Music Review | verfasst 20.07.2012
Masta Ace
MA DOOM: Son Of Yvonne
Fat Beats, 2012
Text Gloria Trispel , Übersetzung Julia Frohn
Deine Bewertung:
7.5
Nutzer (16)
7.5
Redaktion
Cover Masta Ace - MA DOOM: Son Of Yvonne

Brooklyn, New York City, irgendwann in den Siebzigern. Ein vorlauter Junge streift durch den Block, cornert am Store und legt sich mit den Großen an. Zuhause laufen Al Green und Minnie Riperton. Gescratcht und gesamplet wird von und mit Mamas Platten. Die Geschichte beginnt. Fünf Soloalben und über drei Jahrzehnte später geht Masta Ace zurück und erzählt alles noch einmal von Anfang an. Vom Abhängen mit der Juice Crew, den Anfängen als Rapper und Toureskapaden. Der junge Ace teilt die Groupies mit Big Daddy Kane und jettet mit seinen Homies um die Welt. Das Herz bleibt in Brooklyn. Masta Ace nimmt uns einmal wieder an die Hand auf einen Spaziergang durch seine Vergangenheit. Es gibt vielleicht keinen anderen MC, der Bilder so lebhaft beschreibt, als würde man tatsächlich nebenher laufen. Die Klangkulisse auf dem Album liefern die staubigen Samples und schleppenden Drums von keinem geringerem als DOOM. Die Beats von seiner »Special Herbs«-Reihe, bei denen sich Ace für »MA DOOM« bediente, inspirierten ihn, wieder zu schreiben. Der musikalische Austausch verlief natürlich weitgehend einseitig. Auf den einzige Vers, den der Supervillain beisteuern sollte, wartete Ace so lange, dass er bei Twitter schon resignierte. Eine kurze Huldigung des Brains wurde Ace dann doch noch auf dem Album zuteil. Bei DOOMS Rapfertigkeiten mögen sich die Geister scheiden. Masta Ace in voller Brillanz wiederzuhören entschädigt alles. Auch die Tatsache, dass es eigentlich wenig Neues auf »MA DOOM« gibt. Die Geschichten aus der Hood haben wir bereits in Echtzeit auf »Sittin’ on Chrome« und »Disposable Arts« gehört. Die recycelten Beats des Maskenweirdos sind bekanntlich bei Beatsessions mit Kräutern und einem Regal voller O.S.T.-Platten entstanden. So finden sich massenweise nostalgische Bezüge für Nerds der fiktiven Kunst, aber keine maßgeschneiderten Ace-Bretter. Entstanden ist das Projekt ohnehin als Mixtape. »MA DOOM« ist kein Nachfolger von »A Long Hot Summer« und schon gar nicht von »Disposable Arts«. Das Album erhebt auch nicht den Anspruch, Masta Ace wieder auf seinen Platz im New Yorker Rapgame zwischen Joey Bada$$ und A$ap Rocky zu quetschen. Es war eine persönliche Motivation, die zu diesem Album geführt hat. »MA DOOM« ist seiner Mutter gewidmet, die vor einigen Jahren an Krebs verstarb. Es ist eine Danksagung an den Menschen, der Masta Ace zur Musik geführt hat. So verteidigt Masta Ace sein Standing als Meister des Storytelling, und als einer der verkanntesten MC’s aller Zeiten. An erster Stelle aber als Sohn von Yvonne.

Das Album »MA DOOM: Son Of Yvonne« von Masta Ace findest du bei hhv.de: CD 2LP
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Interview | verfasst 09.07.2012
Masta Ace
»Es war definitiv eine Art Therapie«
Ganze acht Jahre nach »A Long Hot Summer« kommt Masta Ace mit einem neuen Soloalbum daher. Es heißt »MA Doom: Son Of Yvonne«. Ein Titel, der ohne Umschweife auf die wichtigsten Bezugsquellen verweist.
Music Review | verfasst 23.05.2013
Masta Ace
A Long Hot Summer
Gute Geschichten kann man immer wieder erzählen. Das Masta Ace einer der fähigsten Storyteller im Hip Hop ist, wissen wir längst.
Music Kolumne | verfasst 21.10.2014
Entweder oder
Entscheider: Masta Ace
Masta Ace will von Rente nichts wissen: In diesen Tagen erscheint seine EP »The Turning Point« und er spielt zusammen mit eMC bei den 12 YRS hhv.de Feierlichkeiten in Köln, Hamburg, Berlin und München.
Music Interview | verfasst 28.06.2016
Masta Ace
Kein Herbst in Sicht
Als einer der dienstältesten MCs im Geschäft schafft es Masta Ace trotz seiner fast 30 Jahre Erfahrung relevant zu bleiben. Wie er das macht, wo seine Karriere begann und warum er nicht mehr malt, erfahrt ihr in unserem Interview.
