Music Review | verfasst 28.04.2014
Candie Hank
Demons
Shitkatapult, 2014
Text Peter Gebert
Deine Bewertung:
7.0
Nutzer (2)
7.8
Redaktion
Cover Candie Hank - Demons

Patric Catani gehört zu den Musikern, die aus ihren unterschiedlichen Einflüssen eine so unverwechselbare Sprache entwickelt haben, dass man sie auf Anhieb erkennt. Ähnlich wie bei Felix Kubin oder Gelbart begibt man sich mit ihm in eine Pop-Welt, die ihrer eigenen Logik folgt. Das ist bei seinem ersten regulären Album seit acht Jahren unter seinem wohl bekanntesten Alter Ego Candie Hank (man glaubt es kaum) nicht anders. Die nonchalante Konsequenz, mit der er an ihrer Perfektion arbeitet, hier in Form einer elektronifizierten Psychobilly-Spielzeug-Geisterbahn, täuscht leicht darüber hinweg, dass er mit Versatzstücken hantiert, die anderswo im Nu aus der Kurve tragen würden. Bevor sich seine Persona im abschließenden Quasi-Titelstück bequem im Hamsterrad eingerichtet hat, sind France Galls »Computer Nr. 3« durch einen Ennio Morricone-Western spaziert (»Magnetic Forcefield«) und Edgar Wallace durch die texanische Schweiz (»Every Night«), sind wir mit der echten Yuko Matsuyama surfen gegangen (»Swimming Rabbit«) und mit falschen Szeki Kurva Charleston tanzen (»Transylvanian Voodoo«). Und wir durften, wo wir schon so tief in die Gruft greifen, gleich zu Anfang Wall of Voodoo das kalte Händchen reichen (»The Fox«). Dazu wuseln uns fast überall aus dem realen Sozialismus geflohene Stop-Motion-Figuren um die Beine, und in Reinkultur schließlich begegnet uns seine shuffelnde Elektro-Polka in »Elevator Life«. Man mag und darf das alles (es gibt noch mehr) spitzbübisch oder albern finden, man kann sich aber auch an Feinheiten halten: Wie sich der Trauermarsch von »Think About You Mama« in einen Klangdialog zwischen Bitcrush und gestopfter Trompete verläuft. Oder wie in »Solaris und Shadowism« im Schatten der Acid-Linie Schellen durchs Gating-Wobble galoppieren. Oder einfach: mit welcher alterslosen Frische hier Gitarre und Schlagzeug den Rahmen stellen.

Das Album »Demons« von Candie Hank findest du bei hhv.de auf LP.
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 21.07.2008
Apparat
Things To Be Frickled
»Things To Be Frickled« dokumentiert Apparats beneidenswerte Produktivität im 12inch/B-Seiten/Remix-Sektor auch für CD-Käufer.
Music Review | verfasst 23.10.2015
Apparat
Multifunktionsebene • Tttrial And Eror • Duplex
Shitkatapult veröffentlicht die 3 frühen Werke von Apparat, »Multifunktionsebene«, »Tttrial And Eror« und »Duplex« erneut auf Vinyl.
Music Review | verfasst 05.11.2015
Vert
The Days Within
Es musst erst wieder ein Schicksalschlag her, bis Vert sich nach 9 Jahren wieder musikalisch-kreativ austobt.
Music Review | verfasst 23.10.2010
Apparat
DJ Kicks
Apparat weiß wie kein anderer atmosphärisch komplexe Stimmungen zwischen Electronica und Techno zu generieren.
Music Review | verfasst 03.01.2012
Oval
DNA
DNA ist das fehlende Glied zwischen Oval’s früheren Aufnahmen und seinem letztjährigen Album O.
Music Review | verfasst 13.02.2014
Bus
Eagles
Eine Platte zwischen Dub und Electronika, zwischen Club und Lounge: Das Berliner Duo Bus bringt mit »Eagles« sein drittes Album raus.
Music Review | verfasst 14.11.2014
Cristian Vogel
Polyphonic Beings
Cristian Vogel treffen wir auf »Polyphonic Beings« zwischen spektralem Workout und zuckenden Hoover-Sounds wieder.
Music Review
Julia Holter
In The Same Room
Domino startet ihre neue, an den BBC Sessions angelehnte Reihe »Documents« mit den »In The Same Room« benannten Aufnahmen von Julia Holter.
