Music Review | verfasst 06.02.2011
Danuel Tate
Mexican Hotbox
Wagon Repair, 2010
Text Paul Okraj
Deine Bewertung:
/
Nutzer
6.5
Redaktion
Cover Danuel Tate - Mexican Hotbox

Im Verbund seiner Bandkollegen bei Cobblestone Jazz spielt der Faktor »Jazz« auf der Ebene der Improvisation die zentrale Rolle. Keyboarder Danuel Tate löst sich von diesem strengen Korsett und widmet sich auf seinem Solodebüt Mexican Hotbox dem Thema auf unbeschwerte Weise. Das beginnt vorsichtig bei der Titelwahl (Big Spender) und mündet in der Extreme im infantilen Swing der 1930er-Jahre (Populatio). Auf anderen Stücken frönt er seiner Vorliebe für gesampelte Jazz-Drumrolls ( OK Then, Cinnamon Sugar ), benutzt sie als Fundament für sein persönliches Techno-Fusion-Gerüst und macht sich im Hintergrund als begnadeter Pianist bemerkbar. Technisch sind Tates Sinfonien auf hohem Level und halten die Balance zwischen Groove, der im Klubkontext funktioniert und Jazz, der sich auf einfache Muster besinnt und nicht den Vorwurf gefallen lassen muss, zu verkopft oder gar akademisch zu sein. Einen kleinen Makel hat die Sache aber dann doch. Auch im Jahr 2011 darf der Geist von Techno – gerade auf Albumformat – mehr Humor vertragen. Tate aber neigt zu Übertreibung. Gerade dann, wenn den Tracks ein wenig Eleganz wie bei Populatio oder If I want To abgeht, setzt Tate trotzig auf Naivität und kontert dem nötigen Feinsinn mit Attitüde.

Das Album Mexican Hotbox von Danuel Tate findest du bei hhv.de: LP
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 14.01.2014
The Modern Deep Left Quartet
Ditch Pig EP
Cobblestone Jazz, die Supergroup der House Music, kehrt als The Modern Deep Left Quartet zurück und hinterlässt Langeweile.
Music Review | verfasst 21.12.2012
Cobblestone Jazz
Before This EP
Mathew Jonson, Danuel Tate, Tyger Dhula und Colin de la Plante kehren mit der »Before This EP« zurück zu den Wurzeln ihres Debüts.
Music Review | verfasst 06.05.2010
Cobblestone Jazz
The Modern Deep Left Quartet
Vor zweieinhalb Jahren begeisterte Cobblestone Jazz’ Debütalbum »23 Seconds« Technopresse wie Feuilleton.
Music Review | verfasst 25.06.2010
Mathew Jonson
Agents Of Time
Bedächtig, zurückhaltend, man könnte sogar meinen, dass Mathew Jonson sein Solodebüt Agents Of Time »balearisch« klingen lässt
Music Review | verfasst 01.10.2010
Urban Tribe
Urban Tribe
Niemand geringeres als Sherard Ingram, Carl Craig, Anthony »Shake« Shakir und Kenny Dixon Jr stehen Pate für dieses unter dem Namen Urban Tribe fungierendes Release.
Music Review
Westside Gunn x Mr. Green
FLYGOD Is Good… All The Time
Auf »FLYGOD Is Good… All The Time« hat sich Westside Gunn mit Mr. Green zusammengetan. Das Prinzip heißt hier: weniger ist mehr.
Music Review
Eleventeen Eston
At The Water
Growing Bin veröffentlicht »At The Water« von Eleventeen Eston und macht sich weiter einen Namen für plätschernde, schöne, freie Musik.
Music Review
The Nels Cline 4
Currents, Constellations
Nels Cline wird seinen Ruf als »gefährlichster Gitarrist der Welt« auf »Currents, Constellations« endlich wieder gerecht.
Music Review
Luis Pérez
Ipan In Xiktli Metztli, México Mágico Cósmico, El Ombligo de la Luna
Was Mr. Bongo hier neuaufgelegt hat, ist das Zeug, das einen zu einem besseren Mensch macht.
