Music Review | verfasst 08.04.2014
Squarepusher x Z-Machines
Music For Robots EP
Warp, 2014
Text Jens Pacholsky
Deine Bewertung:
/
Nutzer
8.6
Redaktion
Cover Squarepusher x Z-Machines - Music For Robots EP

Träumen Androiden von elektrischen Schafen? Die im Titel eines Romans von Philip K. Dick formulierte Frage, die sich später auch Harrison Ford in dessen Verfilmung als »Bladerunner« unweigerlich stellte, ist endlich angekommen. Im Zeitalter von Menschen tötenden Drohnen und Computern, die den Weltmarkt – und so auch unseren Alltag – komplett regeln, ist der finale Schritt die Emotionalisierung eben jener. Tom Jenkinson aka Squarepusher stellt sich dementsprechend die Frage auch, ob es zwangsläufig ein menschliches Moment geben muss, um in der Musik Emotionen zu transportieren. Seine These ist ein fortschrittlich-optimistisches Nein. Und so lässt er auf seiner neuen EP eben Roboter die Musik machen. Nicht so per Mausklick und volldigital. Sondern in echt und ganz mechanisch. Die fünf Kompositionen sind für Roboter geschrieben und von echten Robotern in Handarbeit eingespielt. Dass sich Squarepusher diesen Studienspaß von Zima, einem der ersten Alcopops, der mittlerweile nur noch in Japan vermarktet wird, spendieren lassen hat, ist eine andere Diskussionsebene. Diese zeigt zum einen, dass Redbull mit seiner Strategie Recht behalten hat – und der Mainstream nicht mehr zwangsläufig Zielgruppe Nummer Eins ist – und dass dem Untergrund schlicht das Geld zu solch revolutionären Experimenten fehlt. Doch zurück zu Squarepushers These. Auf kompositorischer Ebene ist Squarepusher mal wieder in Höchstform – selbst wenn man sich fragt, warum er bei dieser technologischen Möglichkeit auf Standardinstrumente zurückgreift und nicht gleich den Wahnwitz einer 56-saitigen Gitarren mitdenkt. Komplexe Pattern, Tremolos für Maschinengewehre, unglaubliches Gitarren- und Basszupfen und massenweise sich harmonisch ergänzende Melodiebögen. »Sad Robot Goes Funny« ist diesbezüglich ein wahres Meisterwerk. Alles sitzt perfekt auf Anschlag. Und genau das fällt auch auf Squarepushers These zurück. Bei aller Perfektion bleibt der Klang mechanisch, statisch und kalkuliert. Fast hört man das Klacken der elektronisch gesteuerten Gelenke und das Zischen der Hydraulik, spürt die Hitze der Schaltkreise. »World Three« scheint sich bei aller Komplexität des Gitarren-Piano-Duetts nicht von der Stelle zu bewegen. »Dissolver« fehlt gerade bei den überschnellen Abschnitten der Fluss des Klangs. Allein in den langsamen Passagen des letzten Titels »You Endless« kann man einen Hauch von Melancholie hören. Squarepushers Robotermusik klingt in der Endkonsequenz dennoch perfekt und leblos. Es bleibt die Aneinanderreihung von Einzelnoten, ein fehlerfrei ausgeführter Algorithmus. Aber eben auch dafür sind große Experimente gut und wichtig: um grandios zu scheitern.

Die EP »Music For Robots« on Squarepusher x Z-Machines findest du bei hhv.de auf 12inch und CD.
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 16.10.2010
Squarepusher
Shobaleader One: d'Demonstrator
Daft Punk und Air in ein Raumschiff gestopft, im All ausgesetzt – die musikalische Essenz könnte Shobaleader One sein.
Music Review | verfasst 11.05.2012
Squarepusher
Ufabulum
Squarepusher macht sein Versprechen war und macht wieder das, wofür er von den Anhängern elektronischer Musik bewundert wird.
Music Review | verfasst 25.05.2015
Squarepusher
Damogen Furies
Squarepusher ist längst von allen guten Geistern verlassen. Genau darum ist auch »Damogen Furies« so gut.
Music Review | verfasst 10.03.2017
Shobaleader One
Elektrac
Squarepusher spielt mit Liveband als Shobaleader One elf Klassiker seiner Karriere ein. Die Aufnahmen werden den Originalen nicht gerecht.
Music Porträt | verfasst 15.10.2010
Shobaleader One
The Fun Side Of The Experiment
Squarepusher gründet eine Band für die Rettung des Glam-Pop. Mit Shobaleader One geht es nun dem glamourösen Pop und Metal an den Kragen. Absolut pointiert sitzt jedes Riff. Opulenter Minimalismus erzeugt pure Effizienz.