Music Review | verfasst 15.06.2007
MF Doom
MM..Food (Re-Release)
Das Metal Face MF Doom serviert mit MM..Food einen konservierten Leckerbissen für den Gourmets teilweise Rekordpreise zahlten.
Music Review | verfasst 18.04.2009
MF Doom
Operation: Doomsday
Der Supervillain betritt die Rapbühne, ausgestattet mit dem Durst nach Rache gegen die Industrie und bekleidet mit einer silbernen Maske.
Music Review | verfasst 12.02.2009
Jake One
White Van Music
Das Label Rhymesayers aus Minneapolis, Minnesota war stets ein Gütesiegel und White Van Music bestätigt dies erneut.
Music Review | verfasst 28.09.2012
JJ Doom
Key to the Kuffs
Kein Fast-Food-Snack für die Generation Soundcloud, sondern eine Platte, der man durchaus einen Hördurchgang mehr spendieren darf.
Music Review
Shina Williams & His African Percussions
Shina Williams
»Shina Williams«, 1980 erstmals veröffentlichte LP von Shina Williams & His African Percussions, wurde erstmals wiederveröffentlicht.
Music Review
Pan American
A Son
Nach sechsjähriger Pause veröffentlicht Mark Nelson mit »A Son« ein neues Album als Pan American.
Music Review
Yoshio Ojima
Une Collection Des Chainons I: Music For Spiral
Mit »Une Collection Des Chainons I: Music For Spiral« wird das Frühwerk von Yoshio Ojima jetzt neu erschlossen.
Music Review
Various Artists
Space Funk
Die Retro-Ästhetik von alten Science-Fiction-Filmen überträgt die Compiplation »Space Funk« auf den Funk der Siebziger und Achtziger.
Music Review
Ryuichi Sakamoto
Thousand Knives Of
Schon 1978 mit seinem Debüt »Thousand Knives Of« bewies Ryuichi Sakamoto sein Gesprü für unkonventionelle Arrangements.
Music Review
RAMZi
Multiquest Niveau 1: Camouflé
Das alljährliche RAMZi-Album ist da. Auf »Multiquest Niveau 1: Camouflé« wirkt die musikalische Formel der Kanadierin etwas aufgebraucht.
Music Review
Various Artists
French Disco Boogie Sounds Vol.4
Die Compilation »French Disco Boogie Sounds« liefert standesgemäß Perlen für den Tanzflur. Das ist bei »Volume 4« nicht anders.
Music Review
Function
Existenz
»Existenz« liefert mit 17 Tracks auf Vinyl 4LP einen fulminaten Querschnitt über die 25 Jahre währende Arbeit von Function.
Music Review
François N'Gwa
Ogooue
Auf »Ogooue« finden sich die besten, der zwischen 1985 und 2004 entstandenen Stücke des gabunischen Musikers François N’Gwa wieder.
Music Review
Mike Selesia
Flavor
1976 haben Mike Selesia und seine Mitstreiter »Flavor« aufgenommen, 100 Stück pressen lassen. Jetzt ist das Jazzjuwel wieder erhältlich.
Music Review
Sokratis Votskos Quartet
Sketching The Unknown
Jazzman veröffentlicht mit »Sketching The Unknown« das tolle Debüt der griechischen Jazzer vom Sokratis Votskos Quartet.
Music Review
Eye
Metamujer
Die Französin Laurène Exposito legt als Eye ihre neue LP »Metamujer« vor und macht deutlich, dass sie sich musikalisch weiterentwickelt hat.
Music Review
Issam Hajali
Mouasalat Ila Jacad El Ard
»Mouasalat Ila Jacad El Ard«, das erstmals 1977 veröffentlichte Album des libanesischen Musikers Issam Hajali, wurde wiederveröffentlicht.
Music Review
Danny Brown
Uknowhatimsayin¿
Mit »Uknowhatimsayin¿« huldigt Danny Brown dem guten alten Hip-Hop der Neunziger. Themen wie Drogensucht oder Depression sucht man vergebens
Music Review
Om Buschman
Total
Das einzige Album von Om Buschmann, »Total« aus dem Jahre 1989 wurde nun via Glossy Mistakes wiederveröffentlicht.
Music Review
Gülistan
Oriental Groove
Hot Mule veröffentlicht »Oriental Groove«, der in den 1980er Jahren gegründeten österreichischen Band Gülistan, neu.
Music Review
Ruins
Marea / Tied
Das Anfang der 1980er Jahre veröffentlichte »Marea/Tied« der italienischen New-Wave-Band Ruins wurde von Music From Memory wiederentdeckt.
Music Review
Robag Wruhme
Topinambur EP
Verglichen mit »Venq Tolep« schielt Robag Wruhme mit der EP »Topinamur« wieder mehr auf den Dancefloor.
