Music Review | verfasst 15.11.2011
Onra
Chinoiseries Pt. 2
All City, 2011
Text Patrick Cavaleiro , Übersetzung Julia Frohn
Deine Bewertung:
8.1
Nutzer (7)
7.0
Redaktion
Cover Onra - Chinoiseries Pt. 2

DJ-Sein und Crate-Diggin†˜, das wissen wir alle, gehört zusammen, wie Pech und Schwefel. Manche treiben das Sammeln von Vinyl-Raritäten gern in epische Ausmaße und beschränken sich nicht bloß auf die Plattendealer in der Region oder ein bisschen Nebenbei-Diggen im Urlaub, sondern machen den Akt des Sammelns und die anschließende Verarbeitung der Ausbeute zum Konzept. Beispiele wären der Weltenbummler Diplo, der bereits Brasilien, Jamaika und zuletzt die Karibik nach Sounds abgraste oder DJ Shadow, der sich wie ein Mönch wochenlang in Plattenkellern einschließt, ständig auf der Suche nach dem einen Sound. Einer von ihnen ist auch der französische Beatmaker Onra, der uns 2007 mit seinem Album Chinoiseries Pt. 1 mit den Ergebnissen einer langen Reise durch Vietnam und China erfreute. Auf dieser hatte Onra kiloweise Folk- und Pop-Platten aus den 1960er und 1970er Jahren erstanden, die die Grundlage für die samplebasierte Instrumentalplatte des Franzosen darstellte. Ähnlich harmonisch gestaltet sich auch der Nachfolger Chinoiseries Pt. 2, der, wie beim ersten Teil, wieder 32 exotische, aber dennoch sehr funky klingende Instrumentals abliefert. Diese sind von der Track-Länge kurz und knackig und von der Produktion eher skizzenhaft gehalten und folgen musikalisch dem Weg der alten Schule. Wer also meint, dass sample-basierte HipHop-Musik tot wäre, wird hier eines deutlich Besseren belehrt. Der Enkel vietnamesischer Großeltern beweist wie kein zweiter sein Gespür für die Musik aus Südostasien, die er pointiert im HipHop-Kontext einzusetzen weiß.

Das Album Chinoiseries Pt. 2 von Onra findest du bei hhv.de: 2LP CD
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Interview | verfasst 07.11.2011
Onra
»Bei mir kommt alles vom Hip Hop«
Onra hat sich mit uns zusammengesetzt, um über seine Arbeitsweise, seine musikalischen Inspirationen und sein Debüt Tribute, dass er 2006 zusammen mit Quetzal veröffentlicht hat, zu sprechen.
Music Review | verfasst 16.04.2013
Onra & Buddy Sativa
Yhata Bhuta Jazz Combo
»Therapeutisch« nannten die beiden Produzenten die Sessions für »Yatha Bhuta Jazz Combo« – das Ergebnis ist es auch für den Hörer.
Music Review | verfasst 08.03.2017
Onra
Chinoiseries Pt. 3
Onra wollte mit »Chinoiseries Pt.3« noch tiefer gehen, die unwahrscheinlichen Samples finden und so viele Emotionen wie möglich integrieren.
Music Review | verfasst 07.02.2018
Onra
Nobody Has To Know
Mit »Nobody Has To Know« hat der französische Producer Onra dem New Jack Swing eine Liebeserklärung gemacht.
Music Review | verfasst 15.11.2011
Onra & Quetzal
Tribute
Onra & Quetzal zollen auf ihrem Debüt den Größen des Soul, Funk und HipHop ein bemerkenswertes Tribut.
Music Review | verfasst 20.02.2011
Martyn / Mike Slott
Collabs 1
Mit den beiden Tunes verhält es sich wie mit den beiden Produzenten: Unterschiedliche Stile auf hohem Niveau.
Music Review | verfasst 09.10.2013
Knxwledge
Kauliflowr
Knxwledge veröffentlicht so gut wie jeden Monat irgendwas. Sein Album »Kauliflowr« ist aber zum Glück nicht irgendwas, sondern richtig gut.
Music Interview | verfasst 18.04.2011
Knxwledge
Beats und Soul zusammendenken
Die Beat-Szene kennt eine große Vielfalt an Namen und Produzenten die durch ihre Produktionen die Messlatte ständig höher legen. Einer der Namen, mit denen man definitiv vertraut sein sollte, ist Knxwledge.
Music Review
Lee Moses
How Much Longer Must I Wait? Singles & Rarities 1965-1972
»How Much Longer Must I Wait?« versammelt Singles und Raritäten des noch immer nicht ausreichend gewürdigten Soulsängers Lee Moses.
