Music Review | verfasst 10.01.2014
Run the Jewels
Run the Jewels
Big Dada, 2014
Text Christian Neubert
Deine Bewertung:
9.0
Nutzer (4)
7.6
Redaktion
Cover Run the Jewels - Run the Jewels

Im letzten Jahr hat El-P sämtliche Beats für Killer Mikes fünftes Album produziert. Spätestens da hat er bewiesen, dass er nicht nur das Zeug zu dystopisch-düsteren Beatkulissen, sondern auch zu standesgemäßen Club-Bangern hat. Nun sind die beiden gemeinsam als Run The Jewels mit einer gleichnamigen LP am Start. Die beiden teilen sich hier das Mic, was sich gut auf Albumlänge macht. Und die Produktionen des New Yorkers laden endgültig zum bouncen ein – der Dirty-South-DJ von der Großraumdisse wird sich aber nach wie vor schwer tun. Die verstörende, unterschwellig aggressive Stimmung aus Def Jux-Tagen schmilzt in der Hitze des Südens zu einem Soundtrack zusammen, zu dem sogar Miley Cyrus skandalfrei mit dem Popo wackeln könnte. Die vollgepackte Synth- und Sample-Kulisse klingt hier weniger wie ein Systemabsturz auf der Event Horizon, sondern eher nach Spielhalle auf Acid. Der Opener »Run The Jewels« kommt mit unverschämt naheliegendem Run DMC-Vocal Cut und 8 Bit-Sounds um die Ecke. »Banana Clipper« featured Big Boi, was komischerweise folgerichtig klingt. Beim stampfenden »Job Well Done« holen sie Until The Ribbon Breaks an die Turntables, um zu zeigen wer die Crew der Stunde ist. Und wer sich angesichts der New York/Atlanta-Connection immer noch skeptisch zeigt, wird spätestens bei »Get It ins Casino« mitgenommen. Entsprechend kommt es gelegen, wenn bei »Twin Hype Back« Prince Paul als Handsome Boy Modelling School-Absolvent Chest Rockwell in Erscheinung tritt. Und das hymnische »A Christmas Fucking Miracle« setzt den zehn wie aus einem Guss wirkenden Tracks ein furioses Finale. Dann sollte man erst mal durchatmen.

Das Album »Run the Jewels« von Run the Jewels findest du bei hhv.de auf
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Interview | verfasst 10.02.2014
Run the Jewels
No Mission
Wir sprachen mit El-P und Killer Mike über die Möglichkeit von Innovation und warum man über Musik nicht zu viel reden darf. In diesem Sinne …
Music Review | verfasst 20.01.2017
Run The Jewels
Run The Jewels 3
Politisch waren Run The Jewels schon immer. Aber auf »RTJ3« ziehen Killer Mike und El-P die Stellschrauben noch einmal deutlich an.
Music Review | verfasst 12.06.2012
El-P
C4C (Cancer For Cure)
Nach fünf Jahren wartet El-P wieder mit einem neuen Longplayer auf. Daran kann auch das Aus von Def Jux nichts ändern.
Music Porträt | verfasst 13.06.2012
El-P
Schippe obendrauf
Rap-Legende El-P ist zurück mit seinem ersten Album seit fünf Jahren. Seit dem ist einiges passiert: Def Jux gibt’s nicht mehr und El-P macht weiter wie bisher, produziert für Rakaa Iriscience bis Killer Mike und schraubt an eigenen Songs.
Music Review | verfasst 14.07.2011
Dels
GOB
Es hat sich angekündigt: Nach Aufsehen erregenden Singles überzeugt Kieren Dickins†˜ Debütalbum auf ganzer Linie.
Music Review | verfasst 10.02.2012
Speech Debelle
Freedom Of Speech
Speech Debelle hat sich zwei Jahre für den Nachfolger zu Speech Therapy Zeit gelassen und das hat sich gelohnt.
Music Review | verfasst 29.10.2007
Cadence Weapon
Breaking Kayfabe
»Breaking Kayfabe« zeigt die Möglichkeiten für dieses so häufig als Gewohnheitstier gebrandmarkte HipHop-Ding auf.
Music Review
Daso
Meine Idee
Daso ist tot, doch »Meine« bleibt für immer bei uns. Der Ghostly-Ableger Spectral Sound legt nun die gesamte »Meine Idee«-EP neu auf.
