Music Review | verfasst 12.12.2014
Ghostface Killah
36 Seasons
Salvation, 2014
Text Benjamin Mächler
Deine Bewertung:
8.3
Nutzer (3)
8.4
Redaktion
Cover Ghostface Killah - 36 Seasons

Ayo, the Wu is back! Nach dem neuen Clan-Album »A Better Tomorrow« schickt Ghostface Killah nun unmittelbar im Anschluss seinen inzwischen elften Solo-Langspieler in die Spur. In der Comicecke hat sich die emsigste aller Wu-Killerbienen seit je her wohl gefühlt und nach »Twelve Reasons To Die« scheinbar richtig eingenistet. »36 Seasons« spinnt den Faden in bestem Konzeptalbumstil dann gekonnt weiter und die Geschichte ist schnell erzählt: Ghosts Alter Ego Tony Starks kehrt nach neun Jahren (gleich 36 Saisons) zurück in sein Viertel auf Staten Island und findet einen Scherbenhaufen wieder. Seine Liebste hat einen Neuen (hier personifiziert von Kool G Rap), die Hood ist zum Sündenpfuhl verkommen und sein Homie aus alten Tagen mittlerweile ein korrupter Cop (erstklassig dargeboten von AZ). Also schickt Starks sich an, seine Holde wieder zurück zu erobern und in den Straßen aufzuräumen. Im beeindruckend bildhaften Storyteller-Modus »slickrickt« er sich durch das Opus, das konzeptionell Erinnerungen an das vergessene Genrejuwel »A Prince Among Thieves« weckt. Selbst wenn da nicht mehr der hungrige Mittzwanziger der frühen Wu-Releases ins Mikrofon kläfft, versteht es Ghostdeini auch mit stattlichen 44 Jahren die Soulbretter der Revelations nach allen Regeln der Kunst zu rasieren. Die Livekombo aus Brooklyn kleidet »36 Seasons« dann in die passende musikalische Corsage aus typischen Wu-Zutaten, die mal bedrohlich (»The Dogs Of War«), mal gefühlvoll (»Love Don’t Live Here No More«) die Stimmungen der Novelle einfangen. Dabei spielen sie auch ohne Rapparts in Hochform, wie auf dem ergreifenden Cover des Persuaders Klassikers »Thin Line Between Love and Hate«. So kreieren Rapper und Band ein atmosphärisch dichtes und kohärentes Werk, das den Hörer für 40 intensive Minuten in die Welt von Tony Starks abtauchen lässt und verruchten Blaxploitation-Streifen ebenso viel schuldet, wie martialischen Marvel-Comics. Passenderweise liegt dem cross-medialen Gesamtkunstwerk ein 24-seitiges Comicbuch diverser namhafter Zeichner bei. De facto haben wir es hier also mit einem der stärkeren Alben des ohnehin schon exquisiten Ghostface-Katalogs zu tun. Als hätte er im Vorfeld geahnt, dass die Fans von der neuen Wu-Tang-LP ziemlich enttäuscht sein werden.

Das Album »36 Seasons« von Ghostface Killah findest du bei hhv.de: LP, Doppel-CD
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 09.02.2011
Ghostface Killah
Apollo Kids
Apollo Kids ist kein typisches Album eines Member of the Wu-Tang Clan, und überzeugt dennoch.
Music Review | verfasst 23.12.2011
Ol' Dirty Bastard
Return To The 36th Chambers
Das erste Soloalbum von ODB aus dem Jahre 1995 ist nun in einer aufwendig designten Deluxe-Edition erhältlich.
Music Review | verfasst 21.05.2013
Ghostface Killah & Adrian Younge
Twelve Reasons To Die
Ganz kann »Twelve Reasons To Die« die Erwartungen nicht erfüllen. Es ist dennoch ein guter und in jedem Fall obligatorischer Wu-Release.
Music Review | verfasst 29.08.2013
Ghostface Killah & Apollo Brown
Twelve Reasons To Die: The Brown Tape
Apollo Brown’s Nachbearbeitung von »Twelve Reasons To Die« besteht neben Adrian Younges Originalmusik auf Augenhöhe.
Music Review | verfasst 10.03.2015
BBNG (BadBadNotGood) & Ghostface Killah
Sour Soul
Mit BBNG und Ghostface Killah treffen musikalisch hochkarätige Profis aufeinander und liefern mit »Sour Soul« ein hörenswertes Stück Musik.
Music Review | verfasst 10.07.2015
Ghostface Killah & Adrian Younge
Twelve Reasons To Die II
Ghostface Killah und Adrian Younge tun sich für »Twelve Reasons To Die II« wieder zusammen. Und wieder machen sie alles richtig.
