Music Review | verfasst 16.06.2011
Bruce Gilbert
This Way to The Shivering man
Editions Mego, 2011
Text , Übersetzung Julia Frohn
Deine Bewertung:
/
Nutzer
8.0
Redaktion
Cover Bruce Gilbert - This Way to The Shivering man

Die frühen 1980er Jahre, als Wire das erste Mal als getrennt galten, waren die wohl kreativste Zeit von Bruce Gilbert. Bei Wire galt Gilbert stets als der Sonderling, schon 30 Jahre alt bei der Gründung 1976, war er von seinem Auftreten her einem Akademiker ähnlicher als einem Punkrocker. Tief in ihm steckte der Klangkünstler und der wollte endlich raus. So hat er zu Beginn des Jahrzehnts vielfältiges Material veröffentlicht, Lo-fi-Zeug, Tape-Schnippsel, Ungebrauchtes, Collagiertes, Klangforschung, Krach. Allein mit seinem Wire-Mitstreiter Graham Lewis hatte er mehrere Projekte (Dome, Cupol, Duet Emmo) und Veröffentlichungen en masse. In diese verrückte Zeit fallen auch seine beiden Alben für Daniel Miller’s Mute Records, This Way (1984) und The Shivering Man (1986). Beides herausragende Werke im Schaffen von Gilbert. This Way To The Shivering Man ist nun eine Zusammenführung des besten dieser beiden Gilbert-Werke auf Doppel-LP. Gerade The Shivering Man zeigt die Größe seines Schaffens in vollem Umfang. Während Angel Food zunächst noch die Fäden aufnimmt, die This Way zu abstrakten Figuren gelegt hat, löst sich das Gewirr von einem Stück zum nächsten mehr und mehr auf, bis Epitaph for Henran Brenlar durchaus als veritabler Popsong gelten darf. Auf dem Weg dorthin stellt Bruce Gilbert Klangkunst und Noise zuerst Rhythmen, Industrialklänge, Post-Punk-Gitarren, schließlich Melodien und Stimme zur Seite und schuf in der Verbindung von Experiment, Arrangement, Rhythmus und Popappeal ein musikalisches Zeugnis dieser Zeit.

Das Album This Way to The Shivering Man von Bruce Gilbert findest du bei hhv.de: 2LP
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 16.04.2015
Wire
Wire
Wire verfeinern auf »Wire« ihre Mittel, schmieden spröde-schlichte Songs von leicht knirschender Schönheit.
Music Review | verfasst 20.12.2010
Mark Fell
UL8
Mark Fell hat für UL8 die Monitorbox namens Celestion UL8 als Quelle der Inspiration gewählt.
Music Review | verfasst 20.06.2011
Mark McGuire
A Young Person's Guide To
Der 24-jährig Mark McGuire, Gitarrist der Emeralds, legt seine erste abendfüllende Werkschau vor.
Music Review | verfasst 12.08.2011
Mika Vainio
Life (... It Eats You Up)
Wildes Gitarren-Geschrammel, verstaubte Industrial Beats, ein paar Filterschreie füllen die übrigen neun Titel sehr beliebig.
Music Review | verfasst 14.09.2011
Philipp Quehenberger
UffUff
Der Österreicher Philipp Quehenberger meldet sich mit einem neuen Stück zurück. Daneben gibt es ein Wiedersehen mit alten Bekannten.
Music Review | verfasst 30.09.2011
Bill Orcutt
How The Thing Sings
Bill Orcutt hat wieder seine ramponierte Gitarre vom Dachboden geholt und arbeitet an einer Variante von postmodernem Blues.
Music Review | verfasst 04.11.2011
Mark McGuire
Get Lost
Und was machen die Götter? Sie machen und machen weiter und weiter. Mark McGuire hat ein weiteres tolles Album aufgenommen.
Music Review | verfasst 10.11.2011
Angel
26000
Schneider TM, Ilpo Väisänen (Pan Sonic) und Hildur Gudnadóttir variieren auf ihrem fünften Album zwischen Untergang und Neuanfang.
Music Review | verfasst 07.02.2012
Mark Fell
Periodic Orbits Of A Dynamic System Related To A Knot
Mit seinem vierten Release in nur einem Jahr legt Mark Fell jetzt ein »almost-live-album«-Format vor. Das Konzept will nicht ganz aufgehen.
