Music Review | verfasst 12.11.2019
Steve Reid
Rhythmatism
Soul Jazz, 2019
Text Tim Caspar Boehme
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Redaktion
Cover Steve Reid - Rhythmatism

Achtung, Meisterwerk! Das zweite Steve Reid-Reissue von Soul Jazz in diesem Jahr ist sogar noch besser als das erste (»Nova«). Kritische Distanz ist in diesem Fall schwer aufrechtzuerhalten. Muss auch gar nicht. Erst einmal: Steve Reid gehört zu der Sorte Schlagzeuger, die ihr Können weniger dadurch unter Beweis stellen, dass sie in möglichst rascher Folge auf möglichst viele Instrumente ihres Schlagzeugs eindreschen. Er zeichnet sich vielmehr durch sparsames, repetitives Spiel aus, bei dem vor allem das kluge Weglassen entscheidend ist. Mit »Rhythmatism« von 1975 hat der 2010 verstorbene Reid, dem der Produzent Kieran Hebden zuletzt noch durch gemeinsamen Projekte wieder zu mehr öffentlicher Wahrnehmung verholfen hatte, ein Manifest abgeliefert für das friedliche Miteinander von Gegensätzen, ohne dass sich diese dabei auflösen würden. Spirituelle Melodien, ein Groove beruhend auf freundlicher Übernahme von Funk-Anteilen und kontrollierte Free Jazz-Ausbrüche gehen bei Steve Reid so zusammen, dass sie alle erkennbar bleiben und trotzdem aus ihrer Begegnung etwas Größeres entstehen lassen. Rhythmus ist das Fundament davon, aber eben ein beseelter, dessen Atem in schnellen, federnden Stößen fließt. Noch einmal, damit der Zauber wirklich wirkt: Meisterwerk!

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