Music Review | verfasst 01.10.2014
Zola Jesus
Taiga
Mute, 2014
Text Björn Bischoff , Übersetzung Julia Frohn
Deine Bewertung:
5.0
Nutzer (1)
7.1
Redaktion
Cover Zola Jesus - Taiga

Von der Düsterheit zum Pop: Waren bei Zola Jesus einst Pocahaunted und Grouper erste Referenzen, vollzieht Nika Roza Danilova auf ihrem fünften Album »Taiga« die Transformation hin zum Licht. Denn Tracks wie »Dangerous Days« und »Hunger« stecken knietief im Sound der 1980er Jahre. Dass dieser Schritt kommen würde, deutete ja schon »Versions« im letzten Jahr an. Nun stehen Kate Bush und die Cocteau Twins als Schutzheilige dieses Albums bereit, während Zola Jesus sich wandelt. »It’s a dark, dark day and it’s dangerous to go and listen what they say.« Die Dunkelheit kommt hier nicht mehr aus dem Herzen, sondern liegt draußen vor der Tür. Bei den anderen. Trotzdem durchzieht »Taiga« eine Melancholie, die sich in Songs wie »Lawless« durchschlägt. Hier holt der Refrain zur ganz großen Geste aus, wie sie vielleicht sonst wirklich nur Elizabeth Fraser hinbekam. Trotzdem kippt »Taiga« nie in Peinlichkeiten, sondern bleibt, was es sein will. Da trägt vor allem auch die Produktion bei, die in »Hollow« noch ein paar Bläser unterbringt, den Rhythmus und die Stimme von Zola Jesus aber immer im Vordergrund lässt. Zudem entwickeln die Synthies des Albums über jeden Song mehr und mehr einen organischen Sound, der viel Wärme ausstrahlt, wo eigentlich Kälte herrschen sollte. Doch manchmal wie beim Anfang von »It’s Not Over« lukt die Dunkelheit noch einmal über die Kante, es wird leicht unbehaglich für einen kurzen Moment, bevor Zola Jesus wieder den ganz großen Refrain auspackt, der sich erhebt und über den Song stülpt. Die Metamorphose von Zola Jesus bringt neue Aspekte hervor, doch die 25-jährige Sängerin behält alles davor ebenfalls im Herzen ihres Sounds. Es ist nur einfach nicht mehr zu hören, sondern bleibt unter der Oberfläche. Alles ist im Wandel. Und für den Sound von Zola Jesus gibt es wohl keine bessere Art, um sich einen Weg ans Licht zu schlagen.

Das Album »Taiga« von Zola Jesus findest du bei hhv.de: LP LP LP
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 02.12.2011
VCMG
Spock EP
Vince Clark und Martin Gore finden nach 30 Jahren und zwei erfolgreichen Weltkarrieren wieder zueinander. Und sie produzieren: House!
Music Review | verfasst 20.04.2012
VCMG
Ssss
Zwei Urgesteine des Synthpop schließen sich wieder zusammen und frönen ihrer Liebe zum Techno.
Music Review | verfasst 23.07.2014
Diamond Version
CI
Carsten Nicolai und Olaf Bender liefern als Diamond Version für Mute Records ein standesgemäßes Electropop-Album ab.
Music Review | verfasst 18.05.2016
New Order
Complete Music
Wir haben uns in 36 Jahren daran gewöhnt: New Order veröffentlichen eine Extended Version ihres aktuellen Albums.
Music Review | verfasst 01.11.2010
Zola Jesus
Stridulum II
Nika Roza Danilova, die sich hinter Zola Jesus verbirgt, entwirft den düsteren Gegenentwurf zu jeder Art des glitzernden Leichtsinns.
Music Review | verfasst 26.01.2012
Zola Jesus
Conatus
Lediglich die Wärme, die von Danilovas beeindruckendem Gesang ausgeht, bewahrt uns davor, in der Kälte dieser Platte zu erfrieren.
Music Review | verfasst 11.09.2017
Zola Jesus
Okovi
Zola Jesus veröffentlicht ihr sechstes Album »Okovi«. Es ist der blinde Ehrgeiz, mit dem sie sich durch einen Stil nach dem anderen frisst.
Music Liste | verfasst 08.09.2017
Ausklang | 2017KW36
8 essentielle neue Platten
Hunderte neue Releases, jede Woche. Davon viele sehr gut – und bereits von diversen Portalen vorgestellt. Wir präsentieren: die unvorgestelltesten, besten Releases der Woche. Ab vom Schuss, leicht daneben und tierisch geil: der Ausklang.