Music Interview | verfasst 31.05.2012
Squarepusher
»Ich habe versucht, die Leute zu verarschen«
Tom Jenkinson ist einer der begnadetsten Musiker in der elektronischen Musik und ihr enfant terrible. Ob als Squarepusher oder als Shobaleader One: Erwartungen werden systematisch unterlaufen. Die Grundlage eines interessanten Gesprächs.
Music Kolumne | verfasst 17.04.2017
Records Revisited #23
Squarepusher – Hard Normal Daddy (1997)
Squarepushers zweites Album war ein Schlag ins Musikverständnis seiner Fans. Zugleich ist es eine Antithese zur damals vorherrschenden Loungigkeit der elektronischen Musik. Denn hier ist Jazz mehr als nur schmückender Hochkulturverweis.
Music Review
Man Jumping
Jumpcut
Brian Eno soll sie einst »die wichtigste Band der Welt« genannt haben: Man Jumping. Ihr Debüt »Jumcut« wurde jetzt veröffentlicht.
Music Review
Shina Williams & His African Percussions
Shina Williams
»Shina Williams«, 1980 erstmals veröffentlichte LP von Shina Williams & His African Percussions, wurde erstmals wiederveröffentlicht.
Music Review
Pan American
A Son
Nach sechsjähriger Pause veröffentlicht Mark Nelson mit »A Son« ein neues Album als Pan American.
Music Review
Yoshio Ojima
Une Collection Des Chainons I: Music For Spiral
Mit »Une Collection Des Chainons I: Music For Spiral« wird das Frühwerk von Yoshio Ojima jetzt neu erschlossen.
Music Review
Various Artists
Space Funk
Die Retro-Ästhetik von alten Science-Fiction-Filmen überträgt die Compiplation »Space Funk« auf den Funk der Siebziger und Achtziger.
Music Review
Ryuichi Sakamoto
Thousand Knives Of
Schon 1978 mit seinem Debüt »Thousand Knives Of« bewies Ryuichi Sakamoto sein Gesprü für unkonventionelle Arrangements.
Music Review
RAMZi
Multiquest Niveau 1: Camouflé
Das alljährliche RAMZi-Album ist da. Auf »Multiquest Niveau 1: Camouflé« wirkt die musikalische Formel der Kanadierin etwas aufgebraucht.
Music Review
Various Artists
French Disco Boogie Sounds Vol.4
Die Compilation »French Disco Boogie Sounds« liefert standesgemäß Perlen für den Tanzflur. Das ist bei »Volume 4« nicht anders.
Music Review
Function
Existenz
»Existenz« liefert mit 17 Tracks auf Vinyl 4LP einen fulminaten Querschnitt über die 25 Jahre währende Arbeit von Function.
Music Review
François N'Gwa
Ogooue
Auf »Ogooue« finden sich die besten, der zwischen 1985 und 2004 entstandenen Stücke des gabunischen Musikers François N’Gwa wieder.
Music Review
Mike Selesia
Flavor
1976 haben Mike Selesia und seine Mitstreiter »Flavor« aufgenommen, 100 Stück pressen lassen. Jetzt ist das Jazzjuwel wieder erhältlich.
Music Review
Sokratis Votskos Quartet
Sketching The Unknown
Jazzman veröffentlicht mit »Sketching The Unknown« das tolle Debüt der griechischen Jazzer vom Sokratis Votskos Quartet.
Music Review
Eye
Metamujer
Die Französin Laurène Exposito legt als Eye ihre neue LP »Metamujer« vor und macht deutlich, dass sie sich musikalisch weiterentwickelt hat.
Music Review
Issam Hajali
Mouasalat Ila Jacad El Ard
»Mouasalat Ila Jacad El Ard«, das erstmals 1977 veröffentlichte Album des libanesischen Musikers Issam Hajali, wurde wiederveröffentlicht.
Music Review
Danny Brown
Uknowhatimsayin¿
Mit »Uknowhatimsayin¿« huldigt Danny Brown dem guten alten Hip-Hop der Neunziger. Themen wie Drogensucht oder Depression sucht man vergebens
Music Review
Om Buschman
Total
Das einzige Album von Om Buschmann, »Total« aus dem Jahre 1989 wurde nun via Glossy Mistakes wiederveröffentlicht.
Music Review
Gülistan
Oriental Groove
Hot Mule veröffentlicht »Oriental Groove«, der in den 1980er Jahren gegründeten österreichischen Band Gülistan, neu.
Music Review
Ruins
Marea / Tied
Das Anfang der 1980er Jahre veröffentlichte »Marea/Tied« der italienischen New-Wave-Band Ruins wurde von Music From Memory wiederentdeckt.
Music Review
Robag Wruhme
Topinambur EP
Verglichen mit »Venq Tolep« schielt Robag Wruhme mit der EP »Topinamur« wieder mehr auf den Dancefloor.
