Books Review | verfasst 18.05.2012
Felix Denk & Sven von Thülen
Der Klang der Familie: Berlin, Techno und die Wende
Suhrkamp, 2012
Text Maximilian Theisen
Deine Bewertung:
/
Nutzer
8.5
Redaktion
Cover Felix Denk & Sven von Thülen - Der Klang der Familie: Berlin, Techno und die Wende

Wer dieses Buch zum ersten Mal aufschlägt, wird etwas irritiert sein. Es handelt sich nämlich nicht um einen klassischen Roman oder gar ein Sachbuch (Vergleiche mit Laurent Garniers »Elektroschock« bieten sich vom Thema her ja an). Statt der typischen Erzählform haben die Autoren Felix Denk und Sven von Thülen einfach verschiedene Antworten aus ihren Interviews hintereinander gesetzt. Ohne weiteren Kommentar, ohne Erklärung. Was zunächst wie ein großes Chaos aussieht und was mich befürchten ließ, dass ich sehr lange für dieses Buch brauchen würde, stellt sich tatsächlich jedoch als geglücktes Schreibprinzip heraus. Die verschiedenen Perspektiven von Szenegrößen wie Westbam, Paul van Dyk, Alec Empire und vielen anderen machen dieses Buch so lebendig, wie es mit einem klassischen Romanaufbau nicht möglich gewesen wäre. Die verschiedenen Originalaussagen ziehen den Leser direkt in diese Welt der 1990er Jahre hinein, als wäre man selbst dabei gewesen. Um einen noch tieferen Zugang zum Sound der 1990er Jahre zu ermöglichen, bieten die Autoren auf den letzten Seiten einige Charts, von relevanten DJs zusammengestellt, die sich je auf einen bestimmten Club beziehen. Was schon bei Laurent Garniers »Elektroschock« für mich zu dem Wichtigsten gezählt hat, nämlich die Möglichkeit, den Sound der erwähnten Clubs zu erleben, hat auch dieses Buch noch wichtiger für die Szene gemacht. Da erwischt man sich schon mal dabei, dass man den Abend lieber mit diesem Buch und den entsprechenden Playlists, als im lokalen Technoclub verbringt.

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 01.06.2012
Mark Greif
Hipster
Mark Greif nimmt eine Archäologie des Hipsters vor und die deutsche Ausgabe führt das Anliegen ad absordum.
Music Review | verfasst 18.04.2012
Orbital
Wonky
Orbital wollen nach langer Pause zeigen, dass sie noch immer der größte Techno-Act Großbritanniens sind.
Music Review | verfasst 03.05.2012
Model 500
Control
Juan Atkins, Mike Banks, Mark Taylor und Milton Baldwin erinnern als Model 500 an die gute alte Zeit.
Music Review | verfasst 21.05.2012
Various Artists
Mobilee Back To Back Vol.6
Das Produzentenduo Pan-Pot präsentiert die sechste Ausgabe der Reihe »Back to Back« auf Mobilee Records.
Music Review | verfasst 18.06.2012
Glitterbug
Cancerboy
Der Technoproduzent Till Rohmann aka Glitterbug war als Kind an Krebs erkrankt. »Cancerboy« handelt davon«
Music Review | verfasst 12.07.2012
Untold
Change In A Dynamic Environment Pt.2
Die Überraschungen, mit denen uns Untold auf dem ersten Teil der Trilogie noch in Staunen versetzte, bleiben diesmal aus.
Music Review | verfasst 17.07.2012
Sterac (Steve Rachmad)
Secret Life Of Machines Remastered
»Secret Life Of Machines« ist musikalischer Wegweiser und andauernder Flashback in einem.
Music Review | verfasst 19.07.2012
Hrdvsion/ Midnight Operator
Prettier Than That/ Dangerous Behaviour
Eine neue Split-12" auf Wagon Repair präsentiert die beiden Brüder Nathan und Mathew Jonson in Eintracht und Zwietracht.
Music Review
The Purist
Pyrex Scholar
Auch auf seiner neuen Platte »Pyrex Scholar« hält es The Purist getreu seinem Namen unverfälscht: fette Sample Breaks im 90er Stil.
