Music Review | verfasst 01.10.2019
Pharoah Sanders
Moon Child
Tidal Waves, 2019
Text Tim Caspar Boehme
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7.8
Redaktion
Cover Pharoah Sanders - Moon Child

Mit dem Namen Pharoah Sanders verbindet man vor allem einen eruptiven, mitunter furchteinflößenden Saxofonstil. Diesen Ruf erspielte er sich in seiner avantgardistischen Free Jazz-Phase während der 1960er Jahre, als er mit Musikern wie Sun Ra, John Coltrane oder Don Cherry zu hören war. Auf seinen eigenen Platten klang er damals zunächst ebenso, spätestens mit »Karma« von 1969, das als Auftakt des »Spiritual Jazz« gilt, kamen auch ruhigere Anteile und insbesondere Gesang hinzu. Dass er diese Elemente durchaus auch für gediegene Lounge-Sounds zu nutzen wusste, bewies Pharoah Sanders dann später mit Platten wie »Moon Child« von 1990. Die in Paris aufgenommen Stücke mit William Henderson am Klavier, dem Bassisten Stafford James, Schlagzeuger Eddie Moore und dem Perkussionisten Cheikh Tidiane Fale haben einen durchgehend traditionellen Bop-Charakter, mit einer gesittet sekundierenden Band und einem nur noch sehr, sehr selten durchs Saxofon krähenden Sanders. Spirituell, wenngleich stark zurückgenommen, wirkt vor allem das Titelstück mit seinem dank großzügiger Pausen sehr räumlichen, weich fließenden Gesang. Klassisch? Auf jeden Fall. Aber durchgehend auf so hohem Niveau, dass man schon sehr verbiestert sein muss, um sich dem zu verschließen.

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