Music Review
Bartellow
Panokorama
»Panokorama«, das Debüt von Bartellow, überzeugt mit eleganter Komplexität und einem Hang zu verspielten Details.
Music Review
Cologne Tape
Welt
Rund um das Label Magazine hat sich mit Cologne Tape ein illustres Kollektiv geschart, das nun mit »Welt« ihrer Spiellust freien Lauf lässt.
Music Review
Chaz Bundick meets The Mattson 2
Star Stuff
Es sind große Pop-Momente auf »Star Stuff« versteckt. Doch die verlangen Aufmerksamkeit, um gefunden zu werden.
Music Review
Luc Ferrari
Heterozygote/Petite Symphonie
Das mit dem Erzählen in der Musik ist ja so eine Sache. Was Luc Ferrari daraus gemacht hat, kannst du nun nachhören.
Music Review
Wolf Eyes
Undertow
»Undertow« ist der in etwa hundertste Release – ungelogen – in der zwanzigjährigen Geschichte von Wolf Eyes.
Music Review
Conrad Schnitzler / Pole
Con-Struct
In der Reihe »Con-Struct« auf Bureau B darf diesmal Pole Hand an das Material des 2011 verstorbenen Soundtüftlers Conrad Schnitzler legen.
Music Review
Various Artists
Original Sound Of Mali
Das Label Mr Bongo erinnert mit der Compilation »Original Sound Of Mali« an die reiche Tradition des afrikanischen Landes erinnert.
Music Review
Veedel Kaztro
Büdchentape III
Veedel Kaztro kommt mit neuen Büdchenflows: Sein »Büdchentape III« hält´s down mit Köln in Allgemeinen und mit der Gang im Speziellen.
Music Review
Retrogott
Funky Beats And A Supersonic Turbojet
Der Retrogott macht nicht nur funky Hip Hop, sondern auch funky House. Seine neue EP ist Dienst nach Vorschrift, aber auch verdammt catchy.
Music Review
Jakuzi
Fantezi Müzik
Man kann auch popkulturell Zeichen gegen politische Entwicklungen setzen: »Fantezi Müzik« von Jakuzi ist ein mutiges wie notwendiges Werk.
Music Review
Spiral Stairs
Doris And The Daggers
So entspannt wie entspannend spielt Scott Kannberg auch auf seinem dritten Album also einfach weiterhin das, was er am besten kann.
Music Review
Golden Diskó Ship
Imaginary Friends
Golden Diskó Ship sammelt Töne und Klänge aller Art und bastelt sich auf »Imaginary Friends« eine unbekannte, bunte Klangwelt.
Music Review
Li Garattoni
Find Out What I'm Dreaming
Die Neuauflage von Li Garattonis »Find Out What I’m Dreaming« schreibt Musikgeschichte nicht neu, mogelt ihr aber eine schöne Fußnote unter.
Music Review
The Ahmad Jamal Trio
The Awakening
Fusion, Easy Listening, orchestrale Arrangements und Chöre waren ihm nicht fremd. Doch seine besten Alben nahm Ahmad Jamal im Trio auf.
Music Review
Tuxedo
Tuxedo II
Mayer Hawthorne und Jake One widmen sich auf »Tuxedo II« erneut ihrer gemeinsamen Vorliebe für Disco, Boogie und G-Funk.
Music Review
Teengirl Fantasy
8am
Nach »7am« aus dem Jahr 2010 schlägt es nun zur vollen Stunde: »8am« von Teengirl Fantasy ist Update und Umkehr zugleich.
Music Review
Kid Koala & Emiliana Torrini
»Music To Draw To: Satellite«
KId Koala macht wieder zweckorientierte Musik – mit »Music To Draw To: Satellite«, für die er Emiliana Torrini ins Studio geholt hat.
Music Review
Jazz Quintet
The Last Call - Lost Jazz Files 1962/63
Mit »The Last Call – Lost Jazz Files 1962/63« veröffentlicht das Label Sonorama tolle Aufnahmen der dänischen Kombo Jazz Quintet 60.
Music Review
Jarvis Cocker & Chilly Gonzales
Room 29
Im »Room 29« des Hotel Château Marmont beginnt Jarvis Cocker über dessen Geschichte zu sinnieren. Chilly Gonzales stimmt mit ein.
Music Review
Various Artists
Mono No Aware
»mono no aware«, die erste Compilation aus dem Hause PAN ist ein Plädoyer für offen gehaltene Ohren.
