Music Review | verfasst 07.04.2014
Janek Schaefer
Lay-by Lullabye
12k, 2014
Text Tim Caspar Boehme
Deine Bewertung:
/
Nutzer
7.7
Redaktion
Cover Janek Schaefer - Lay-by Lullabye

Für seine tönende Verneigung vor dem Schriftsteller J. G. Ballard und dessen »Auto«-Romanen »Crash« (der als Vorlage für David Cronenbergs gleichnamigen Film diente) und »Concrete Island« hat der britische Klangkünstler Janek Schaefer sich einen höchst passenden Ort ausgesucht: an der Autobahn M3, wenige Kilometer von seinem Studio im Westen Londons entfernt, machte Janek Schaefer Field Recordings von der Umgebung der Straße, vorbeifahrende Kraftfahrzeuge eingeschlossen. J.G. Ballard nämlich wohnte an genau dieser Autobahn, deren Bau er in den 1970er Jahren vom Fenster seines Hauses aus mitverfolgen konnte und der ihn zu den beiden Büchern inspirierte. Die von »Radio 101 FM« bis »Radio 112 FM« durchnummerierten Stücke auf »Lay-by Lullaby« (in etwa: »Standspur-Schlaflied«) präsentieren sich als eine Abfolge sehr bedächtiger Ambient-Collagen, die in ihrer aufgeräumt fließenden Fragilität einiges von der Gott- und Menschenverlassenheit nächtlicher Straßen und Autobahnrastplätze erzählen. Die Anwesenheit von Lebewesen teilt sich allenfalls indirekt über die Motorengeräusche mutmaßlich bemannter Automobile oder kurze Fetzen von Radiomoderationen mit. Ringsherum sonst hallende Leere. Diese spärlich bevölkerten Räume stimmt Schaefer so nuanciert aufeinander ab, dass das Album auf mehreren Ebenen funktioniert – als Hintergrundrauschen wie auch als melancholischer Abgesang auf die im 20. Jahrhundert bejubelte Innovation des Individualverkehrs.

Das Album »Lay-by Lullabye« von Janek Schaefer findest du vielleicht demnächst bei hhv.de.
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 04.12.2014
Janek Schaefer
Unfolding Luxury Beyond the City of Dreams
Janek Schäfers »Unfolding Luxury beyond the City of Dreams« ist Ambient-Musik im Sinne feinsinniger Gestaltung diskreter Prozesse.
Music Review | verfasst 04.12.2014
Janek Schaefer
Inner Space Memorial in Wonderland
Mit »Inner Space Memorial in Wonderland« dehnt Janek Schaefer seine Verneigung vor dem britischen Schriftsteller J. G. Ballard aus.
Music Review | verfasst 12.02.2012
Illuha
Shizuku
Illuhas Musik erklingt im Ohr so belanglos, dass man zum Abschluss der einzelnen Übungen ungehindert dem eigenen Körper nachhorchen kann.
Music Review | verfasst 07.01.2013
Kane Ikin
Sublunar
Solo Andata’s Kane Ikin entwirft auf seinem Solowerk »Sublunar« den Klang einer durch Katastrophen und Zerfall herbeigeführten Post-Ära.
Music Review | verfasst 17.04.2014
Illuha
Akari
Ob man für die friedlichen Bilder von Illuha empfänglich ist, hängt auch auf »Akari« davon ab, wie man mit deren Süße zurechtkommt.
Music Review | verfasst 18.02.2015
Ryuichi Sakamoto / Illuha / Taylor Deupree
Perpetual
»Perpetual« dokumentiert den gemeinsamen Auftritt von Altmeister Ryuichi Sakamoto, dem Duo Illuha und 12k-Labelchef Taylor Deupreeder.
Music Review | verfasst 16.02.2012
The Boats
Ballads of the Research Department
Die Musik von The Boats klingt gute zehn Jahre alt. Das kann man den Musikern zum Vorwurf machen – oder bewundern.
Music Review
Suzanne Ciani
Buchla Concerts 1975
Buchla? Kompliziert! Suzanne Ciani hat den Synthesizer vor 40 Jahren gemeistert, wie »Buchla Concerts 1975« eindrucksvoll beweist.