Music Review
L'Orange & Jeremiah Jae
Complicate Your Life With Violence
Auf »Complicate Your Life With Violence« spinnen L’Orange und Jeremiah Jae die Hard-Boiled-Geschichte des Vorgängers weiter.
Music Review
Andy Stott
It Should Be Us
Kurzerhand hat Andy Stott mit »It Should Be Us« neue Musik veröffentlicht. Neun Tracks, die der Vorbote eines neuen Albums sind.
Music Review
Shanti Celeste
Tangerine
Auf ihrem Debütalbum »Tangerine« stürmt Shanti Celeste den Dancefloor, ohne dabei eine Träne im Knopfloch zu tragen.
Music Review
Cal Massey
Blues To Coltrane
»Blues To Coltrane«, das einzige Album des zu früh verstorbenen Jazzmusikers Cal Massey aus dem Jahr 1961, wurde wiederveröffentlicht.
Music Review
Daniel Grau
El Mágico Mundo De Daniel Grau
Nach einer jahrzehntelangen Pause legt Daniel Grau mit »El Mágico Mundo De Daniel Grau« ein neues Album vor.
Music Review
Brainstory
Buck
Wie viele Sunny-California-Klischees lassen sich auf ein Album pressen? Mit »Buck« testen Brainstory es aus.
Music Review
Tapan meets Generation Taragalte
Atlas
Ein Industrial-Projekt aus Serbien trifft auf eine Tuareg-Combo aus Marokko… und »Atlas« von Tapan meets Generation Taragalte funktioniert
Music Review
Turquoise Days
Further Strategies
So richtig totzukriegen ist die Musik von Turquoise Days nicht: Mit »Further Strategies« kommen die Songs der Briten zu wiederholter Ehre.
Music Review
FKA twigs
Magdalene
FKA twigs ist zurück, mit »Magadalene«, auf Albumlänge, und sie ist unbewaffnet bis unter die Zähne.
Music Review
Steve Reid
Rhythmatism
Mit »Rhythmatism« hatte Steve Reid 1975 ein Manifest für das friedliche Miteinander von Gegensätzen abgeliefert.
Music Review
Buttechno
badtrip
Das Debüt von Buttechno auf Nina Kraviz’ Label Trip ist, was der Titel ankündigt: ein »badtrip«, der viel Verwirrung stifftet.
Music Review
Tableau Vivant
Double Dream Hands
Tableau Vivant ist das gemeinsame Projekt von Infuso Gallo und Joshua Gottmanns. »Tableau Vivant« ihre erste Veröffentlichung.
Music Review
Nick Cave & The Bad Seeds
Ghosteen
»Ghosteen« von Nick Cave & The Bad Seeds wird als Meisterwerk eingehen und sich ob seiner Zerbrechlichkeit doch kaum hören lassen.
Music Review
Lost Scripts
Giske / Mozart
Für die beiden Stücke »Giske« und »Mozart« haben sich John Talabot und Pional einmal mehr unter dem Namen Lost Scripts zusammengefunden.
Music Review
A Winged Victory For The Sullen
The Undivided Five
Tiefer und berührender als auf »The Undivided Five« klangen A Winged Victory For The Sullen tatsächlich noch nie.
Music Review
Patrick Cowley
Mechanical Fantasy Box
»Mechanical Fantasy Box« gibt einen Überblick über das Schaffen des viel zu früh verstorbenen Disco-Pioniers Patrick Cowley.
Music Review
Michael Kiwanuka
KIWANUKA
Die große Kunst des neuen, dritten Albums von Michael Kiwanuka: Es klingt gleichzeitig nach Vergangenheit und Zukunft.
Music Review
Cigarettes After Sex
Cry
Es gibt reflektiertere Songs über die Liebe, aber nur wenige sind in so schöne Ohrwürmer wie auf »Cry« von Cigarettes After Sex gepackt.
Music Review
Kiefer
Superbloom + Bridges EP
Stones Throw bringt die beiden EPs »Superbloom« und »Bridges« von Kiefer auf einem Vinylrelease gemeinsam heraus.
Music Review
Vulfpeck
The Beautiful Game
Groove kann so einfach sein: Die Funkband Vulfpeck aus Ann Arbor haben ihr zweites Album »The Beautiful Game« veröffentlicht.
Music Review
Teebs
Anicca
»Anicca« ist das erste Album von Teebs seit fünf Jahren. Es ist inhaltlich ein zeitgeistiges Album mit Botschaft, musikalisch nicht.
Music Review
Conforce
Dawn Chorus
Quo vadis Techno? Der niederländische Produzent Conforce gibt auf »Dawn Chorus« Einblicke, wohin die Reise gehen könnte.
Music Review
Meo
Cikuana/Alturas – 12"
Mitte der 1980er Jahre gehörte Meo zu den Protagonisten des »Afro«-Stils. Die Vinyl 12" »Cikuana/Alturas« wurde jetzt wiederveröffentlicht.