Music Review | verfasst 03.04.2012
Mouse On Mars
Parastrophics
Monkeytown, 2012
Text Patrick Cavaleiro , Übersetzung Julia Frohn
Deine Bewertung:
8.2
Nutzer (4)
7.5
Redaktion
Cover Mouse On Mars - Parastrophics

Ob Jorge Takei, Tolouse Low Trax, die Antilopen Gang oder nicht zuletzt Stabil Elite: Musik aus Düsseldorf ist wieder im Gespräch. Allerorten ist die Rede vom kreativen Output der Stadt am Rhein, die nach ihrer großen Zeit in den 1970er Jahren endlich aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht. Was Andi Thoma und Jan St. Werner über den Hype denken, dürfte interessant sein – die Vermutung liegt nahe, dass sie sich ein Schmunzeln nicht werden verkneifen können. Seit 1993 sorgen sie von Köln und eben Düsseldorf aus unter ihrem Bandnamen Mouse On Mars weltweit für Furore und veröffentlichten bis 2006 neun Alben, die ihnen Erfolg und Respekt bescherten. Doch nach ihrer Zusammenarbeit mit The Fall-Kopf Mark E. Smith im Jahr 2007 als Von Südenfed wurde es still um die beiden Klangforscher. Im vergangenen Jahr kehrten sie dann dem langjährigen Mouse On Mars-HQ in Düsseldorf den Rücken und zogen nach Berlin. Vorher produzierte Andi Thoma für Andreas Dorau noch ein paar »Todesmelodien«, und dann wurden Koffer, Kisten und Konsolen eingepackt. In der Hauptstadt machten sich die beiden an die Arbeit zu einem neuen Album. Die Erwartungshaltungen waren groß, erst recht, nachdem bekannt wurde, dass Modeselektors Monkeytown Records das Album veröffentlichen würde. Das letzte Studioalbum »Varcharz« waberte gekonnt vor sich hin, doch war so ein Sound bei Mike Pattons Ipecac Records besser aufgehoben als bei der basslastigen Institution mit dem Affen. Zudem waren inzwischen sechs Jahre ins Land gezogen – was würde das geben? Umso erstaunlicher ist es, dass Mouse On Mars frisch sind wie eh und je: »Parastrophics« ist ein Acid-getränkter Höllenritt durch die Welt der elektronischen Musik, der so durchaus auch in der Frühphase der Band hätte erscheinen können. Entsprechend ist auch die Live-Umsetzung, die muffige Säle in gellende Raves verwandelt, in denen Ekstase bloß die erste Stufe auf dem Weg zum Wahnsinn ist. Die Beats pumpen und knarzen, die Melodien gleiten und flirren: dem Krach wird Raum gegeben. Dennoch ist Weggefährte und Live-Drummer Dodo NKishi präsent wie selten. So wird der Noise-Schwerpunkt locker wieder ausbalanciert und das Album bekommt eine Zugänglichkeit, die zwar nicht so weit geht wie bei »Radical Connector«, aber nach »Varcharz« für eine sehr erfreuliche Rückkehr sorgt.

Das Album »Parastrophics« von Mouse On Mars findest du bei hhv.de: 2LP CD#
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 20.12.2012
Mouse On Mars
WOW
Laut Eigenaussage von Jan St. Werner und Andi Toma mögen die beiden Club-Musik eigentlich gar nicht. »WOW« beweist da etwas anderes.
Music Bericht | verfasst 24.09.2012
Mouse On Mars
Live am 22.9. im Werk2 in Leipzig
Die deutschen Ausnahme-Elektroniker von Mouse On Mars waren der Haupt-Act der Jazzelectric Night des Leipziger Jazz-Festivals 2012. Im Werk2 zermalmten sie den Jazz zwischen Beats und Noise.
Music Bericht | verfasst 04.11.2014
Mouse On Mars
Live beim 21 AGAIN Festival in Berlin
21 Jahre alt und kein bisschen stiller: Mouse On Mars feierten mit dem 21 AGAIN FESTIVAL und einem umfangreichen Programm ihr ungerades Jubiläum im Hebbel am Ufer (HAU) in Berlin.
Music Review | verfasst 02.08.2013
Moderat
II
Moderat setzen mir ihrer neuen Platte »II« auf feinen Nuancen und Zwischentöne statt auf fette Club-Banger.
Music Review | verfasst 01.04.2016
Moderat
III
Ausgefeilter als je zuvor: Modelselektor und Apparat legen als Modeselektor ihr Album »III« vor.
Music Interview | verfasst 15.08.2013
Moderat
Eine Frage des Feelings
Zum Erscheinen ihrer zweiten Platte »II« haben wir uns mit Sascha Ring, Gernot Bronsert und Sebastian Szarzy im Studio verabredet um den Prozessen auf den Grund zu gehen, die den zeitlosen Elektro von Moderat ermöglichen.
