Music Review | verfasst 13.02.2012
Blu & Exile
Below The Heavens
Sound In Color, 2007
Text Carlos Steurer , Übersetzung Julia Frohn
Deine Bewertung:
9.4
Nutzer (11)
9.5
Redaktion
Cover Blu & Exile  - Below The Heavens

Jahre bevor kalifornische Teenager mit tighten Jeans pausenlos »Swag« in Mikorofone brüllten und die komplette Küste raptechnisch abgeschrieben war, erschien 2007, unbemerkt von der größeren Öffentlichkeit, mit Blu & Exile’s Below The Heavens ein langlebiges, wegweisendes Hip-Hop-Album. In der Tradition von Gang Starr, EPMD und Pete Rock & CL bildeten Blu und Exile darauf ein sich perfekt ergänzendes, Team, bestehend aus einem Produzenten mit klaren Sound- und Songvorstellungen und einem über-talentierten, hungrigen MC. Wenn Blu auf In Remembrance Of Me rappt: »My Mum said, that I was too young to make this song«, dann mag das daran liegen, dass man einen 22 Jährigen über so schwerwiegende Themen wie Teenager-Schwangerschaften oder das Leben nach dem Tod nie so leichtfüßig und trotzdem technisch-versiert hat rappen hören. Exile’s Soul-Boombast lieferte die perfekte Unterlage für Blu’s tagträumerische Poesie. Joe Tex, The O’Jay’s und Roberta Flack wurden hier einzigartig, kreativ und verschleiert durch die Geräte gejagt, in einen Hip-Hop Kontext gestellt und von Blu mit seiner persönliche Geschichte eines aufstrebenden, hart arbeitenden Künstlers voller Seele und Weisheiten bebildert. Der im heutigen Hip-Hop allgegenwärtigen Verletzlichkeit und das gewisse Understatement, ebnete Blu auf Tracks wie Dancing In The Rain, bei dem selbst der härteste Gangster eine Freundenträne verdrücken dürfte, den Weg. Zum Re-Release 5 Jahre später lässt sich mit Bestimmtheit sagen, dass Blu & Exile einen zeitlosen Genre-Klassiker erschufen und ganz nebenbei der Westküste und der gesamten Rap-Landschaft neues Leben einhauchten. So lästig die Nas-Vergleiche, in Bezug auf Debüt-Alben junger Lyricists, auch sein mögen, für mich ist Below The Heavens genau dieses Lebens-verändernde Album, das für viele Illmatic war.

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 02.11.2012
Blu & Exile
Give Me My Flowers While I Can Still Smell Them
Eine Rückkehr auf Pfade vergangener Triumphe ist ein Unterfangen, das herrlich scheitern kann. Oder es ist eine Wiedergutmachung.
Music Review | verfasst 15.12.2017
Blu & Exile
In The Beginning: Before The Heavens
»In The Beginning: Before The Heavens« versammelt jene Tracks von Blu & Exile, die es nicht auf »Below The Heavens« geschafft haben.
Music Interview | verfasst 05.01.2012
Exile
»Es begann mit zwei Kassettendecks«
Seine erste Band hatte er gemeinsam mit Aloe Blacc und seither ist er nicht mehr aus der Musikszene Los Angeles’ wegzudenken, hat Beats für Blu, Fashawn, Slum Village produziert und auch Scratches für J Dilla, wie er im Interview erzählt.
Music Bericht | verfasst 22.04.2014
Blu, Dag Savage, Quelle Chris & Denmark Vessey
Live am 15.4. in der Alten Feuerwache in Mannheim
Diese Entourage liest sich wie das Who-is-Who des Indierap: Blu, Exile, Johaz, Quelle Chris und Denmark Vessey waren gemeinsam auf Tour durch Deutschland. Bei ihrem Stopp in Mannheim waren wir dabei.
Music Review | verfasst 19.06.2011
Blu
Her Favourite Colo(u)r
Die kratzigen Sampleschichten auf Her Favourite Colo(u)r klingen eher nach einem sonnigen Tag in Georgia als nach der harten Westküste.
Music Review | verfasst 26.08.2011
Blu
Jesus
»Jesus« hat mehr den Charakter einer lässig geführten Aufnahme-Session als eines Albums und ist dennoch ein Genuss fürs Ohr.
Music Review | verfasst 22.09.2011
Blu
Open
Open ist ein weiteres Zwischenprodukt auf dem Weg zum ersehnten Album NoYork!. Es zeigt Blu in erster Linie als Producer.
Music Review | verfasst 19.02.2014
Sene & Blu
A Day Late … & A Dollar Short.
