Music Review | verfasst 20.08.2012
Teengirl Fantasy
Tracer
R&S Records, 2012
Text Fionn Birr , Übersetzung Anja Vatter
Deine Bewertung:
/
Nutzer
8.0
Redaktion
Cover Teengirl Fantasy - Tracer

Teengirl Fantasy verschanzten sich für »Tracer« im heimatlichen Williamsburg. Also, genau jener Stadteil von Brooklyn, der vor ein paar Jahren zur gentrifizierenden Bastion für berufsjugendliche Lebenskünstler mutierte – ein Ort der Unentschlossenheit und des Aufbruchs. Auch Logan Takahashis und Nick Weiss’ Comfort Zone ist weiterhin zwischen den Stühlen. Entsprechend ist ihr zweites Album »Tracer« durchzogen von flächigen Techno- und House-Fetzen, die in zielorientiertem Wankelmut sekundenverzögert Hörer-Erwartungen erst gar nicht zu erfüllen versuchen. Die beiden Freunde des Psychedelic-House stapeln 808s, Juno-106s und Wavestations sample-frei in träumerische Polyphon-Hybride, welche mit Teddy Riley genauso liebäugeln wie dem Chicagoer Warehouse. Ob taumelnd wie im Opener »Orbit«, schleppend wie in der Vorabsingle »End« oder stotternd wie das letzte Stück »Timeline«, werden synthetische Melodiebögen nur angedeutet, bevor sie sich wieder in der vernebelte Schwereanomalie zwischen Subbass und Kickdrum zurückziehen. »Tracer« ist das Ergebnis zweier verschlafener Wierdo-Komponisten, die der erschöpften Verwirrung einer durchzechten Partynacht huldigen. Auf der frenetischen French House-Referenz »Do It« schaut dann auch noch der legendäre Romanthony vorbei, dessen Stimme schon Daft Punk’s »One More Time« zum hartnäckigen Ohrwurm machte. Die verstreuten Samples vom T.P.S.-Debüt »7 AM« wichen den Vocals so wohlgesonner Hochkaräter wie Panda Bear, Laurel Halo oder der Newcomerin Kelela und füllen die zehn Anspielpunkte mit Scharen von Hits. Sofern man in Zeiten der täglichen Soundcloud-Flutwelle so etwas überhaupt noch landen kann …

Das Album »Tracer« von Teengirl Fantasy findest du bei hhv.de: LP
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Porträt | verfasst 10.10.2012
Teengirl Fantasy
Dem eigenen Sound auf die Pelle gerückt
Zwei Jahre nach ihrem gefeierten Debüt »7 AM« sind Nick Weiss und Logan Takahashiaka zurück mit ihrem neuen Werk »Tracer« und haben mit Panda Bear, Laurel Halo, Romanthony sowie Kelela gleich eine ganze Reihe Gäste im Gepäck.
Music Review | verfasst 01.11.2010
Teengirl Fantasy
7AM
Noch nie zuvor hat jemand kaukasisches Nerdtum so konsequent mit dieser Art von Elementen von Chicago House vermählt wie das Duo aus Ohio.
Music Review | verfasst 26.11.2013
Teengirl Fantasy
Nun EP
Die »Nun EP« schließt in seiner Verworrenheit wieder mehr an die unkonventionelle Indutrial-Ignoranz ihres Debüts »7AM« an.
Music Review | verfasst 03.05.2012
Model 500
Control
Juan Atkins, Mike Banks, Mark Taylor und Milton Baldwin erinnern als Model 500 an die gute alte Zeit.
Music Review | verfasst 12.02.2016
Lance Neptune
Animal Eclipse EP
Auf seiner »Animal Eclipse EP« tritt Lance Neptune mit kosmischen Synthesizern und interstellaren Melodien in die Fußstapfen von Lone.
Music Review | verfasst 03.03.2017
Talaboman
The Night Land
Mit »The Night Land« präsentieren John Talabot und Axel Boman ein gutes, aber kein außerordentliches erstes gemeinsames Album.
Music Review | verfasst 23.03.2017
Teengirl Fantasy
8am
Nach »7am« aus dem Jahr 2010 schlägt es nun zur vollen Stunde: »8am« von Teengirl Fantasy ist Update und Umkehr zugleich.
