Books Review | verfasst 14.01.2015
David Stubbs
Future Days. Krautrock and the Building of Modern Germany
Faber & Faber, 2014
Text Tim Caspar Boehme
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Redaktion
Cover David Stubbs - Future Days. Krautrock and the Building of Modern Germany

Julian Cope, Musiker, Autor und Krautrockenthusiast, mag sich längst von seinem Buch »Krautrocksampler« von 1995 distanzieren: In Sachen Leidenschaft und psychedelisches Einfühlungsvermögen ist sein folgenreicher, mitunter stark durchgeknallter Beitrag zum Revival deutscher Bands wie Amon Düül II, Cluster, Faust, Neu! oder Popol Vuh bis heute unerreicht – auch wenn sein Verfasser den einen oder anderen sachlichen Irrtum eingeräumt hat. Julian Cope wird in David Stubbs’ »Future Days. Krautrock and the Building of Modern Germany« denn auch pflichtschuldig zitiert, taucht allerdings eher unter ferner liefen auf (im Literaturverzeichnis wird er gar nicht erst genannt). Diese stiefmütterliche Behandlung von Julian Cope kann man als symptomatisch für David Stubbs’ Beitrag betrachten, präsentiert sich »Future Days« doch als »das definitive Buch über die ultimative Musik« – wie ein Zitat des befreundeten Kollegen Simon Reynolds auf dem Cover verkündet.

»Future Days« ist nicht nur ein seriöseres Buch als das von Julia Cope, es vertritt zudem eine andere These über die Entstehung von Krautrock. Dass diese musikalische Emanzipationsbewegung in ihrem Heimatland und im Rest der Welt zunächst bestenfalls amüsierte Reaktionen, wenn überhaupt, hervorrief, heute hingegen als eine der einflussreichsten Entwicklungen der Popmusik anerkannt ist, bleibt eine der rätselhaftesten Erfolgsgeschichten der Musik des 20. Jahrhunderts. David Stubbs sieht die Entschlossenheit von Musikern wie Ralf Hütter, Holger Czukay oder Michael Rother, sich vom Rock und Blues angelsächsischer Herkunft abzusetzen und ihnen etwas Eigenständiges entgegenzusetzen, dabei in der Geschichte des Wiederaufbaus des bundesrepublikanischen Nachkriegsdeutschlands begründet: Krautrock war ein »paradoxer« Absetzungsversuch von der nationalsozialistischen Vergangenheit – jedoch nicht mit den Mitteln der Verdrängung, wie sie im Schlager vorherrschten –, zugleich sollte die Musik etwas originär Deutsches sein und sich nicht auf das Kopieren bestehender Rockidiome beschränken – eine Rebellion gegen den Soundtrack der Rebellion.

Über weite Strecken folgt David Stubbs dem bewährten Muster, die Biographien einzelner Bands wie Can, Kraftwerk oder Faust entlang ihrer Diskographie zu erzählen. Diese aneinandergereihten Einzeldarstellungen erhellen David Stubbs’ These nicht immer gleich stark. Doch auch wenn man einige Punkte – die Verkürzung der Subkultur in Deutschland auf die RAF etwa – nicht unbedingt teilen will, beeindruckt David Stubbs mit einer Fülle an Fakten, Interviewzitaten und treffenden Analysen der Musik.

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