Music Review | verfasst 23.09.2019
Devendra Banhart
Ma
Nonesuch, 2019
Text Steffen Kolberg
Deine Bewertung:
8.0
Nutzer (1)
8.0
Redaktion
Cover Devendra Banhart - Ma

Als Devendra Banhart 2013 mit »Mala« erstmals die große Pop-Geste versuchte, wirkte das mindestens irritierend. Der langhaarige Freak-Folk-Hippie, der mit 21 Jahren mit dem absurd betitelten »Oh Me Oh My…The Way the Day Goes By the Sun Is Setting Dogs Are Dreaming Lovesongs of the Christmas Spirit« auf Young God Records, dem Label von Swans-Mastermind Michael Gira, debütiert hatte, war plötzlich verändert. Statt wie bislang obenrum nicht sehr viel trug er jetzt Hemden, auf dem Haupt thronte eine gepflegte Tolle. Musikalisch fiel »Mala« solide bis befremdlich aus. Die im Vergleich zu früher wesentlich dichtere Produktion ließ das Album über weite Teile glatt bis lustlos wirken, die eingestreuten Synthesizer wirkten wie Fremdkörper. Also ging es Banhart auf dem Nachfolger »Ape In Pink Marble« drei Jahre später behutsamer an: Zurück zum Freak Folk, zuckersüß und zerbrechlich und nur hier und da durch ein paar Soundeffekte auf den Stand der Zeit gebracht. »Ape In Pink Marble« klang, als hätte ein wiederauferstandener Nick Drake sich im Sound von 1987 verfangen und in einem Anflug von Glück noch Ausflüge in Disco und Bossa gewagt. Mit »Ma« präsentiert Devendra Banhart jetzt nicht nur den kürzesten Albumnamen seiner Musikerkarriere, er wagt sich auch nochmals an die Opulenz des Pop. Und dieses Mal gelingt der Versuch. Mit ihrer meist sanften Uptempo-Stimmung, Akustikgitarren-Geplätscher, zarten Bläsereinsätzen und einer Prise slicker Gitarrenlicks würden viele Stücke der Platte in einer 70ies-Playlist zwischen Bee Gees und Simon & Garfunkel nicht weiter auffallen. Und interessanterweise ist das ziemlich großartig, wenn man sich beispielsweise Stücke wie »Kantori Ongaku« und »Love Song« anhört. Denn Banhart schafft es damit, noch einmal eine neue Richtung einzuschlagen, ohne sich allzu weit von seiner musikalischen Vergangenheit zu entfernen. Die Folk-Balladen gewinnen dieses mal durch die Produktion an Tiefe und Intimität hinzu, statt sie wie bei »Mala« meist zu verlieren. So entstehen melancholische Brocken wie »Memorial«, die es in dieser Stärke bei Devendra Banhart noch nicht gab. Dazu wiederum lassen sich dann auch problemlos Hemden tragen.

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 08.01.2015
Wilco
Alpha Mike Foxtrot: Rare Tracks 1994-2014
»Alpha Mike Foxtrot« ist ein absolutes Schmankerl, das Wilcos Schaffen der letzten 20 Jahre umfassend abrundet.
Music Review | verfasst 15.06.2017
Fleet Foxes
Crack-Up
Fleet Foxes konzentrieren sich auf »Crack-Up« auf die musikalisch-ästhetische Seite und machen es so zu ihrem bislang besten Album.
Music Review | verfasst 02.06.2014
The Black Keys
Turn Blue
Musik für den nächsten Werbeclip für eine fruchtig erfrischende Sommerlimonade: »Turne Blue« von The Black Keys.
Music Review | verfasst 02.06.2014
Toumani Diabaté & Sidiki Diabaté
Toumani & Sidiki
Toumani Diabaté und Sidiki Diabaté sind nicht nur Vater und Sohn, sie sind auch beide Meister auf der Kora.
Music Review | verfasst 11.11.2015
Brad Mehldau
10 Years Solo Live
Brad Mehldau hat sich die Zeitgenommen und »10 Years Solo Live« Revue passieren zu lassen. Herausgekommen ist eine 8 LP starke Vinylbox.
Music Review | verfasst 10.03.2016
Rokia Traoré
Né So
Weniger rockig als auf dem Vorgänger klingt die malische Sängerin Rokia Traoré auf ihrem neuen Album »Ne So«.