Music Review
Real Estate
The Main Thing
Alles ändert sich, nur Real Estate machen einfach weiter gute Alben. So auch mit »The Main Thing«, das soeben bei Domino erschienen ist.
Music Review
Suff Daddy
Pompette
Entspannteren instrumentalen Hip-Hop als Suff Daddy machen hierzulande nur wenige. Auch wenn »Pompette« ein bisschen beschwippst heißt.
Music Review
Various Artists
Studiolo: The 90's Afro Cosmic Era
Die Grenzen zwischen kosmisch und komisch sind auf »Studiolo: The 90’s Afro Cosmic Era« fließend.
Music Review
Jpegmafia
All My Heroes Are Cornballs
Jpegmafia nennt »All My Heroes Are Cornballs« ein Punk-Musical. Und das ist es auch, denn es verweigert sich jeglichen Konventionen.
Music Review
Unknown Artist
Nocturne Edits 002
Freestyle, Italo Disco, Breakbeats: Die zweite Ausgabe von Jordans »Nocturne Edits« ist eine erneute Dienstleistung für Hit-Maschinen-DJs.
Music Review
Courtney Barnett
MTV Unplugged Live In Melbourne
Mit acht prefekt unperfekten Versionen eigener und fremder Songs ist Courtney Barnett nun auf »MTV Unplugged Live In Melbourne« zu hören.
Music Review
Various Artists
Kearney Barton: Architect Of The Northwest Sound
Die Compilation »Kearney Barton: Architect Of The Northwest Sound« feiert einen Produzenten, der Seattle geprägt hat wie kaum ein Zweiter.
Music Review
Priscilla Ermel
Origins Da Luz
Das soeben bei Music From Memory erschienene »Origins Da Luz« versammelt die besten Stücke der brasilianischen Musikern Priscilla Ermel.
Music Review
Subtle Houzze
Controversy
Gary D. und Boris Dlugosch die EP »Controversy« vor, die damals wie heute Tracks für alle Tages- und Nachtzeiten bietet.
Music Review
Various Artists
Napoli Segreta Vol.2
Der Sommer beginnt in diesem Jahr schon im Februar: NG Records legt mit »Napoli Segreta Vol.2« eine weitere Compilation vor.
Music Review
Various Artists
Transition Vol.1
»Transition Vol.1« vereint Tracks von vier Bands, zwischen 1992 und 1994 entstanden. Die Gemeinsamkeit: Post-Industrial als Ursprung.
Music Review
Nicola Cruz
Hybridism
Auf »Hybridism« mixt Nicola Cruz einmal mehr die verschiedensten Musiken aus den entlegensten Ecken der Welt.
Music Review
Various Artists
Cadence Revolution: Disques Debs International 2
Strut diggen weiter tief in Guadeloupe: die tolle Compilation »Cadence Revolution: Disques Debs International 2« ist erschienen.
Music Review
Tame Impala
The Slow Rush
Mit »The Slow Rush« sind die Gitarren bei Tame Impala, dem Projekt des Australiers Kevin Parker, endgültig passé.
Music Review
Sasaki Hideto & Sekine Toshiyuki Quartet +1
Stop Over
1976 in Kleinstauflage erschienen, bekommt das tolle »Stop Over« von Sasaki Hideto & Sekine Toshiyuki Quartet +1 jetzt eine zweite Chance.
Music Review
Against All Logic
2017-2019
Für sein Projekt Against All Logic hat Nicolas Jaar nun die Jahre »2017-2019« zusammengefasst.
Music Review
The Heliocentrics
Infinity Of Now
Mit »Infinity Of Now«, das soeben bei Madlib Invazions erschienen ist, sollte sich das Genie der Heliocentrics nun wirklich rumsprechen.
Music Review
Schacke
Kisloty Forever EP
Der Däne Schacke hat mit seiner »Kisloty Forever EP« dem St. Petersburger Клуб ein kleines Denkmal gesetzt.
Music Review
Kollington Ayinla And His Fuji '78 Organisation
Blessing
Wecker für Muslime: Soul Jazz legt das 1988er Album »Blessing« von Kollington Ayinla And His Fuji ’78 Organisation neu auf.
Music Review
Borusiade
Fortunate Isolation
Auf »Fortunate Isolation« macht Borusiade auch dem letzten klar: wir sind am Arsch, es gibt kein zurück mehr.
