Music Review | verfasst 27.08.2014
Speed Guru vs. Plastic Crimewave
Psychedelic Showdown
Prophase Music, 2014
Text Christian Neubert
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Redaktion
Cover Speed Guru vs. Plastic Crimewave - Psychedelic Showdown

Makoto »Speed Guru« Kawabata ist Frontmann der japanischen Psychedelic Space Rocker Acid Mothers Temple. Der Chicagoer Steve »Plastic Crimewave« Kraków gibt bei den Formationen Plastic Crimewave Syndicate, Solar Fox und Moonrises den Ton an, wenn er nicht gerade an seinen »Galactic Zoo Dossiers« arbeitet oder gewerbsmäßig illustriert. Vor einigen Jahren waren sie mit ihren Bands gemeinsam auf Tour. Für ein gemeinsames Projekt haben die beiden Originale nun wieder zusammengefunden: Für »Speed Guru vs. Plastic Crimewave«. Was sie dort zusammenbrauten wird als hochpotenter LSD-Trip inszeniert, geträufelt auf die Blätter eines Comichefts sowie auf die beiden Seite einer 7“. Die Story des gemeinsam erdachten und von Steve Kraków gezeichneten Comics ist schnell erzählt: Durch einen Fahrradunfall verletzt sich ein Comiczeichner beide Hände, wodurch er seine Fähigkeit zum Zeichnen verliert. Glücklicherweise erfährt er von dem alten Asahito-Tempel, einem Ort, der Heil versprechen soll. Er findet ihn auf dem Gipfel eines Berges. Der Tempelwächter, der scheinbar bereits auf ihn gewartet hat, erzählt ihm von seiner wahren Bestimmung: Er soll lernen, die kosmischen Kräfte zu kanalisieren, um eines Tages eventuell die Tür des Acid Mothers Temple öffnen zu können. Bis dahin sind natürlich einige Trainingseinheiten fällig, die er gemeinsam mit Speed Guru, einem weiteren Zögling des Tempelwächters, absolviert…

Der Comic ist durchaus widersprüchlich und verschoben wie die durch Lysergsäurediethylamid offenbarten Wahrnehmungswelten: Nachdem der anfängliche Ich-Erzähler den Tempel erreicht hat, wird plötzlich in der dritten Person über ihn gesprochen. Und trotz der gebotenen Action verharren die einzelnen Zeichnungen recht statisch. Von psychedelischen Qualitäten sind die strengen Schwarz/Weiß-Zeichnungen, denen man eine Nähe zu Robert Crumbs frühen Underground-Comix attestieren könnte, jedoch weit entfernt. Dass die Panels dick gezogene Outlines anstatt einer Acid-gemäßen Entgrenzung erfahren, ist dabei noch der größte Kunstgriff. Auch die transmediale Begleitung durch die fünf Tracks der 7“ verspricht kaum eine erbaulichere Wechselwirkung wie der gleichzeitige Genuss des Comics mit willkürlich gewählter guter Musik. Wohl, weil dies etwas für erfahrene User ist: Acid Mothers Temple möchten nach eigener Aussage extreme Trip-Musik kreieren. Die heftige Brandung aus tosenden Drums, hallenden Bässen und übersteuerten, drone-dröhnenden Gitarrenklängen, die breiig zu Mantra-artigen Soundscapes gegossen wird, klingt für ungeübte Hörer eher nach Horrortrip als nach harmonischem Aufgehen. Schon krass. Interessant definitiv auch. Kultverdächtig war es schon vorher.

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