Music Review | verfasst 27.07.2011
Popol Vuh
Revisited & Remixed 1970-1999
SPV, 2011
Deine Bewertung:
/
Nutzer
8.5
Redaktion
Cover Popol Vuh - Revisited & Remixed 1970-1999

Popol Vuh sind so etwas wie die Hohepriester der früh-elektronischen Musik und des Krautrock. Nicht unbedingt so massenkompatibel wie Kraftwerk und Vangelis oder so bekannt wie die Feuilleton-Dauerreferenzen Can und Amon Düül, aber doch nahe dran in deren medialem Kielwasser und noch heute so berauschend wie die Tiraden eines gut gelaunten Klaus Kinski. Was auch gleich ein Fingerzeig auf das große Vermächtnis des Projekts, um den bereits 2001 verstorbenen Florian Fricke ist. Popol Vuh waren die psychedelisch-filigranen Zeremonienmeister hinter den Werner-Herzog-Filmen Aquirre, Nosferatu und Fitzcarraldo, in denen Deutschlands liebstes Monster sein Schauspiel und seinen Wahnsinn zelebrierte. Mit Moog III, Mellotron und Sitar im Waffenarsenal erschufen Popol Vuh von 1970 bis 1999 Klanggemälde, von denen 95 Prozent der experimentellen Konzeptkünstler noch heute sehnsüchtig träumen. Die Revisited-Seite dieser 2CD-Compilation kann denn auch mit den zehn besten Titeln aus 29 Jahren – allen voran die Ambient-Urwerke Aquirre I Lacrima di Rei und Ich mache einen Spiegel – und drei unveröffentlichten Songs nur einen (faszinierenden) Wimpernschlag abbilden. Die Remixed-Seite versammelt zusätzliche eine illustre Gefolgschaft der Neuzeit. Vom Wiener Nujazz-Altmeister Peter Kruder über den Experimental-Veteranen Mika Vainio und den Ambient-Vater Thomas Fehlmann bis zum Minimal-Wegbereiter Moritz von Oswald, das Noise-Duo-Infernale Haswell und Hecker sowie die abstrahierenden Digital-Wizzards Mouse On Mars erschaffen die insgesamt zehn Remixer überraschend eigenständige und herausragende Interpretationen. Es ist selten, dass altes Material so respektvoll und überzeugend in die Zukunft katapultiert wird.

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 15.04.2015
Popol Vuh
Kailash
Soul Jazz bringen mit »Kailash« eine Box mit zum Teil unveröffentlichtem Material von Florian Fricke und der Band Popul Vuh heraus.
Music Review | verfasst 04.12.2015
Popol Vuh
OST Noseferatu The Vampire
1978 haben Popol Vuh für den Soundtrack zu £Nosferatu« erneut mit dem Regisseur Werner Herzog zusammengearbeitet.
Music Review | verfasst 23.02.2016
Cavern Of Anti-Matter
Void Beats/Invocation Trex
Cavern Of Anti-Matter, das neue Projekt von Sterolabs Tim Gane, lebt auf »Void Beats/Invocation Trex« seine Liebe für Krautrock aus.
Music Review | verfasst 30.03.2011
Richard Dorfmeister
Private Collection
Richard Dorfmeister stellt eine intime Ansammlung ihn beeinflussender Musikstücke zusammen.
Music Review | verfasst 16.09.2011
Ben Westbeech
There's More To Life Than This
Soul Clap, Georg Levin, Motor City Drum Ensemble, Henrik Schwarz: klangvolle Namen, die sich hier als Produzenten betätigten.
Music Review | verfasst 16.01.2012
Jazzanova
Upside Down
Jazzanova haben in ihrem Archiv gekramt und Remise ihrer Stücke gefunden. Jazz und House wurden selten so gut kombiniert wie hier.
Music Review
Tunde Mabadu
Viva Disco
Mr Bongo veröffentlichen mit »Viva Disco« von Tunde Mabadu etwas weniger bekannten Afrobeat aus Nigeria.
Music Review
Cecil Mc Bee
Mutima
Everland Jazz legt »Mutima«, das Debüt des Jazzpianisten Cecil McBee aus dem Jahre 1974 wieder auf.
