Music Review | verfasst 27.03.2015
Earl Sweatshirt
I Don't Like Shit. I Don't Go Outside
Columbia, 2015
Text Philipp Kunze , Übersetzung Julia Frohn
Deine Bewertung:
8.5
Nutzer (6)
8.2
Redaktion
Cover Earl Sweatshirt - I Don't Like Shit. I Don't Go Outside

Alles ist dicht, nur die dunklen Gedanken grenzenlos. Musik von einem Shut-In für Shut-Ins: paranoid, angewidert und selbstreflektiert beschränkt Earl auf seinem zweiten Album den Raum auf ein viereckiges Zimmer. Die Gedanken dafür lässt er in das schwarze Weit fließen. Musikalisch ist »IDLSIDGO« wie sein Vorgänger minimalistisch gehalten. Die Beats kratzen missmutig am Rauputz, hier und da kommt die Soundqualität nicht über Youtube-Rips hinaus. Und das soll sie auch gar nicht. Die Musik ist so zerfurcht, so verschlagen wie Earls Gedanken. Die drehen sich um die Säulen, auf die schlechte Seelenzustände gebaut sind: Angst, Wut, Vorwürfe, Zweifel, Misstrauen. Die Sonne scheint hier nicht. Aber hier geht nicht die Welt unter. Das ist ja genau Earls Problem: Die Welt dreht sich weiter. Es ist er, der in ihr untergeht (untergehen will?) Jeder Song eine Fratze, die einen aus einer Ecke heraus anstarrt; bedrohlich wirkt, obwohl sie sich nicht bewegt, einfach da bleibt. Earl hat das alles (bis auf zwei Hilfestellungen von Left Brain) komplett selbst produziert; er hat alles, was ihn am Rap der vergangenen Jahre gestört hat, abgenagt und ein graues Skelett hinterlassen. Es ist vor allem die Kompromisslosigkeit, dem Hörer auf musikalischer Ebene nie mehr als Zwieback und Wasser hinzuschmeißen, die das Album zu einer solch abgeschlossenen Sache machen. Earls zweites Album verleitet nicht zu Lobeshymnen. Sondern dazu, still zu genießen, wie ungenießbar es ist.

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