Music Review
On Dead Waves
On Dead Waves
Polly Scattergood und James Chapman (Maps) zeigen mit »On Dead Waves«, sass sie auch als Duo funktionieren.
Music Review
Vivien Goldman
Resolutionary (Songs 1979-1982)
Das Label Staubgold stellt mit »Resolutionary (Songs 1979-1982)« Songs von Vivien Goldman zusammen.
Music Review
Tiny Moving Parts
Celebrate
Auf »Celebrate«, dem dritten Album in drei Jahrem, der amerikanischen Rockband Tiny Moving Parts ist die Spielfreude ungebrochen.
Music Review
Gregory Porter
Take Me To The Alley
Er ist wohl der bekannteste Jazz-Sänger unserer Zeit. Doch ist es Jazz? Sein neues Album »Take Me To The Alley« gibt eine deutliche Antwort.
Music Review
18+
Collect
Auf ihrem zweiten Album »Collect« verfeinern 18+ ihren hybriden, nicht immer jugendfreien Popsound.
Music Review
Wilson Tanner
69
Cool, uncool, befindlich und New Age: Das Album »69« von Wilson Tanner ist nur eins davon und damit ein bisschen radikal.
Music Review
Me Succeeds
Into Randomness
Nach zehn Jahren bestehen haben Me Succeeds auf »Into Randomness« endgültig ihren Sound gefunden.
Music Review
Various Artists
SNFW 001
Shall Not Fade will R’n’B auf den House-Floor herüberretten. Den ersten Schritt in diese Richtung macht die Compilation »SNFW 001«.
Music Review
Mark Pritchard
Under The Sun
Einseitigkeit kann man Mark Pritchard nicht vorwerfen. Mit »Under The Sun« begibt sich der englische Producer nun in esoterische Gefilde.
Music Review
New Order
Complete Music
Wir haben uns in 36 Jahren daran gewöhnt: New Order veröffentlichen eine Extended Version ihres aktuellen Albums.
Music Review
DVA
Take It All
DVA aka Scratcha DVA hat sich in das 10"-Format verliebt. Mit »Take It All« erscheint ein weiterer Release auf Hyperdub.
Music Review
The Red Krayola with Art & Language
Baby And Child Care
Bei »Baby And Child Care« handelt es sich um unveröffentlichtes Material von The Red Krayola with Art & Language aus dem Jahre 1984.
Music Review
Mop Mop
Lunar Love
»Lunar Love«, das neue Album von Mop Mop, bereitet dich bestens auf den nächsten Urlaub in wärmeren Gefilden vor.
Music Review
Super Mama Djombo
Super Mama Djombo
Super Mama Djombo waren eine der wichtigsten Stimmen der Nelkenrevolution in Portugal 1974. So tanzbar wie hier, klingt Revolution selten.
Music Review
Astronautalis
Cut The Body Loose
Hit-Producer John Congleton sorgte für den Sound. Da wundert es nicht, dass der Rap-Anteil noch mehr einer Indie-Rock-Ästhetik gewichen ist.
Music Review
Africains With Mainframes (Hieroglyphic Being & Noleian Reusse)
K.M.T.
Hieroglyphic Being und Noleian Reusse geben als Africains With Mainframes der guten alten Tante Acid eine frische Dreckigkeit.
Music Review
Stabil Elite
Spumante
Zwischen »Douze Pouze« und »Spumante« sind einige Jahre vergangen, und Stabil Elite haben was draus gemacht.
Music Review
Jameszoo
Fool
Mit Arthur Verocai und Steve Kuhn hat Jameszoo auf »Fool« zwei weitere große Brainfeeder-Momente geschaffen.
Music Review
Jessy Lanza
Oh No
Für Jessy Lanza heißt es alles oder nichts, auf »Oh No« trifft derweil alles auf nichts. Ihr zweites Album ist eine radikale Platte.
Music Review
Achim Funk & Mr. Nylson
The Bridge To Yesterday
»The Bridge To Yesterday«, das gemeinsame Debütalbum von Achim Funk & Mr. Nylson, ist ein bemerkenswerter Beitrag zur Boom Bap Renaissance.
