Books Review | verfasst 11.10.2011
Stuart Baker (Hg.)
The Cover Art Of Studio One
Soul Jazz, 2011
Text Julian Brimmers
Deine Bewertung:
/
Nutzer
7.0
Redaktion
Cover Stuart Baker (Hg.) - The Cover Art Of Studio One

Nach den gemeinsam mit Gilles Peterson kuratierten Freedom Rhythm and Sound und Bossa Nova , werfen Soul Jazz-Gründer Stuart Baker und sein neuer Sidekick einen Blick auf die spezielle Ästhetik des legendären Studio One. Für die Abteilung Geschichtsstunde zeichnet diesmal größtenteils der Reggae-Historiker Steve Barrow verantwortlich. Stuart Hall hingegen hat seine Plattensammlung durchstöbert und steuert einen kurzen, arg allgemein gehaltenen Einleitungstext zur künstlerischen Entwicklung der »Studio 1«-Cover bei. Bloß Gilles Peterson war scheinbar anderweitig verplant. Wie schon Hall in den Einleitungen zu Freedom Jazz und Bossa Nova, strukturiert auch Barrow seine sieben Dekaden weit reichende Erzählung entlang einiger weniger herausragenden Persönlichkeiten – und natürlich ist die Geschichte vom nachhallenden Ruhm des Studio 1 die Geschichte von Clement »Sir Coxsone« Dodd. Und diese 70 Jahre spannend an den Leser zu bringen, bedarf es eigentlich keiner sonderlichen Anstrengung: Als da wäre die blutige Rivalität unter den frühen Soundsystems, die Herausbildung eines wahren Recording-Imperiums, die Erfindung der In-House Band und exklusiver Dubplates, Verrat, Mord und das Aufkommen von Ska, Rocksteady und schließlich Dancehall. Das dazugehörige Personal umfasst so schillernde Persönlichkeiten wie eben Sir Coxsone, Prince Buster, King Edward, Lee Perry, die Skatalites, Marcia Griffiths, die Wailers oder die tragische Figur des geistig erkrankten Dun Drummond. Leider nimmt Barrow seine Rolle als Musik-Historiker dabei ausgesprochen ernst und erledigt die – zugegebenermaßen kaum lösbare – Aufgabe eines umfassenden Abrisses auf 8 Seiten mit der Verve eines Secondhand-Plattenhändlers, der wegen der paar Spliffs auf dem Schulklo aus seinem Brotjob als Englischpauker geschmissen wurde. Im Vergleich zu seinen Vorgängern, wurden auch die erläuternden Passagen zwischen den Covern deutlich zurückgeschraubt. Die Einleitung ist ebenfalls kürzer geraten und Einzelbiographien wie in Bossa Nova wurden der schieren Flut an klassischen Studio One–Alben geopfert, was einerseits nachvollziehbar ist, den »Sich-im-Buch-verlieren«-Faktor aber deutlich schmälert. Alles in allem ist auch The Cover Art of Studio One Records wieder ein liebevoll erstellter Bildband, gemacht von Leuten, die wahrscheinlich mehr Kompetenz und Fachwissen im kleinen Finger/Expeditregal haben, als sonst irgendwer außerhalb der West Indies – textlich aber wäre mehr Tiefgang und eine bessere Orientierungshilfe durch das unerschöpfliche Å’uvre des Studio One wünschenswert gewesen.

Das Buch The Cover Art Of Studio One findest du bei hhv.de: Buch
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 20.02.2013
Various Artists
Studio One Ironsides
Bekanntes und weniger bekanntest findet sich auf der neuerlichen »Studio One«-Compilation von Soul Jazz Records wieder.
Music Review | verfasst 02.11.2011
Various Artists
The Legendary Studio One Records
Einmal mehr schöpft Soul Jazz aus dem reichhaltigen Fundus von Studio One Records. Es lohnt sich abermals.
Music Review | verfasst 05.04.2015
Various Artists
Studio One Jump-Up: The Birth Of A Sound : Jump Up Jamaican R & B, Jazz and Early Ska
»Studio One Jump-Up« versammelt Aufnahmen aus den Anfangstagen von Coxsone Dodds Studio One und der Zeit unmittelbar davor.
Music Review | verfasst 30.09.2015
Various Artists
100% Dynamite
Soul Jazz spendiert ihrer erfolgreichsten Compilation »100% Dynamite« eines neues Mastering und fünf zusätzliche Tracks.
Music Review | verfasst 06.06.2014
DJ Vadim
Dubcatcher
Mit der Dub/Dancehall/Reggae-Bestandsaufnahme »Dubcatcher« beweist DJ Vadim weiterhin musikalische Unberechenbarkeit.
Music Review | verfasst 13.06.2016
Various Artists
Studio One Dub Fire Special
Es ist ein anderer, sauberer Dub-Ansatz den Sir Coxsone und Sylvan Morris im Studio One fröhnten..