Music Review
Pharoah Sanders
Africa
Auf »Africa« von 1984 finden Pharoah Sanders, Idris Muhammad, John Hicks und Curtis Lundy zusammen und spielen grandiose Musik.
Music Review
Roza Terenzi
Let's Ride
»Let’s Ride« ist das Dekmantel-Debüt der Australierin Roza Terenzi. Darauf zu hören: Electro-Dekonstruktionen und 90s-Rave mit eigener Note.
Music Review
Tiger & Woods
AOD
Album Oriented Dance, »AOD« war die Ansage von Tiger & Woods, die sie uns gleich im Titel ihres neuen Longplayers lieferten. Ging es auf?
Music Review
Guerilla Welfare
The Nature Of Human Nature
Guerilla Welfare haben zwischen 1986 und 1991 Ethno, Dub und Funk verührt. »The Nature Of Human Nature« fasst ihre Musik zusammen.
Music Review
Neuzeitliche Bodenbeläge
Leben
Premiummusik für liebevoll heruntergewirtschaftete Hinterhoflokale und ihre Gäste. Zur EP »Leben« von Neuzeitliche Bodenbeläge.
Music Review
Ill Bill & Stu Bangas
Cannibal Hulk
Diese Collab wurde im Horrorcore-Genre sehnsüchtig erwartet: Ill Bill und Stu Bangas machen auf »Cannibal Hulk« gemeinsame Sache.
Music Review
The Comet Is Coming
Trust In The Lifeforce Of The Deep Mystery
Shabaka Hutchings und kein Ende: sein Projekt The Comet Is Coming zockt auf »Trust In The Lifeforce Of The Deep Mystery« vital wie selten.
Music Review
Bibio
Ribbons
»Ribbons« von Bibio funktioniert als 50-minütiges Gesamtwerk, das vor vorne bis hinten die warme Stimmung der Zweisamkeit einfängt.
Music Review
New World Science
Osmos (Movements)
Das Trio New World Science wandelt auf »Osmos (Movements)« auf den Spuren von Jon Hassel. Unterstützung erhalten sie von RAMZi und R Weng.
Music Review
The Budos Band
V
Natürlich ist diese testosterongeschwängerte »Macho-Mucke« der Budos Band etwas anachronistisch, aber was soll’s: »V« macht einfach Spaß.
Music Review
Keys
Voltage
Key ist das neue Duoprojekt von Benedikt Frey, gemeinsam mit Chris Cox.Am besten auf »Voltage« sind die Tracks, die aus der Reihe tanzen.
Music Review
Fennesz
Agora
»Agora« ist sehr viel sparsamer als die vorangegangen Releases des österreichischen Musikers. Doch damit erreicht Fennesz einfach sehr viel.
Music Review
Asuna & Jan Jelinek
Signals Bulletin
Sechs Jahre haben der japanische Organist Asuna und der in Berlin lebende Musiker Jan Jelinek an »Signals Bulletin« gearbeitet.
Music Review
Marvin Gaye
You're The Man
»You’re The Man« versammelt Musik von Marvin Gaye, die der Öffentlichkeit bisher weitestgehend vorenthalten wurde. Widerspruch inklusive.
Music Review
VC-118A
Inside
Als VC-118A liefert Samuel van Dijk mit »Inside« für Delsin die bestmögliche Synthese seiner verschiedenen musikalischen Projekte ab.
Music Review
Wilma Vritra
Burd
Scheinbarer Widerspruch, genial gelöst: Odd Future’s Pyramid Vritra und Wilma Archer machen auf »Burd« als Wilma Vritra gemeinsame Sache.
Music Review
Lee Fields & The Expressions
It Rains Love
Lee Fields feiert 2019 sein 50-jähriges Bühnenjubiläum. Mit »It Rains Love« wurde nun sein fünftes Album mit The Expressions veröffentlicht.
Music Review
Palms Trax
To Paradise
Nach drei Jahren meldet sich Palms Trax mit einer neuen EP für Dekmantel zurück. »To Paradise« ist eine handwerkliche Meisterleistung.
Music Review
Nirvana
Live At The Paramount
Der vielleicht beste Konzertmitschnitt der legendären Rockband Nirvana, »Live At The Paramount«, liegt nun erstmals auf Vinyl vor.
Music Review
Curt Cress
Dschung Tek EP
»Dschung Tek« und vier andere Tracks von Curt Cress aus dem Jahre 1983 wurden jetzt bei Music From Memory wiederveröffentlicht.
Music Review
Horace Tapscott with The Pan-Afrikan Peoples Arkestra
Live at I.U.C.C.