Music Review
Ash Koosha
I AKA I
Bei Ash Kooshas »I AKA I« trifft Ambient auf Glitch, Musique Conrete auf Beat-Tape und dein Kopf auf ein Erlebnis. Ist das IDM 2.0?
Music Review
Anohni
Hopelessness
Für ihr/sein erstes Album als Ahnoni hat sich Antony Hegarty mit Hudson Mohawke und Oneohtrix Point Never zusammengetan.
Music Review
Parra For Cuva
Darwis
Mit Blick aufs Meer spielten Parra For Cuva das Grundmaterial ein. Entsprechend klingt »Darwis« hypnotisch, meditativ und entspannt.
Music Review
White Lung
Paradise
Wie klingt Popmusik im Jahr 2016? Wenn es nach dem White Lung geht, dann genau so wie ihr viertes Album »Paradise«.
Music Review
Joasihno
Meshes
»Meshes«, das dritte Album von Cico Beck unter dem Namen Joasihno, wird seinem Titel gerecht: Es verflechten sich darauf Sounds und Stile.
Music Review
Bacao Rhythm & Steel Band
55
Die Bacao Rhythm & Steel Band zeigt auf »55«, wie gut Steeldrum-Funk mit Hip-Hop-Anleihen funktionieren kann.
Music Review
Lady Blacktronika
Call My Name
Wenn sich Lady Blacktronika mit ihrer »Call My Name«-EP aus der eigenen Komfortzone herwagt, bedeutet das noch lange keine Kapitulation.
Music Review
Driftmachine
Colliding Contours
Die texturenreiche Electronica von Driftmachine wirkt auf »Colliding Contours« entspannt und zugleich abgespacet.
Music Review
Ogoya Nengo & the Dodo Women's Group
On Mande
Sven Kacirek und Stefan Schneider haben das Album »On Mande« mit der kenianischen Sängerin Ogoya Nengo aufgenommen.
Music Review
Dietrich & Barnes
The Coral Casino
John Dieterich und Jeremy Barnes haben Projekte wie Deerhoof oder Neutral Milk Hotel mal links liegen gelassen, um ein paar Songs zu spielen
Music Review
Neonschwarz
Metropolis
Mit »Metropolis« gehen die Hamburger von Neonschwarz die Themen Wut, Trauer und Hoffnung politisch an.
Music Review
Susanna
Triangle
Susanna auf Sinnsuche. Die Götter sind verreckt oder verkauft worden, nichts ist mehr heilig. Was nun? Dieser Frage geht »Triangle« nach.
Music Review
Homeboy Sandman
Kindness For Weekness
Homeboy Sandman ist Everybodys´ Darling. Für »Kindness For Weakness« gibt sich eine prominente Producer-Riege die Klinke in die Hand.
Music Review
LUH
Spiritual Songs For Lovers Sing
Das Ende von WU LYF war für Ellery Roberts der Beginn von LUH. Zusammen mit Ebony Hoorn legt er nun »Spiritual Songs For Lovers Sing« vor.
Music Review
Lossy
Chase Scenes
Exzellentes Sounddesign auf der einen, Strukturlosigkeit auf der anderen Seite: Lossys EP »Chase Scenes« klingt – nomen est omen – verhetzt.
Music Review
Kaytranada
99,9%
Kaytranada hat einen neuen Release am Start. Er heißt »99,9%« und es fehlt halt ein bisschen, um als Album durchzugehen.
Music Review
Slow Steve
Adventures
Wie erhofft, bringt Slow Steve seinen sanften, einfallsreichen Elektropop mit zurückgelehnter Nonchalance auf »Adventures« zur vollen Blüte.
Music Review
Various Artists
Household Shocks
Das Label Dark Entries lässt in Vergessenheit geratene und unbeachtete Musik der 1980er Jahre wiederaufleben.
Music Review
Gilles Peterson
Magic Peterson Sunshine
Gilles Peterson durfte in den Archiven von MPS wühlen. Die Compilation »Magic Peterson Sunshine« ist Ergebnis seiner Arbeit.
Music Review
dude26
Sechsundzwanzig Sonnen
Rough, rugged, raw sollen die Produktionen aus dem Hause Daily Concept sein. »Sechsundzwanzig Sonnen« von dude26 bildet da keine Ausnahme.