Music Review | verfasst 11.12.2019
Giraffe
Desert Haze
Marionette, 2019
Text Nils Schlechtriemen
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Redaktion
Cover Giraffe - Desert Haze

Ali Safis Label Marionette brennt wieder Duftkegel ab und lässt obskure Voodoo-Puppen durch dichtesten Qualm tanzen. Dieses mal ein Trio, dessen Ideenreichtum in ebenso schwer greifbaren wie mystisch anmutenden Experimenten Ausdruck findet. Giraffe sind der Komponist und Improvisateur Sascha Demand (Gitarre), der theatererprobte Elektroakustiker Jürgen Hall (Tasten) und der ehemals beim Hamburger Synthpop-Projekt Boytronic aktive Charly Schöppner (Perkussion). Drei Biographien von weit herumgekommenen Musikern, die gerade so unterschiedlich sind, wie es ihre auf diesem Album vollzogene Fusion zulässt. Unwahrscheinliche aber auch unüberhörbare inspirative Ähnlichkeiten gibt es dennoch zu Genüge. Die uralten Wüstenklänge der Tuareg, der Serialismus der zweiten Wiener Schule um Schönberg und Webern oder die herrlich vollgekifften Atmosphären der Krautrock-Ära fallen direkt ins Ohr. Aber auch europäischer Jazz, frühe Kölner Modulationskünstler und so manche präparierte Gitarre, wie sie schon viel zu lange nicht mehr im deutschsprachigen Raum zur Anwendung kommt, halten Einzug auf »Desert Haze«, dem in diesem Jahr schon zweiten Album von Giraffe. Material haben die Herren scheinbar mehr als genug. So zeigt die A-Seite den Studioaspekt ihrer Musik: Resonanzen von Schlagwerk und Saiten, aufgelöst in hypnotischen Layern und schließlich vermählt mit der Körperlichkeit von Orgel oder zarten elektronischen Drones – düster wie der Score einer schamanistischen Session frei von jeder Esoterik, nicht wirklich bedrohlich, aber auch nicht beruhigend. Die B-Seite fließt noch freier ins Geistige, birgt mitunter das Feeling einer Live-Aufnahme. Giraffe nutzen dann ihre Klangsprache für Beschwörungen, ziehen jeden, der zuzuhören vermag, etappenweise tiefer in prähistorische Welten jenseits gesprochener Sprache und schaffen mehr als genug Raum zum Davondriften.

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