Music Review | verfasst 21.03.2014
Christina Vantzou
No.2
Kranky, 2014
Text Björn Bischoff
Deine Bewertung:
/
Nutzer
7.8
Redaktion
Cover Christina Vantzou - No.2

Es ist eine große Platte des Eigentlich. Denn eigentlich wäre dieses Album ja ein ganzes Stück, ein pausenloser Rausch, der sich über elf Songs zieht, eine Komposition voller Anmut und Schönheit. Doch Christina Vantzou mit diesem hässlichen Wort zu kommen, verbietet sich. Mit dem ersten Ton von ihrem zweiten Album »No.2« eigentlich. (Pardon.) Die Künstlerin aus Brüssel, die schon mit einer Hälfte der Ambient-Helden Stars Of The Lid zusammengearbeitet hat, vertraut hier vollständig auf organische Klänge, auf verlassene Klaviere, auf taumelnde Streicher und drückende Soundflächen. Dabei bleibt alles schön im Kammermusikbereich, es fällt nichts in den Orchestergraben. Vantzou hat dieses Album wie ein Labyrinth aufgebaut, die Spuren führen mehr und mehr in den Kern, die Mitte, das Licht. Während sich in »Vancouver Island« noch für einen kurzen Moment eine Stimme in den Vordergrund schleicht, um gleich wieder zwischen den Instrumenten zu verschwinden, baut »Sister« sich dann auf, unterstreicht seine Melodie dicker und dicker – ohne allerdings in Bombast auszuufern. Vielmehr ziehen sich die einzelnen Töne wie Ranken in die Höhe, heben den ganzen Track ein Stück nach oben. Alles was vor diesen beiden Songs kommt, war nur der Weg dorthin, alles was danach kommt, ist engelsgleicher Geleitschutz, der einen aus diesem Album wieder hinausbefördert, aufsetzen lässt in der Realität. Denn es fällt am Ende doch ziemlich schwer, einzelne Songs hervorzuheben, dafür hat Vantzou »No.2« zu strukturiert, hat den Instrumenten ihren natürlichen Fluss gelassen. Ambient, ein bisschen Klassik, ein bisschen Postrock. Durchdringend, klar, direkt, schnörkellos. Kein Einspruch, keine Abschwächung. Einfach ein wunderschönes Stück Musik.

Das Album »No.2« von Christina Vantzou findest du bei hhv.de: LP
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 20.01.2011
Pan American
For Waiting, For Chasing
Die Balance zwischen elektronischen und akustischen Klängen tarieren nur sehr wenige derart vollkommen.
Music Review | verfasst 17.02.2011
Tim Hecker
Ravedeath, 1972
Am Ende bleibt keine Erinnerung, nur ein Gefühl von amorpher Weite, die sich irgendwie heimisch anfühlt.
Music Review | verfasst 10.04.2011
Belong
Common Era
Belong machen »Shoegaze« wie er vor zwanzig Jahren von Bands wie My Bloody Valentine geprägt wurde.
Music Review | verfasst 07.11.2011
Charalambides
Exile
Die Charalambides führen dich in eine ganz eigene Welt. Der Zugang zu diesem psychedelischen Folk ist nicht ganz einfach, aber lohnt sich.
Music Review | verfasst 09.02.2012
Windy & Carl
We Will Always Be
Windy Weber und Carl Hultgren sind das Traumpaar der experimentellen Rockmusik. Auch auf ihrem neuen Album wird man Zeuge ihrer Harmonie.
Music Review | verfasst 11.04.2012
Lotus Plaza
Spooky Action At A Distance
Mit »Spooky Action at a Distance« scheint Lockett Pundt sich wieder seiner Stammband Deerhunter anzunähern.
Music Review | verfasst 17.01.2013
Loscil
Sketches from New Brighton
Loscil zeigt sein ganzes Können und zeichnet Küstenlandschaften mit den ihm zur Verfügung stehenden musikalischen Mitteln.
Music Review
Dirty Projectors
Dirty Projectors
Der Alien-R’n’B oder Future-Hybrid-Pop auf Dirty Projector’s neuem Album wird für Fans als auch für Novizen eine Herausforderung darstellen.
Music Review
Inga Mauer
Shtum 012
Wer sich hier nicht festhält, der wird weggetrieben: die in Den Haag ansässige Inga Mauer reüssiert auf »Shtum 012«.
