Music Review | verfasst 20.09.2012
The xx
Coexist
Young Turks, 2012
Text John Luas , Übersetzung Julia Frohn
Deine Bewertung:
8.0
Nutzer (7)
9.2
Redaktion
Cover The xx - Coexist

Auf kaum einem Album lagen in den vergangenen Jahren mehr Erwartungen als auf dem das hoch gelobte Debütalbum beerbenden »Coexist« von The xx. Nach dem sie mit ihrem Debüt das vielleicht integerste Album der letzten Dekade in einem Keller in Südostlondon hervorgebracht hatten, ließen sich Romy Madley Croft, Oliver Sim und Jamie Smith drei Jahre Zeit, um die Frage zu beantworten, was auf dieses Album eigentlich noch folgen konnte, ohne dasselbe Album noch einmal aufzunehmen. »Coexist« beantwortet diese Frage mit einer das Debüt beinahe noch übertreffenden Sanftheit und Introversion. Jamie xx erweist sich hier ein weiteres Mal nicht in erster Linie als MPC-Virtuose, sondern als Virtuose des Delays und Reverbs, ein Meister im Kreieren von Räumen, der den bestechenden, entrückten Stimmen von Croft und Sim geradezu huldigt. Jeglichen Nötigungen aus dem Weg gehend, ist »Coexist« mit seinen verschleierten Clubbeats, seinen kaum berührten Gitarrenseiten und seinen gestreichelten Bässen, ein Werk dramaturgischer Bedacht und musikalischer Integrität. Es ist dieses virtuose Verständnis von Zurückhaltung und geradezu an Demut grenzende Vorsicht, die The xx zu einer der größten Bands unserer Zeit macht. Kaum ein Sound war in den vergangenen Jahren zeitspezifischer und zugleich zeitloser, kaum eine Band ist einem eigentlich eher unzeitgemäßen Format wie dem Album so sehr gerecht geworden (lassen sich sowohl das Debüt wie auch »Coexist« ja auch als ein einziger Track begreifen) und kaum eine Band des neuen Jahrtausends ist der Unsagbarkeit der einfachen Wahrheiten nach dem vermeintlichen Ende der Geschichte und nach dem doch eigentlich alles schon einmal gesagt worden ist, mit solch schierer Direktheit begegnet. Anstatt im Meer der Referenzen auf die eigene Identität nur noch als zeitgenössische Konjunktion zu verweisen (die vielleicht prägendste Perspektive in der Popmusik unserer Zeit) erschöpft sich »Coexist« in seiner offenbarenden Menschlichkeit, die an den Kern musikalischen Schaffens zurückführt, da sie vollkommen frei von Eitelkeiten ist. Etwaige Kritik an ihrer Angst zur Veränderung und der Einfachheit ihrer Lyrics entgegen The xx so mit einem zweiten Werk, das sich selbst genug ist, und diese vermeintlichen Schwächen ein weiteres Mal als Qualitäten ausweist. »Coexist« fehlt es an nichts, da nicht mehr zu sagen ist.

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Dein Kommentar
1 Kommentare
15.10.2012 20:50
Toriyamafan:
what the fuck 10?, niemals.
― antworten
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