Music Review
Burnier & Cartier
Burnier & Cartier
Gesamplet von Andres und Moodyman, geliebt von Floating Points und Hunee: Das Debütalbum von Burnier & Cartier wird wiederaufgelegt.
Music Review
Carlos Maria Trindade / Nuno Canavarro ‎
Mr. Wollogallu
Eigentlich dürfte es so etwas nur im Traum geben, eigentlich ist das Musik, die einmal erscheint und dann wieder verschwindet.
Music Review
Panda Bear
A Day With The Homies EP
Panda Bear von Animal Collective veröffentlicht mit »A Day With The Homies« eine EP, die nahtlos an Vergangenes anknüpft.
Music Review
Fondation
Les Cassettes 1980-1983
Eine knapp einstündige Auswahl der drei Releases von Fondation hat Bureau B jetzt unter dem Namen »Les Cassettes 1980-1983« veröffentlicht.
Music Review
Panthera Krause
All My Circuits Pt.1
Wie eine leicht klebrige, dennoch sexy Nacht an einem Wochenende im Frühsommer: Panthera Krauses »All My Circuits Pt.1« ist erschienen.
Music Review
Pye Corner Audio
Where Things Are Hollow
Warum ist Pye Corner Audio kein Star? Das kann man auch nach »Where Things Are Hollow« nicht verstehen.
Music Review
e26quent (Eloquent & dude26)
Niemals Weg
Eloquent und Dude26 sind Wiederholungstäter. Weil sie einen mit »Niemals Weg« zurück zum Tatort von „Gebrochenes Deutsch“ führen.
Music Review
Oddisee & Good Company
Beneath The Surface Live
Oddisee veröffentlicht mit »Beneath The Surface Live« sein erstes Livealbum und hat in Good Company eine richtig gute Band dabei.
Music Review
Lab Rat XL
Mice Or Cyborg
Auf »Mice Or Cyborg« kann man noch einmal nachvollziehen, was Drexciya, die sich hier Lab Rat XL nennen, so besonders macht.
Music Review
Arp Frique
Nos Magia
Rush Hour setzt seine »Rush Hour Store Jams«-Reihe mit »Nos Magia« von Arp Frique endlich fort.
Music Review
Mall Grab
Feel U EP
Collect-Call kramt die »Feel U EP« von Mall Grab wieder aus. Sie gehört in jeder gut sortierte Plattensammlung.
Music Review
Elektro-Dschungel
Kebab Und Andere Träume
Wiesbaden, die Vermittler-Stadt zwischen Okzident und Orient. Klingt funny, war aber mal so.
Music Review
Terekke
Plant Age
»Plant Age« von Terekke ist tief schwebender House, der klingt wie der Wind auf der Fahrradfahrt heim nach einer durchtanzten Nacht.
Music Review
Blu & Exile
In The Beginning: Before The Heavens
»In The Beginning: Before The Heavens« versammelt jene Tracks von Blu & Exile, die es nicht auf »Below The Heavens« geschafft haben.
Music Review
Touche'
Just Like A Doorknob
Best Record Italy veröffentlicht das zuerst 1983 erschienen Disco-Boogie-Stück »Just Like A Doorknob« von Touche’ erneut.
Music Review
JK Flesh
Exit Stance
Wenn Justin Broadrick Techno macht, nennt er sich JF Flesh. Auf Downwards ist jetzt die Vinyl 12" »Exit Stance« erschienen.
Music Review
Betonkust & Uj Bala
DDS001 EP
Dalmata Daniel startet eine neue »Split Series«. Den Anfang machen Betonkust und Uj Bala mit sechs seligen Tracks.
Music Review
Apollo Brown & Planet Asia
Anchovies
Apollo Browns Boom Bap kommt hier meistohne Bap aus. Mit Planet Asias dunkel getöntem Patriarchen-Flow verträgt sich das sehr gut.
Music Review
Visible Cloaks
Lex EP
Musik folgt in der Regel bestimmten Gesetzen. Visible Cloaks loten sie auf ihrer neuen EP »Lex« aus.
Music Review
The Bug
Bad / Get Out The Way – 12"
Auch nach 20 Jahren nichts an Kraft verloren: The Bug hat mit »Bad / Get Out The Way« eine neue Vinyl 12" auf Ninja Tune veröffentlicht.