Music Review | verfasst 05.11.2010
Modeselektor
Modeselektion Vol.1
Im Kern ist die Compilation die Visitenkarte des Netzwerkes aus Freunden und geschätzten Künstlern.
Music Review | verfasst 29.09.2011
Modeselektor
Monkeytown
Modeselektor mischen die verschiedensten Clubmusikstile zusammen. Ihnen ist dennoch ein überraschend homogenes Album gelungen.
Music Review
Shanti Celeste
Tangerine
Auf ihrem Debütalbum »Tangerine« stürmt Shanti Celeste den Dancefloor, ohne dabei eine Träne im Knopfloch zu tragen.
Music Review
Daniel Grau
El Mágico Mundo De Daniel Grau
Nach einer jahrzehntelangen Pause legt Daniel Grau mit »El Mágico Mundo De Daniel Grau« ein neues Album vor.
Music Review
Brainstory
Buck
Wie viele Sunny-California-Klischees lassen sich auf ein Album pressen? Mit »Buck« testen Brainstory es aus.
Music Review
Tapan meets Generation Taragalte
Atlas
Ein Industrial-Projekt aus Serbien trifft auf eine Tuareg-Combo aus Marokko… und »Atlas« von Tapan meets Generation Taragalte funktioniert
Music Review
Turquoise Days
Further Strategies
So richtig totzukriegen ist die Musik von Turquoise Days nicht: Mit »Further Strategies« kommen die Songs der Briten zu wiederholter Ehre.
Music Review
FKA twigs
Magdalene
FKA twigs ist zurück, mit »Magadalene«, auf Albumlänge, und sie ist unbewaffnet bis unter die Zähne.
Music Review
Steve Reid
Rhythmatism
Mit »Rhythmatism« hatte Steve Reid 1975 ein Manifest für das friedliche Miteinander von Gegensätzen abgeliefert.
Music Review
Buttechno
badtrip
Das Debüt von Buttechno auf Nina Kraviz’ Label Trip ist, was der Titel ankündigt: ein »badtrip«, der viel Verwirrung stifftet.
Music Review
Tableau Vivant
Double Dream Hands
Tableau Vivant ist das gemeinsame Projekt von Infuso Gallo und Joshua Gottmanns. »Tableau Vivant« ihre erste Veröffentlichung.
Music Review
Nick Cave & The Bad Seeds
Ghosteen
»Ghosteen« von Nick Cave & The Bad Seeds wird als Meisterwerk eingehen und sich ob seiner Zerbrechlichkeit doch kaum hören lassen.
Music Review
Lost Scripts
Giske / Mozart
Für die beiden Stücke »Giske« und »Mozart« haben sich John Talabot und Pional einmal mehr unter dem Namen Lost Scripts zusammengefunden.
Music Review
A Winged Victory For The Sullen
The Undivided Five
Tiefer und berührender als auf »The Undivided Five« klangen A Winged Victory For The Sullen tatsächlich noch nie.
Music Review
Patrick Cowley
Mechanical Fantasy Box
»Mechanical Fantasy Box« gibt einen Überblick über das Schaffen des viel zu früh verstorbenen Disco-Pioniers Patrick Cowley.
Music Review
Michael Kiwanuka
KIWANUKA
Die große Kunst des neuen, dritten Albums von Michael Kiwanuka: Es klingt gleichzeitig nach Vergangenheit und Zukunft.
Music Review
Cigarettes After Sex
Cry
Es gibt reflektiertere Songs über die Liebe, aber nur wenige sind in so schöne Ohrwürmer wie auf »Cry« von Cigarettes After Sex gepackt.
Music Review
Kiefer
Superbloom + Bridges EP
Stones Throw bringt die beiden EPs »Superbloom« und »Bridges« von Kiefer auf einem Vinylrelease gemeinsam heraus.
Music Review
Vulfpeck
The Beautiful Game
Groove kann so einfach sein: Die Funkband Vulfpeck aus Ann Arbor haben ihr zweites Album »The Beautiful Game« veröffentlicht.
Music Review
Teebs
Anicca
»Anicca« ist das erste Album von Teebs seit fünf Jahren. Es ist inhaltlich ein zeitgeistiges Album mit Botschaft, musikalisch nicht.
Music Review
Conforce
Dawn Chorus
Quo vadis Techno? Der niederländische Produzent Conforce gibt auf »Dawn Chorus« Einblicke, wohin die Reise gehen könnte.
Music Review
Meo
Cikuana/Alturas – 12"
Mitte der 1980er Jahre gehörte Meo zu den Protagonisten des »Afro«-Stils. Die Vinyl 12" »Cikuana/Alturas« wurde jetzt wiederveröffentlicht.