Music Review | verfasst 14.06.2016
Brad Mehldau Trio
Blues And Ballads
Das Brad Mehldau Trio bedient sich für »Blues And Ballads« aus dem Great American Songbook und interpretiert das Material auf elegante Art.
Music Review
Jeff Parker
Suite For Max Brown
»Suite For Max Brown« ist das erst vierte Soloalbum des tollen Jazzgitarristen Jeff Parker. Makaya McCraven war hier nicht unbeiteiligt.
Music Review
Steve Roach
Quiet Music 1-3
Telephone Explosion hat die zuerst 1986 und nur auf Kassette erschienene »Quiet Music 1-3« von Steve Roach wiederveröffentlicht.
Music Review
Saåda Bonaire
Saåda Bonaire
Captured Tracks legt eine Neuauflage der gesammelten Werke der 1982 gegründeten Bremer Kapelle Saåda Bonaire vor.
Music Review
Oval
Scis
Mit dem Album »Scis« macht Oval das, was Markus Popps Arbeit schon immer auszeichnete – und nebenbei gesagt noch einen Heidenspaß.
Music Review
Various Artists
Locus Error
Nina Kraviz hat mit »Locus Error« einen weiteren Sampler für ihr Label Trip/трип zusammengestellt. Es ist der bislang beste.
Music Review
Aoife Nessa Frances
Land of No Junction
Mit ihrem Debüt »Land of No Junction« zeigt sich Aoife Nessa Frances als stilbewusste und erkundungsfreudige Nostalgikerin.
Music Review
Dark Arts
Reflections In A Rear View Mirror
Mit »Reflections In A Rear View Mirror« stellt uns das Label Stroom die in den frühen 1980er Jahren aktive Band Dark Arts vor.
Music Review
James Reese And The Progressions
Wait For Me: The Complete Works 1967-1972
Mit »Wait For Me: The Complete Works 1967-1972« legt Now-Again eine Werkschau von James Reese And The Progressions vor.
Music Review
Lvrin
Lvrin II
Der russischer Produzent Lvrin legt mit »Lvrin II« sein zweites Relese für das Rotterdamer Label Pinkman vor.
Music Review
Hildur Guðnadóttir
OST Joker
Für ihren Soundtrack zu »Chernobyl« hatte Hildur Guðnadóttir einen Emmy erhalten. Der Score zu »Joker« ist nicht weniger fulminant.
Music Review
Bufiman
Albumsi
Jan Schulte, auch bekannt als Wolf Müller, hier unterwegs als Bufiman, hat bei Dekmantel ein ganzes »Albumsi« veröffentlicht. Sommer pur!
Music Review
Metastasio
With You
Disco Segreta hat den Italo-Disco-Knaller »With You« wiederveröffentlicht. Der schlittert bei fünf Grad über die Amalfiküste.
Music Review
Blawan
Many Many Pings
Härte, Tiefe, Swing: Das ist die Grundrezeptur von Blawan, der auf »Many Many Pings« ein effektives und doch vertracktes Update erhält.
Music Review
Bohren & Der Club Of Gore
Patchouli Blue
Mehr als fünf Jahre nach »Dolores« veröffentlichen Bohren & Der Club Of Gore mit »Patchouli Blue« ein neues Album.
Music Review
Various Artists
Mogadisco: Dancing In Mogadishu (Somalia 1972-91)
Analog Africa hat die Archive von Radio Mogadischu gesichtet und mit »Mogadisco« eine vielseitige Compilation zusammengestellt.
Music Review
Alva Noto & Ryuichi Sakamoto
Two (Live At Sydney Opera House)
Das gemeinsame Konzert von Alva Noto und Ryuichi Sakamoto im Sydney Opera House im Jahr 2018 ist jetzt unter dem Titel »Two« erschienen.
Music Review
Ossia
The Marzahn Versions
Das Pochen schaltet einen Gang nach oben: Ossia legt mit »The Marzahn Versions« weitere teuflische Tänze vor.
Music Review
Giant Swan
Giant Swan
Was der Kollege auf dem Cover da macht? Sich mit einer Kippe entschuldigen, nachdem er dir beim Abspacken die Faust ins Gesicht gerammt hat.
Music Review
Milton Nascimento
Maria Maria
Ein Ballett aus dem Jahr 1976: Milton Nascimentos »Maria Maria« ist nunr erstmals auf Vinyl erschienen.
Music Review
Stenny
Upsurge
Konzentriertes Hören lohnt bei »Upsurge«, dem Debüt des aus Italien stammenden Produzenten Stenny.
