Music Review | verfasst 07.01.2013
Kane Ikin
Sublunar
12k, 2012
Deine Bewertung:
8.0
Nutzer (2)
5.0
Redaktion
Cover Kane Ikin - Sublunar

Es könnte beinahe als politisches Statement (miss)verstanden werden, dass Kane Ikin sein Debütalbum ausgerechnet mit dem Titel »Europa« beginnt. Ein rhythmisiertes Stolpern, gespenstische Leere und ein durchgehendes Rauschen und Knistern durchziehen diesen Track wie auch das Album. Es ist der Klang einer durch Katastrophen und Zerfall herbeigeführten Post-Ära. Einsame Glockenspiele taumeln im Wind. Fliegende Sandkörner bringen Blechdosen zum Singen. Wassertropfen verhallen in endlosen, ausgeräucherten Betonwüsten. Es ist wie ein alter Schwarzweiß-Film – verkrisselt und unscharf. Die wenigen Menschen in diesem Raum wirken fahl und ausgemergelt. Ein Grauschleier spannt sich über ihre Gesichter, wie bei einer längst verlassenen Braut. Irgendwann sollen hier mal blühende Wiesen und Lebhaftigkeit existiert haben, Visionen und Wohlstand. Aber das sind Erinnerungen, derer sich niemand mehr entsinnen kann. So ist das eben mit der Geschichte. Erst kommt das große Krabbeln, dann die Implosion und schlussendlich komplette Entschleunigung. Das hat sogar etwas beuhigendes. Aber wie gesagt, das könnte auch einfach nur ein Missverständnis sein.

Dein Kommentar
2 Kommentare
07.01.2013 23:52
alexander gibson:
Der erste Song trägt den Titel "EUROPA", wie auf dem Mond ...
― antworten
08.01.2013 18:45
Bertolt Brechtakt:
@ Alexander: du meinst sicherlich weniger "auf dem Mond", als "wie der (Jupiter)Mond". Das passt definitiv auch gut zum Titel und Album. Und könnte auch gerne als zweites Statement (miss)verstanden werden ;)
― antworten
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 12.02.2012
Illuha
Shizuku
Illuhas Musik erklingt im Ohr so belanglos, dass man zum Abschluss der einzelnen Übungen ungehindert dem eigenen Körper nachhorchen kann.
Music Review | verfasst 07.04.2014
Janek Schaefer
Lay-by Lullabye
Für seine tönende Verneigung vor dem Schriftsteller J. G. Ballard macht der Klangkünstler Janek Schaefer Field Recordings an der Autobahn.
Music Review | verfasst 17.04.2014
Illuha
Akari
Ob man für die friedlichen Bilder von Illuha empfänglich ist, hängt auch auf »Akari« davon ab, wie man mit deren Süße zurechtkommt.
Music Review | verfasst 18.02.2015
Ryuichi Sakamoto / Illuha / Taylor Deupree
Perpetual
»Perpetual« dokumentiert den gemeinsamen Auftritt von Altmeister Ryuichi Sakamoto, dem Duo Illuha und 12k-Labelchef Taylor Deupreeder.
Music Review | verfasst 16.02.2012
The Boats
Ballads of the Research Department
Die Musik von The Boats klingt gute zehn Jahre alt. Das kann man den Musikern zum Vorwurf machen – oder bewundern.
Music Review | verfasst 19.05.2015
Shuttle358
Can You Prove I Was Born
Dan Abrams’ »Can You Prove I Was Born« bietet reichlich verwaschene analoge Klänge, die manchmal eine leicht düstere Dramatik erreichen.
Music Review | verfasst 29.10.2010
Brian Eno
Small Craft On A Milk Sea
Altmeister und Ambient-Erfinder Brian Eno tobt sich auf seinem Debüt für Warp Records einfach nur aus.
Music Review
Klez.e
Desintegration
»Desintegration«, das neue Album von Klez.e, ist vielleicht nicht der optimistischste Start ins Jahr 2017. Du solltest es dennoch hören.
Music Review
Jesse Osborne-Lanthier
Unalloyed, Unlicensed, All Night!
Mit »Unalloyed, Unlicensed, All Night!« von Jesse Osborne-Lanthier geht die »Unun« auf Raster-Noton zu Ende.
