Music Review | verfasst 13.01.2012
Gotye
Making Mirrors
Samples N Seconds, 2011
Text Ben Grosse-Siestrup
Deine Bewertung:
6.0
Nutzer (1)
7.5
Redaktion
Cover Gotye - Making Mirrors

Erst die Entfremdung, dann die Trennung, bis man nicht viel mehr ist als Somebody That I Used To Know. Im Leben des Australo-Belgiers Wouter De Backer hat es leider viele solcher Momente gegeben. Nicht alle waren sie gleich schmerzhaft, aber in der Summe haben sie ihn zu seinem bis dato größten Hit verholfen, der, ohne fremde Hilfe in einer Scheune aufgenommen, dieser Tage um die Welt zieht und aus jedem Radio schallt. Dabei ist es nicht nur die Pop und Worldmusic-Community die das Thema für sich entdeckt hat. Längst zählt man Gotye irgendwie zum aktuellen Mainstream. Selbst hartgesottene Rocker flüstern heimlich-bewundernd auf der Toilette darüber und erkennen Charme und Eingängigkeit des Stücks an und auch Kimbra, seine neuseeländische Gesangspartnerin bei diesem Duett hat nichts als pure Bewunderung für de Backer übrig. Dabei erschien Gotye gar nicht so plötzlich auf internationaler Bühne wie viele geglaubt haben, denn Making Mirrors ist bereits sein drittes Album und dessen Vorgänger wurden durchweg gut aufgenommen und bereits mit ersten Awards ausgezeichnet. Zugegeben, der Großteil des Trubels beschränkte sich dabei allerdings auf seine Wahlheimat Australien. Wenn Gotye mit seinen ersten beiden Alben Boardface (2003) und Like Drawing Blood (2006) seine Karriere Richtung Startbahn manövriert hat, ist dennoch nun endgültig der Zeitpunkt gekommen, abzuheben. Die Stewards und Stewardessen verteilen allerdings bereits gerade Hühnchen, Rind oder wahlweise Fisch, die »Ready for Take-off«-Phase wurde kurzer Hand übersprungen. Zu verdanken hat de Backer die sich nun einstellenden internationale Beachtung seiner einfühlsamen Vermischung aus Singer-Songwriter-Pop, oben genannten World-Einflüssen und stimmlichen Qualitäten, die sich am einfachsten mit einem Querschnitt aus Peter Gabriel, Cee-Lo Green und Jonny Borrell (früher Libertines, heute Razorlight) zu beschreiben sind und selbst in anfangs unspektakulär wirkenden Songs wie Somebody That I Used To Know allein eine tragende Rolle spielen können. Auf keinen Fall sollte man dem Kurzschluss erliegen, das Können des ausgewiesenen Multiinstrumentalisten auf dieses Stück zu reduzieren, denn auch Hoffnung versprühende Songs wie Feel Better, die losgelöst von depressiver Thematik in Gnarls Barkley-Manier über das Parkett rollen, machen einiges her. Easy Way Out und das von Saxophon, sanftem Reggae-Rhythmus und bis zur Unkenntlichkeit verzerrten Autotunen Gesangsfetzen getragene State Of The Art stehen diesem Vergnügen in nichts nach und machen Making Mirrors zu einem wahren Fest der Populärmusik, mit dem jeder liebäugeln kann und sollte, heimlich oder auch nicht. Übrigens: Wer wie ich bis vor kurzem noch gerätselt hat wie Gotye denn jetzt eigentlich richtig ausgesprochen wird, hier des Rätsels Lösung: »Gaultier«.

Das Album Making Mirrors von Gotye findest du bei hhv.de: 2LP CD
Tags:
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Kolumne | verfasst 08.02.2012
Hyperton
Februar 2012
Hyperton ist der monatliche Blick über den eigenen Tellerrand hinaus. Wir treffen eine kleine Auswahl an aktuellen Schallplatten und schauen mal nach, was die anderen Gazetten so schreiben.
Music Review | verfasst 14.09.2011
Zwanie Jonson
I'm A Sunshine
Gelbes Glück in Zeiten der Leuchtstofflampe! Zwanie Jonson übt sich in Melodienseligkeit und feilt an seinem lässigen Hochglanz-Pop.
Music Review | verfasst 12.10.2011
Lana del Rey
Video Games/Blue Jeans
Bevor es richtig losgeht und im Februar das Debütalbum erscheint, gibt’s jetzt die erste Doppelsingle von Lana del Rey.
Music Review | verfasst 11.11.2011
Dillon
This Silence Kills
Das überraschendste BPitch Control-Release des Jahres. Statt Electronica präsentiert Dillon beste Popmusik á la Feist.
Music Review | verfasst 16.11.2011
Feist
Metals
Was für eine Rückkehr. Leslie Feist erfindet sich neu und bleibt sich gleichzeitig treu.
Music Review | verfasst 21.11.2011
Yann Tiersen
Skyline
Ziemlich genau ein Jahr nach Dust Lane erschein nun Skyline, das neue Album des Franzosen Yann Tiersen.