Music Review
Courtney Barnett
Tell Me How You Really Feel
Courtney Barnett stellt auch auf ihrem zweiten Album »Tell Me Who You Really Are« die richtigen Fragen zu den wichtigen Themen.
Music Review
Gas
Rausch
Mit »Rausch« bewegt sich Wolfgang Voigt mehr denn je auf der Kippe. Dabei herausgekommen ist das wohl beste Gas-Album überhaupt.
Music Review
The Sea And Cake
Any Day
Was ist schon daran auszusetzen, wenn eine Band einen Stil entwickelt und diesen perfektioniert? Zum neuen Album von The Sea And Cake.
Music Review
Bebo Baldan
Vapor Frames 86/91
»Vapor Frames 86/91«, das 1991 veröffentlichte Debüt von Bebo Baldan, ist eine Form von global entspanntem Ambient.
Music Review
A.A.L. (Against All Logic)
2012-2017
Unter dem Alias A.A.L. (Against All Logic) lässt Nicolas Jaar die Ambitionen mal sausen. »2012-2017« möchte gerne gefallen.
Music Review
Michal Turtle
Return To Jeka
Music From Memory entstaubt zum dritten Mal Teile des Michal Turtle-Archivs. Musste vielleicht gar nicht mal sein.
Music Review
Donato Dozzy
Mindless Fulness – 12"
Schweben war selten schöner als mit der zwei Track starken Vinyl 12" »Mindless Fulness« von Donato Dozzy.
Music Review
Arctic Monkeys
Tranquility Base Hotel & Casino
Mit den Arctic Monkeys von 2006 hat »Tranquility Base Hotel & Casino« nicht mehr viel gemein. Das macht aber rein gar nichts.
Music Review
Joy O & Ben Vince
Transition 2/Systems Align – 12"
Für die Vinyl 12" »Transition 2/Systems Align« auf Hessle Audio hat sich Joy Orbison mit dem Saxophonisten Ben Vince zusammengetan.
Music Review
Various Artists
Yoruba!
Auf »Yoruba!« stellt schon der Titel klar, dass Gotteslob nicht nur spirituellen Gesang, sondern auch den Griff zur Trommel verlangt.
Music Review
Various Artists
Heads Records - South African Disco Dub Edits
Mit »Heads Records – South African Disco Dub Edits« wirft Soundway einen weiteren Blick auf die südafrikanische Musik der 1980er Jahre.
Music Review
Evo
Din Don
DJ Harvey hat das Club-Juwel »Din Don« von Evo aus dem Jahre 1983 für Best Record Italy wiederentdeckt.
Music Review
Various Artists
Ed Motta presents Too Slow To Disco Brasil
Als Käpt’n der jüngsten Ausgabe von »Too Slow to Disco« zeigt Ed Motta, wie die zurückgelehnten Funk-Momente seiner Heimat funktionieren.
Music Review
Lucrecia Dalt
Anticlines
Der Zauber schleicht sich auf »Anticlines«, dem neuen Album von Lucrecia Dalt, nach und nach an.
Music Review
Far Out Monster Disco Orchestra
The Black Sun
Der großanagelegt Rauschangriff Far Out Monster Disco Orchestra versammelt auch auf »The Black Sun« die Musikelite Brasiliens.
Music Review
Christopher Rau
F.M.E. Hustle
Mit seinem dritten Album liefert Christopher Rau viel auf einmal ab, bringt das aber in eine kohärente Form.
Music Review
Sterile Hand
Sterile Hand
Ganz grob zwischen Schwefelgelb und DAF zu verordnend, kennt dieser brachial EBM nur eine Ansage: gib dich hin!
Music Review
Meo
Fine Corsa
Gute Entscheidung, das neu aufzulegen: Knekelhuis hat »Fine Corsa«, die Debüt-EP des Italieners Meo wiederveröffentlicht.
Music Review
Various Artists
Deutsche Elektronische Musik Vol.1
Soul Jazz legen »Deutsche Elektronische Musik Vol.1« wieder auf und überblicken Krautrock von einem anderen Winkel.
