Music Review | verfasst 21.11.2011
Pinch & Shackleton
Pinch & Shackleton
Honest Jon's, 2011
Text Henning Koch , Übersetzung Julia Frohn
Deine Bewertung:
/
Nutzer
8.0
Redaktion
Cover Pinch & Shackleton - Pinch & Shackleton

Pinch und Shackleton sind zwei absolute Schwergewichte in den äußeren Randbezirken des Dubstep. Während ersterer 2007 auf Underwater Dancehall inspiriert vom Bristol-Sound seiner Heimatstadt düstere und melodiöse Hohlräume mit klarem Dancehall-Bezug kreierte, schaffte der andere auf dem Album Three EPs karge und abstrakte Klanglandschaften mit dubbiger Grundstruktur. Seither ließen neue Album-Veröffentlichungen der beiden auf sich warten. Doch wie aus dem nichts ist nun ihre Kollaboration unter dem sparsamen Titel Pinch & Shackleton ohne große Promotion bei Honest Jon’s erschienen. Anscheinend soll das bisherige Werk der beiden experimentierfreudigen Soundtüftler für sich selbst sprechen, suhlt sich doch auch das überaus unspektakuläre Covermotiv in einer Ereignislosigkeit, die selbst die »Neue Sachlichkeit« zu einer ästhetischen Erfahrung machen sollte. Die Zusammenarbeit beschränkt sich dabei jedoch nicht bloß auf eine Addition der verschiedenen Stilmerkmale, stattdessen erschaffen die beiden eine experimentelle und nicht unbedingt leicht zugängliche Klangästhetik, die neue Aspekte zu ihrem Schaffen hinzufügt. Nach wie vor ist es vor allem das klangliche Understatement, dass die Platte vom Rest der Masse im aktuellen elektronischen Bereich abhebt. In den abstrakten Klangkörpern treffen dumpfe Drums, metallische Snares und nahöstlich anmutende Melodien auf verrauschte Synthies und – mit Ausnahme von Selfish Greedy Life, das komplett von einem repetitiven, verfremdeten Sprachsample durchzogen ist – sehr reduziert eingesetzte Sprache und Gesang. Dadurch entsteht ein hallender Klangraum, in dem jedes Element scheinbar räumlich verortet ist, ein Umstand, auf den auch Track-Titel wie Rooms Within A Room verweisen. Durchzogen sind die Beat-Strukturen aber immer wieder von affektiven Sub-Bässen und zurückgenommenen Synthie-Melodien, wie bei Cracks In The Pleasuredome, der als Eröffnung der Platte drei Minuten lang auf einen ruhigen Höhepunkt hin aufbaut, die der Musik immerhin ein wenig Emotionalität zugestehen. Das Ganze gestaltet sich zwar insgesamt etwas anstrengend, treibt die Bassmusik aber wieder in eine raue und reflexive Richtung, die ihr durch die tanzorientierten Kreuzungen mit House, Techno oder massentauglichen Pop-Elementen ein wenig abhanden gekommen zu sein scheint.

Das Album Pinch & Shackleton findest du bei hhv.de auf 2LP und CD
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Kolumne | verfasst 11.01.2012
Hyperton
Januar 2012
Hyperton ist der monatliche Blick über den eigenen Tellerrand hinaus. Wir treffen eine kleine Auswahl an aktuellen Schallplatten und schauen mal nach, was die anderen Gazetten so schreiben.
Music Review | verfasst 04.02.2015
Sherwood & Pinch
Late Night Endless
»Late Night Endless« der beiden Legenden Adrian Sherwood & Pinch ist eine Art Poesiealbum jamaikanisch inspirierter Bassmusik.
Music Review | verfasst 12.08.2016
Shackleton with Ernesto Tomasini
Devotional Songs
Gequält schön, dabei irgendwie tröstlich. Shackleton hat mit dem Schauspieler Ernesto Tomasini die EP »Devotional Songs« aufgenommen.
Music Review | verfasst 02.03.2017
Sherwood & Pinch
Man Vs. Sofa
Adrian Sherwood und Pinch verbindet die Liebe zum Dub. Ihr präziser und druckvoller Sound ist auf »Man Vs. Sofa« wieder nachhörbar.
Music Kolumne | verfasst 01.02.2017
Aigners Inventur
Januar 2017
Auch im neuen Jahr setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander, selektiert, lobt und tadelt. Any given month. Dieses Mal u.a. unter der Lupe: Run The Jewels, Tornado Wallace und Fjaak.
Music Liste | verfasst 14.07.2017
Ausklang | 2017KW28
8 essentielle neue Platten
Hunderte neue Releases, jede Woche. Davon viele sehr gut – und bereits von diversen Portalen vorgestellt. Wir präsentieren: die unvorgestelltesten, besten Releases der Woche. Ab vom Schuss, leicht daneben und tierisch geil: der Ausklang.
Music Review | verfasst 15.07.2010
Mount Kimbie
Crooks And Lovers
Die Lust am Innovativen ist Mount Kimbie noch nicht vergangen. Auf ihrem Debütalbum spürt man diese Besessenheit und den Durst nach Neuem.