Music Review
Guapo
Obscure Knowledge
Die Platte »Obscure Knowledge« der britischen Band Guapo hat ein bisschen Zeitreise-Charakter. Doch man lässt sich nur zu gern mitnehmen.
Music Review
David Torn
only sky
Soloalben von David Torn sind ein rares Gut – und »only sky« ist strenggenommen seine erste reine Soloplatte.
Music Review
ASD (Afrob & Samy Deluxe)
Blockbasta
Das Album »Blockbasta« von ASD veranschaulicht, wie sich ein Spätwerk zweier Künstler nicht mit früheren Schaffensphasen vereinbaren lässt.
Music Review
DJ Rashad
6613
»6613«, die zweite postum erschienene EP des Chicagoer Footwork-Pioniers DJ Rashad, ist weit mehr als ein Betroffenheitsartefakt.
Music Review
Slum Village
Yes
Das achte Album »Yes« der Stehaufmännchen von Slum Village ist eine bittersüße Familienfeier aus dem Fusion-Sample-Tank von J Dilla.
Music Review
Anderson .Paak
Venice
Leider im Format vergriffen: »Venice«, das Debüt von Anderson Paak hätte ein prima Mixtape werden können. Als Album ist es nur Durchschnitt.
Music Review
Alden Penner
Canada In Space EP
Alden Penner hat bei The Unicorns und Clues mitgewirkt. Mit der »Canada In Space EP« kann er daran gemessene Erwartungen locker erfüllen.
Music Review
Manni Dee
Human Image
Der Brite Manni Dee changiert auf seiner zehnten EP »Human Image« zwischen Traditionsbewusstsein und Zeitgeistigkeit.
Music Review
Various Artists
Kollektion 04 (compiled by Richard Fearless)
Mit RIchard Fearless von Death In Vegas stellt für die Reihe »Kollektion« erstmals ein Musiker das gesamte Archiv von Bureau B auf den Kopf.
Music Review
Voices From The Lake
Live at MAXXI
Donato Dozzy und Neel haben als Voices From The Lake im Oktober des vergangenen Jahres das MAXXI in Rom live bespielt.
Music Review
Jaakko Eino Kalevi
Jaakko Eino Kalevi
Vom Straßenbahnfahrer zum Albumdebütanten: Jaakko Eino Kalevi legt sein selbstbetiteltes Gesellenstück vor.
Music Review
Mura Masa
Someday Somewhere
Trotz seiner 19 Jahre hat der Beatmaker Mura Masa mit seinem Sound einige Anhänger gefunden. Nun erscheint »Someday Somewhere«.
Music Review
Hauschka
2.11.14
Für »2.11.14« hat der als Hauschka musizierende Pianist Volker Bertelmann sein präpariertes Klavier auf eine japanische Insel geschleppt.
Music Review
Various Artists
Disco 2: A Further Fine Selection of Independent Disco
Soul Jazz geht in die nächste Runde: »Disco 2: A Further Fine Selection of Independent Disco, Modern Soul and Boogie 1976-80«.
Music Review
Ta-Ku
Songs To Make Up To
Die EP »Songs To Make Up To« von Ta-Ku ist das bessere Sequel zu dem vor zwei Jahren erschienen »Songs To Break Up To«.
Music Review
John Beltran
Espais
Was John Beltrans letztjährige Ambient-Compilation »Music For Machines« stark machte, fehlt auf seinem neuen Album »Espais«: das Narrativ.
Music Review
Jabu ft. Chester Giles
Slow Hours
Das Bristolische Duo Jabu zeigt sich minimalistisch. »Slow Hours« mit Lyriker Chester Giles bringt trotzdem viel Tiefe mit.
Music Review
LA Priest
Inji
Samuel Eastgate, ehemaliger Sänger von Late Of The Pier, erfindet sich auf »Inji« als LA Priest neu.
Music Review
Ital
Toxic Work Environment
Ital präsentiert auf »Toxic Work Environment« ins Dystopische driftenden Minimal Techno. In Sachen Komplexität ist das erst einmal neu.
Music Review
Len Faki
Basement Trax Vol.2
»Basement Trax Vol.2« von Len Faki bietet Peak-Time-Tracks für all jene, die sich den Wechselspielen des Lebens zu entziehen wissen.