»A Day Late… & A Dollar Short« von Sene & Blu liegt erstmals auf Vinyl vor. Längst überfällig, denn dieses Album verdient Aufmerksamkeit.
Music Review | verfasst 13.07.2015
Blu
The Return
Der Output von Blu und auch die Qualität ist bekanntermaßen hoch. »The Return« fehlt nun die Kraft und Besonderheit, die wir gewohnt sind.
Music Review
Various Artists
Studiolo: The 90's Afro Cosmic Era
Die Grenzen zwischen kosmisch und komisch sind auf »Studiolo: The 90’s Afro Cosmic Era« fließend.
Music Review
Jpegmafia
All My Heroes Are Cornballs
Jpegmafia nennt »All My Heroes Are Cornballs« ein Punk-Musical. Und das ist es auch, denn es verweigert sich jeglichen Konventionen.
Music Review
Unknown Artist
Nocturne Edits 002
Freestyle, Italo Disco, Breakbeats: Die zweite Ausgabe von Jordans »Nocturne Edits« ist eine erneute Dienstleistung für Hit-Maschinen-DJs.
Music Review
Courtney Barnett
MTV Unplugged Live In Melbourne
Mit acht prefekt unperfekten Versionen eigener und fremder Songs ist Courtney Barnett nun auf »MTV Unplugged Live In Melbourne« zu hören.
Music Review
Various Artists
Kearney Barton: Architect Of The Northwest Sound
Die Compilation »Kearney Barton: Architect Of The Northwest Sound« feiert einen Produzenten, der Seattle geprägt hat wie kaum ein Zweiter.
Music Review
Priscilla Ermel
Origins Da Luz
Das soeben bei Music From Memory erschienene »Origins Da Luz« versammelt die besten Stücke der brasilianischen Musikern Priscilla Ermel.
Music Review
Subtle Houzze
Controversy
Gary D. und Boris Dlugosch die EP »Controversy« vor, die damals wie heute Tracks für alle Tages- und Nachtzeiten bietet.
Music Review
Various Artists
Napoli Segreta Vol.2
Der Sommer beginnt in diesem Jahr schon im Februar: NG Records legt mit »Napoli Segreta Vol.2« eine weitere Compilation vor.
Music Review
Various Artists
Transition Vol.1
»Transition Vol.1« vereint Tracks von vier Bands, zwischen 1992 und 1994 entstanden. Die Gemeinsamkeit: Post-Industrial als Ursprung.
Music Review
Nicola Cruz
Hybridism
Auf »Hybridism« mixt Nicola Cruz einmal mehr die verschiedensten Musiken aus den entlegensten Ecken der Welt.
Music Review
Various Artists
Cadence Revolution: Disques Debs International 2
Strut diggen weiter tief in Guadeloupe: die tolle Compilation »Cadence Revolution: Disques Debs International 2« ist erschienen.
Music Review
Tame Impala
The Slow Rush
Mit »The Slow Rush« sind die Gitarren bei Tame Impala, dem Projekt des Australiers Kevin Parker, endgültig passé.
Music Review
Sasaki Hideto & Sekine Toshiyuki Quartet +1
Stop Over
1976 in Kleinstauflage erschienen, bekommt das tolle »Stop Over« von Sasaki Hideto & Sekine Toshiyuki Quartet +1 jetzt eine zweite Chance.
Music Review
Against All Logic
2017-2019
Für sein Projekt Against All Logic hat Nicolas Jaar nun die Jahre »2017-2019« zusammengefasst.
Music Review
The Heliocentrics
Infinity Of Now
Mit »Infinity Of Now«, das soeben bei Madlib Invazions erschienen ist, sollte sich das Genie der Heliocentrics nun wirklich rumsprechen.
Music Review
Schacke
Kisloty Forever EP
Der Däne Schacke hat mit seiner »Kisloty Forever EP« dem St. Petersburger Клуб ein kleines Denkmal gesetzt.
Music Review
Kollington Ayinla And His Fuji '78 Organisation
Blessing
Wecker für Muslime: Soul Jazz legt das 1988er Album »Blessing« von Kollington Ayinla And His Fuji ’78 Organisation neu auf.
Music Review
Borusiade
Fortunate Isolation
Auf »Fortunate Isolation« macht Borusiade auch dem letzten klar: wir sind am Arsch, es gibt kein zurück mehr.
Music Review
Sandoz
Sandoz
Meister des Weglassens: 4 Tracks aus Richard H- Kirks bester Phase als Sandoz hat Second Circle nun auf eine neue Schallplatte gepackt.