Music Review | verfasst 06.05.2008
Gnarls Barkley
The Odd Couple
Album zwei nach der surrealsten Erfolgsgeschichte dieses Jahrtausends und all jene, die Gnarls immer noch mit einem aspirierten †˜K’…
Music Review | verfasst 29.04.2008
Santogold
Santogold
Erwartungshaltung is a bitch. Besonders wenn man nicht weniger als den ganz heißen Scheiß erwartet…
Music Review | verfasst 07.03.2012
Fiva & Das Phantom Orchester
Die Stadt gehört wieder mir
Fiva und ihrem Phantom Orchester ist ein überraschendes Pop-Album geglückt, findet unser Rezensent und erkennt musikalische Hochgenüsse.
Music Review | verfasst 16.04.2012
Jacques Palminger & 440 Hz Trio
Jzz & Lyrk
Hat man sich erst einmal darauf eingelassen und die Arrangements langsam ihren Pop-Appeal entfalten, ist das ein wirklich großes Werk.
Music Review | verfasst 19.04.2012
Marbert Rocell
Small Hour
Die Band mischt auf ihrem dritten Album elektronische Loungemusik mit melancholischem Franzosenpop und schiebt dubbige Basslines drunter.
Music Review | verfasst 26.04.2012
Die Doraus & die Marinas
Blumen und Narzissen (Re-Release)
Das Album zum Hit »Fred vom Jupiter« war vor 20 Jahren das Debüt des damals 17-jährigen Dorau. Es wurde nun auf Vinyl wiederveröffentlicht.
Music Review
Web Web
Worshippers
»Worshippers« ist das zugänglichste und vielleicht beste Album der Münchener Jazzformation Web Web.
Music Review
D.K.
Live At The Edge
»Live At The Edge«, der Titel des vierten Solo-Albums des von D.K., ist genauso doppeldeutig wie die Musik darauf mehrdeutig ist.
Music Review
Real Estate
The Main Thing
Alles ändert sich, nur Real Estate machen einfach weiter gute Alben. So auch mit »The Main Thing«, das soeben bei Domino erschienen ist.
Music Review
Suff Daddy
Pompette
Entspannteren instrumentalen Hip-Hop als Suff Daddy machen hierzulande nur wenige. Auch wenn »Pompette« ein bisschen beschwippst heißt.
Music Review
Various Artists
Studiolo: The 90's Afro Cosmic Era
Die Grenzen zwischen kosmisch und komisch sind auf »Studiolo: The 90’s Afro Cosmic Era« fließend.
Music Review
Jpegmafia
All My Heroes Are Cornballs
Jpegmafia nennt »All My Heroes Are Cornballs« ein Punk-Musical. Und das ist es auch, denn es verweigert sich jeglichen Konventionen.
Music Review
Unknown Artist
Nocturne Edits 002
Freestyle, Italo Disco, Breakbeats: Die zweite Ausgabe von Jordans »Nocturne Edits« ist eine erneute Dienstleistung für Hit-Maschinen-DJs.
Music Review
Courtney Barnett
MTV Unplugged Live In Melbourne
Mit acht prefekt unperfekten Versionen eigener und fremder Songs ist Courtney Barnett nun auf »MTV Unplugged Live In Melbourne« zu hören.
Music Review
Various Artists
Kearney Barton: Architect Of The Northwest Sound
Die Compilation »Kearney Barton: Architect Of The Northwest Sound« feiert einen Produzenten, der Seattle geprägt hat wie kaum ein Zweiter.
Music Review
Priscilla Ermel
Origins Da Luz
Das soeben bei Music From Memory erschienene »Origins Da Luz« versammelt die besten Stücke der brasilianischen Musikern Priscilla Ermel.
Music Review
Subtle Houzze
Controversy
Gary D. und Boris Dlugosch die EP »Controversy« vor, die damals wie heute Tracks für alle Tages- und Nachtzeiten bietet.
Music Review
Various Artists
Napoli Segreta Vol.2
Der Sommer beginnt in diesem Jahr schon im Februar: NG Records legt mit »Napoli Segreta Vol.2« eine weitere Compilation vor.
Music Review
Various Artists
Transition Vol.1
»Transition Vol.1« vereint Tracks von vier Bands, zwischen 1992 und 1994 entstanden. Die Gemeinsamkeit: Post-Industrial als Ursprung.
Music Review
Nicola Cruz
Hybridism
Auf »Hybridism« mixt Nicola Cruz einmal mehr die verschiedensten Musiken aus den entlegensten Ecken der Welt.
Music Review
Various Artists
Cadence Revolution: Disques Debs International 2
Strut diggen weiter tief in Guadeloupe: die tolle Compilation »Cadence Revolution: Disques Debs International 2« ist erschienen.
Music Review
Tame Impala
The Slow Rush
Mit »The Slow Rush« sind die Gitarren bei Tame Impala, dem Projekt des Australiers Kevin Parker, endgültig passé.
Music Review
Sasaki Hideto & Sekine Toshiyuki Quartet +1
Stop Over
1976 in Kleinstauflage erschienen, bekommt das tolle »Stop Over« von Sasaki Hideto & Sekine Toshiyuki Quartet +1 jetzt eine zweite Chance.