Music Review
Mind Over MIrros
Undying Colors
Jede neue Platte zeigt eine neue Phase des Künstlerdaseins von Mind Over Mirrors. So auch »Undying Colors«.
Music Review
KaS Product
Black & Noir
»Black & Noir« ist eine Zusammenstellung mit elf Songs des Anfang der 1980er Jahre in Nancy gegründeten Synthpopduos Kas Product.
Music Review
The Necks
Unfold
Bei The Necks entfalten sich die Klänge. Auf auf den vier zwischen 15 und 22 Minuten langen Stücken von »Unfold«.
Music Review
Jens Lekman
Life Will See You Now
Auch auf »Life Will See You Now« arbeitet der schwedische Songwriter Jens Lekman nach wie vor daran, das perfekte Liebeslied zu schreiben.
Music Review
Earthen Sea
An Act Of Love
Jacob Long war Bassist bei Mi Ami und Black Eyes. Als Earthen Sea macht er düster-drohende Electronica, zwische Unruhe und Entspannung.
Music Review
Bing & Ruth
No Home Of The Mind
Im Kosmos der klavierbasierten Post-Klassik nimmt Bing & Ruth mit »No Home Of The Mind« bis heute eine Sonderstellung ein.
Music Review
Moiré
No Future
Auf »No Future« von Moiré wird der Hörer angetrieben, auch mal zu reflektieren. Wenn Tanzmusik das schafft, dann ist sie große Kunst.
Music Review
Brenk Sinatra & Morlockk Dilemma
Hexenkessel 1 & 2
Zwei Giganten des deutschen Hip Hop liefern auf zwei EPs ein »Großstadthörspiel«, eine Hommage an früher, einen Karrierehöhepunkt.
Music Review
Microtub
Bite Of The Orange
Microtub ist das erste mikrotonale Tubaensemble der Welt. Häh? Was das bedeuten soll, kannst du jetzt auf »Bite Of The Orange« nachhören.
Music Review
Various Artists
Sammlung Elektronische Kassettenmusik Düsseldorf 1982-1989
Die »Sammlung Elektronische Kassettenmusik Düsseldorf 1982-1989« ist eine Fundgrube visionärer Außenseitermusik.
Music Review
Various Artists
Magnetband - Experimenteller Elektronik Underground DDR 1984-1989
»Magnetband – Experimenteller Elektronik Underground DDR 1984-1989« bildet ein historisch wie musikalisch Stück der DDR-Vergangenheit ab.
Music Review
Baricentro
Tittle Tattle - 12"
Best Record Italy veröffentlicht die erstmals 1983 erschienene 12-inch »Tittle Tattle« der italienischen Kombo Baricentro erneut.
Music Review
Thievery Corporation
The Temple Of I & I
Vor 20 Jahren sind Thievery Corporation angetreten, die Welt an ihre Musik teilhaben zu lassen. Nächste Etappe: »The Temple Of I & I«.
Music Review
Gepy & Gepy
Body To Body - 12"
Giampiero Scalamogna nannte man einst den italienischen Barry White. Gepy & Gepy’s 12" »Body To Body« von 1979 wurde nun wiederaufgelegt.
Music Review
Visible Cloaks
Reassamblage
Visible Oaks schwebte mit »Reassamblage« eine Art am Sampler erschaffene »Weltmusik« 4.0 vor.
Music Review
Simon Fisher Turner
Giraffe
Um den Gegensatz von akustischen Spuren der belebten Welt und den elektronischen Maschinen geht es Simon Fisher Turner auf »Giraffe«.
Music Review
Tinariwen
ELWAN
In Wüsten nichts Neues: Vom traditionellen Ganga-Songs bis zu tanzbarem Wüsten-Funk: wer Tinariwen mag, wird »ELWAN« lieben.
Music Review
MecsTreem & Doe Diggla
Hydrofunk
Ist das noch Hip-Hop? MecsTreem und Doe Diggla wollen sich auf der Split-LP »Hydrofunk« nicht festlegen.
Music Review
Vermont
II
Ein zweites Mal graben Danilo Plessow und Marcus Worgull in den Plattenkisten. »II« ist auf der Indica-Seite des Lebens angesiedelt.