Music Review
Giraffe
Desert Haze
Die Einflüsse sind vielseitig auf »Desert Haze«, dem neuen Album des Hamburger Trios Giraffe, das soeben bei Marionette erschienen ist.
Music Review
DJ Shadow
Our Pathetic Age
»Our Pathetic Age« ist das sechste Album von DJ Shadow. Das Revolutionäre, das Spannende ist aus der Musik komplett verschwunden.
Music Review
Man Jumping
Jumpcut
Brian Eno soll sie einst »die wichtigste Band der Welt« genannt haben: Man Jumping. Ihr Debüt »Jumcut« wurde jetzt veröffentlicht.
Music Review
Shina Williams & His African Percussions
Shina Williams
»Shina Williams«, 1980 erstmals veröffentlichte LP von Shina Williams & His African Percussions, wurde erstmals wiederveröffentlicht.
Music Review
Pan American
A Son
Nach sechsjähriger Pause veröffentlicht Mark Nelson mit »A Son« ein neues Album als Pan American.
Music Review
Yoshio Ojima
Une Collection Des Chainons I: Music For Spiral
Mit »Une Collection Des Chainons I: Music For Spiral« wird das Frühwerk von Yoshio Ojima jetzt neu erschlossen.
Music Review
Various Artists
Space Funk
Die Retro-Ästhetik von alten Science-Fiction-Filmen überträgt die Compiplation »Space Funk« auf den Funk der Siebziger und Achtziger.
Music Review
Ryuichi Sakamoto
Thousand Knives Of
Schon 1978 mit seinem Debüt »Thousand Knives Of« bewies Ryuichi Sakamoto sein Gesprü für unkonventionelle Arrangements.
Music Review
RAMZi
Multiquest Niveau 1: Camouflé
Das alljährliche RAMZi-Album ist da. Auf »Multiquest Niveau 1: Camouflé« wirkt die musikalische Formel der Kanadierin etwas aufgebraucht.
Music Review
Various Artists
French Disco Boogie Sounds Vol.4
Die Compilation »French Disco Boogie Sounds« liefert standesgemäß Perlen für den Tanzflur. Das ist bei »Volume 4« nicht anders.
Music Review
Function
Existenz
»Existenz« liefert mit 17 Tracks auf Vinyl 4LP einen fulminaten Querschnitt über die 25 Jahre währende Arbeit von Function.
Music Review
François N'Gwa
Ogooue
Auf »Ogooue« finden sich die besten, der zwischen 1985 und 2004 entstandenen Stücke des gabunischen Musikers François N’Gwa wieder.
Music Review
Mike Selesia
Flavor
1976 haben Mike Selesia und seine Mitstreiter »Flavor« aufgenommen, 100 Stück pressen lassen. Jetzt ist das Jazzjuwel wieder erhältlich.
Music Review
Sokratis Votskos Quartet
Sketching The Unknown
Jazzman veröffentlicht mit »Sketching The Unknown« das tolle Debüt der griechischen Jazzer vom Sokratis Votskos Quartet.
Music Review
Eye
Metamujer
Die Französin Laurène Exposito legt als Eye ihre neue LP »Metamujer« vor und macht deutlich, dass sie sich musikalisch weiterentwickelt hat.
Music Review
Issam Hajali
Mouasalat Ila Jacad El Ard
»Mouasalat Ila Jacad El Ard«, das erstmals 1977 veröffentlichte Album des libanesischen Musikers Issam Hajali, wurde wiederveröffentlicht.
Music Review
Danny Brown
Uknowhatimsayin¿
Mit »Uknowhatimsayin¿« huldigt Danny Brown dem guten alten Hip-Hop der Neunziger. Themen wie Drogensucht oder Depression sucht man vergebens
Music Review
Om Buschman
Total
Das einzige Album von Om Buschmann, »Total« aus dem Jahre 1989 wurde nun via Glossy Mistakes wiederveröffentlicht.
Music Review
Gülistan
Oriental Groove
Hot Mule veröffentlicht »Oriental Groove«, der in den 1980er Jahren gegründeten österreichischen Band Gülistan, neu.
Music Review
Ruins
Marea / Tied
Das Anfang der 1980er Jahre veröffentlichte »Marea/Tied« der italienischen New-Wave-Band Ruins wurde von Music From Memory wiederentdeckt.
Music Review
Robag Wruhme
Topinambur EP
Verglichen mit »Venq Tolep« schielt Robag Wruhme mit der EP »Topinamur« wieder mehr auf den Dancefloor.