Music Review | verfasst 19.02.2014
Ras G
Raw Fruits Vol.2
Leaving Records, 2014
Text Christian Neubert
Deine Bewertung:
/
Nutzer
7.2
Redaktion
Cover Ras G - Raw Fruits Vol.2

Mit mächtig Alarm geht es los: Ras G lässt seinen Opener »GMO Hoes« mit Subbässen und Sirenen alles zermalmend nach vorn stampfen, nur um direkt im Anschluss mit seinem »Los Angeles Remix« endgültig die Walze auszupacken. Wie? Indem er den Auftakt des »Rocky Themes« unter Strom stellt. Beim dritten Track, »Hyksos Invaders«, wird dann klar, dass der Mann von der Westküste sich mit seinen »Raw Fruits« dem Brachialen verschrieben hat. Sein ureigener, mächtig verfrickelter Instrumental Hip-Hop schlägt hier mit der gleichen Gewalt in jene Presche, mit der seinerzeit die Bomb Squad den Public Enemy-Sound geprägt hat. Und auch, wenn es zwischenzeitlich etwas aufgeräumter zugeht – die Tracks »HowCanBESeeeee« und »Big Booty Ahtay« seien hier genannt – sind die Früchtchen dieses zweiten »Raw Fruit«- Tapes beattechnische Melonen, die alle Geschmacksnuancen zwischen süß, sauer und bitter gleichzeitig ausloten und in der rauen, manchmal stacheligen Schale unbekannter exotischer Beeren stecken. Die Vocal Cuts helfen einem für eine genaue Bestimmung auch nicht weiter. Aber das macht nichts – man kann die Dinger ja auch genießen, ohne zu wissen, unter welchem Etikett sie an der Obsttheke feilgeboten werden. Der Kalifornier hat die einzelnen Tracks übrigens entweder ausschließlich in seine MPC, seine SP 303 oder seine SP 404 gehämmert. Macht ihn das zum Traditionalisten? Warum nicht: Ras G steht in der Tradition des Obskuren und Unerhörten. Unter denen, die das Unorthodoxe zum Prinzip erheben, gehört er wohl zu den Erzkonservativen.

Die Kassette “»Raw Fruits Vol.2« von Ras G”: findest du bei hhv.de auf Tape.
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 05.01.2015
Ras G
Down 2 Earth Vol.2 (The Standard Boom Bap Edition)
Gregory Shorter, Jr. legt nach zwei »Raw Fruit«-Mixtapes im letzten Jahr nun mit der Fortsetzung seines 2011er Albums »Down 2 Earth« nach.
Music Review | verfasst 02.12.2015
Ras G
Raw Fruit Vol. 3 & 4
Mit »Raw Fruit Vol. 3 & 4« erscheinen zwei Teile von Ras Gs Tapereihe endlich in kombinierter Form auf Vinyl.
Music Review | verfasst 26.08.2013
Ras G & the Afrikan Space Program
Back On the Planet
Space is the place again. Nicht Flying Lotus und auch nicht Thundercat, sondern Ras G sorgt für den verrücktesten Sound bei Brainfeeder.
Music Review | verfasst 18.07.2014
Matthewdavid
In My World
Abrupte Enden, fehlende Übergänge, ein Jonglieren mit Strophen und Refrains: »In My World« von Matthewdavid ist ein in sich gebrochenes Werk
Music Review | verfasst 15.03.2016
Odd Nosdam
Sisters
»Sisters« heißt das neue Album von Odd Nosdam. Drauf zu finden sind 9 Tracks, die wirklich ein wenig wie Schwestern sind.
Music Review | verfasst 13.09.2016
Swarvy
Elderberry
Immer gibt es in Los Angeles Neues zu entdecken: im Dunstkreis von Peanut Butter Wolf macht mit »Elderberry« Swarvy auf sich aufmerksam.
Music Review
Nídia
Não Fales Nela Que A Mentes
Auf »Não Fales Nela Que A Mentes« braucht Nídia nicht als einen Rhythmus und einen Loop, um ein riesiges Koordinatensystem zu eröffnen.
Music Review
Hessel Veldman
Eigen Boezem
In den Achtzigern entstandene DIY-Aufnahmen aus der holländischen Hafenstadt IJmuiden: »Eigen Boezem« stellt Musik von Hessel Veldman aus.