Music Review
Zaliva-D
Forsaken
Auf Knekelhuis ist kürzlich die Werkschau »Forsaken« des chinesischen Technoproduzenten Zaliva-D erschienen.
Music Review
Ohbliv
Give Thanks
Kantig, roh, reduziert, dabei nie formelhaft homogen: der fleißige Beatmaker Ohbliv hat mit »Give Thanks« ein neues Album veröffentlicht.
Music Review
Various Artists
Backstreet Brit Funk Vol.1
Die von Joey Negro zusammengestellte Compilation »Backstreet Brit Funk Vol.1« aus dem Jahr 2011 ist nun erstmals auf Vinyl erschienen.
Music Review
Amato (The Hacker)
Mécanismes Vol. 1
Als Amato dreht The Hacker mittlerweile richtig auf. »Mécanismes Vol. 1« ist in EBM in Nicht-Ganz-Reinform – zum Glück!
Music Review
Tim Hecker
Anoyo
Mit »Anoyo« legt Tim Hecker weitere 34 Minuten aus seinen mit einem Gagaku-Orchester eingespielten Sessions nach.
Books Review
FLEE
Benga, A Kenyan Kaleidoscope
Mit dem Sammelband »Benga, A Kenyan Kaleidoscope« wirft das Kollektiv FLEE wichtige Fragen zur globalen Auseinandersetzung mit Benga auf.
Music Review
Darling & Lexi
Darling & Lexi EP
»Mama is een poes«: Der niederländische Produzent Darling nimmt mit seiner 4-jährigen Tochter Lexi eine Schallplatte auf.
Music Review
Gigi
Illuminated Audio
2003 ließ die Sängerin Gigi ein ganzes Album von ihrem Mann Bill Laswell als Dub-Version neu einspielen. Ob das gut ging? Tatsächlich!
Music Review
Ambien Baby
En Transito
NAP und D. Tiffany tun sich wieder als Ambien Baby zusammen. »En Transito« ist eine multifunktionale Allzweckwaffe für die Open-Air-Saison.
Music Review
Reginald Omas Mamode IV
Where We Going?
Auf »Wehre We Going?« begibt sich Reginald Omas Mamode IV musikalisch auf die Suche nach seinen familiären Wurzeln.
Music Review
Mappa Mundi
Musaics
Mit »Musaics« haben Mappa Mundi schon 1990 so manche zeitgeistige Musik von heute vorwegnehmen können.
Music Review
Alessandro Alessandroni
Prisma Sonoro
»Prisma Sonoro«, Library Music-Aufnahmen des Komponisten Alessandro Alessandroni aus dem Jahr 1974, werden erstmals wiederveröffentlicht.
Music Review
Identified Patient & Sophie du Palais
Don't Exclude Anything
Identified Patient und seine »vrouwe fataal« Sophie du Palais debütieren mit »Don’t Exclude Anything« auf Pinkman.
Music Review
Azymuth
Aguia Nao Come Mosca
Azymuth spielen in einer eigenen Liga. Eine These, die mit »Aguia Nao Come Mosca«, ihrem Album aus dem Jahr 1977, locker belegt werden kann.
Music Review
Ezra Collective
You Can't Steal My Joy
Die britischen Jazzer vom Ezra Collective legen mit »You Can’t Steal My Joy« ein energetisches Debüt vor.
Music Review
Jimi Bazzouka
Edits Vol.6
Joakim liefert als Jimi Bazzouka neue »Edits Vol.6« und mischt exotische Field Recordings, schamanistische Gesänge & treibende Percussions.
Music Review
Altin Gün
Gece
Das zweite Album »Gece« der anatolischen Band Altin Gün ist großartig und hält auch locker dem Vorwurf kultureller Appropriationen stand.
Music Review
Kyoto/Zoe Sinatra
Venetian Blinds / Mais Qu’Est-Ce Que Tu Fumes
Zwei in Vergessenheit geratene, hitverdächtige Songs aus Belgien bilden das neueste Release des immer überraschenden Labels Stroom.
Music Review
Jensen Interceptor
Delayed Response
»Delayed Response«, bereits im letzten Jahr bei Power Station erschienen, zeigt Jensen Interceptor in seinen bislang souveränsten Momenten.
Music Review
Various Artists
Elsewhere LVI
MIt »Elsewhere LVI« hat DJ soFa zum vierten Mal etwas krude, obskure groovende, retrofuturistische Tracks zum Entdecken zusammengestellt.