Music Review | verfasst 21.07.2014
Various Artists
Studio One Dancehall – Sir Coxsone in the Dance: The Foundation of Sound
Auf »Studio One Dancehall« gibt es neben Stars wie Sugar Minott und Johnny Osbourne wieder die eine oder andere Rarität zu bestaunen…
Music Review | verfasst 03.08.2015
Various Artists
Rastafari - The Dreads Enter Babylon 1955-83
Auch »Rastafari – The Dreads Enter Babylon 1955-83« beweist: Gotteslob zeitigt oft die schönsten musikalischen Früchte.
Music Review
Machinefabriek
With Voices
Auf über hundert Releases hat Machinefabriek bisher kaum mit Stimmen gearbeitet. Auf »With Voices« mit kaum etwas anderem.
Music Review
Toro y Moi
Outer Peace
Extrem poliert: Mit »Outer Peace« gibt Toro y Moi seinen Metakommentar zur heutigen Aufmerksamkeitsökonomie ab.
Music Review
Commodo
Rikers – 12"
Commodo ist einer der Protagonisten einer Szene, die dem Genre Dubstep wieder auf die Sprünge helfen wollen. »Rikers« zeigt wie.
Music Review
Pom Pom
Untitled II
Wer steckt hinter Pom Pom? Keine Ahnung. Doch eines wissen wir: »Untitled II«, soeben auf A-Ton erschienen, ist sensationell gut.
Music Review
Ry-Co Jazz
Dansons…Avec Le Ry-Co Jazz
Radio Martiko legt mit »Dansons…Avec Le Ry-Co Jazz« zwischen 1961 und 1966 entstandene Musik der Kongolesen Ry-Co Jazz neu auf.
Music Review
Purple Image
Purple Image LP
1968 war von afroamerikanischen Bands gespielter psychedlischer Rock eher die Ausnahme. Purple Image waren so eine Ausnahmeerscheinung.
Music Review
Hedvig Mollestad Trio
Smells Funny
Wer die Bands von Nels Cline oder Ava Mendoza schätzt, kommt an »Smells Funny«, dem sechsten Album des Hedvig Mollestad Trios kaum vorbei.
Music Review
Submersion & mon0
Unison // Einklang
»Unison // Einklang« von Submersion & mon0 ist ein überzeugendes Plädoyer dafür, dass man mit Weglassen sehr viel erreichen kann.
Music Review
Kali Bahlu
Cosmic Remembrance
Kali Bahlus »Cosmic Remembrance« aus dem Jahre 1967 ist eine kluge, verschlüsselte Parabel ihrer Zeit, die man nur im Rausch rafft.
Music Review
Foodman
Moriyama
Die Tracks auf Foodman’s »Moriyama« existieren in einem Reich, in dem weder Clubregeln noch Ambient-Ruheraum-Gepflogenheiten herrschen.
Music Review
Heinrich Dressel
Lost In The Woodland
Mit »Lost In The Wood« ist Heinrich Dressel ein dichtes Geflecht aus us Arpeggien, Akkorden, Melodien und Naturgeräuschen gelungen.
Music Review
As Longitude
That's When The Animals Turned Into Humans
As Longitude heißt das Projekt von Eva Geist und Laura ODL. Ihre Vinyl 12" »That’s When The Animals Turned Into Humans« ist nun erschienen.
Music Review
Mark Barrott
Nature Sounds Of The Balearics
Es darf wieder geschwooft werden: Zum neuen Album »Nature Sounds Of The Balearics« von Mark Barrott.
Music Review
Earl Sweatshirt
Some Rap Songs
Unkonventionell und abenteuerlich ist »Some Rap Songs«, das neue Album von Earl Sweatshirt, geworden.
Music Review
Positive Centre
Forever Optimum
Hypnotische Rhythmusstudien, die einen langsam aber unaufhaltsam verschlingen: zum neuen Album »Forever Optimum« von Positive Centre.
Music Review
Mytron & Ofofo
Ceremony
Tanzen und Träumen: ei nJahr nach ihrem Debüt veröffentlichen Mytron & Ofofo mit »Ceremony« ein weiteres Release auf Multi Culti.
Music Review
Dennis Young
Quest
In südkoreanischen Kellern schlummern Kassetten mit Ambient-Musik von Liquid Liquid’s Dennis Young. Mit »Quest« wird nun die erste publik.
Music Review
Filmico
In The Senses
»In the Senses«, das Debüt von Filmico, ist ein Soundtrack im Gedenken an die 1980er Jahre, mit Heroen wie John Carpenter als Vorbild.
Music Review
Roger Doyle
Oizzo No
Humor und »ernste« Musik schließt sich ja von vornherein aus. Roger Doyle hat schon 1975 mit »Oizzo No« bewiesen, dass das Quatsch ist.
