Music Review | verfasst 10.11.2011
Kollegah
Bossaura
Selfmade Records, 2011
Text Florian Aigner
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Redaktion
Cover Kollegah - Bossaura

Felix Antoine Blume hat das geschafft, was nicht vielen Künstler gelingt, er hat eine Kunstfigur geschaffen, deren hähnchenbraun geröstete Oberfläche viele immer noch zum Äußersten treibt wie Zentrifugalkräfte, obwohl wohl mittlerweile auch die militantesten Authentizitätsfaschisten insgeheim darüber schmunzeln wie der Boss in Montenegro 1,2 Kilo Cevapcici in sich reinstopft, bei Madame Tussauds klarmacht, warum Cristiano Ronaldo ein Typ ist wie er oder bei einem kurzen Spaziergang am Züri-See mehr Catchphrases prägt als ein durchschnittlicher Sitcom-Autor in seiner gesamten Karriere. Nun gut, all das hat wenig mit Kollegahs neuem Album zu tun, welches – bescheiden wie eh und je – auf den Titel Bossaura hört und sich soundästhetisch deutlich von seinen bisherigen Alben und Mixtapes abhebt. Enttäuschte Fans machen hierfür Kollegahs neuen Sidekick Sun Diego verantwortlich, der Bossaura (mit Ausnahme des gewohnt düsteren und pointenschwangeren Titeltracks) mit einem auf den ersten Blick durchaus unappetitlichen Zuckerguss aus überproduzierten Beats, Jeezy-Adlibs und Autotune-Hooks überzogen hat. Auch darüber, dass auf Bossaura nicht jede Zeile doppelt und dreifach gehört werden muss, um die nach wie vor komplexesten Reimschemata und inspiriertesten Punchlines des Landes überhaupt zu bemerken, gab es Unmutsäußerungen. Dies mag angesichts der ein oder anderen grausamen Schinkenstraßen-Hook auch berechtigt sein, gleichzeitig ist Kollegah aber an diesem Punkt angelangt, an dem er eigentlich schon vor fünf Jahren sein wollte. Bossaura hat sich komplett von den Regeln der hiesigen Rap-Landschaft emanzipiert und findet stattdessen Inspiration bei der Larger-Than-Lifeness eines Gucci Mane oder Wacka Flocka – ein Schritt, den sich hier zuvor nur Eko ansatzweise zugetraut hat, dabei jedoch kläglich gescheitert ist. Der jedoch hatte aber auch nicht die unantastbare – äh – Aura eines Franz Beckenbauers, Jürgen Milskis Mundwerk und das Vokabular von Ezra Pound.

Das Album Bossaura von Kollegah findest du bei hhv.de: CD
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