Music Review | verfasst 27.01.2020
Okay Kaya
Watch This Liquid Pour Itself
Jagjaguwar, 2020
Text Kristoffer Cornils
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8.3
Redaktion
Cover Okay Kaya - Watch This Liquid Pour Itself

Als Kind muss Kaya Wilkins in einen Topf mit Sade-Trank gefallen sein, glücklicher Weise aber kam sie mit allen Wassern gewaschen heraus. Anders gesagt: Wer Chers Autotune-Smasher »Believe« als beatloser Bass-Ballade neues Leben einhauchen kann, wird mit dem verflixten zweiten Album schon keine großen Probleme erleben. Dabei hätte »Watch This Liquid Pour Itself« doch grandios in die Hose gehen können. Okay Kaya beginnt das neue Jahrzehnt damit, wahlweise in der Irrenanstalt oder einer »Zero Interaction Ramen Bar« herumzuhängen, sich um ihr »Asexual Wellbeing« zu kümmern, bei der Gelegenheit den Rosé von Jon Bon Jovi als Vergleichsmaßstab herzunehmen oder gleich George-Michael-Gassenhauer zu trällern. Kurzum: Das Zweitwerk von Wilkins treibt über 15 Songs viel Schabernack und Schabernack funktioniert an den Rändern der Pop-Welt nur selten. Weil Wilkins sich allerdings kurz hält – zwischen 1:34 und exakt 3:30 Minuten lang sind die Stücke – und ihren Zitate-Indie-Pop mit Ausflügen in Folk (ein bisschen norwegisch, ein bisschen US-amerikanisch – wie sie selbst) oder discoiden Soul (ganz groß: die dezente Destroyer-Hommage »Mother Nature’s Bitch«) sowie mit einem gerüttelt Maß an R’n’B und Rumpel-Rock (»Psych Ward«, »Stonethrow«) anreichert, läuft die Ganze Sache, der Titel verrät es ja, wirklich von selbst. Auch weil eben hinter viel Schabernack dann doch umso mehr Substanz steckt. So viel Understatement und Spaß-Zynismus »Watch This Liquid Pour Itself« auch bietet verarbeitet darauf doch jemand, wie das so ist: Von der Irrenanstalt in den einsamen Ramen-Imbiss zu rasen und nebenbei noch das asexuelle Wohlbefinden auf die richtige Temperatur zu bringen. Alles nicht so leicht. Obwohl es Okay Kaya so klingen lässt.

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