Music Review
Steven Julien
Bloodline
Auf »Bloodline« bekommt Steven Julien die Mischung aus zerfrottelten Clubnummern und uneasy listening perfekt hin.
Music Review
Dr. Octagon
Moosebumps: An Exploration Into Modern Day Horripilation
Dr. Octagon geht wieder auf Reisen – in Originalbesetzung, mit Kool Keith, Dan the Automator und DJ QBert!
Music Review
Wrekmeister Harmonies
The Alone Rush
»The Alone Rush« von Wrekmeister Harmonies ist das Resultat einer Art gemeinsamer Trauerarbeit über zwei Jahre hinweg.
Music Review
Black Milk
Fever
Angesichts aufgeheizter Debatten und einem mit Zweifeln gesättigten Lebensgefühl hat Black Milk sein Album kurzerhand »Fever« genannt.
Music Review
Senora
Senora
Vor 37 Jahren als Privatpressung erschienen, ist das die erste Gelegenheit mit Señora eine lohnende Bekanntschaft zu schließen.
Music Review
Ebo Taylor
Yen Ara
Keine Frage: Auf »Yen Ara« kulminiert Ebo Taylors Mix aus Afrobeat, Highlife, Funk und Jazz zum wohl besten Album, das er je gemacht hat.
Music Review
Drew McDowall x Hiro Kone
The Ghost of Georges Bataille
Dre McDowall und Hiro Kone begeben sich mit »The Ghost of Georges Bataille« auf die Spur des großen Philosophen der Überschreitung.
Music Review
Flame 1
Fog/Shrine – 12"
Kampf der Titanen: Dancehall-Tausendsassa The Bug und Dubstep-Traumwandler Burial tun sich für »Fog/Shrine« als Flame 1 zusammen.
Music Review
Various Artists
Rave Racing Top Hits Vol.1
AIWO hat ein neues Sublabel gegründet. Es heißt: OIWA. Die »Rave Racing Top Hits Vol.1« erinnern an die frühen Tage von Techno.
Music Review
Oren Ambarchi
Grapes From The Estate
»Grapes From The Estate« von Oren Ambarchi ist ein Meisterwerk der sanften Reduktion. Es wird jetzt wiederveröffentlicht.
Music Review
Die Wilde Jagd
Uhrwald Orange
Fast schon entfesselt spielt, zuppelt, gniedelt und stampft sich Die Wilde Jagd durch die vierzehn Stücke von »Uhrwerk Orange«.
Music Review
Len Leise / Jura Soundsystem
Dear Adrian/Udaberri Blues – 12"
Auf der ersten zeitgenössischen Isle Of Jura-Veröffentlichung widmen sich Betreiber Kevin Griffiths und Len Leise dubbigen Sounds.
Music Review
Lloyd Miller and the Mike Johnson Quartett
Jazz At The University Of Utah
»Jazz At The University Of Utah« von Lloyd Miller and the Mike Johnson Quartett erscheint jetzt erstmals seit 1967 auf Vinyl.
Music Review
L.A. Mike
Clinophobia (While You Were Sleeping)
PUTS-Member Double K fbringt unter als LA Mike die Beat LP »Clinophobia (While you were sleeping)« heraus.
Music Review
Space Dimension Controller
Gaining Time – 12"
Sicher ist bei der »Gaining Time EP« von Space Dimension Controller nur, das man sich vor nichts sicher sein kann.
Music Review
Galcher Lustwerk
Dark Bliss LP
Ein Debütalbum, das eigentlich gar keines ist: Galcher Lustwerk veröffentlicht die »Dark Bliss LP«.
Music Review
Stars Of The Lid
Gravitational Pull Vs. The Desire For An Aquatic Life
»Gravitational Pull Vs. The Desire For An Aquatic Life« von 1996 ist Stars Of The Lid in einer Nussschale.
Music Review
Various Artists
Uneven Paths: Deviant Pop From Europe 1980-1991
Beeindruckende Schau einer, hm, alternativen Geschichte des europäischen Pop: »Uneven Paths: Deviant Pop From Europe 1980-1991«.