Music Review
Process Blue
Process Blue
Process Blue kamen aus Dayton, Ohio, orientierten sich aber an dem Sound, der 1981 aus Großbritannien und Deutschland kam.
Music Review
Calender
It's A Monster
»It’s A Monster«, das einzige, vor 32 Jahren zum ersten Mal veröffentlichte Album von Calender, hätte leicht übersehen werden können.
Music Review
Pearls Before Swine
Balaklava
Unbequemer Klassiker von abgründiger Schlichtheit: Drag City legt »Balaklava«, das zweite Album von Pearls Before Swine, wieder auf.
Music Review
Risque
Starlight
Disco aus den Niederlanden. Von 1982. Süß wie Honig, kitschig wie Sternschnuppen. »Starlight« von Risque ist unverzichtbar.
Music Review
Céline Gillain
Bad Woman
Nicht vom Cover abschrecken lassen: »Bad Woman«, das Debüt der belgischen Musikerin Céline Gillain ist eine umwerfend gute Platte.
Music Review
Jorge Ben
Bem-Vinda Amizade
Es gab für Jorge Ben ein Leben nach »Mas Que Nada«. Und was für eins: sein Album »Bem-Vinda Amizade« darf jetzt wiederentdeckt werden.
Music Review
Philip Sanderson
On One Of These Bends
Digitale Träumereien, tribalistische Stimmungsmalerei: »On One Of These Bends« zeigt Musik von Philip Sanderson.
Music Review
Brötzmann / Leigh
Sparrow Nights
Im Widerspiel von Harmonie und Kakofonie wird auf »Sparrow Nights« von Peter Brötzmann und Heather Leigh ein Lied unserer Gegenwart gesungen
Music Review
Best Available Technology
Enginetics & Plasmalterations
Schicht auf Schicht moduliert Best Available Technology auf »Enginetics & Plasmalterations« seine Stücke und ist dabei besser denn je.
Music Review
Takehisa Kosugi
Catch-Wave
Wenn nur die Idee zählt, der Mut, dann gehört »Catch-Wave« von Takehisa Kosugi zu den besten musikalischen Werken der Avantgarde.
Music Review
Hieroglyphic Being & The Truth Theory Trio
Journey Through The Outer Darkness From The Inner Light
»Journey Through The Outer Darkness From The Inner Light« ist der achte (!) Release von Hieroglyphic Being im Jahr 2018 – und sein bester.
Music Review
Nels Jenstad
Ships/Moondog
Auf Fri Form sind mit »Ships/Moondog« jetzt zwei Stücke des Musikers Nels Jenstad veröffentlicht worden.
Music Review
Veronica Vasicka
In Silhouette
Seit 13 Jahren veröffentlicht Veronica Vasicka die Musik anderer. Nun ist erstmals eines ihrer eigenen Stücke veröffentlicht worden.
Music Review
Os Catedraticos
Ataque
Das erstmals 1965 veröffentlichte Album »Ataque« von Eumir Deodatos’ Os Catedraticos wurde bei Far Out wiederveröffentlicht.
Books Review
Brüno & Hervé Bourhis
Black & Proud
Das Buch »Black & Proud« spürt den Weg vom Blues zum Rap nach. Die deutschsprachige Ausgabe erschien vor kurzem im Berliner Avant-Verlag.
Music Review
Love Songs
Inselbegabung
Jeder der drei Tracks auf der neuen EP »Inselbegabung« von Love Songs schreit direkt: Kunst!
Music Review
Félicia Atkinson & Jefre Cantu-Ledesma
Limpid As The Solitudes
Félicia Atkinson und Jefre Cantu-Ledesma tun sich wieder zusammen. »Limpid As The Solitudes« versammelt Musik über bessere Zeiten.
Music Review
Pearson Sound
Rubble
Auf der Vinyl 12" »Rubble« sind gleich drei neue Tracks von Pearson Sound vertreten. Ein weiterer Vorgeschmack auf ein zweites Album?
Music Review
Garrett
Private Life II
Flächiger, verspielter, ein bisschen mehr Jazz liefert Dâm-Funk unter dem Pseudonym Garrett auf seinem Album »Private Life II«.
Music Review
Afro National
African Experimentals (1972-1979)
Die Musik von Afro National aus Sierra Leone kann nun auf »African Experimentals (1972-1979)« wieder nachgehört werden.
Music Review
Indio
Inca
Delsin legt drei Tracks von John Beltrans Indio-Projekt mit Sam McQueen und Seth Taylor sowie eine Solo-Produktion neu auf.
Music Review
Ric Kaestner
Music For Massage II
Auf »Music For Massage II« entschleunigte Ric Kaestner 1983 seine Musik so dermaßen, dass sie schwebt und nur so in der Luft liegt.