Music Review
Midori Hirano
Invisible Island
Die Pianistin Midori Hirano entwirft auf dem bei Sonic Pieces erschienenen »Invisible Hands« ihre ganz eigene Form klassischer Musik.
Music Review
Flamingo Pier
Indigo EP
Die Neuseeländer Flamingo Pier veröffentlichen ein Jahr nach ihrem Debüt mit »Indigo« eine weitere EP auf Soundway.
Music Review
Mac Miller
Circles
Mac Miller ist seit anderthalb Jahren tot und bringt trotzdem bessere Platten raus als Eminem. Siehe »Circles«.
Music Review
Squarepusher
Be Up A Hello
Mit »Be Up A Hello« ist soeben das 15. Studioalbum von Squarepusher erschienen. Er knüpft hier sehr nah an seinen früheren Sound an.
Music Review
Men With Secrets
Psycho Romance And Other Spooky Ballads
Donato Dozzy und Retina.it schließen sich als Men With Secrets zu machen, um unterkühlte Wave-Musik zu machen. Wie bitte?
Music Review
Destroyer
Have We Met
»Have We Met«, das neue Album von Destroyer, ist so unzeitgemäß und widersprüchlich, wie sich die Gegenwart anfühlt.
Music Review
I.A.O.
Phase 3
Left Ear veröffentlicht mit »Phase 3« zwischen 1988 und 1995 entstandene Musik der zu unrecht wenig bekannten Berliner Band I.A.O.
Music Review
Ihsan Al-Munzer
Belly Dance Disco
“»Belly Dance Disco«, die erste Veröffentlichung des Libanesen Ihsan Al-Munzer, wurde nun erstmals in voller Länge wiederveröffentlicht.
Music Review
Roc Marciano
Marcielago
Auf seinem achten Album »Marcielago« schert sich Roc Marciano nicht um zeitgenössische Soundentwürfe. Klingt aber dennoch erfrischen roh.
Music Review
Thony Shorby Nyenwi
Sweet Funk Music
Jet hat jetzt das zuerst 1978 veröffentlichte Album »Sweet Funk Music« von Thony Shorby Nyenwi ausgegraben.
Music Review
Okay Kaya
Watch This Liquid Pour Itself
Auf Okay Kayas zweitem Album hätte alles schiefgehen können. Doch bietet »Watch This Liquid Pour Itself« mehr Substanz als Schabernack.
Music Review
Pet Shop Boys
Hotspot
»Hotspot«, das neue Album der Pet Shop Boys, ist soetwas wie ihre Berlin-Platte geworden.
Music Review
Black Lips
Sing In A World That's Falling Apart
Auf »Sing In A World That’s Falling Apart« vermischen die Black Lips Country mit einer cleveren Hinterwäldler-Rhetorik.
Music Review
Callisto
Guidance Is Eternal 2
Mit »Guidance Is Eternal 2« wird die Musik des 2013 verstorbenen Bostoner House-Produzenten Callisto neu aufgelegt.
Music Review
Alessandro Alessandroni
Afro Discoteca Reworked & Reloved
Der vor drei Jahren veröffentlichte Überraschungshit »Afro Discoteca« von Alessandro Alessandroni wurde nun mit Remixen versehen.
Music Review
TNGHT
II
Über sieben Jahren nach ihrem überraschenden Debüt legen Hudson Mohawke und Lunice als TNGHT nun »II« nach.
Music Review
Jeff Parker
Suite For Max Brown
»Suite For Max Brown« ist das erst vierte Soloalbum des tollen Jazzgitarristen Jeff Parker. Makaya McCraven war hier nicht unbeiteiligt.
Music Review
Argonautiks
Trauben über Gold
Scharf gelayerte Sozialkritik auf minimalen Beats gibt es auf »Trauben über Gold« , dem neuen Album der Argonautiks.
Music Review
Steve Roach
Quiet Music 1-3
Telephone Explosion hat die zuerst 1986 und nur auf Kassette erschienene »Quiet Music 1-3« von Steve Roach wiederveröffentlicht.
Music Review
Saåda Bonaire
Saåda Bonaire
Captured Tracks legt eine Neuauflage der gesammelten Werke der 1982 gegründeten Bremer Kapelle Saåda Bonaire vor.
Music Review
Oval
Scis
Mit dem Album »Scis« macht Oval das, was Markus Popps Arbeit schon immer auszeichnete – und nebenbei gesagt noch einen Heidenspaß.
Music Review
Various Artists
Locus Error
Nina Kraviz hat mit »Locus Error« einen weiteren Sampler für ihr Label Trip/трип zusammengestellt. Es ist der bislang beste.