Music Review
Ground
Sunizm
Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen: Auf ESP Institute erscheint »Sunizm«, das kurzweilige Debüt des Japaners Ground.
Music Review
Giant Swan
High Waisted
Giant Swan flexen mit »High Waisted« die Muskeln und beweisen viel Muckertum, gut geht das aber nur auf zwei der vier Tracks.
Music Review
Sichtexot Gäng
SXT Rawtakes III
»SXT Rawtakes III«, das sind garantiert unberechenbare lyrische Bonmots zwischen Booms Baps jener Sorte, bei denen es schön staubt.
Music Review
Various Artists
Studio One Black Man's Pride Vol.2
Ein weiterer Beitrag für ein besseres Verständnis des Zusammenhangs von Rastafarianismus und Clement »Sir Coxson« Dodds Studio One.
Music Review
Nigeria Fuji Machine
Nigeria Fuji Machine
Mit diesem Album schließen Soul Jazz Records an die vor kurzem erschienene Compilation »Yoruba!« mit geistlicher Musik aus Nigeria an.
Music Review
Carl Stone
Electronic Music From The Eighties And Nineties
»Electronic Music From The Eighties And Nineties« von Carl Stone, vier lange Stücke erstmals auf Vinyl zu erstehen.
Music Review
John Coltrane
Both Directions At Once: The Lost Album
Durch das wiederentdeckte »Both Directions At Once: The Lost Album« ist das Schaffen von John Coltrane um ein großes Album reicher geworden.
Music Review
Princess Nokia
A Girl Cried Red – EP
Auf »A Girl Cried Red« der neuen EP der New Yorker Musikerin Princess Nokia gibt es tiefe Einblicke in eine verletzte Außenseiterseele.
Music Review
Donald Byrd
Love Has Come Around – 12"
Groovin hat die beiden Nummern »Love Has Come Around« und »I Feel Like Loving You Today« von Donald Byrd wiederveröffentlicht.
Music Review
Florence & The Machine
High As Hope
Mit »High As Hope« begreift die Welt nun endlich, warum sie Florence & The Machine schon seit gut zehn Jahren an den Lippen hängt.
Music Review
Equip
I Dreamed Of A Palace In The Sky
Auf »I Dreamed Of A Palace In The Sky« erweckt Equip mit Sounds aus Videospielen, New Age, Filmmusik der Achtziger nostalgische Gefühle.
Music Review
Daniel Bacalov
1984/5: Il Ladro Di Anime / Diario Segreto Contraffatto
Zwischen akademischer Strenge und instrumentalem Pop: Die ersten beiden Alben von Daniel Bacalo wurden wiedderveröffentlicht.
Music Review
A-Team
Trouble
Für ihre wohl einzige Nummer vertraute sich das A-Team Mad Professor an. Das Ergebnis, »Trouble«, wurde jetzt wiederveröffentlicht.
Music Review
Project Pablo
Come To Canada You Will Like It
Mit »Come to Canada You Will Like It« hat Project Pablo eine Schallplatte mit frühen Aufnahmen veröffentlicht.
Music Review
Artis
Caecilia
»Caecilia« ist die phantasievolle und spielfreudige Debüt-EP eines geheimnisvollen Producers namens Artis.
Music Review
Jenny Hval
The Long Sleep EP
Mit »The Long Sleep EP« entfernt sich Jenny Hval vom hauntologisch aufgeladenen Sound von »Blood Bitch«.
Music Review
Various Artists
Check Your Reality
Das Düsseldorfer Label candomblé legt eine Nachpressung der tollen Compilation »Check Your Reality« vor.
Music Review
Mndsgn
Snax
Mndsgn sendet mit »Snax« ein 15 Tracks starkes Lebenszeichen. Im Gegensatz zu »Body Wash« arbeitet der Producer hier mehr mit Raps.
Music Review
Liza Ngwa
Sunshine
Nubiphone veröffentlicht das zuerst 1980 erschienene, zweite Album der kamerunischen Sängerin Liza Ngwa erneut.