Music Review
Hypnobeat
Prototech
Hypnobeat können mit dieser Wiederveröffentlichung – zum Teil auch Erstveröffentlichung – ihrer Vergangenheit gar nicht zeitgemäßer sein.
Music Review
Beard In Dust
BAH038
Für »BAH038«, dem neuesten Release des Labels Bahnsteig 23, darf Leonid Lipelis als Beard In Dust sein Können zeigen.
Books Review
Cogatio-Factum & Jo Preußler (Hrsg.)
The Death Of Graffiti
In The Death Of Graffiti formuliert Oliver Kuhnert eine Fundamentalkritik. Und bittet Kenner und Aktivisten zur Stellungnahme.
Music Review
Lee Ranaldo
Electric Trim
Nichts also mit müdem Alterswerk: »Electric Trim« zeigt Lee Ranaldo so flexibel und spannend, wie selten zuvor.
Music Review
Ninos du Brasil
Vida Eterna
Ninos du Brasil wirken auf ihrem dritten Album »Vida Eterna« verstörender als zuvor. Da gibt es gar kein Vertun. Zumal es klasse ist.
Music Review
Ariel Pink
Dedicated To Bobby Jameson
Nach R. Stevie Moore gräbt Ariel Pink auf »Dedicated To Bobby Jameson« ein weiteres obskures Vorbild aus.
Music Review
Odesza
A Moment Apart
Die Musik von »A Moment Apart«, dem dritten Album von Odesza, ist nicht an Musik-Connaisseure/Kritiker/alte Säcke gerichtet.
Music Review
Fink
Resurgam
Läuft jetzt zwar dem Titel »Resurgam« zuwider, aber das neue Album von Fink ist ist mehr Vollendung als Auferstehung.
Music Review
Trio Da Kali And Kronos Quartet
Ladilikan
Auf »Ladilikan« trifft das Trio Da Kali aus Mali trifft auf das in San Francisco beheimatete, legendäre Streichereinsemble Kronos Quartet.
Music Review
Foo Fighters
Concrete And Gold
»Motörhead’s version of Sgt. Pepper« ist »Concrete And Gold«, das neunte Album der Foo Fighters, dann doch nicht geworden.
Music Review
Tony Allen
The Source
Die beste Platte seines Lebens, sagt er selbst. Tatsächlich klang Tony Allen selten aufregender als auf »The Source«.
Music Review
Alvvays -
Antisocialites
Alvvays finden auf ihrem zweiten Album »Antisocialites« eine gute Balance zwischen den emotionalen Extremen.
Music Review
Pablo Valentino
My Son's Smile EP Ge-ology Remix
Die 12" »My Son’s Smile EP Ge-ology Remix« von Pablo Valentino erinnert uns einmal mehr daran: Deep House never dies.
Music Review
Perm
Shtum 014
Mit »Shtum 014« erfindet Perm das Rad naturgemäß nicht neu. Die Stücke bestechen jedoch mit enormer Funktionalität.
Music Review
Zola Jesus
Okovi
Zola Jesus veröffentlicht ihr sechstes Album »Okovi«. Es ist der blinde Ehrgeiz, mit dem sie sich durch einen Stil nach dem anderen frisst.
Music Review
LCD Soundsystem
American Dream
Mit dem vierten Album »American Dream« gelingt LCD Soundsystem ein fulminantes, ihr Standing untermauerndes Comeback.
Music Review
Mogwai
Every Country's Sun
Mogwai beweisen mit »Every Country’s Sun«, dass auch im Jahr 22 nach Bandgründung weiter mit ihnen zu rechnen ist.
Music Review
Joey Negro & Sean P
The Best Of Disco Spectrum
BBE Records versammelt auf »The Best Of Disco Spectrum« die besten von Joey Negro und Sean P kanonisierte Disco-Stücke auf eienr Vinyl 3LP.
Music Review
Morti Viventear
Lovecraftsmanship
Morti Viventears dritte LP »Lovecraftsmanship« stellt seine Beats in den Dienst des US-amerikanischen Schriftstellers H.P. Lovecraft.
Music Review
Sam Irl & Dusty
Twelve Inch Jams
Sam Irl und Dusty arbeiten an der Schnittstelle von House und Funk. Kein Wunder, dass Gilles Peterson »Twelve Inch Jams« feiert.