Soul Jazz entdeckt in diesem Jahr den amerikanischen Jazzpianisten Horace Tapscott wieder. Den Anfang macht »Live at I.U.C.C.« von 1979.
Music Review
Lamellen
Monty Roberts EP
Auf der »Monty Roberts EP« gießt das niederländische Duo Lamellen ein sehr balearisches und verträumtes Lebensgefühl in dynamische Tracks.
Music Review
Roy Ayers
Silver Vibrations
Die allererste Reissue von »Silver Vibrations«, Roy Ayers’ zuerst 1983 veröffentlichtem Album, wurde jetzt bei BBE veröffentlicht.
Music Review
JMII
Modulations
In Barcelonas Clubszene kein Unbekannter, veröffentlicht JMII jetzt mit »Modulations« eine hörenswerte EP auf Jamie Talabots Hivern Discs.
Music Review
Steve Reid
Nova
Das einzig schlechte an »Nova« von Steve Reid aus dem Jahr 1978 ist, dass es nach 30 Minuten schon wieder vorbei ist.
Music Review
Blu & Oh No
A Long Red Hot Los Angeles Summer Night
Wenn Blu kooperiert, dann wird’s meistens gut. Auf »A Long Red Hot Los Angeles Summer Night« macht er nun mit Oh No gemeinsame Sache.
Music Review
Shlohmo
The End
»The End« von Shlohmo dreht sich um den Weltuntergang. Man übersieht so beinahe wie vielschichtig, interessant, ausgereift die Platte ist.
Music Review
The Exaltics
Exodus
The Exaltics stehen am Ende der Electro-Geschichte. Die EP »Exodus« blickt zusammen mit Egyptian Lover gleichermaßen nach vorn und zurück.
Music Review
Beth Gibbons & The Polish Radio Orchestra
Henryk Górecki: Symphony No.3
Mal ehrlich: Wer denn sonst sollte die Henryk Góreckis »Symphony No.3«, die »Sinfonie der Klagelieder«, interpretieren als Beth Gibbons?
Music Review
DMX Krew
Glad To Be Sad
Auf »Glad To Be Sad«, dem neuen Album von DMX Crew, furzen, wobbeln und quietschen die alten Synthesizer wie zu alten Rephlex-Zeiten.
Music Review
Ed Longo & The Applied Arts Ensemble
The Other Fantasy
Wenn das mit dem Klimawandel so weitergeht, wird sommerliche Musik wie die von Ed Longo & The Applied Arts Ensemble noch gebraucht werden.
Music Review
Durand Jones & The Indications
American Love Call
»American Love Call«, das zweite Album von Durand Jones & The Indications, ist im besten Sinne zeitlose Musik.
Music Review
Various Artists
Nigeria 70: No Wahala
Ganze acht Jahre nach der letzten Compilation der »Nigeria 70«-Reihe legt das in diesem Jahr 20. Geburtstag feiernde Label Strut nun nach.
Music Review
Imani
Out Of The Blue
So »Out Of The Blue« wie sie 1983 aufgetaucht sind, waren Imani dann auch wieder verschwunden. Jetzt wurden sie wiederveröffentlicht.
Music Review
África Negra
Alia Cu Omali
África Negra sind Überlebende der goldenen Zeiten des Rumba. Jetzt haben sie mit »Alia Cu Omali« ein neues Album veröffentlicht.
Music Review
Kokoroko
Kokoroko
Die britische Jazzszene hat einiges zu bieten derzeit: so wie Kokoroko, ein achtköpfiges Ensemble um die Trompeterin Sheila Maurice-Grey.
Music Review
Xeno & Oaklander
Hypnos
So gut wie Xeno & Oaklander, erneut bewiesen auf ihrem fünften Album »Hypnos«, können nur wenige Musik aus Elektrizität zusammenbrauen.
Music Review
Jura Soundsystem
Monster Skies EP
Die verlangte Weirdness wird auf der »Monster Skies EP« von Jura Soundsystem oft bemüht, doch selten erreicht.
Music Review
Mystic Jungle
Jurakan
Mit »Jurakan« legt Mystic Jungle 25 Minuten neue Musik vor. Die ist weniger verspielt als auf »Nights Of Cheetah«, aber ebenso niveauvoll.
Music Review
Fabriano Fuzion
Cosmik Sindika
Aufgenommen auf Guadeloupe im Jahr 1982 wird »Cosmik Sindika« von Fabriano Fuzion nun ein weiteres Mal auf Schallplatte veröffentlicht.
Music Review
Trio Mocotó
Trio Mocotó (1977)
Man muss ärztlich diagnostizierte Allergien gegen brasilianische Klänge haben, um sich vom Trio Mocotó nicht freudig affizieren zu lassen.