Music Review
Black Savage
Black Savage
Black Savage aus Kenia haben in den 1970er Jahren nur eine Hand voll Songs veröffentlicht. Jetzt werden sie wiederveröffentlicht.
Music Review
MC Paul Barman
(((Echo Chamber)))
MC Paul barman hat den »Anarchist Book Store« verlassen und bringt nach neun Jahren Alben-Abstinenz die LP »(((Echo Chamber)))« heraus.
Music Review
Kate NV
для FOR
Ihr zweites Soloalbum hat die Russin Kate NV bei Rvng Intl veröffentlicht. »для FOR« setzt auf verspielten Minimalismus.
Music Review
Malör
Bali
Das Lied zur Lage kommt aus dem Jahr 1985. Er stammt von Malör, deren Song »Bali« neu aufgelegt wurde.
Music Review
Driftmachine
Shunter
Driftmachine saugen auf ihrem vierten Album dem Dub das Blut aus und legen mit »Shunter« ein Album hin, das dramaturgisch ausgefeilt ist.
Music Review
Palta & Ti
Palta Og Ti Pa Den Tolvte Ø
»Palta Og Ti Pa Den Tolvte Ø«. Der Titel verrät es bereits: Palta & Ti veröffentlichen eine Schallplatte auf 12th Isle.
Music Review
Transllusion
A Moment Of Insanity
Gewohnt unberechenbar in der Wirkung, kommen jetzt »Moments Of Insanity« von James Stinson als Transllusion zum Vorschein.
Music Review
Father John Misty
God's Favorite Customer
Kompakter, fokussierter und nicht ganz so zynisch lotet Father John Misty auf »God’s Favorite Customer« die Untiefen der Zweisamkeit aus.
Music Review
Ammar 808
Maghreb United
Als nordafrikanischen Futurismus bezeichnet Ammar 808 sein Konzept, das auf »Maghreb United« nun erstmals umgesetzt wurde.
Music Review
Onyx
Complete Works 1981–1983
Flanger-heavy Shit aus den 80igern, cooler als alles sonst! Post-Punk, New Wave, Digi Dub, nur gut.
Music Review
DJ Richard
Dies Iræ Xerox
Auf seinem zweiten Album regelt DJ Richard die Farbwerte noch weiter runter und tut vor allem eins: Haltung bewahren.
Music Review
Melody's Echo Chamber
Bon Voyage
Auch mit »Bon Voyage« spinnt Melody’s Echo Chamber an den Fäden der Musikgeschichte weiter, die Broadcast und Stereolab haben liegen lassen.
Music Review
CEM3340
Perfect Stranger
CEM3340 orientiert sich auf »Perfect Stranger« am Detroiter Electro der 1980er Jahre und setzt diesen in einen zeitgenössischen Kontext.
Music Review
Various Artists
Boombox 3
Am frühen Rap kann man sich so schlecht satthören: »Boombox 3« beweist das wieder einmal eindrucksvoll.
Music Review
Richard Wahnfried
Time Actor
Der Synthesizerkönig der Berliner Schule Klaus Schulze trat mit »Time Actor« 1979 erstmalig als Richard Wahnfried in Erscheinung.
Music Review
Colin Potter
The Where House?
Ein bisschen Cabaret Voltaire-Kaputtheit schwingt mit: Zur Reissue des zuerst 1981 veröffentlichten »The Wehre House?« von Colin Potter.
Music Review
RSF
RSF
RSF macht seine Sache so gut, dass man ihm praktisch alles abkaufen würde: Flirren, Sprudeln, Strahlen, Italo-Disco oder Synthie-Pop.
Music Review
Delroy Edwards
Aftershock
Roh, perkussiv, loopy: »Aftershock« bedient zumindest das für Delroy Edwards typische Understatement und ist ein prima DJ-Tool.
Music Review
Royce Da 5'9
Book Of Ryan
»Book Of Ryan« von Royce Da 5’9 lebt von episch auserzählten Erinnerungen und strotzt vor Reife und Selbstreflektion.
Music Review
Kendrick Lamar
OST Black Panther
Kendrick Lamars Zerrissenheit passt nicht zu den Heldenphantasien von »Black Panther«.