Music Review | verfasst 14.02.2014
BJ Nilsen
Eye Of The Microphone
Touch Music, 2014
Text Jens Pacholsky
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Redaktion
Cover BJ Nilsen - Eye Of The Microphone

Veröffentlichungen mit Field Recordings kann der Hauch von Faulheit anhängen. Da nimmt jemand die Umweltgeräusche eines Ortes auf und veröffentlicht sie, als ob es seine Komposition wäre. Dabei ist er oder sie eher Protokollant und Archivar als Künstler oder gar Musiker. So als würde jemand ein Hörbuch aufnehmen und den Text ohne Intonation Wort für Wort einfach runterlesen. Da möchte man dem Ort und den aufgenommenen Menschen beinahe Tantiemen zugestehen. Der schwedische Klangkünstler BJ Nilsen ist kein Protokollant. »Maybe a pure field recording is not the most accurate representation of a place« lässt er uns wissen. Auf »Eye Of The Microphone« durchstreift er in drei Stücken verschiedene Orte der britischen Hauptstadt London und anstatt sie nur zu rezitieren, fügt er ihnen seine sensorische Interpretation hinzu, bettet sie in Stimmungen. Nilsen hat damit eher einen Hang zum Hörspiel, wenn es um Field Recordings geht. Verschiedene Örtlichkeiten fließen im Wandeln durch die Straßen ineinander. Klangverfremdungen machen Stimmungen und Empfindungen sichtbar oder fügen sie komplett neu hinzu. Große Fassaden werden im mikroskopischen Detail erfasst. So wie Neil Gaiman in seinem Roman »Neverwhere« der stets präsenten Oberfläche Londons eine (alp)traumhaft-fantastische Unterwelt unterjubelte, zeigt BJ Nilsen das Zittern der Gespenster in den Augenwinkeln – kurz: die aufgerissene, versteckte Gefühlswelt Londons.

Das Album »Eye Of The Microphone« von BJ Nilsen findest du demnächst bei hhv.de.
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