Music Review
Ghostface Killah
Ghostface Killahs
Mit »Ghostface Killahs« liefert Ghostface Killah was die Fans wollen. Mehr nicht. Am Ende bleibt nicht ein Track wirklich hängen.
Music Review
Nef
Mais Alors !!?... C'Est a L'Envers
»Mais Alors !!?… C’Est a L’Envers«, das erste und einzige Album der französischen Band Nef, wurde jetzt wiederveröffentlicht.
Music Review
Matthew Halsall
Oneness
Ein Jahrzehnt lang hatte Matthew Halsall die Aufnahmen unter Verschluss gehalten. Jetzt ist »Oneness« veröffentlicht und das ist ein Segen.
Music Review
Various Artists
J-Jazz Deep Modern Jazz From Japan 1969-1983 Vol.2
Weiter 15 Jazzstücke aus dem Land der aufgehenden Sonne bietet die neue Compilation »J-Jazz Deep Modern Jazz From Japan 1969-1983 Vol.2«.
Music Review
Various Artists
Ilan Pdahtzur presents Night City Life
»Ilan Pdahtzur presents Night City Music« streicht Synthie-Fans die halbe Discogs-Wantlist aus. Aber sonst so? Recht wenig eigentlich.
Music Review
John Coltrane
Blue World
Wieder Unveröffentlichtes von John Coltrane. Auch wenn es sich bei »Blue World« »nur« um alternative Versionen bekannter Stücke handelt.
Music Review
Lee Hazlewood
400 Miles From L.A. 1955-56
»400 Miles From L.A. 1955-56« versammelt zahlreiches, unveröffentlichtes Material der frühen Schaffensphase von Lee Hazelwood.
Music Review
Pharoah Sanders
Moon Child
Klassisch? Auf jeden Fall. Aber durchgehend auf so hohem Niveau. Pharoah Sanders’ »Moon Child« aus dem Jahr 1990 wurde wiederveröffentlicht.
Music Review
Romare
Gone – 12"
Zwei Jahre nach seinem letzten Album meldet sich Romare mit etwas neuem zurücl. »Gone« ist dabei so offensiv wie noch nie tanzbar.
Music Review
Lloyd McNeill
Elegia
Soul Jazz setzen ihre verdienstvolle Arbeit fort, den Jazzmusiker Lloyd McNeill in Erinnerung zu halten und veröffentlichen »Elegia«.
Music Review
rRoxymore
Face To Phase
Auf ihrer Debüt-LP »Face To Phase« bietet rRoxymore eine stilistische Gemengelage, wie sie selten zu finden ist und noch seltener glückt.
Music Review
Tyler, The Creator
Igor
Tyler, the Creator nimmt das Scheitern einer Dreiecksbeziehung zum Anlass, ein neues abgefucktes Alter Ego zu füttern.
Music Review
Rhode & Brown
Nine To Shine
Auf »Nine To Shine« lassen die Münchener Rhode & Brown mit pfiffig, flockigem Haus die urbane Realität von Asphalt und Beton kurz vergessen.
Music Review
Animistic Beliefs
Mindset:Reset
Have you tried switching it on and off again? Animistic Beliefs wollen mit ihrem Debüt »Mindset:Reset« Electro neu definieren.
Music Review
Samo DJ
To Apeiron
Mit »To Apeiron« liefert Samo DJ alles andere als Peak-Time-Material ab. Sondern Axel-F-Melodien, New-Wave-Beats und BoC-Hommagen.
Music Review
Gyedu Blay Ambolley & Zantoda Mark III
Control
Bon Highlife, zu Reggae, zu Funk, zu Afrobeat und zurück: Mr Bongo veröffentlicht »Control« von Gyedu Blay Ambolley & Zantoda Mark III.
Music Review
Devendra Banhart
Ma
Je kürzer die Albumtitel bei Devendra Banhart, desto mehr Pop. Sein neues Werk heißt »Ma«. Aber diesmal gelingt der Versuch der großen Geste
Music Review
Various Artists
Esa Presents Amandla: Music To The People
DJ Esa Williams aus Kapstadt will mit seiner Compilation »Esa Presents Amandla: Music to the People« die Menschen zusammenbringen.
Music Review
Amelie Lens
Little Robot EP
Amelie Lens’ neueste EP »Little Robot« ist Big-Room-Techno auf der Höhe der Zeit. Nicht mehr und nicht weniger!
Music Review
Hugo Heredia
Mananita Pampera
Mit dem 1976 von Hugo Heredia und seinem Ensemble aufgenommenen »Mananita Pampera« ist ein weiteres Juwel des Jazz wiederveröffentlicht.
