Music Review | verfasst 14.09.2011
Zwanie Jonson
I'm A Sunshine
Staatsakt, 2011
Text Markus von Schwerin
Deine Bewertung:
8.0
Nutzer (1)
7.0
Redaktion
Cover Zwanie Jonson - I'm A Sunshine

Bei allem Trendgespür gönnt sich das Berliner Staatsakt-Label ab und dann eine melodienselige Liebhaberei, die fernab aller Diskurse und Performancekunst schlicht für gute Musik steht. Insofern befindet sich der Hamburger Neuzugang Zwanie Jonson in direkter Nachbarschaft zum Berliner Songwriter-Kollegen und Labelmate Till The Morninglight. Hinter Zwanie Jonson steckt der Schlagzeuger Christoph Kähler, der sich seinen Spitznamen in der Schanzen-Szene dadurch erwarb, dass er für seine Dienste (allerdings noch zu D-Mark-Zeiten) meist bloß einen Zwan(n)ie verlangte. Was wohl nur durch zusätzliche Jobs lukrativerer Art (u.a. trommelte er als Mitglied der Neo-Souler disJam für Fettes Brot) möglich war. Als Zwanie Jonson präsentierte er sich zwar erst 2007 (CD: It’s Zwanietime auf DJ Koze’s kurzlebigem Hoobert-Label), doch unter bürgerlichem Namen nahm er bereits 1996 als Sänger/Gitarrist von Butter (Album Happy auf Yo Mama) und dann als Multiinstrumentalist bei Veranda Music allerlei Stücke auf, die den luftig-transparenten Westcoast-Sound seiner Soloalben vorwegnahmen. Das letztgenannte Trio erntete zur Jahrtausendwende viel Lob, obwohl es sich mit seinem Mix aus Tropicália, Blues und Folk-Jazz fernab aller Indie-Konventionen bewegte. Die Zwanie-Jonson-Stücke klingen dank Kählers sanftem Timbre jedoch lieblicher als die seiner Ex-Band. Wie beim Debüt ist auf I’m A Sunshine die Affinität für die Solowerke der Beatles unverkennbar. Zugleich erinnern die mit Chören, Querflöten und Latin-Percussion verzierten Arrangements an hanseatische Bands wie Duesenberg, die 1977 an einem vergleichbar lässigen Hochglanz-Pop feilten. Für seine neckisch-flockige Yachtrock-Romanze A Boy And A Girl konnte Zwanie leicht Beigeisterte finden. Wir lassen uns v.a. vom Golden Song (dieses Akustikgitarren-Thema!), dem schmachtenden How Can We Try und besonders vom majestätischen Titelstück erwärmen. Gelbes Glück in Zeiten der Leuchtstofflampe!

Das Album I’m A Sunshine von Zwanie Jonson findest du bei hhv.de: LP
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 16.04.2012
Jacques Palminger & 440 Hz Trio
Jzz & Lyrk
Hat man sich erst einmal darauf eingelassen und die Arrangements langsam ihren Pop-Appeal entfalten, ist das ein wirklich großes Werk.
Music Review | verfasst 10.07.2012
Stereo Total
Cactus Vs Brezel
Stereo Total werden auch auf ihrer elften Platte nicht müde genauso zu klingen wie auf ihren letzten zehn.
Music Review | verfasst 26.02.2016
Stereo Total
Les Hormones
Man kann Stereo Total auch auf »Les Hormones« höchstens vorwerfen, zu sehr nach Stereo Total zu klingen.
Music Review | verfasst 11.10.2016
Jacques Palminger & 440Hz Trio
Spanky
Jacques Palminger und sein 440Hz Trio verstehen es in vielschichtigen Klängen auch so manchen Aphorismus unterzubringen.
Music Review | verfasst 10.07.2011
Andreas Dorau
Todesmelodien
Andreas Dorau glücken auch auf seinem achten Longplayer vorzügliche Vierzeiler und wunderbare Refrains.
Music Review | verfasst 11.05.2012
Mittekill
All But Bored, Weak And Old
Auf ihrem neuen Album machen Mittekill aus Berlin noch einmal eines ganz deutlich: Sie meinen es ernst!
Music Review | verfasst 12.06.2012
Still Flyin'
On The Bedroom Wall
Das zweite Album ist weniger kollektivistischer, hippiesker Indierock denn geschliffener 80er-New Wave.
Music Review
Nídia
Não Fales Nela Que A Mentes
Auf »Não Fales Nela Que A Mentes« braucht Nídia nicht als einen Rhythmus und einen Loop, um ein riesiges Koordinatensystem zu eröffnen.