Music Review
East Wall
Silence
Weltschmerz zum Tanzen: East Wall brauchten lange für eine Synthese aus Wave und Disco, rollten mit »Silence« aber das Feld von hinten auf.
Music Review
Egyptrixx
Pure, Beyond Reproach
Egyptrixx macht auf »Pure, Beyond Reproach« das Beste aus der verkorksten Weltlage. Er ist eben ein Kanadier.
Music Review
Bonobo
Migration
Als Antipode zu »The North Borders«, das stellenweise versuchte, alles auf einmal zu sein, funktioniert »Migration« von Bonobo ziemlich gut.
Music Review
Brian Eno
Reflection
»Reflection«, das neue Album von Brian Eno ist auch als App erhältlich. Wir haben für euch die Vinylversion angehört.
Music Review
SOHN
Rennen
Tiefer, wummernder und verschwurbelter als als auf seinem Debüt präsentiert sich SOHN auf »Rennen«. Auch eine neue Zurückhaltung ist da.
Music Review
Classic der Dicke & Soulmade
Body Mass Index
Der »Body Mass Index« aus dem Hause Daily Concept setzt auf eine gehaltvolle Diät, zubereitet von Classic der Dicke und Soulmade.
Music Review
Bohren & Der Club Of Gore
Geisterfaust
Mit Erlösung ist auch auf dem Rerelease von Bohren & Der Club Of Gores »Geisterfaust«, erstmals 2005 erschienen, nicht zu rechnen.
Music Review
Torben Unit
Torben Unit
Irgendwann jammten ein paar Berliner House-Producer auf ihren Instrumenten und gründeten eine Band. Jetzt wird aus dem Spaß-Projekt Ernst.
Music Review
J Choirboy
Full Effect
Zweite EP, zweite unverklärte Geschichtsstunde: J Choirboy legt mit »Full Effect« den Nachfolger seines furiosen Debüts nach.
Music Review
Rhead Brothers
Black Shaheen
Was für eine Wiederentdeckung: Preservation wiederveröffentlicht »Black Shaheen«, das 1978 erschienene zweite Werk der Rhead Brothers.
Music Review
Marcello Giombini
Computer Disco
Mit »Computer Disco« hat Marcello Giombini 1982 seinen Entwurf elektronischer Musik zwischen Kraftwerk und Italo Disco vorgelegt.
Music Review
Funkadelic
Finest
»Finest«, erstmals 1997 erschienen, fasst die Jahre 1970 bis 1976 von Funkadelic musikalisch zusammen.
Music Review
Funkadelic
Live At Meadowbrook, Rochester, Michigan 12th September 1971
Mit »Live At Meadowbrook 1971« ist die einzige autorisierte Liveaufnahme aus Funkadelics frühen Jahren nun erstmals auf Vinyl erschienen.
Music Review
Moebius
Musik Für Metropolis
Für sein unvollendetes letztes Album »Musik Für Metropolis« hat sich Dieter Moebius Fritz Langs »Metropolis« als Vorlage gewählt.
Music Review
Stone Alliance
Stone Alliance
Stone Alliance waren einer der Jazzbands der 1970er Jahre. Tidal Waves hat nun ihr aus dem Jahre 1976 wiederveröffentlicht.
Music Review
A Tribe Called Quest
We Got It From Here … Thank You For Your Service
Mit ihrem sechsten Album ist es A Tribe Called Quest tatsächlich gelungen an ihre stärkste Phase zwischen 1989 und 1993 anzukmüpfen.
Music Review
Los Dementes con Ray Perez
Y Su Mae Mae (Vuelven Los Dementes Con Ray Perez)
1969 mischten Los Dementes und der Sänger Ray Perez in ihrer venezolanischen Heimat Latin mit Soul und Boogaloo.
Music Review
Egisto Macchi
Il Deserto
Dank dem Label Cinedelic ist die Rarität »Il Deserto« von Egisto Macchi jetzt wieder – wenn auch in limitierter Form – wieder zugänglich.
Music Review
Shadow
Sweet Sweet Dreams
Auch über 30 Jahre später klingt »Sweet Sweet Dreams« von Shadow, ein Juwel der tribagischen Popmusik sexy, modern, zumindest zeitlos.