Music Review
Various Artists
Deutsche Elektronische Musik 3
Die zweistündige Compilation »Deutsche Elektronische Musik 3« gehört den entrückten Sounds. Eine irre Fundgrube.
Music Review
Piero Umiliani (M. Zalla)
Africa / Continente Nero Bundle
Genauso hätte man sich das Ergebnis vorab ausgemalt, wenn die italienische Soundtrack/Library-Legende sich an afrikanischen Klängen versucht
Music Review
Talib Kweli
Radio Silence
Conscious Rapper bleib bei deinen Leisten. Und das macht Talib Kweli dann auch überwiegend, auf seinem achten Studioalbum »Radio Silence«.
Music Review
Pascal Comelade
Paralelo
Die Reissue von Pascal Comelades Debüt kommt in aufgespeckter Version. Das macht es nicht leichter.
Music Review
Tony Caro & John
All On the First Day
Das 1972 veröffentlichte Debütalbum »All On the First Day« der britischen Band Tony, Caro & John wird bei Tapete wiederveröffentlicht.
Music Review
Noel Gallagher's Hugh Flying Birds
Who Built The Moon?
Ein wurschtiges Album: Noel Gallagher’s Hugh Flying Birds denken auf »Who Built The Moon?« keinen Song zu Ende.
Music Review
Conga Square
Secada Mondatta
»Secada Mondatta« dürfte seinen Platz in den Sets der Ivkovices und Wilikensens finden.
Music Review
Little Simz
Stillness In Wonderland
»Stillness In Wonderland«, Little Simz Adaption des Märchens von Lewis Caroll aus dem vergangenen Jahr, ist nun auch auf Vinyl erschienen.
Music Review
Bitchin Bajas
Bajas Fresh
Zeitgemäßes Hippietum: Mit »Bajas Fresh« wachsen Bitchin Bajas noch einmal ein bisschen über sich hinaus.
Music Review
Sharon Jones & The Dap-Kings
Soul Of A Woman
Vor genau einem Jahr ist Sharon Jones verstorben. Nun erscheint ihr letztes, wieder mit den Dap-Kings eingespieltes Album »Soul Of A Woman«.
Music Review
Brian Blade & The Fellowship Band
Body And Shadow
»Body And Shadow«, das fünfte Album von Brian Blade & The Fellowship Band, ist ein ob seiner Kürze umso entschlossener wirkendes Album.
Music Review
M.E.S.H.
Hesaitix
Aus »Hesaitix« nimmt M.E.S.H. Abstand von den brutalen Klangdekunstruktionen vergangener Veröffentlichungen.
Music Review
Various Artists
Pantsula!
DJ Okapi und Antal haben für Rush Hour die Compilation »Pantsula! – The Rise of Electronic Dance Music in South Africa« zusammengestellt.
Music Review
Keiji Haino, Jim O'Rourke & Oren Ambarchi
This Dazzling, Genuine »Difference« Now Where Shall It Go?
Auf »This Dazzling, Genuine ›Difference‹ Now Where Shall It Go?« finden sich Keiji Haino, Jim O’Rourke und Oren Ambarchi erneut zusammen.
Music Review
Call Super
Arpo
Überraschen geht immer noch. Auch in der elektronischen Musik. »Arpo«, das neue Album von Call Super, überrascht.
Music Review
Gabor Szabo
Dreams
Es muss ja eben nicht immer voran gegangen werden, wenn Ort und Stelle genießbar sein sollen.
Music Review
Angel Olsen
Phases
»Phases« zeigt zwischen 2010 und 2016 entstandenes Material der Sängerin und Songwriterin Angel Olsen.
Music Review
Serge Gainsbourg & Jean-Claude Vannier
Les Chemins De Katmandou
Würde man 10km gegen jeden Pot-Smoke erkennen als Album der beiden. Musste aber erstmal aus den Flammen gerettet werden.
Music Review
Spirit Fest
Spirit Fest
Wenn hier »Supergroup« auf dem Beilagenzettel steht, bekommst du eine Gruppe Musiker ohne Allüren: Zum Debüt von Spirit Fest.
Music Review
Spinning Coin
Permo
Für ein Debüt erstaunlich ausgereift: Spinning Coin ist mit »Permo« ein abwechslungsreiches Album gelungen.
Music Review
Eye
Cocktail Mexico
Unwiderstehlich, aber nicht unabdingbar: Eye legt nach ihrem umwerfenden Debüt-Album eine EP vor.