Music Review | verfasst 15.04.2013
Various Artists
Kev Beadle pres. Private Collection
BBE Records, 2013
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8.5
Redaktion
Cover Various Artists - Kev Beadle pres. Private Collection

Der Franzose sagt »Reculer pour mieux sauter« (Zurücktreten, um besser springen zu können) und meint damit den manchmal notwendigen Schritt zurück, um wieder neu gesammelt, mit klarem Blick nach vorn, vorankommen zu können. Dem britischen DJ-Veteran Kev Beadle hätte dieses beflügelte Wort gut als Motto für seine Talkin‘ Loud-Sonntagnachmittage gedient, die er mit Leuten wie Bob Jones und Gilles Peterson im Camden Town der 1990er Jahre schmiss. Unter Rückbesinnung auf alteingesessene Jazzdance-Musik haben sie das Genre wie den sprichwörtlichen Phoenix aus der Asche auferstehen lassen, und ihm bei den so wichtigen, ersten Flügelschlägen geholfen. Und das, indem sie allsonntaglich Hundertscharen von Gästen synchron zu den Amplituden springen liessen. Der Rest ist Geschichte und kann sich heute in unzähligen Kompilationen nachhören, die dem Jazz zu neuem Glanz verholfen haben. Ob vom Mojo Club und seiner gleichnamigen Alben-Reihe, oder vom Aushängeschild Pulp Fusion aus dem amerikanischen Hause Harmless, wird schon lange zelebriert, wie gut sich dieses Genre zum Feiern eignet. Selten aber in so ursprünglicher Form. Denn hier kommen neben den üblichen Verdächtigen, wie dem Jazzfunk in Form von Olli Ahvenlahti‘s »Grandma‘s Rocking Chair«, oder dem Disco/P-Funk, der durch Johnny Winter‘s »Dripping« vertreten ist, auch unbekanntere Abarten zum Zug. »Open Your Mind« zeigt, getragen von bittersüssen Chören und ausufernden Piano- und Blechsoli, wie sehr, die nötige Puste vorausgesetzt, modaler Jazz einheizen kann. Selbst wenn man diese aber mitbringt, sollten Stücke wie »Flying Colours«, »Sun Shower« oder »Chekere Son« dafür sorgen, dass sie irgendwann ausgeht. Was wäre ein erfahrener DJ allerdings ohne die so nötigen Verschnaufpausen. Selbstverständlich wurden auch die mit ins Paket geschnürt, und bieten den in die Jahre gekommenen Tanzbeinswingern die Möglichkeit, sowohl eng umschlungen als auch allein, die Tanzkegel wieder aufzustellen. »Here Comes The Family« könnte das nicht besser auf den Punkt bringen. Und es ist eine immense, internationale Familie jeden Alters, die hier nochmals für alle zum mitschreiben deklariert, was ihr schon so lange bekannt ist – Jazz ist Tanz in Spiegelschrift.

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