Music Review | verfasst 03.04.2013
Shlohmo
Laid Out EP
Friends Of Friends, 2013
Text Philipp Kunze , Übersetzung Julia Frohn
Deine Bewertung:
/
Nutzer
7.8
Redaktion
Cover Shlohmo - Laid Out EP

So richtig Party war ja nie auf Shlohmos Veröffentlichungen. Aber auf »Laid Out« ist sie endgültig vorbei: Der letzte Drops gelutscht, der letzte Bass durchs Mark gefahren. Jenen Zeitpunkt in der Bahn, wenn man verkrampft versucht nicht einzuschlafen, wenn es flimmert und stört im Gehörgang – den simuliert Shlohmos neuste EP. Shlohmo frönt hier ganz seiner Vorliebe für Filter: jagt Vocal- und Synth-Lines durch, bis sie sich ins Unkenntliche ausdehnen. Wie zugedröhnte Gedanken um sieben Uhr morgens; unter kaltem Himmel. Es ist nicht der quietschfidele Heimweg, auf dem man sich an den ersten Vögelstimmchen ergötzt. »Laid Out« ist dunkel, paralysiert. Die Basslines ziehen sich wie fette Nebelschwaden über die leere, versiffte Tanzfläche. Very british klingt diese Düsterkeit teils. Gerade wenn Shlohmo auf »Out Of Hand« Burial Tribut zollt – in der Art und Weise, wie er das Vocal-Sample einsetzt und auch wie die Drumline vom HipHop in Richtung 2Step stolpert. Shlohmo wirkt selbstbewusster denn je: Sein Sound ist inzwischen unverkennbar. Die Mischung aus Post-Party-Depression und dem Nachhall des Basses und rasselnden Snare-Drums, der einen doch wieder pusht – keiner erzeugt sie so wie der Produzent aus Los Angeles. »Laid Out« ist eine durch und durch logische Weiterentwicklung von Shlohmos Schaffen. Wenn er auf seinem nächsten Album zu diesem Sound den Jeremihs und Weeknds noch eine große Schöpfkelle aus dem Hustensaftkessel reicht, bleiben kaum noch Wünsche offen.

»Laid Out« von Shlohmo findest Du bei hhv.de auf LP
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 28.03.2012
Shlohmo
Vacation EP
Shlohmo zeigt hier, dass er am besten klingt, wenn er den Blues hat. Aber eigentlich wollte er sich hier ja von eben dem erholen.
Music Porträt | verfasst 27.03.2012
Shlohmo
Er weiß noch, was »Bromance« ist
Mit seinem Album »Bad Vibes« gelang ihm letztes Jahr der Durchbruch. Bei Shlohmo scheint das noch nicht angekommen zu sein: Er ist der Homeboy mit dem du Kette rauchen und Lyrics von Drake rezitieren willst.
Music Review | verfasst 10.11.2016
Shlohmo
Bad Vibes 5th Anniversary Edition
2011 gelang es Shlohmo mit »Bad Vibes« den Zeitgeist einzufangen. Nun erscheint eine »5th Anniversary Edition« mit »Rarities and Extras«.
Music Review | verfasst 29.03.2019
Shlohmo
The End
»The End« von Shlohmo dreht sich um den Weltuntergang. Man übersieht so beinahe wie vielschichtig, interessant, ausgereift die Platte ist.
Music Bericht | verfasst 08.02.2012
Hudson Mohawke, Shlohmo, Salva u.a.
Live am 4.2. im Gretchen in Berlin
Eines der diesjährigen Highlights des CTM-Festivals in Berlin fand am abschließenden Samstag im Gretchen in Kreuzberg statt. Wo sich mit Shlohmo, Salva und Hudson Mohawke gleich drei hoch-bejubelte Talente der Szene trafen.
Music Review | verfasst 15.10.2012
Groundislava
Feel Me
Viele Einflüsse, viel Potential: Groundislava zeigt, zu was er fähig sein könnte, findet hier aber nicht die Mischung, um zu begeistern.
Music Review | verfasst 07.10.2013
Kyson
The Water's Way
Der Australier Kyson hat seinen ersten Winter in Europa erlebt. Und aus diesen Erfahrungen trotzdem ein schönes Album gemacht.
Music Review
Shanti Celeste
Tangerine
Auf ihrem Debütalbum »Tangerine« stürmt Shanti Celeste den Dancefloor, ohne dabei eine Träne im Knopfloch zu tragen.