Music Review
Raphael Munnings
Opportunity Knockin' - 7"
Alston veröffentlicht »Opportunity Knockin’«, die 1972 veröffentlichten Single von The Beginning Of The End’s Raphael Munnings, neu.
Music Review
Harmonious Thelonious
Abel
Auf »Abel« geht wieder deutlich eingängiger zu. Jedes der vier Stücke von Harmonious Thelonious ist ein Brett.
Music Review
Various Artists
Sweet As Broken Dates: Lost Somali Tapes
»Sweet As Broken Dates: Lost Somali Tapes« versammelt 15 Stücke, die bisher nicht außerhalb Somalias zu hören gewesen waren.
Music Review
EMA
Exile In The Outer Ring
EMA krankt am Zustand der Welt. Auf »Exile In The Outer Ring«** richtet sie den Blick nun auf die die realen Lebensumstände in den USA.
Music Review
DJ Windows XP
Sometimes I Feel Happy, Sometimes Sad
Ganz so wie der Titel »Sometimes I Feel Happy, Sometimes Sad«vermuten lässt, üben sich DJ Windows XP auf ihrer neuen EP in Launenhaftigkeit.
Music Review
Florian Kupfer
Post Present
Ein Jahr nach seiner letzten EP »Unfinished« auf Technicolour kehrt Florian Kupfer mit drei Stücken auf »Post Present« zurück.
Music Review
DMX Krew
Strange Directions
DMX Krew zeigt mit »Strange Directions«, dass es eben nicht immer den dicken Dancefloor-Kracher braucht, um Glamour zu erzeugen.
Music Review
Beatsteaks
Yours
Auf ihrem neuen Album »Yours« lässt sich nicht recht ausmachen, wofür die Beatsteaks heute eigentlich stehen.
Music Review
Youandewan
The Brane
Mehr Tempo, mehr Raum, mehr Klarheit – Youandewan legt seinen neuen Release »The Brane« vor.
Music Review
Hype Williams
Rainbow Edition
Hype Williams melden sich mit »Rainbow Edition« zurück und bringen wieder ein paar Mysterien in unseren entzauberten Alltag.
Music Review
B12
Electro-Soma II
Nicht nur wird das Meisterwerk »Electro-Soma« der Innovatoren B12 auf Warp wiederaufgelegt. Nein, es gibt sogar weiteres Material zu hören.
Music Review
Turnover
Good Nature
Die Gitarren klingen unbekümmerter auf »Good Nature«, dem dritten Album der amerikanischen Indierockband Turnover.
Music Review
Liars
TCFC
Mit »TCFC« macht Angus Andrews die Liars zu seinem Soloprojekt. Abgesehen von Akustikgitarren hat sich der Ansatz aber kaum verändert.
Music Review
Dent May
Across The Multiverse
Auch wenn der Sommer verregnet ist, so gibt es mit »Across the Multiverse« von Dent May doch die Platte für die sonnig-warme Jahreszeit.
Music Review
Grizzly Bear
Painted Ruins
Sie machen Indierock für Leute, die keinen Indierock mögen. So schlicht lautet die Formel für Grizzly Bear und ihr Album »Painted Ruins«.
Music Review
Kutmah
TROBBB!
Vorschusslorbeeren ohne Ende. Und Kutmah liefert. »TROBBB!« ist ein einstündiger Fiebertraum, der nach allen Seiten ausfranst.
Music Review
Oneohtrix Point Never
OST Good Time
Oneohtrix Point Never zeichnet sich verantwortlich für den Score zu »Good Time«. Dafür gab es den Preis für den besten Soundtrack in Cannes.
Music Review
Various Artists
Domestic Sampler UMYU
Punk-Attitüde, Blasinstrumente und Drumcomputer: So klang Barcelonas experimentelle Musikszene 1982
Music Review
Avey Tare
Eucalyptus
Wird Avey Tare auf seine alten Tage etwa melodietrunken und milde? »Eucalyptus« lutscht sich weg wie ein Bonbon.
Music Review
Various Artists
Soul Of A Nation
Zeitgleich zur Eröffnung der Ausstellung »Soul Of A Nation« in der Tate Modern in London erscheint bei Soul Jazz die passende Compilation.
Music Review
Nepumuk & Sir Serch
La Bohème
Nepumuk und Sir Serch sind »La Bohème« – »Die Oligarchen im Wunderland« bzw. »Der exzentrische Vagabund und der Rapper mit dem Penis«.