Music Review | verfasst 25.10.2019
Occult Orientated Crime
The Occult Orientated Crime Album
Solander Recordings, 2019
Text Nils Schlechtriemen
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Redaktion
Cover Occult Orientated Crime - The Occult Orientated Crime Album

Weit jenseits gängiger Ambient-Tropen schraubte Danny Wolfers Ende 2014 in seiner Den Haager Wohnung mit analoger wie digitaler Ausrüstung die Begleitmusik einer endgültigen Depersonalisierung unterm Sternenzelt zusammen – »extremely trippy PRO ambient« und zweifellos »the result of years of experimentation and research«. Nicht wenige wünschten sich dieses Resultat schon beim Digital-Only-Release auf schwarzem Wachs, eigneten sich die lang ausformulierten, schummrigen Soundscapes doch sehr für vollmundige Phasenverschiebungen im Stereobild. Fast fünf Jahre später macht das junge australische Label Solander Nägel mit Köpfen. Hier erschien zuletzt schon das Debüt »Oberheim Space« von Rising Sun Systems, einem stilistischen Schwesterprojekt von Occult Orientated Crime, das eine gänzlich eigene Ästhetik verfolgt. Ohne Rückgriffe auf überkomprimierte 80er-Retro-Jerkoffs, Fahrstuhlmusik oder die hoffentlich nie wieder hochkochende Chillwavegrütze, gelingen jenem auch als Legowelt bekannten Produzenten auf »The Occult Orientated Crime Album« sonderbar psychedelische Aufnahmen, genussvoll verwaschen wie aus einem längst vergessenen Traum. »Tausend Küsse« fließen da zu Beginn über Amboss und Steigbügel, bevor die viskosen Delays ins Trommelfell einsinken und sanft bedrohliche Arpeggien über mindestens drei Phasen hinweg ihre Texturen aufspannen. Der Eintritt zur »Natufian Modelling Agency« erfolgt per Weltraumlift, in unter acht Minuten. Hell und steril sequenziert, gleichzeitig angenehm warm ist dieser Track ein Zeugnis der idiosynkratischen Produktionsweise Wolfers’, die vor allem seine nicht-tanzbaren Veröffentlichungen bis heute prägt – niemand klang 2014 so, niemand klingt 2019 so. Fortgesetzt wird das Delirium mal als »Romantik in LZH127 Speiseraum« oder surrealer »Ravellian Mindmelt« mit dem Charme einer Walzenspieldose, mal aber auch als rückwärts gechanneltes Druidenritual wie in »Neolithic Computer« oder sedierender Score für alle, die in ihren Träumen schon mal »Ingeslooten in een Museum« waren. Nach 74 Minuten sind die ersten zwei Drittel des Albums dann auch rum, bevor das 38-minütige Outro »Norwegian Raven« dem Konzept Entrückung noch einmal faszinierend viele Facetten abringt. Ambient, nicht von dieser Welt. Danach gelingt die nächste Astralreise ganz bestimmt.

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