Music Review
Barker
Utility
Schon viele Jahre in Berlin als DJ und Produzent unterwegs, legt Sam Barker mit »Utility« nun auf Ostgut Ton sein Debütalbum »Utility× vor.
Music Review
Ebo Taylor
Palaver
Mit dem neu entdeckten »Palaver« von Ebo Taylor gibt es ein erstes richtiges Highlight in der neuen Tabansi Gold Series von BBE Africa.
Music Review
Ill Considered
8
Etwas urbaner als der eher atmosphärische Vorgänger, präsentiert »Ill Considered 8« eine weitere Schattierung der britischen Jazzer.
Music Review
Sampa The Great
The Return
Sampa The Great ist mit »The Return« ein unglaublich tolles, gar beeindruckendes Debütalbum gelungen.
Music Review
Velodrome
На Велодроме 141
Dark Entries hat den belgischen New Beat-Knüller »На Велодроме 141« von Velodrome ausgegraben und wiederaufgelegt.
Music Review
Toshifumi Hinata
Broken Belief
Gemeinsam mit Chee Shimizu arbeitet Music From Memory das Frühwerk von Toshifumi Hinata als Compilation neu auf.
Music Review
Ebo Taylor Jnr & Wuta Wazutu
Gotta Take It Cool
Mit »Gotta Take It Cool« veröffentlicht Mr Bongo Records ein rares Album von Ebo Taylor Jnr, dem Sohn des bekannten Highlife-Musikers.
Music Review
R°A
Space Melody EP
1988 war die Welt echt noch in Ordnung: Mothball Records veröffentlicht mit der »Space Melody EP« von R°A ein Italo-Disco-Highlight.
Music Review
Miles Davis
Rubberband
Natürlich ist das wiederentdeckte Album »Rubberband« von Miles Davis keine Revolution, kein Aufbruch. Es ist dennoch gut.
Music Review
Richard Lamb
Automatic Tango
»Automatic Tango« von Richard Lamb pickt am aktuellen Kanada-Sound wie Ahornsirup an Blueberry-Pancakes.
Music Review
Lower Dens
The Competition
Gebannt von diesen Neonfarben: Mit »The Competition« wagen sich Lower Dens so offensiv wie nie zuvor in den musikalischen Wettstreit.
Music Review
Reggie Andrews And The Fellowship
Mystic Beauty
Reggie Andrews hat als Mentor von Thundercat oder Kamasi Washington Musikgeschichte geschrieben. Jetzt kann er als Musiker entdeckt werden.
Music Review
Bon Iver
i,i
Andpruchsvolle Musik, die nicht überfordern soll: mit »i,i« entfernen sich Bon Iver ein Stück von dem verträumten Folk der ersten Jahre.
Music Review
Dawl
Time To Throw Down EP
Es werden keine Gefangenen gemacht: Dawl ist DJ seit den Anfangstagen von Rave und das hört man seiner »Time To Throw Down EP« dann auch an.
Music Review
Moose Dawa
The Swap
»The Swap« ist eiine Hommage an das Sampling und den schwedischen Beatmaker Moose Dawa gilt es zu entdecken.
Music Review
!!! (Chk Chk Chk)
Wallop
Mit »Wallop« wagen !!! einen wilden Ritt durch die Jahrzehnte, ohne ihre Kernkompetenz der schrägen Dancefloor-Killer zu vernachlässigen.
Music Review
Gareth Quinn Redmond
Laistigh Den Ghleo
Der irische Komponist Gareth Quinn Redmond hat mit »Laistigh Den Ghleo« dem Ambientwerk »Still Way« von Satoshi Ashikawa Tribut gezollt.
Music Review
Satoshi Ashikawa
Still Way (Wave Notation 2)
Das 1982 entstandene, fantastische Album »Still Way « von Satoshi Ashikawa, an dem auch Midori Takada mitwirkte, wurde wiederveröffentlicht.
Music Review
Whitney
Forever Turned Around
»Forever Turned Around« ist der Nachfolger zu Whitneys gefeiertem »Light Upon The Lake«. Es ist dann nette sommerliche Popmusik geworden.
Music Review
Wu-Tang Clan
OST Of Mics And Men
Die Dokuserie „Of Mics and Men“ erzählt die Wu-Tang Saga. Den Soundrack zum faktenbasierten Vierteiler übernahm der Clan selbst.