Music Review | verfasst 15.04.2010
Ramadanman / Midland
Your Words Matter / More Than You Know
Die beiden Briten Ramadanman und Midland haben auf Aus Music eine gemeinsame Split-Single veröffentlicht, die aufhorchen lässt.
Music Review | verfasst 15.10.2010
Eskmo
Eskmo
Eskmos neues Husarenstück wird sich in der Welt der Beats festbeißen und seine Fanbase rasant vergrößern.
Music Review | verfasst 23.10.2010
Apparat
DJ Kicks
Apparat weiß wie kein anderer atmosphärisch komplexe Stimmungen zwischen Electronica und Techno zu generieren.
Music Review | verfasst 01.12.2010
Mount Kimbie
Blind Night Errand EP
Nicht einmal ein halbes Jahr nach dem Albumrelease feilen Mount Kimbie weiter an der Erneuerung von Dubstep.
Music Review
Daso
Meine Idee
Daso ist tot, doch »Meine« bleibt für immer bei uns. Der Ghostly-Ableger Spectral Sound legt nun die gesamte »Meine Idee«-EP neu auf.
Music Review
Ghostface Killah
Ghostface Killahs
Mit »Ghostface Killahs« liefert Ghostface Killah was die Fans wollen. Mehr nicht. Am Ende bleibt nicht ein Track wirklich hängen.
Music Review
Nef
Mais Alors !!?... C'Est a L'Envers
»Mais Alors !!?… C’Est a L’Envers«, das erste und einzige Album der französischen Band Nef, wurde jetzt wiederveröffentlicht.
Music Review
Matthew Halsall
Oneness
Ein Jahrzehnt lang hatte Matthew Halsall die Aufnahmen unter Verschluss gehalten. Jetzt ist »Oneness« veröffentlicht und das ist ein Segen.
Music Review
Various Artists
J-Jazz Deep Modern Jazz From Japan 1969-1983 Vol.2
Weiter 15 Jazzstücke aus dem Land der aufgehenden Sonne bietet die neue Compilation »J-Jazz Deep Modern Jazz From Japan 1969-1983 Vol.2«.
Music Review
Various Artists
Ilan Pdahtzur presents Night City Life
»Ilan Pdahtzur presents Night City Music« streicht Synthie-Fans die halbe Discogs-Wantlist aus. Aber sonst so? Recht wenig eigentlich.
Music Review
John Coltrane
Blue World
Wieder Unveröffentlichtes von John Coltrane. Auch wenn es sich bei »Blue World« »nur« um alternative Versionen bekannter Stücke handelt.
Music Review
Lee Hazlewood
400 Miles From L.A. 1955-56
»400 Miles From L.A. 1955-56« versammelt zahlreiches, unveröffentlichtes Material der frühen Schaffensphase von Lee Hazelwood.
Music Review
Pharoah Sanders
Moon Child
Klassisch? Auf jeden Fall. Aber durchgehend auf so hohem Niveau. Pharoah Sanders’ »Moon Child« aus dem Jahr 1990 wurde wiederveröffentlicht.
Music Review
Romare
Gone – 12"
Zwei Jahre nach seinem letzten Album meldet sich Romare mit etwas neuem zurücl. »Gone« ist dabei so offensiv wie noch nie tanzbar.
Music Review
Lloyd McNeill
Elegia
Soul Jazz setzen ihre verdienstvolle Arbeit fort, den Jazzmusiker Lloyd McNeill in Erinnerung zu halten und veröffentlichen »Elegia«.
Music Review
rRoxymore
Face To Phase
Auf ihrer Debüt-LP »Face To Phase« bietet rRoxymore eine stilistische Gemengelage, wie sie selten zu finden ist und noch seltener glückt.
Music Review
Tyler, The Creator
Igor
Tyler, the Creator nimmt das Scheitern einer Dreiecksbeziehung zum Anlass, ein neues abgefucktes Alter Ego zu füttern.
Music Review
Rhode & Brown
Nine To Shine
Auf »Nine To Shine« lassen die Münchener Rhode & Brown mit pfiffig, flockigem Haus die urbane Realität von Asphalt und Beton kurz vergessen.
Music Review
Animistic Beliefs
Mindset:Reset
Have you tried switching it on and off again? Animistic Beliefs wollen mit ihrem Debüt »Mindset:Reset« Electro neu definieren.
Music Review
Samo DJ
To Apeiron
Mit »To Apeiron« liefert Samo DJ alles andere als Peak-Time-Material ab. Sondern Axel-F-Melodien, New-Wave-Beats und BoC-Hommagen.
Music Review
Gyedu Blay Ambolley & Zantoda Mark III
Control
Bon Highlife, zu Reggae, zu Funk, zu Afrobeat und zurück: Mr Bongo veröffentlicht »Control« von Gyedu Blay Ambolley & Zantoda Mark III.
