»Schon wieder neues aus Williamsburg« mag man denken, wenn man sich die Musik von Milagres anhört und sich ein wenig in das Thema einliest. Doch früher oder später merkt man selbst, dass hier etwas nicht stimmt. Es fehlt der hedonistische Touch, die Sorglosigkeit, die die unzähligen Bands aus dem musikalischen Schmelztiegel Brooklyn mitbringen. Das mag wohl auch damit zusammenhängen, dass dieses Album seine Vorgeschichte hat. Frontmann Kyle Wilson hat einen langen Leidensweg hinter sich, seitdem er vor knapp drei Jahren beim Klettern eine Felswand hinabgestürzt ist und eine gravierende Rückenverletzung davontrug, die eine erfolgreiche Karriere fast unmöglich gemacht hätte. Doch gerade diese neue schmerzliche Situation ließ den Songwriter in ihm heranreifen, und so machte er sich verstärkt daran, diese Momente einzufangen und in schöne Lieder umzumünzen, die er nun, auf dem »Glowing Mouth«, dem zweiten Album mit seiner Band Milagres in die Welt hinausträgt. Indierockig, dreampoppig und shoegazig gehen Milagres zu Werke, doch leider nicht entschlossen genug. Es sind wenig einprägsame Songs, die zwar in ihrer Gesamtheit auf Albumlänge nicht weiter stören, aber auch nicht besonders auffallen. »Glowing Mouth« plätschert nach dem knackigen »Here To Stay« kurz nach Beginn des Albums über elf Kapitel vor sich hin und man stellt verwundert fest, wo die Musik geblieben ist, nachdem sie längst ausgelaufen ist.
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