Music Review
Pharoah Sanders
Africa
Auf »Africa« von 1987 finden Pharoah Sanders, Idris Muhammad, John Hicks und Curtis Lundy zusammen und spielen grandiose Musik.
Music Review
Quelle Chris
Guns
Spätestens mit seinem neuen Album »Guns« hat sich Quelle Chris zur softesten und doch irgendwie lautesten Stimme im Rap entwickelt.
Music Review
Roza Terenzi
Let's Ride
»Let’s Ride« ist das Dekmantel-Debüt der Australierin Roza Terenzi. Darauf zu hören: Electro-Dekonstruktionen und 90s-Rave mit eigener Note.
Music Review
Furniture
When The Boom Was On
Emotional Rescue veröffentlicht das 1983er Debüt »When The Boom Was On« von Furniture neu. Das ist was für Teenie-Zimmer von 16-56.
Music Review
Tiger & Woods
AOD
Album Oriented Dance, »AOD« war die Ansage von Tiger & Woods, die sie uns gleich im Titel ihres neuen Longplayers lieferten. Ging es auf?
Music Review
Guerilla Welfare
The Nature Of Human Nature
Guerilla Welfare haben zwischen 1986 und 1991 Ethno, Dub und Funk verührt. »The Nature Of Human Nature« fasst ihre Musik zusammen.
Music Review
Neuzeitliche Bodenbeläge
Leben
Premiummusik für liebevoll heruntergewirtschaftete Hinterhoflokale und ihre Gäste. Zur EP »Leben« von Neuzeitliche Bodenbeläge.
Music Review
Ill Bill & Stu Bangas
Cannibal Hulk
Diese Collab wurde im Horrorcore-Genre sehnsüchtig erwartet: Ill Bill und Stu Bangas machen auf »Cannibal Hulk« gemeinsame Sache.
Music Review
The Comet Is Coming
Trust In The Lifeforce Of The Deep Mystery
Shabaka Hutchings und kein Ende: sein Projekt The Comet Is Coming zockt auf »Trust In The Lifeforce Of The Deep Mystery« vital wie selten.
Music Review
Bibio
Ribbons
»Ribbons« von Bibio funktioniert als 50-minütiges Gesamtwerk, das vor vorne bis hinten die warme Stimmung der Zweisamkeit einfängt.
Music Review
New World Science
Osmos (Movements)
Das Trio New World Science wandelt auf »Osmos (Movements)« auf den Spuren von Jon Hassel. Unterstützung erhalten sie von RAMZi und R Weng.
Music Review
The Budos Band
V
Natürlich ist diese testosterongeschwängerte »Macho-Mucke« der Budos Band etwas anachronistisch, aber was soll’s: »V« macht einfach Spaß.
Music Review
Keys
Voltage
Key ist das neue Duoprojekt von Benedikt Frey, gemeinsam mit Chris Cox.Am besten auf »Voltage« sind die Tracks, die aus der Reihe tanzen.
Music Review
Fennesz
Agora
»Agora« ist sehr viel sparsamer als die vorangegangen Releases des österreichischen Musikers. Doch damit erreicht Fennesz einfach sehr viel.
Music Review
Asuna & Jan Jelinek
Signals Bulletin
Sechs Jahre haben der japanische Organist Asuna und der in Berlin lebende Musiker Jan Jelinek an »Signals Bulletin« gearbeitet.
Music Review
Marvin Gaye
You're The Man
»You’re The Man« versammelt Musik von Marvin Gaye, die der Öffentlichkeit bisher weitestgehend vorenthalten wurde. Widerspruch inklusive.
Music Review
VC-118A
Inside
Als VC-118A liefert Samuel van Dijk mit »Inside« für Delsin die bestmögliche Synthese seiner verschiedenen musikalischen Projekte ab.
Music Review
Wilma Vritra
Burd
Scheinbarer Widerspruch, genial gelöst: Odd Future’s Pyramid Vritra und Wilma Archer machen auf »Burd« als Wilma Vritra gemeinsame Sache.
Music Review
Lee Fields & The Expressions
It Rains Love
Lee Fields feiert 2019 sein 50-jähriges Bühnenjubiläum. Mit »It Rains Love« wurde nun sein fünftes Album mit The Expressions veröffentlicht.
Music Review
Palms Trax
To Paradise
Nach drei Jahren meldet sich Palms Trax mit einer neuen EP für Dekmantel zurück. »To Paradise« ist eine handwerkliche Meisterleistung.