Music Review
Vazz
Cloud Over Maroma
Der Durchbruch war Vazz einst in den Achtzigerm nicht beschienen. Aber jetzt kommen sie zu spätem Ruhm. »Cloud Over Maroma« wird helfen.
Music Review
Sidiku Buari
Disco Soccer
Sidiku Buari war einst Afrikameister im 400-Meter-Lauf. Dann machte er Musik.. »Disco Soccer« von 1979 wurde jetzt wiederveröffentlicht.
Music Review
Kim Gordon
No Home Record
Acht Jahre nach dem Ende von Sonic Youth legt Kim Gordon nun mit »No Home Record« ihr Solodebüt vor. Ein Meisterwerk ist es nicht geworden.
Music Review
Bremer / McCoy
Utopia
Das neue Album »Utopia« des dänischen Jazzduos Bremer/McCoy holt dich für eine Dreiviertelstunde aus dem grauen Loch.
Music Review
Erobique & Jacques Palminger
Yvon im Kreis der Liebe
Zehn Jahre nach »Wann strahlst du?« veröffentlichen Erobique, Jacques Palminger und die Sängerin Yvon Jansen ein gemeinsames Album.
Music Review
Various Artists
Nigeria Soul Power 70
Die SOul Jazz-Compilation »Nigeria Soul Power 70« versammelt 14 Songs, die das politische Bewusstsein in Nigeria in den Siebzigern abbilden.
Music Review
Occult Orientated Crime
The Occult Orientated Crime Album
Occult Orientated Crime ist weitere Seitenprojekt des Niederländers Legowelt. »The Occult Orientated Crime Album« ist nicht von dieser Welt.
Music Review
Sunn O)))
Pyroclasts
Mit »Pyroclasts« schieben Sunn O))) ihrer aktuellen LP »Life Metal« vier Proberaumjams hinterher, die das Konzeptalbum ausstechen.
Music Review
Jazzanova
Of All The Things
»Of All The Things«, das 2008 erstmals veröffentlichte, zweite Album der Berliner Band Jazzanova, hat nun einer Neuauflage erhalten.
Music Review
Quiroga
Passages
Seit 15 Jahren ist der neapolitanische Produzent Quiroga nun schon aktiv. Soeben ist bei Hell Yeah sein zweites Album »Passages« erschienen.
Music Review
Grouper
A I A: Dream Loss | A I A: Alien Observer
Groupers Alben »A I A: Dream Loss« und »A I A: Alien Observer« von 2011 haben 2019 nichts an ihrer obskuren Strahlkraft verloren.
Music Review
Mariana Ingold
Cara A Cara
Left Ear veröffentlicht »Cara A Cara«, eine Zusammenstellung mit Lieder der uruguayischen Sängerin Mariana Ingold.
Music Review
Emptyset
Blossoms
Auf Basis künstlicher Intelligenz haben sich Emptyset ihr neues Album »Blossoms« programmieren lassen.
Music Review
Ka Baird
Respire
Singen, Sprechen, Hecheln, Keuchen: Ka Bairds hat mit »Respire« ein zweites Album vorgelegt.
Music Review
Various Artists
Tone Dropout Vol.8
Die Roland-Maschinen klappern auf der Compilation »Tone Dropout Vol.8« immer noch so schön wie 1992.
Music Review
Automat
Automat
Das neue Label Tempo Dischi will Perlen der Musik Italiens neu auflegen. Die Reissue von »Automat« ist ein erstes Highlight.
Music Review
Stephen Mallinder
Um Dada
Nach 35 Jahren erscheint mit »Um Dada« das zweite Soloalbum von Cabaret Voltaire’s Stephen Mallinda. Kann man so sehen.
Music Review
Brahja
Brahja
Der Saxophonist Devin Brahja Waldman hat ein gutes Dutzend Musiker um sich geschart und mit »Brahja ein ganz starkes Jazzalbum aufgenommen.
Music Review
Carla dal Forno
Look Up Sharp
Carla Dal Forno ist mit »Look Up Sharp« angekommen. Es ist ein komischer Ort. Nah bei sich, weit weg von jemand anderem.
Music Review
Maleem Mahmoud Ghania & Pharoah Sanders
The Trance Of Seven Colors
»The Trance Of Seven Colors«, das gemeinsame Album von Maleem Mahmoud Ghania und Pharoah Sanders wurde erstmals auf Vinyl veröffentlicht.
Music Review
Hozan Yamamoto with Sharps & Flats
Beautiful Bamboo-Flute
Die Bambusflöte ist besser als ihr Ruf. Das wusste Hozan Yamamoto schon 1971 und nahm »Beautiful Bamboo-Flute« auf.