Music Review
Elektro Guzzi
Parade
Das Wiener Trio Elektro Guzzi setzt mit »Parade« auf Posaunen. Die Reduktion und der gerade Beat bleiben aber erhalten.
Music Review
Steve Spacek
If U Wan 2 Find Me - 12"
Total abgespaced: Steve Spacek’s zweite Single für Eglo Records, »If U Wan 2 Find Me/Time Is Running Out«, grüßt aus dem Kosmos.
Music Review
Eloquent & Twit One
Folie Á Deux
Twit One und Eloquent machen ein gemeinsames Album. Wie »Dope« es ist, könnt ihr euch sicherlich denken.
Music Review
Various Artists
Doing It In Lagos
Soundway Records wagt mit der Compilation »Doing It In Lagos« den Sprung in die 1980er Jahre.
Music Review
Azymuth
Fenix
Alles kommt wieder, alles ist ein Kreis. Azymuth veröffentlichen mit »Fenix« das erste Album nach dem Tod ihres Keyboarders.
Music Review
Burial
Young Death/Nightmarket
Zwei gewohnt unscharfe, verschwommene, verwaschene und wackelige neue Tracks von Burial reichen völlig zum Hype.
Music Review
Bohren & Der Club Of Gore
Black Earth
»Black Earth« zeigt den musikalischen Ansatz von Bohren & Der Club Of Gore am brutalsten. Dunkelheit wird niemals zu Licht!
Music Review
Demdike Stare
Wonderland
Demdike Stare haben sich in den letzten Jahren ein wenig rar gemacht und sind nun mit »Wonderland« auf Modern Love zurück.
Music Review
Various Artists
Feeling Good
Die Compilation »Feeling Good« konzentriert sich auf Bob Shads Label Mainstream Records und Songs aus den Jahren 1965 bis 1973.
Music Review
Blind Observatory
Forsaken - 12"
Hätte man beim Hören von »Forsaken Dreadnought Approaching Dead Space« nicht vermutet: Blind Observatory kommt aus Berlin, nicht aus UK.
Music Review
MarQ Spekt & Blockhead
Keep Playin'
Nicht alles was »Oldschool« ist, ist automatisch »hängen geblieben«. »Keep Playin‘« von MarQ Spekt und Blockhead leider schon.
Music Review
Sir Waziri Oshomah & His Traditional Sound Makers
Volume 3
Mit »Volume 3« von Sir Waziri Oshomah and his Traditional Sound Makers aus dem Jahr 1980 beschert uns Superfly Recods ein Juwel.
Music Review
John Cale
Fragments Of A Rainy Season
Erstmals 1992 erschienen, kommt »Fragments Of A Rainy Season« als Reissue mit allerhand interessanter Outtakes und Alternative Versions.
Music Review
Jessy Lanza
Oh No No No
Die Eckpfeiler von Jessy Lanzas Sound? Disco und Footwork. Auf »Oh No No No« sind Morgan Geist, DJ Spinn & Taso und DVA als Remixer an Bord.
Music Review
Anthony Child
Electronic Recordings From Maui Jungle Vol.2
Was bei Anthony Child aka Surgeon drauf steht, ist auch drin: »Electronic Recordings From Maui Jungle Vol.2«.
Music Review
Negroman
Negroman
Doppelbödige Raps mit Hang zur Psychose in den schwer auslotbaren Untiefen zwischen Scheue und Trieb: Negroman geht solo steil!
Music Review
Knowsum
Play God And Shit Happens
Knowsums Gastspiel bei Money $ex Records ist von ungezügelter Spielfreude, ein assoziativer Bewusstseinsstrom, geradlinig obwohl abwegig.
Books Review
Jim Fusilli
Pet Sounds
Das wäre natürlich nicht gegangen: 50 Jahre »Pet Sounds« ohne größere Würdigung. Jim Fusilis Band aus der Reihe »33 1/3« hilft aus.
Music Review
Chlidish Gambino
Awaken, My Love!
»Awaken, My Love« zeigt mit einer modernen souligen P-Funk-Explosion eine neue und ambitionierte Seite von Childish Gambino.
Music Review
Rome Is Not A Town
Careful Like Your Cared EP
Rome Is Not A Town aus Göteborg klingen ein bisschen wie Sonig Youth. Ist das noch zeitgemäß?