Music Review
Computer Graphics
CCCP
Alexey Devyanin leidet unter Archivfieber. Als Pseudonym Computer Graphics wühlt sich der Russe durch das mediale Archiv der Sowjetunion.
Music Review
Merle
2000 - And We're Still Here
House-Legende Merwyn Sanders lässt als Merle seinen 15 Jahre alten Klassiker »2000 – And We’re Still Here von Merle« wiederaufleben.
Music Review
Pilocka Krach
Best Of
Ein »Best Of« gegen Berliner Bierernstigkeiten: Pilocka Krachs Krach knallt und kratzt auf Länge-LP lange nicht so schön wie im Kurzformat.
Music Review
Hidden Orchestra
Reorchestrations
Nicht Remixe, nicht Interpretationen: Die »Reorchestrations« des Hidden Orchestras lassen ihr Ausgangsmaterial noch durchschimmern.
Music Review
The Orb
Moonbuilding 2703 AD
Manche Reisen sollte man mehrmals antreten, weil es jedes Mal etwas Neues zu entdecken gibt. Dieses Album ist eine davon.
Music Review
MoTrip
Mama
Sein zweites Album »Mama« wird MoTrips Standing als einer der besten Rapper Deutschlands zwar nicht zementieren, aber verankern.
Music Review
Dele Sosimi
You No Fit Touch Am
»You No Fit Touch Am« von Dele Sosimi hat es einfach in sich: animalisch wild, instinktiv verständlich und einfach tierisch gut.
Music Review
Tissu
Unmanned Vehicle
Keine Informationen zu Tissu, außer: ein neuer Act aus der Schweiz. Die erste EP »Unmanned Vehicle« klingt trotzdem nach Staub und Meer.
Music Review
Ken Camden
Dream Memory
Ken Camden will auf »Dream Memory« die klangliche Lücke zwischen Gitarrensound und Synthesizer schließen.
Music Review
Snow Bone
Protoplanetary
Es ist ein ungefiltertes Statement, das der Brite Snow Bone mit seiner dritten EP »Protoplanetary« in Vinyl ritzen lässt.
Music Review
Hilde Marie Holsen
Ask
Für ihr bei Hubro Music erscheinendes Debüt »Ask« hat Hilde Marie Holsen fünf jazzige Stücke im Studio an der Akademie in Oslo improvisiert.
Music Review
Pimf
Memo
Pimfs Debütalbum »Memo« ist ehrliche Befindlichkeitspoesie zwischen juvenilen Weltschmerz und enthusiastischer Aufbruchsstimmung.
Music Review
Hudson Mohawke
Lantern
Neue Maßstäbe soll »Lantern« setzen. Stattdessen setzt es sich auf seinen aufgeblasenen Hochglanz-Hintern-
Music Review
Richard Marks
Never Satisfied: Complete Works 1968-83
Richards Marks’ Funk muss sich nicht vor den Funk Größen der 60ern verstecken. Jetzt erst erscheinen seine Song auf Album-Format.
Music Review
Point G
#7
Point Gs Secret Weapons machen wenig Aufhebens um die Person dahinter. Im Zentrum steht die Liebe zum perfekten Groove. So auch bei »#7«.
Music Review
Black Rebel Motorcycle Club
Live In Paris
Nach 20 Jahren Bestehen liefern Black Rebel Motorcycle Club mit »Live In Paris« ihr erstes Livealbum.
Music Review
Evan Caminiti
Meridian
Evan Caminitis siebtes Soloalbum klingt elektronischer denn ja. »Meridian« soll Energieflüsse regulieren. Harte Esoterik, softe Synthies.
Music Review
Terrence Fixmer
Aktion Mekanik Theme Versions
Zwölf Jahre nach Release erhält »Aktion Mekanik« von Terrence Fixmer bei Ostgut Ton ein paar Remixe.
Music Review
Aidan Baker & Idklang
In The Red Room
Aidan Baker hat mit Idklang einen Partner gefunden, der seiner ausufernden Kunst einen formlosen Rahmen gibt.
Music Review
PINS
Wild Nights
Die Britinnen von PINS versprechen auf ihrem neuen Album wilde Nächte. »Wild Nights« will das aber nicht so ganz einlösen.