Music Review
Hessel Veldman
Eigen Boezem
In den Achtzigern entstandene DIY-Aufnahmen aus der holländischen Hafenstadt IJmuiden: »Eigen Boezem« stellt Musik von Hessel Veldman aus.
Music Review
Kanye West
Jesus Is King
»Jesus Is King« von Kanye West ist jetzt auf Vinyl erschienen. Und wir haben die pädagogisch wertvollste 7.0er Review aller Zeiten für dich.
Music Review
Various Artists
Artificial Dancers – Waves Of Synth
»Artificial Dancers – Waves Of Synth« offenbart weitere schrullige Raritäten in Sachen Synthesizermusik aus den Achtzigern.
Music Review
Auscultation
III
Auf »III« lauscht Auscultation, wie der Name glauben macht, nach innen. Das Hineinhorchen beruht hier auch auf einen tragischen Vorfall.
Music Review
Y-Bayani And Baby Naa & The Band Of Enlightenment, Reason & Love
Nsie Nsie
Brutal sauber ausproduzierter und abgemischter Reggae aus Ghana: Philophon hat »Nsie Nsie« von Y-Bayani veröffentlicht
Music Review
Various Artists
Pacific Breeze 2: Japanese City Pop, AOR & Boogie 1972-1986
An City-Pop-Compilations mangelte es zuletzt nicht. Jetzt erscheint ein zweiter Teil von »Pacific Breeze« auf Light In The Attic.
Music Review
Cucina Povera & Haron
Plafond 6
Cucina Povera und Haron teilen sich die Rillen auf »Plafond 6«. Das Dilettantische wird dabei mitunter so überhöht, dass es wehtut.
Music Review
Soft Power
Brink Of Extinction
Soft Power, das Helsinkier Sextett um den Multiinstrumentalisten Mikael Jurmu, hat ihr drittes Album »Brink Of Extinction« veröffentlicht.
Music Review
Heerlens Percussie Ensemble
Biologic Music
Wer jetzt »Trommelgruppe« sagt, fliegt raus: Hot Mule veröffentlicht »Biologic Music« des Heerlens Percussie Ensembles.
Music Review
Grischa Lichtenberger
kamilhan; il y a péril en la demeure
Grischa Lichtenberger bleibt auch mit »kamilhan; il y a péril en la demeure« der große falsche Fährtenleger der elektronischen Musik.
Music Review
Red Axes
Red Axes
Red Axes haben »Red Axes« veröffentlicht. Auf ihrem zweiten Album haben die Israelis anscheinend wieder zu sich selbst gefunden.
Music Review
Kaitlyn Aurelia Smith
The Mosaic Of Transformation
Kaitlyn Aurelia Smith hat für »The Mosaic Of Transformation« ihren Buchla-Synthesizer neu verkabelt.
Music Review
Jensen Interceptor
Strings Of Fear
Ohne Jensen Interceptor wäre der Electro-Hype in den letzten Jahren wohl kaum zu rechtfertigen gewesen. Jetzt gibt’s was neues.
Music Review
Einstürzende Neubauten
Alles In Allem
»Alles In Allem« fühlt sich hier nicht wie das Ende der Einstürzenden Neubauten an, sondern wie eine erneute Metamorphose.
Music Review
Phillip Sollmann
Monophonie
Philipp Sollmann setzt sich auf »Monophonie« mit Hermann von Helmholtz, Harry Partch und Harry Bertoia auseinander.
Music Review
Jonny Nash & Suzanne Kraft
A Heart So White
Auf »A Heart So White« treffen Johnny Nash und Suzanne Kraft zum zweiten Mal aufeinander. Kommunikation fand dabei nur über die Musik statt.
Music Review
Daily Fauli
Fauli Til Dauli
Minimal Wave veröffentlicht mit »Fauli Til Dauli« Fundstücke des dänischen Schauspielers Søren Fauli, der sich hier Daily Fauli nennt.
Music Review
Caspar Brötzmann Massaker
Home
Southern Lord veröffentlicht die Alben des Caspar Brötzmann Massaker neu. Darunter das abschließende »Home« aus dem Jahre 1995.
Music Review
Ron Boots, Jo Bogaert & Morten Søndergaard
Lachrymation / Ambient Kinsky / Sahara I Mine Hænder / Far Boundaries
Das neueste Release versammelt Stücke von Ron Boots, Jo Bogaert und Morten Søndergaard, einem Niederländer, einem Belgier und einem Dänen.