Music Review
Kanye West
Jesus Is King
»Jesus Is King« von Kanye West ist jetzt auf Vinyl erschienen. Und wir haben die pädagogisch wertvollste 7.0er Review aller Zeiten für dich.
Music Review
Various Artists
Artificial Dancers – Waves Of Synth
»Artificial Dancers – Waves Of Synth« offenbart weitere schrullige Raritäten in Sachen Synthesizermusik aus den Achtzigern.
Music Review
Auscultation
III
Auf »III« lauscht Auscultation, wie der Name glauben macht, nach innen. Das Hineinhorchen beruht hier auch auf einen tragischen Vorfall.
Music Review
Y-Bayani And Baby Naa & The Band Of Enlightenment, Reason & Love
Nsie Nsie
Brutal sauber ausproduzierter und abgemischter Reggae aus Ghana: Philophon hat »Nsie Nsie« von Y-Bayani veröffentlicht
Music Review
Various Artists
Pacific Breeze 2: Japanese City Pop, AOR & Boogie 1972-1986
An City-Pop-Compilations mangelte es zuletzt nicht. Jetzt erscheint ein zweiter Teil von »Pacific Breeze« auf Light In The Attic.
Music Review
Cucina Povera & Haron
Plafond 6
Cucina Povera und Haron teilen sich die Rillen auf »Plafond 6«. Das Dilettantische wird dabei mitunter so überhöht, dass es wehtut.
Music Review
Soft Power
Brink Of Extinction
Soft Power, das Helsinkier Sextett um den Multiinstrumentalisten Mikael Jurmu, hat ihr drittes Album »Brink Of Extinction« veröffentlicht.
Music Review
Heerlens Percussie Ensemble
Biologic Music
Wer jetzt »Trommelgruppe« sagt, fliegt raus: Hot Mule veröffentlicht »Biologic Music« des Heerlens Percussie Ensembles.
Music Review
Grischa Lichtenberger
kamilhan; il y a péril en la demeure
Grischa Lichtenberger bleibt auch mit »kamilhan; il y a péril en la demeure« der große falsche Fährtenleger der elektronischen Musik.
Music Review
Red Axes
Red Axes
Red Axes haben »Red Axes« veröffentlicht. Auf ihrem zweiten Album haben die Israelis anscheinend wieder zu sich selbst gefunden.
Music Review
Kaitlyn Aurelia Smith
The Mosaic Of Transformation
Kaitlyn Aurelia Smith hat für »The Mosaic Of Transformation« ihren Buchla-Synthesizer neu verkabelt.
Music Review
Jensen Interceptor
Strings Of Fear
Ohne Jensen Interceptor wäre der Electro-Hype in den letzten Jahren wohl kaum zu rechtfertigen gewesen. Jetzt gibt’s was neues.
Music Review
Einstürzende Neubauten
Alles In Allem
»Alles In Allem« fühlt sich hier nicht wie das Ende der Einstürzenden Neubauten an, sondern wie eine erneute Metamorphose.
Music Review
Phillip Sollmann
Monophonie
Philipp Sollmann setzt sich auf »Monophonie« mit Hermann von Helmholtz, Harry Partch und Harry Bertoia auseinander.
Music Review
Jonny Nash & Suzanne Kraft
A Heart So White
Auf »A Heart So White« treffen Johnny Nash und Suzanne Kraft zum zweiten Mal aufeinander. Kommunikation fand dabei nur über die Musik statt.
Music Review
Daily Fauli
Fauli Til Dauli
Minimal Wave veröffentlicht mit »Fauli Til Dauli« Fundstücke des dänischen Schauspielers Søren Fauli, der sich hier Daily Fauli nennt.
Music Review
Caspar Brötzmann Massaker
Home
Southern Lord veröffentlicht die Alben des Caspar Brötzmann Massaker neu. Darunter das abschließende »Home« aus dem Jahre 1995.
Music Review
Ron Boots, Jo Bogaert & Morten Søndergaard
Lachrymation / Ambient Kinsky / Sahara I Mine Hænder / Far Boundaries
Das neueste Release versammelt Stücke von Ron Boots, Jo Bogaert und Morten Søndergaard, einem Niederländer, einem Belgier und einem Dänen.
Music Review
Various Artists
Spiritual Jazz Vol.11: SteepleChase
Mit dem neuesten Teil ihre »Spiritual Jazz«-Reihe werfen Jazzman einen Blick auf das dänische Jazzlabel SteepleChase.
