Music Review | verfasst 04.11.2014
Springintgut & F.S. Blumm
The Bird and White Noise
Pingipung, 2014
Text Peter Gebert
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7.5
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8.4
Redaktion
Cover Springintgut & F.S. Blumm - The Bird and White Noise

White Noise? Auf Pingipung? Der Pachinko-Hallen-Krach, eine der Feldaufnahmen, die Andreas Otto aka Springintgut und Frank Schültge aka F.S. Blumm in ihr Duo-Album eingewoben haben, hier am Anfang des letzten Stücks, passt so nun wirklich auf die Spitze eines Grüntee-Bambuslöffels. Auf eine musikalische Umsetzung ihrer Ahnung des meditativen Potentials unter der rauen Oberfläche von Noise, das den Albumtitel anregte, müssen wir wohl doch noch warten. Warten musste man auch auf die jüngsten Soloalben der zwei, lange sechs Jahre gingen ins Land, bis beide 2013 endlich auf Pingipung erschienen. Anlass genug, um dieses Frühjahr zusammen durchs geliebte Japan zu touren. Ein gemeinsames Teaser-Stück sollte dafür entstehen, für das beide in ihrem jeweiligen Klang-, Fragment- und Ideenarchiven fischten – und dort glücklich Material für ein gemeinsames Album an Land zogen, das dann schon zur Tour in den Läden vor Ort stand. Nun kommt es zu uns. Es ist offenkundig, dass die beiden zur Sorte Musiker gehören, denen das Reisen keine Last, sondern steter Inspirationsquell ist. Man spürt das im entspannten Groove ihres Electronic Folk, der die Welt wie im Film vorbeiziehen lässt, dabei im Handgepäck raschelnd, aus Cello- und Gitarrenfiguren in digitalen Loop-Effekten und aus windspielhaften Percussion-Snacks, die den gerasterten Puls immer wieder auflockern, zwischen Sub-Bass und kaleidoskopischer Flüchtigkeit zur Ruhe kommen lassen. In den melodischen Arrangements klingt sanfter Japan-Pop (»In Zügen«, »Zeitgeschwindigkeit«) ebenso an wie Americana (in Bluestönen bei Blumm, und Ottos Cello rückt Erik Friedlander immer näher), die besondere Qualität ihrer spontanen Zusammenarbeit kommt allerdings so richtig zur Geltung bei den gleichsam zusammengewürfelten, skizzenhaften Stücken, die vorbarocke Melancholie, gefundene Klänge, Dubverfahren verbinden zu undefinierbaren Asservatensammlungen, als würde man jeden Ton zum ersten Mal hören und noch gar nicht wissen, wie man sich zu ihm zu fühlen hätte: Genau so muss man vorgehen, damit so etwas gelingt. Mit dem knusprig-granularen Workout von »Chitin« schließen sie dann irgendwie einen Bogen, den man nicht vermisst hat. Zauberhaft.

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