Music Review
Various Artists
Spiritual Jazz Vol.11: SteepleChase
Mit dem neuesten Teil ihre »Spiritual Jazz«-Reihe werfen Jazzman einen Blick auf das dänische Jazzlabel SteepleChase.
Music Review
Imagination
I'm Always Right (The WDR Tapes 1977)
Im Archivschrank des WDR schlummert so mancher Schatz. Mit »I’m Always Right« von Imagination wurde jetzt einer geborgen.
Music Review
El Michels Affair
Adult Themes
Mit »Adult Themes« haben El Michels Affair einen Soundtrack aufgenommen, für den es keinen Film gibt.
Music Review
Fire-Toolz
Rainbow Bridge
Weirdere, wundervollere Musik als auf »Rainbow Bridge« war bisher weder von Fire-Toolz noch bei Hausu Mountain zu hören.
Music Review
Shan
Tanzstuecke
Die Tanzstücke auf »Tanzstuecke« haben sich nie von den Achtziger gelöst. Stört aber keinen! Shan lässt das Jahrzehnt frisch aufleben.
Music Review
Pierre Tchana
Super-Disco
Come on baby, dance! Das Amsterdamer Label Royer veröffentlicht das ursprünglich 1978 veröffentlichtet »Super-Disco« von Pierre Tchana neu.
Music Review
Vladislav Delay
Mutila
Das gesamte Spektrum von Höhen und Tiefen: »Mutila« von Vladislav Delay wurde von Rashid Becker neu gemastert und wiederaufgelegt.
Music Review
Klara Lewis
Ingrid
Klara Lewis legt mit »Ingrid« eine gespenstisch gute Veröffentlichung vor, die weder als Album noch als EP bezeichnet werden kann.
Music Review
Earth Trax
LP1
Wenn Euphorie und Schwermut ineinanderfallen: Bartosz Kruczyński hat sein erstes Album »LP 1« unter dem Pseudonym Earth Trax veröffentlicht.
Music Review
Nkem Njoku & Ozzobia Brothers
Ozobia Special
»Ozobia Special«, das einzige Album von Nkem Njoku & Ozzobia Brothers, erscheint nun erstmals außerhalb von Nigeria.
Music Review
Jamie xx
Idontknow
Mit »Idontknow« meldet sich Jamie xx nach fünf Jahren auf dem Dancefloor zurück. Doof nur, dass der geschlossen ist.
Music Review
Leafar Legov
Mirror
Auf »Mirror« trotzt Leafar Legov der Redundanz im Ambient-Genre und lässt uns zudem etwas Trost in der Weltabkehr entdecken.
Music Review
Various Artists
Minna Miteru
Alle bitte mal hinschauen: Für Morr Music hat Saya Ueno von Tenniscoats eine Compilation mit aktueller Indie-Musik aus Japan kuratiert.
Music Review
Soul Connection
Street Soul
Invisible City Editions legt mit »Street Soul« eine Auswahl von Stücken des Ende der 1980er Jahre aktiven Duos Soul Connections neu auf.
Music Review
Litia~Loe
Each Dawn Every Dawn
Mixed Signals hat sich der Aufarbeitung der House-Music verschrieben. Eines ihrer ersten Releases ist »Each Dawn Every Dawn« von Litia~Loe.
Music Review
Giulio Aldinucci
Shards of Distant Times
Giulio Aldinucci macht Ambient, der keiner ist. Mit »Shards of Distant Times« intensiver noch als je zuvor.
Music Review
Piero Piccioni
OST Il Dio Sotto La Pelle
Nach 20 Jahren des Wartens bekommt Piero Piccioni’S Soundtrack zu »Il Dio Sotto La Pelle« via Musica Per Immagini die verdiente Neuafulage.
Music Review
The Dwarfs Of East Agouza
The Green Fdogs Of Dahshur
Vier Jahre nach »Bes« veröffentlichen The Dwarfs Of East Agouza mit »The Green Fdogs Of Dahshur« ein weiteres monumental-mutiges Album.
Music Review
Finlay Shakespeare
Solemnities
Finlay Shakespeare arbeitet auch mit »Solemnities« im kompletten Alleingang an einem akkuraten Entwurf zeitgemäßer Popmusik.
Music Review
Sepehr
Shaytoon
Der in San Francisco ansässige Produzent Sepehr hat mit »Shaytoon« eine durch und durch inspirierendes Debütalbum veröffentlicht.
Music Review
Pole
1 2 3
Zeit für Spurensuchen: Mute veröffentlicht die ersten drei Alben »1 2 3« von Pole neu gemastert und in ein Deluxe-Box-Set verpackt, erneut.