Music Review
Various Artists
Vodou Drums In Haiti Volume 2
20 Jahre nach der ersten Serie von dokumentarischen Aufnahmen sind Soul Jazz für »Vodou Drums In Haiti 2« erneut in die Karibik gereist.
Music Review
Yasmine Hamdan
Al Jamilat
Sie wurd ebekannt durch Jim Jarmuschs »Only Lovers Left Alive«. Jetzt hat Yasmine Hamdan mit »Al Hamilat« ihr zweites Album veröffentlicht.
Music Review
Adult.
Detroit House Guest
»Detroit House Guest«, das neue Album von Adult, ist das Ergebnis eines »anthropologischen Klangexperiments«.
Music Review
Midori Takada
Through The Looking Glass
Ein Anwärter für die Bestenliste am Ende des Jahres im Segment »Reissue«: »Through The Looking Glass« von Midori Takada.
Music Review
Spoon
Hot Thoughts
Seit 25 Jahren ein Garant für gute Gitarrenmusik: Spoon veröffentlichen mit »Hot Thoughts« ihr neuntes Album. Es ist sehr gut geworden.
Music Review
Various Artists
Spiritual Jazz 7: Islam
»Spiritual Jazz 7« gewährt einen Einblick in die komplexe Verknüpfung zwischen Jazz, afro-amerikanischer Geschichte, Emanzipation und Islam.
Music Review
Tamikrest
Kidal
Seit 2006 praktizieren die malischen Musiker von Tamikrest einen zwischen Tuareg-Tradition und westlichen Einflüsse perfekt tarierten Rock.
Music Review
Mor Elian
Echopark
Mor Elian macht auf ihrer dritten EP »Echopark« Musik für Turnschuhpflicht beim Clubbesuch, soll heißen: Irgendwo zwischen House und Techno.
Music Review
Planetary Assault Systems
The Light Years Reworks
Luke Slater lädt zur Party ein und serviert Trüffel zu Kartoffelsalat. Auf »The Light Years Reworks« glänzt vor allem einer: Er selbst.
Music Review
Minas
Num Dia Azul
Seine Wirkung verfehlt das erstmals 1983 erschienene »Num Dia Azul« von Minas auch 34 Jahre später nicht.
Music Review
Mr. YT
Brand New Day
So zeitlos wie der Name Mr. YT ist auch seine Musik. Nach 20 Jahren darf die Welt das noch einmal erfahren.
Music Review
High Plains
Cinderland
Loscil und Mark Bridges gehen auf »Cinderland«, ihrem gemeinsamen Album als High Plains, in staubige, trockene Ebenen.
Music Review
Rene Costy
Expectancy
Das Best Of »Expectancy« ist die einzige Rene Costy Platte, die du brauchst. Natürlich auch weil du dir seine Originale nie leisten wirst.
Music Review
Real Estate
In Mind
»In Mind« ist nicht nur das reifste, sondern auch das musikalisch vielschichtigste Album von Real Estate geworden.
Music Review
Kassel Jaeger & Jim O'Rourke
Wakes On Cerulean
Das scharfe, wache Ohr von Kassel Jaeger verleiht auf »Wakes On Cerulean« den Texturgebilden von Jim O’Rourke ihre anziehende Intensität.
Music Review
Clutchy Hopkins & Fat Albert Einstein
High Desert, Low Tide
Roh und verzerrt liefern Clutchy Hopkins und Fat Albert Einstein mit ihrem dubbigen Funk auf »High Desert, Low Tide« etwas Ungewöhnliches.
Music Review
Daymé Arocena
Cubafonia
Von Gilles Peterson entdeckt, veröffentlicht die Kubanerin Daymé Arocena mit »Cubafonia« nunr ihr zweites Album bei Brownswood Recordings.
Music Review
Mädness & Döll
Ich und mein Bruder
Mädness & Döll lassen auf ihrem ersten gemeinsamen Album «Ich und mein Bruder» mental die Hosen runter.
Music Review
Shobaleader One
Elektrac
Squarepusher spielt mit Liveband als Shobaleader One elf Klassiker seiner Karriere ein. Die Aufnahmen werden den Originalen nicht gerecht.
Music Review
The Shins
Heartworms
The Shins schaffen es auch mit »Heartworms« einen den Tag zu versüßen. Dein Leben werden sie damit allerdings nicht verändern.