Music Review
Against All Logic
2017-2019
Für sein Projekt Against All Logic hat Nicolas Jaar nun die Jahre »2017-2019« zusammengefasst.
Music Review
The Heliocentrics
Infinity Of Now
Mit »Infinity Of Now«, das soeben bei Madlib Invazions erschienen ist, sollte sich das Genie der Heliocentrics nun wirklich rumsprechen.
Music Review
Schacke
Kisloty Forever EP
Der Däne Schacke hat mit seiner »Kisloty Forever EP« dem St. Petersburger Клуб ein kleines Denkmal gesetzt.
Music Review
Kollington Ayinla And His Fuji '78 Organisation
Blessing
Wecker für Muslime: Soul Jazz legt das 1988er Album »Blessing« von Kollington Ayinla And His Fuji ’78 Organisation neu auf.
Music Review
Borusiade
Fortunate Isolation
Auf »Fortunate Isolation« macht Borusiade auch dem letzten klar: wir sind am Arsch, es gibt kein zurück mehr.
Music Review
Sandoz
Sandoz
Meister des Weglassens: 4 Tracks aus Richard H- Kirks bester Phase als Sandoz hat Second Circle nun auf eine neue Schallplatte gepackt.
Music Review
Midori Hirano
Invisible Island
Die Pianistin Midori Hirano entwirft auf dem bei Sonic Pieces erschienenen »Invisible Hands« ihre ganz eigene Form klassischer Musik.
Music Review
Flamingo Pier
Indigo EP
Die Neuseeländer Flamingo Pier veröffentlichen ein Jahr nach ihrem Debüt mit »Indigo« eine weitere EP auf Soundway.
Music Review
Mac Miller
Circles
Mac Miller ist seit anderthalb Jahren tot und bringt trotzdem bessere Platten raus als Eminem. Siehe »Circles«.
Music Review
Squarepusher
Be Up A Hello
Mit »Be Up A Hello« ist soeben das 15. Studioalbum von Squarepusher erschienen. Er knüpft hier sehr nah an seinen früheren Sound an.
Music Review
Men With Secrets
Psycho Romance And Other Spooky Ballads
Donato Dozzy und Retina.it schließen sich als Men With Secrets zu machen, um unterkühlte Wave-Musik zu machen. Wie bitte?
Music Review
Destroyer
Have We Met
»Have We Met«, das neue Album von Destroyer, ist so unzeitgemäß und widersprüchlich, wie sich die Gegenwart anfühlt.
Music Review
I.A.O.
Phase 3
Left Ear veröffentlicht mit »Phase 3« zwischen 1988 und 1995 entstandene Musik der zu unrecht wenig bekannten Berliner Band I.A.O.
Music Review
Ihsan Al-Munzer
Belly Dance Disco
“»Belly Dance Disco«, die erste Veröffentlichung des Libanesen Ihsan Al-Munzer, wurde nun erstmals in voller Länge wiederveröffentlicht.
Music Review
Roc Marciano
Marcielago
Auf seinem achten Album »Marcielago« schert sich Roc Marciano nicht um zeitgenössische Soundentwürfe. Klingt aber dennoch erfrischen roh.
Music Review
Thony Shorby Nyenwi
Sweet Funk Music
Jet hat jetzt das zuerst 1978 veröffentlichte Album »Sweet Funk Music« von Thony Shorby Nyenwi ausgegraben.
Music Review
Okay Kaya
Watch This Liquid Pour Itself
Auf Okay Kayas zweitem Album hätte alles schiefgehen können. Doch bietet »Watch This Liquid Pour Itself« mehr Substanz als Schabernack.
Music Review
Pet Shop Boys
Hotspot
»Hotspot«, das neue Album der Pet Shop Boys, ist soetwas wie ihre Berlin-Platte geworden.
Music Review
Black Lips
Sing In A World That's Falling Apart
Auf »Sing In A World That’s Falling Apart« vermischen die Black Lips Country mit einer cleveren Hinterwäldler-Rhetorik.
Music Review
Callisto
Guidance Is Eternal 2
Mit »Guidance Is Eternal 2« wird die Musik des 2013 verstorbenen Bostoner House-Produzenten Callisto neu aufgelegt.
Music Review
Alessandro Alessandroni
Afro Discoteca Reworked & Reloved
Der vor drei Jahren veröffentlichte Überraschungshit »Afro Discoteca« von Alessandro Alessandroni wurde nun mit Remixen versehen.
Music Review
TNGHT
II
Über sieben Jahren nach ihrem überraschenden Debüt legen Hudson Mohawke und Lunice als TNGHT nun »II« nach.
Music Review
Jeff Parker
Suite For Max Brown
»Suite For Max Brown« ist das erst vierte Soloalbum des tollen Jazzgitarristen Jeff Parker. Makaya McCraven war hier nicht unbeiteiligt.
Music Review
Argonautiks
Trauben über Gold
Scharf gelayerte Sozialkritik auf minimalen Beats gibt es auf »Trauben über Gold« , dem neuen Album der Argonautiks.