Music Review
L'Orange & Jeremiah Jae
Complicate Your Life With Violence
Auf »Complicate Your Life With Violence« spinnen L’Orange und Jeremiah Jae die Hard-Boiled-Geschichte des Vorgängers weiter.
Music Review
Andy Stott
It Should Be Us
Kurzerhand hat Andy Stott mit »It Should Be Us« neue Musik veröffentlicht. Neun Tracks, die der Vorbote eines neuen Albums sind.
Music Review
Shanti Celeste
Tangerine
Auf ihrem Debütalbum »Tangerine« stürmt Shanti Celeste den Dancefloor, ohne dabei eine Träne im Knopfloch zu tragen.
Music Review
Cal Massey
Blues To Coltrane
»Blues To Coltrane«, das einzige Album des zu früh verstorbenen Jazzmusikers Cal Massey aus dem Jahr 1961, wurde wiederveröffentlicht.
Music Review
Daniel Grau
El Mágico Mundo De Daniel Grau
Nach einer jahrzehntelangen Pause legt Daniel Grau mit »El Mágico Mundo De Daniel Grau« ein neues Album vor.
Music Review
Brainstory
Buck
Wie viele Sunny-California-Klischees lassen sich auf ein Album pressen? Mit »Buck« testen Brainstory es aus.
Music Review
Tapan meets Generation Taragalte
Atlas
Ein Industrial-Projekt aus Serbien trifft auf eine Tuareg-Combo aus Marokko… und »Atlas« von Tapan meets Generation Taragalte funktioniert
Music Review
Turquoise Days
Further Strategies
So richtig totzukriegen ist die Musik von Turquoise Days nicht: Mit »Further Strategies« kommen die Songs der Briten zu wiederholter Ehre.
Music Review
FKA twigs
Magdalene
FKA twigs ist zurück, mit »Magadalene«, auf Albumlänge, und sie ist unbewaffnet bis unter die Zähne.
Music Review
Steve Reid
Rhythmatism
Mit »Rhythmatism« hatte Steve Reid 1975 ein Manifest für das friedliche Miteinander von Gegensätzen abgeliefert.
Music Review
Buttechno
badtrip
Das Debüt von Buttechno auf Nina Kraviz’ Label Trip ist, was der Titel ankündigt: ein »badtrip«, der viel Verwirrung stifftet.
Music Review
Tableau Vivant
Double Dream Hands
Tableau Vivant ist das gemeinsame Projekt von Infuso Gallo und Joshua Gottmanns. »Tableau Vivant« ihre erste Veröffentlichung.
Music Review
Nick Cave & The Bad Seeds
Ghosteen
»Ghosteen« von Nick Cave & The Bad Seeds wird als Meisterwerk eingehen und sich ob seiner Zerbrechlichkeit doch kaum hören lassen.
Music Review
Lost Scripts
Giske / Mozart
Für die beiden Stücke »Giske« und »Mozart« haben sich John Talabot und Pional einmal mehr unter dem Namen Lost Scripts zusammengefunden.
Music Review
A Winged Victory For The Sullen
The Undivided Five
Tiefer und berührender als auf »The Undivided Five« klangen A Winged Victory For The Sullen tatsächlich noch nie.
Music Review
Patrick Cowley
Mechanical Fantasy Box
»Mechanical Fantasy Box« gibt einen Überblick über das Schaffen des viel zu früh verstorbenen Disco-Pioniers Patrick Cowley.
Music Review
Michael Kiwanuka
KIWANUKA
Die große Kunst des neuen, dritten Albums von Michael Kiwanuka: Es klingt gleichzeitig nach Vergangenheit und Zukunft.
Music Review
Cigarettes After Sex
Cry
Es gibt reflektiertere Songs über die Liebe, aber nur wenige sind in so schöne Ohrwürmer wie auf »Cry« von Cigarettes After Sex gepackt.
Music Review
Kiefer
Superbloom + Bridges EP
Stones Throw bringt die beiden EPs »Superbloom« und »Bridges« von Kiefer auf einem Vinylrelease gemeinsam heraus.
Music Review
Vulfpeck
The Beautiful Game
Groove kann so einfach sein: Die Funkband Vulfpeck aus Ann Arbor haben ihr zweites Album »The Beautiful Game« veröffentlicht.
Music Review
Teebs
Anicca
»Anicca« ist das erste Album von Teebs seit fünf Jahren. Es ist inhaltlich ein zeitgeistiges Album mit Botschaft, musikalisch nicht.
Music Review
Conforce
Dawn Chorus
Quo vadis Techno? Der niederländische Produzent Conforce gibt auf »Dawn Chorus« Einblicke, wohin die Reise gehen könnte.