Music Review
Conrad Schnitzler
Filmmusik 2
Bureau B setzt die Reihe mit Conrad Schnitzlers bisher unveröffentlichten Filmmusiken fort.
Music Review
Sinkane
Life & Livin' It
Mit »Life & Livin’ It« ist Sinkane ein weltoffenes, tanzbares und melodiedralles fünftes Album gelungen.
Music Review
B.E.F.
Mallumo
B.E.F. erhebt auf seiner Debüt-EP für Parallel Berlin die Serviceleistung zur eigentlichen Kunst. Zumindest ist »Mallumo« dann am stärksten.
Music Review
Lucky Brown & the S.G.'s
Mesquite Beat
70er-Funk ist zu perfekt, als dass es noch etwas zu verbessern gäbe. »Mesquite Beat« von Lucky Brown bleibt deshalb ganz bodenständig raw.
Music Review
Alessandro Bosetti
Planet/Talea
Der italienische Künstler und Komponist Alessandro Bosetti manipuliert und kombiniert sich durch »Planet/Talea«.
Music Review
Matteo Vallicelli
Primo
Der italienische Schlagzeuger Matteo Vallicelli hat sich auf »Primo« mit Synthesizers und Drumcomputers beschäftigt.
Music Review
Laaraji
Celestial Vibration
Das erstmals 1978 erschienene Debütalbum »Celestial Vibration« des New Yorker Zitherspielers Laaraji erfährt eine Neuauflage.
Music Review
Lift To Experience
The Texas-Jerusalem Crossroads
»The Texas-Jerusalem Crossroads«, das einzige Album von Lift To Experience, bekommt zu seinem fünfzehnten Geburtstag eine Neuauflage.
Music Review
Moon Duo
Occult Architecture Vol.1
Obwohl Moon Duo mit ihrer Musik im Maskulinitäts-Genre verwurzelt sind, gibt es auf »Occult Architecture Vol.1« keinerlei Macho-Gehabe.
Music Review
Sampha
Process
Im Debüt-Album »Process« verarbeitet Sampha den Tod seiner Mutter und changiert gekonnt zwischen Pianoballaden und ungeraden Rhythmen.
Music Review
Various Artists
Saz Beat Vol.3
Zwischen Konformität und Dissidenz blühte Istanbul auf, wie die tolle Compilation »Saz Beat Vol.3« zeigt.
Music Review
Lula Pena
Archivo Pittoresco
Eine Gitarre, eine Stimme und halbes Dutzend Sprachen: Lula Penas drittes Album »Archivo Pittoresco« ist ein kleines Kuriosum.
Music Review
UnicaZürn
Transpandorem
Das verbindende Element bei UnicaZürn ist das Wasser. Auf »Transpandorem« lässt es das Duo mal tropen und mal rauschen.
Music Review
Brad Mehldau & Chris Thile
Brad Mehldau & Chris Thile
Die Jazzlegende Brad Mehldau und der talentierte Mandolist Chris Thile ergänzen sich auf ihrem gemeinsamen Debüt ganz famos.
Music Review
CVBox
So ist es im Nadelwald
Zuhausehör-Techno ohne die Posen? Gibt’s nur bei CVBox. Von dem wissen wir nix, er aber erzählt uns: »So ist es im Nadelwald«!
Music Review
Andi Otto
VIA
Ein vielleicht zukunftsweisendes Album: auf »VIA« vermengt Andi Otto respektvoll unterschiedlichsten Traditionen und Einflüsse.
Music Review
Various Artists
The Men In the Glass Booth
Mit »The Men In the Glass Booth« versammelt der Glasgower DJ Al Kent dreieinhalb Stunden discoider Edit-Kunst.
Music Review
Schnipo Schranke
Rare
Man sollte sich froh schätzen, heirzulande eine Band wie Schnipo Schranke zu haben. Selten, dass deutscher Pop aufrichtiger ist.
Music Review
Ty Segall
Ty Segall
Es fängt schon mit dem Titel an: »Ty Segall«, das neue Album von Ty Segall, ist einfach etwas zu beliebig.
Music Review
Superpitcher
The Golden Ravedays 1
Lang ließ Superpitcher nichts von sich hören. Jetzt ist er zurück mit »The Golden Ravedays«, einem auf zwölf Schallplatten verteilten Album.