Music Review | verfasst 28.10.2019
Various Artists
Nigeria Soul Power 70
Soul Jazz, 2014
Text Tim Caspar Boehme
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Redaktion
Cover Various Artists - Nigeria Soul Power 70

Vor zwei Jahren erschien zum Record Store Day die limitierte Box »Nigeria Soul Power 70« mit fünf Vinyl 7"s, insgesamt zehn Nummern. Jetzt hat Soul Jazz mit einer um vier Titel erweiterten Auflage als Vinyl 2LP nachgelegt. Eine Compilation rund um die Frage, wie westliche Stile von Funk und Rock bis Disco die Musik Nigerias in den 1970er Jahren beeinflusst haben. Besonders deutlich zu hören bei dem in Sierra Leone aufgewachsenen Musiker Geraldo Pino, einem der Pioniere der Popmusik in Afrika. Schon seine Titel »Shake Hands«, »Power to the People« oder »Heavy Heavy Heavy« geben ziemlich klar die Richtung vor: Es sind energisch rockende Soul-Stomper mit Botschaft im Sinne der »Black Power«. Pino, der unter anderem großen Eindruck auf die Afrobeat-Legende Fela Kuti machte, räumt die Compilation auch in ihrer ausgebauten Version den größten Raum ein. Neben diesen entwaffnend kraftstrotzenden Beispielen für die Integration angelsächsischer Genres, zu denen ebenso Sonny Okosuns Ozziddi oder Tony Grey and The Ozimba Messengers gehören, gibt es eine Reihe von Musikern wie die ehemalige Militärkapelle The Wings, früher BAF (Biafran Air Force), der mit Bata Drums und Synthesizern arbeitende Alhaji (Chief) Prof. Kollington Ayinla oder Colomach, die in ihren Stücken afrikanische Rhythmen, teils auch aus anderen Ländern, stärker dominieren lassen, ohne dabei traditionell-konservativ zu sein. Hier hört man noch deutlicher, was für alle der versammelten Aufnahmen gilt: dass sich die Musiker in Nigeria Dinge wie Soul ihren Bedürfnissen entsprechend aneigneten – und nicht bloß kopierten.

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