Music Review
Daniel Grau
El Mágico Mundo De Daniel Grau
Nach einer jahrzehntelangen Pause legt Daniel Grau mit »El Mágico Mundo De Daniel Grau« ein neues Album vor.
Music Review
Brainstory
Buck
Wie viele Sunny-California-Klischees lassen sich auf ein Album pressen? Mit »Buck« testen Brainstory es aus.
Music Review
Tapan meets Generation Taragalte
Atlas
Ein Industrial-Projekt aus Serbien trifft auf eine Tuareg-Combo aus Marokko… und »Atlas« von Tapan meets Generation Taragalte funktioniert
Music Review
Turquoise Days
Further Strategies
So richtig totzukriegen ist die Musik von Turquoise Days nicht: Mit »Further Strategies« kommen die Songs der Briten zu wiederholter Ehre.
Music Review
FKA twigs
Magdalene
FKA twigs ist zurück, mit »Magadalene«, auf Albumlänge, und sie ist unbewaffnet bis unter die Zähne.
Music Review
Steve Reid
Rhythmatism
Mit »Rhythmatism« hatte Steve Reid 1975 ein Manifest für das friedliche Miteinander von Gegensätzen abgeliefert.
Music Review
Buttechno
badtrip
Das Debüt von Buttechno auf Nina Kraviz’ Label Trip ist, was der Titel ankündigt: ein »badtrip«, der viel Verwirrung stifftet.
Music Review
Tableau Vivant
Double Dream Hands
Tableau Vivant ist das gemeinsame Projekt von Infuso Gallo und Joshua Gottmanns. »Tableau Vivant« ihre erste Veröffentlichung.
Music Review
Nick Cave & The Bad Seeds
Ghosteen
»Ghosteen« von Nick Cave & The Bad Seeds wird als Meisterwerk eingehen und sich ob seiner Zerbrechlichkeit doch kaum hören lassen.
Music Review
Lost Scripts
Giske / Mozart
Für die beiden Stücke »Giske« und »Mozart« haben sich John Talabot und Pional einmal mehr unter dem Namen Lost Scripts zusammengefunden.
Music Review
A Winged Victory For The Sullen
The Undivided Five
Tiefer und berührender als auf »The Undivided Five« klangen A Winged Victory For The Sullen tatsächlich noch nie.
Music Review
Patrick Cowley
Mechanical Fantasy Box
»Mechanical Fantasy Box« gibt einen Überblick über das Schaffen des viel zu früh verstorbenen Disco-Pioniers Patrick Cowley.
Music Review
Michael Kiwanuka
KIWANUKA
Die große Kunst des neuen, dritten Albums von Michael Kiwanuka: Es klingt gleichzeitig nach Vergangenheit und Zukunft.
Music Review
Cigarettes After Sex
Cry
Es gibt reflektiertere Songs über die Liebe, aber nur wenige sind in so schöne Ohrwürmer wie auf »Cry« von Cigarettes After Sex gepackt.
Music Review
Kiefer
Superbloom + Bridges EP
Stones Throw bringt die beiden EPs »Superbloom« und »Bridges« von Kiefer auf einem Vinylrelease gemeinsam heraus.
Music Review
Vulfpeck
The Beautiful Game
Groove kann so einfach sein: Die Funkband Vulfpeck aus Ann Arbor haben ihr zweites Album »The Beautiful Game« veröffentlicht.
Music Review
Teebs
Anicca
»Anicca« ist das erste Album von Teebs seit fünf Jahren. Es ist inhaltlich ein zeitgeistiges Album mit Botschaft, musikalisch nicht.
Music Review
Conforce
Dawn Chorus
Quo vadis Techno? Der niederländische Produzent Conforce gibt auf »Dawn Chorus« Einblicke, wohin die Reise gehen könnte.
Music Review
Meo
Cikuana/Alturas – 12"
Mitte der 1980er Jahre gehörte Meo zu den Protagonisten des »Afro«-Stils. Die Vinyl 12" »Cikuana/Alturas« wurde jetzt wiederveröffentlicht.
Music Review
Vazz
Cloud Over Maroma
Der Durchbruch war Vazz einst in den Achtzigerm nicht beschienen. Aber jetzt kommen sie zu spätem Ruhm. »Cloud Over Maroma« wird helfen.
