Music Review | verfasst 14.10.2019
Angel Olsen
All Mirrors
Jagjaguwar, 2019
Text Anna Gyapjas
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9.2
Redaktion
Cover Angel Olsen - All Mirrors

Angel Olsen hat ein mitreißendes viertes Studioalbum über das sich Verlieren und sich Finden gemacht und irgendwie sind alle verwundert, dass man so intime Angelegenheiten auch mit 12 Streichern und bombastischem Sound vertonen kann. Dabei braucht es nur den Titel »All Mirrors«, die Zeile „I’m beginning to wonder / If anything’s real / Guess we’re just at the mercy / Of the way that we feel« und ein bisschen Einfühlungsvermögen um das zu begreifen. Wenn es innerlich »alles muss raus« schreit, weil man sich in einem Spiegelkabinett wähnt, dann muss eben alles raus. Und zwar so, dass die Dringlichkeit zu spüren ist – auch bei einer Angel Olsen, die einst als Singer-Songwriterin fragilen Folkrocks angefangen hat. Kein Wunder also, dass sie zu Flächeneffekten wie Synthiegewaber (»All Mirrors«) und Violinenvibrato (»Lark«) greift, die einen umhauen und wegfegen. Ihren Sarkasmus hat sich Angel Olsen zum Glück beibehalten, und so geraten auch Lieder, die die Liebe als Ausweg aus der Identitätskrise behandeln, merkwürdig benommen oder hyperhappy. Wenn dann jede Verliebtheit verlacht, jede Selbsttäuschung seziert und sich trotzdem jeder Hoffnung hingegeben wurde, erklingt »Tonight«, die eigentliche Hymne dieses Albums mit der Zeile »I like the life that I lead / Without you«. Auch wenn sie nicht so klingt wie deine 0850-Hymne, sondern wie eine ganz altmodische Hollywood-Ballade.

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