Music Review
Sandoz
Sandoz
Meister des Weglassens: 4 Tracks aus Richard H- Kirks bester Phase als Sandoz hat Second Circle nun auf eine neue Schallplatte gepackt.
Music Review
Midori Hirano
Invisible Island
Die Pianistin Midori Hirano entwirft auf dem bei Sonic Pieces erschienenen »Invisible Hands« ihre ganz eigene Form klassischer Musik.
Music Review
Flamingo Pier
Indigo EP
Die Neuseeländer Flamingo Pier veröffentlichen ein Jahr nach ihrem Debüt mit »Indigo« eine weitere EP auf Soundway.
Music Review
Mac Miller
Circles
Mac Miller ist seit anderthalb Jahren tot und bringt trotzdem bessere Platten raus als Eminem. Siehe »Circles«.
Music Review
Squarepusher
Be Up A Hello
Mit »Be Up A Hello« ist soeben das 15. Studioalbum von Squarepusher erschienen. Er knüpft hier sehr nah an seinen früheren Sound an.
Music Review
Men With Secrets
Psycho Romance And Other Spooky Ballads
Donato Dozzy und Retina.it schließen sich als Men With Secrets zu machen, um unterkühlte Wave-Musik zu machen. Wie bitte?
Music Review
Destroyer
Have We Met
»Have We Met«, das neue Album von Destroyer, ist so unzeitgemäß und widersprüchlich, wie sich die Gegenwart anfühlt.
Music Review
I.A.O.
Phase 3
Left Ear veröffentlicht mit »Phase 3« zwischen 1988 und 1995 entstandene Musik der zu unrecht wenig bekannten Berliner Band I.A.O.
Music Review
Ihsan Al-Munzer
Belly Dance Disco
“»Belly Dance Disco«, die erste Veröffentlichung des Libanesen Ihsan Al-Munzer, wurde nun erstmals in voller Länge wiederveröffentlicht.
Music Review
Roc Marciano
Marcielago
Auf seinem achten Album »Marcielago« schert sich Roc Marciano nicht um zeitgenössische Soundentwürfe. Klingt aber dennoch erfrischen roh.
Music Review
Thony Shorby Nyenwi
Sweet Funk Music
Jet hat jetzt das zuerst 1978 veröffentlichte Album »Sweet Funk Music« von Thony Shorby Nyenwi ausgegraben.
Music Review
Okay Kaya
Watch This Liquid Pour Itself
Auf Okay Kayas zweitem Album hätte alles schiefgehen können. Doch bietet »Watch This Liquid Pour Itself« mehr Substanz als Schabernack.
Music Review
Pet Shop Boys
Hotspot
»Hotspot«, das neue Album der Pet Shop Boys, ist soetwas wie ihre Berlin-Platte geworden.
Music Review
Black Lips
Sing In A World That's Falling Apart
Auf »Sing In A World That’s Falling Apart« vermischen die Black Lips Country mit einer cleveren Hinterwäldler-Rhetorik.
Music Review
Callisto
Guidance Is Eternal 2
Mit »Guidance Is Eternal 2« wird die Musik des 2013 verstorbenen Bostoner House-Produzenten Callisto neu aufgelegt.
Music Review
Alessandro Alessandroni
Afro Discoteca Reworked & Reloved
Der vor drei Jahren veröffentlichte Überraschungshit »Afro Discoteca« von Alessandro Alessandroni wurde nun mit Remixen versehen.
Music Review
TNGHT
II
Über sieben Jahren nach ihrem überraschenden Debüt legen Hudson Mohawke und Lunice als TNGHT nun »II« nach.
Music Review
Jeff Parker
Suite For Max Brown
»Suite For Max Brown« ist das erst vierte Soloalbum des tollen Jazzgitarristen Jeff Parker. Makaya McCraven war hier nicht unbeiteiligt.
Music Review
Argonautiks
Trauben über Gold
Scharf gelayerte Sozialkritik auf minimalen Beats gibt es auf »Trauben über Gold« , dem neuen Album der Argonautiks.
Music Review
Steve Roach
Quiet Music 1-3
Telephone Explosion hat die zuerst 1986 und nur auf Kassette erschienene »Quiet Music 1-3« von Steve Roach wiederveröffentlicht.
Music Review
Saåda Bonaire
Saåda Bonaire
Captured Tracks legt eine Neuauflage der gesammelten Werke der 1982 gegründeten Bremer Kapelle Saåda Bonaire vor.