Music Review
Imagination
I'm Always Right (The WDR Tapes 1977)
Im Archivschrank des WDR schlummert so mancher Schatz. Mit »I’m Always Right« von Imagination wurde jetzt einer geborgen.
Music Review
El Michels Affair
Adult Themes
Mit »Adult Themes« haben El Michels Affair einen Soundtrack aufgenommen, für den es keinen Film gibt.
Music Review
Fire-Toolz
Rainbow Bridge
Weirdere, wundervollere Musik als auf »Rainbow Bridge« war bisher weder von Fire-Toolz noch bei Hausu Mountain zu hören.
Music Review
Shan
Tanzstuecke
Die Tanzstücke auf »Tanzstuecke« haben sich nie von den Achtziger gelöst. Stört aber keinen! Shan lässt das Jahrzehnt frisch aufleben.
Music Review
Pierre Tchana
Super-Disco
Come on baby, dance! Das Amsterdamer Label Royer veröffentlicht das ursprünglich 1978 veröffentlichtet »Super-Disco« von Pierre Tchana neu.
Music Review
Vladislav Delay
Mutila
Das gesamte Spektrum von Höhen und Tiefen: »Mutila« von Vladislav Delay wurde von Rashid Becker neu gemastert und wiederaufgelegt.
Music Review
Klara Lewis
Ingrid
Klara Lewis legt mit »Ingrid« eine gespenstisch gute Veröffentlichung vor, die weder als Album noch als EP bezeichnet werden kann.
Music Review
Earth Trax
LP1
Wenn Euphorie und Schwermut ineinanderfallen: Bartosz Kruczyński hat sein erstes Album »LP 1« unter dem Pseudonym Earth Trax veröffentlicht.
Music Review
Nkem Njoku & Ozzobia Brothers
Ozobia Special
»Ozobia Special«, das einzige Album von Nkem Njoku & Ozzobia Brothers, erscheint nun erstmals außerhalb von Nigeria.
Music Review
Jamie xx
Idontknow
Mit »Idontknow« meldet sich Jamie xx nach fünf Jahren auf dem Dancefloor zurück. Doof nur, dass der geschlossen ist.
Music Review
Leafar Legov
Mirror
Auf »Mirror« trotzt Leafar Legov der Redundanz im Ambient-Genre und lässt uns zudem etwas Trost in der Weltabkehr entdecken.
Music Review
Various Artists
Minna Miteru
Alle bitte mal hinschauen: Für Morr Music hat Saya Ueno von Tenniscoats eine Compilation mit aktueller Indie-Musik aus Japan kuratiert.
Music Review
Soul Connection
Street Soul
Invisible City Editions legt mit »Street Soul« eine Auswahl von Stücken des Ende der 1980er Jahre aktiven Duos Soul Connections neu auf.
Music Review
Litia~Loe
Each Dawn Every Dawn
Mixed Signals hat sich der Aufarbeitung der House-Music verschrieben. Eines ihrer ersten Releases ist »Each Dawn Every Dawn« von Litia~Loe.
Music Review
Giulio Aldinucci
Shards of Distant Times
Giulio Aldinucci macht Ambient, der keiner ist. Mit »Shards of Distant Times« intensiver noch als je zuvor.
Music Review
Piero Piccioni
OST Il Dio Sotto La Pelle
Nach 20 Jahren des Wartens bekommt Piero Piccioni’S Soundtrack zu »Il Dio Sotto La Pelle« via Musica Per Immagini die verdiente Neuafulage.
Music Review
The Dwarfs Of East Agouza
The Green Fdogs Of Dahshur
Vier Jahre nach »Bes« veröffentlichen The Dwarfs Of East Agouza mit »The Green Fdogs Of Dahshur« ein weiteres monumental-mutiges Album.
Music Review
Finlay Shakespeare
Solemnities
Finlay Shakespeare arbeitet auch mit »Solemnities« im kompletten Alleingang an einem akkuraten Entwurf zeitgemäßer Popmusik.
Music Review
Sepehr
Shaytoon
Der in San Francisco ansässige Produzent Sepehr hat mit »Shaytoon« eine durch und durch inspirierendes Debütalbum veröffentlicht.
Music Review
Pole
1 2 3
Zeit für Spurensuchen: Mute veröffentlicht die ersten drei Alben »1 2 3« von Pole neu gemastert und in ein Deluxe-Box-Set verpackt, erneut.