Music Review | verfasst 09.01.2014
Emanuele de Raymondi
Ultimo Domicilio EP
ZerOkilled Music, 2013
Text Jens Pacholsky
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Redaktion
Cover Emanuele de Raymondi - Ultimo Domicilio EP

Eigentlich ist es immer ein wenig witzlos, wenn Musik veröffentlicht wird, die im Kontext eines multimedialen Projekts entstanden ist. Auf einem Bein steht es sich immer so wackelig. »Ultimo Domicilio« entstand im Rahmen einer Arbeit des italienischen Fotografen Lorenzo Castore. Dieser hatte in fünf Ländern verlassene Heimstätten entdeckt und sich darin auf die Suche nach verwaisten Erinnerungen und Identifikationen begeben. Das Ergebnis war eine spannende Odyssee durch verstaubte Memorabilia und Möbel sowie verblasste Dokumentenberge und Fotos, welche durch Daniel Spano in einem 18-minütigen Film in Szene gesetzt wurden. Emanuele de Raymondi lieferte für jeden der verlorenen Schauplätze in Italien, Frankreich, Bosnien-Herzegowina, den USA und Polen den Soundtrack zur Spurensuche. Dass die fünf Stücke auf einem Bein hüpfend dennoch funktionieren, liegt daran, dass Raymondi zum einen zu den wenigen Experimentalmusikern gehört, die über das Konzept der Installation hinaus denken. Die Titel umrahmen perfekt die vereinsamten Bilder Castores. Zugleich fordern sie ihre absolute Eigenständigkeit ein, die auch ohne Bildgebung ihre volle Intensität behalten. Raymondis Stücke sind spannend komponiert und extrem gut produziert. Dieses Können hatte er 2012 bereits mit den »Buyukberber Variations« bewiesen. Zudem dreht sich der italienische Komponist nicht um sich selbst und einen Stil, den er dann als Trademark an die Intelligenzia vermarkten kann. So dreht Raymondi seine Runden durch Drones, Modern Classic, Störgeräusche und Experimentale Elektronik – stets leichtfüßig und ohne seine Dringlichkeit zu verlieren.

Die EP »Ultimo Domcilio« von Emanuele de Raymondi findest du demnächst bei hhv.de.
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