Music Review | verfasst 12.08.2013
Palm / | \ Highway Chase
Escape From New York
Spectrum Spools, 2013
Text Sebastian Hinz , Übersetzung Julia Frohn
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Redaktion
Cover Palm / | \ Highway Chase - Escape From New York

Es braucht natürlich einen gewissen Fetisch, um diesen Sound zu lieben. Gleichzeitig abgestoßen und angezogen, mit einem lachenden und einem weinenden Auge, zwischen Scham und Neugierde schwankend, erliegt man der Musik von Palm / | \ Highway Chase. Die klingt wie die Filmscores von Harold Faltermeyer (»Beverly Hills Cop«) oder Jan Hammer (»Miami Vice«) Mitte der 1980er Jahre eben klangen: Synthesizer getrieben, die Künstlichkeit der Maschinenklänge betonend, vertonte Plaste. Nun ist nicht viel bekannt über diesen Release und seine Urheber; nur soviel, dass die Musik im Jahr 2009 entstanden ist und nicht 25 Jahre zuvor, weshalb das Wörtchen »Plaste« hier mit seinem Synonym »Kunststoff« ersetzt werden darf. Denn was als Sound einst die Möglichkeiten und Grenzen der technischen Klanggewinnung widerspiegelte und so zur Klangästhetik einer Epoche wurde, hat in seiner Wieder-holung hier und heute einen anderen, einen künstlerischen Anspruch. Man kann Musik unmöglich losgelöst von der Zeit betrachten, in der sie entstanden ist. Dass wir auch die richtigen Bilder von Palmen, amerikanischen Schnellstraßen und Verfolgungsjagden im Kopf haben, dafür sorgt ja auch der Projektname. Die Unbedingtheit, mit der auf den neun, selten länger als dreieinhalb Minuten langen Stücken von »Escape from New York« ein Sound kopiert wird, steckt neben der Referenzialität von Pop halt auch die Reflektiertheit in der Kunst. Was sagt uns diese Soundästhetik heute? Sie hat im Gegensatz zu vor 25 Jahren keinerlei Realitätsbezug mehr. Vielmehr verweist sie derart auf einen phantastischen Raum, dass sie selbst vor dem Hintergrund des (vermeintlich) tatsächlichen Bezugs zur Vergangenheit verschwimmen. Spiegeln die so hervorgerufenen Bilder die Realitäten von 1985 oder waren diese auch schon damals eine Täuschung? »Escape from New York« spielt mit den Erwartungen, reißt dich hin und her zwischen Realität und Simulation, zwischen Erinnerung und Perspektive, zieht an und stößt ab. Kunst-stoff eben.

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