Music Review
Sidiku Buari
Disco Soccer
Sidiku Buari war einst Afrikameister im 400-Meter-Lauf. Dann machte er Musik.. »Disco Soccer« von 1979 wurde jetzt wiederveröffentlicht.
Music Review
Kim Gordon
No Home Record
Acht Jahre nach dem Ende von Sonic Youth legt Kim Gordon nun mit »No Home Record« ihr Solodebüt vor. Ein Meisterwerk ist es nicht geworden.
Music Review
Bremer / McCoy
Utopia
Das neue Album »Utopia« des dänischen Jazzduos Bremer/McCoy holt dich für eine Dreiviertelstunde aus dem grauen Loch.
Music Review
Erobique & Jacques Palminger
Yvon im Kreis der Liebe
Zehn Jahre nach »Wann strahlst du?« veröffentlichen Erobique, Jacques Palminger und die Sängerin Yvon Jansen ein gemeinsames Album.
Music Review
Various Artists
Nigeria Soul Power 70
Die SOul Jazz-Compilation »Nigeria Soul Power 70« versammelt 14 Songs, die das politische Bewusstsein in Nigeria in den Siebzigern abbilden.
Music Review
Occult Orientated Crime
The Occult Orientated Crime Album
Occult Orientated Crime ist weitere Seitenprojekt des Niederländers Legowelt. »The Occult Orientated Crime Album« ist nicht von dieser Welt.
Music Review
Sunn O)))
Pyroclasts
Mit »Pyroclasts« schieben Sunn O))) ihrer aktuellen LP »Life Metal« vier Proberaumjams hinterher, die das Konzeptalbum ausstechen.
Music Review
Jazzanova
Of All The Things
»Of All The Things«, das 2008 erstmals veröffentlichte, zweite Album der Berliner Band Jazzanova, hat nun einer Neuauflage erhalten.
Music Review
Quiroga
Passages
Seit 15 Jahren ist der neapolitanische Produzent Quiroga nun schon aktiv. Soeben ist bei Hell Yeah sein zweites Album »Passages« erschienen.
Music Review
Grouper
A I A: Dream Loss | A I A: Alien Observer
Groupers Alben »A I A: Dream Loss« und »A I A: Alien Observer« von 2011 haben 2019 nichts an ihrer obskuren Strahlkraft verloren.
Music Review
Mariana Ingold
Cara A Cara
Left Ear veröffentlicht »Cara A Cara«, eine Zusammenstellung mit Lieder der uruguayischen Sängerin Mariana Ingold.
Music Review
Emptyset
Blossoms
Auf Basis künstlicher Intelligenz haben sich Emptyset ihr neues Album »Blossoms« programmieren lassen.
Music Review
Ka Baird
Respire
Singen, Sprechen, Hecheln, Keuchen: Ka Bairds hat mit »Respire« ein zweites Album vorgelegt.
Music Review
Various Artists
Tone Dropout Vol.8
Die Roland-Maschinen klappern auf der Compilation »Tone Dropout Vol.8« immer noch so schön wie 1992.
Music Review
Automat
Automat
Das neue Label Tempo Dischi will Perlen der Musik Italiens neu auflegen. Die Reissue von »Automat« ist ein erstes Highlight.
Music Review
Stephen Mallinder
Um Dada
Nach 35 Jahren erscheint mit »Um Dada« das zweite Soloalbum von Cabaret Voltaire’s Stephen Mallinda. Kann man so sehen.
Music Review
Brahja
Brahja
Der Saxophonist Devin Brahja Waldman hat ein gutes Dutzend Musiker um sich geschart und mit »Brahja ein ganz starkes Jazzalbum aufgenommen.
Music Review
Carla dal Forno
Look Up Sharp
Carla Dal Forno ist mit »Look Up Sharp« angekommen. Es ist ein komischer Ort. Nah bei sich, weit weg von jemand anderem.
Music Review
Maleem Mahmoud Ghania & Pharoah Sanders
The Trance Of Seven Colors
»The Trance Of Seven Colors«, das gemeinsame Album von Maleem Mahmoud Ghania und Pharoah Sanders wurde erstmals auf Vinyl veröffentlicht.
Music Review
Hozan Yamamoto with Sharps & Flats
Beautiful Bamboo-Flute
Die Bambusflöte ist besser als ihr Ruf. Das wusste Hozan Yamamoto schon 1971 und nahm »Beautiful Bamboo-Flute« auf.