Music Review
Devendra Banhart
Ma
Je kürzer die Albumtitel bei Devendra Banhart, desto mehr Pop. Sein neues Werk heißt »Ma«. Aber diesmal gelingt der Versuch der großen Geste
Music Review
Various Artists
Esa Presents Amandla: Music To The People
DJ Esa Williams aus Kapstadt will mit seiner Compilation »Esa Presents Amandla: Music to the People« die Menschen zusammenbringen.
Music Review
Amelie Lens
Little Robot EP
Amelie Lens’ neueste EP »Little Robot« ist Big-Room-Techno auf der Höhe der Zeit. Nicht mehr und nicht weniger!
Music Review
Hugo Heredia
Mananita Pampera
Mit dem 1976 von Hugo Heredia und seinem Ensemble aufgenommenen »Mananita Pampera« ist ein weiteres Juwel des Jazz wiederveröffentlicht.
Music Review
Barker
Utility
Schon viele Jahre in Berlin als DJ und Produzent unterwegs, legt Sam Barker mit »Utility« nun auf Ostgut Ton sein Debütalbum »Utility× vor.
Music Review
Ebo Taylor
Palaver
Mit dem neu entdeckten »Palaver« von Ebo Taylor gibt es ein erstes richtiges Highlight in der neuen Tabansi Gold Series von BBE Africa.
Music Review
Ill Considered
8
Etwas urbaner als der eher atmosphärische Vorgänger, präsentiert »Ill Considered 8« eine weitere Schattierung der britischen Jazzer.
Music Review
Sampa The Great
The Return
Sampa The Great ist mit »The Return« ein unglaublich tolles, gar beeindruckendes Debütalbum gelungen.
Music Review
Velodrome
На Велодроме 141
Dark Entries hat den belgischen New Beat-Knüller »На Велодроме 141« von Velodrome ausgegraben und wiederaufgelegt.
Music Review
Toshifumi Hinata
Broken Belief
Gemeinsam mit Chee Shimizu arbeitet Music From Memory das Frühwerk von Toshifumi Hinata als Compilation neu auf.
Music Review
Ebo Taylor Jnr & Wuta Wazutu
Gotta Take It Cool
Mit »Gotta Take It Cool« veröffentlicht Mr Bongo Records ein rares Album von Ebo Taylor Jnr, dem Sohn des bekannten Highlife-Musikers.
Music Review
R°A
Space Melody EP
1988 war die Welt echt noch in Ordnung: Mothball Records veröffentlicht mit der »Space Melody EP« von R°A ein Italo-Disco-Highlight.
Music Review
Miles Davis
Rubberband
Natürlich ist das wiederentdeckte Album »Rubberband« von Miles Davis keine Revolution, kein Aufbruch. Es ist dennoch gut.
Music Review
Richard Lamb
Automatic Tango
»Automatic Tango« von Richard Lamb pickt am aktuellen Kanada-Sound wie Ahornsirup an Blueberry-Pancakes.
Music Review
Lower Dens
The Competition
Gebannt von diesen Neonfarben: Mit »The Competition« wagen sich Lower Dens so offensiv wie nie zuvor in den musikalischen Wettstreit.
Music Review
Reggie Andrews And The Fellowship
Mystic Beauty
Reggie Andrews hat als Mentor von Thundercat oder Kamasi Washington Musikgeschichte geschrieben. Jetzt kann er als Musiker entdeckt werden.
Music Review
Bon Iver
i,i
Andpruchsvolle Musik, die nicht überfordern soll: mit »i,i« entfernen sich Bon Iver ein Stück von dem verträumten Folk der ersten Jahre.
Music Review
Dawl
Time To Throw Down EP
Es werden keine Gefangenen gemacht: Dawl ist DJ seit den Anfangstagen von Rave und das hört man seiner »Time To Throw Down EP« dann auch an.
Music Review
Moose Dawa
The Swap
»The Swap« ist eiine Hommage an das Sampling und den schwedischen Beatmaker Moose Dawa gilt es zu entdecken.
Music Review
!!! (Chk Chk Chk)
Wallop
Mit »Wallop« wagen !!! einen wilden Ritt durch die Jahrzehnte, ohne ihre Kernkompetenz der schrägen Dancefloor-Killer zu vernachlässigen.
Music Review
Gareth Quinn Redmond
Laistigh Den Ghleo
Der irische Komponist Gareth Quinn Redmond hat mit »Laistigh Den Ghleo« dem Ambientwerk »Still Way« von Satoshi Ashikawa Tribut gezollt.
Music Review
Satoshi Ashikawa
Still Way (Wave Notation 2)
Das 1982 entstandene, fantastische Album »Still Way « von Satoshi Ashikawa, an dem auch Midori Takada mitwirkte, wurde wiederveröffentlicht.
Music Review
Whitney
Forever Turned Around
»Forever Turned Around« ist der Nachfolger zu Whitneys gefeiertem »Light Upon The Lake«. Es ist dann nette sommerliche Popmusik geworden.
Music Review
Wu-Tang Clan
OST Of Mics And Men
Die Dokuserie „Of Mics and Men“ erzählt die Wu-Tang Saga. Den Soundrack zum faktenbasierten Vierteiler übernahm der Clan selbst.