selbstbetitelte Debüt durch sphärisch dröhnenden Ambient noch als sympathischen Tripbegleiter, klang der Output, den er zeitgleich mit den Fuck Buttons zu verantworten hatte, bereits ziemlich kratzig auf Krawall gebürstet. Vieles was nun tonangebend wirkt – Soundwände, exaltierte Vocals, melodisches Sampling, atonale Ästhetik – war hier schon in Ansätzen vorhanden. Mit dem vierten Album ist Power nach über einer Dekade bei einem drallen, saftigen Produktionsstil angekommen, der entweder schnell angeilt oder als Style-Over-Substance-Müll verworfen wird. Denn auf der A-Seite erwecken Tracks vom Kaliber eines »Death Drop« oder »House vs. House« mitunter den Eindruck, Armin van Buuren habe wegen einer Überdosis Amanita muscaria in die Ecke gekotzt, anschließend ein paar Vocal-Spuren eingesungen und auf dem Peak die abgefahrensten Ideen seiner Produzentenlaufbahn umgesetzt. Dafür muss man in Stimmung sein. Die B-Seite geht in all dem noch etwas weiter, verkehrt Käsiges mit Schmackes in Coolness und begleitet durch den euphorischen Krachinfarkt »Love Is A Parasite« und die klatschende Hedonisten-Hymne »No Dice« in die alte neue Welt der Post Club Music. Würden Rammstein den Street-Fighter-Soundtrack für die Qlimax remixen, käme womöglich so etwas wie das Outro »Wings Of Hate« dabei raus. Wenn es einem die gute Laune ins Gesicht zelebriert, kann dieses Album also beides: unglaublich nerven oder pervers mitreißen.

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