Music Review | verfasst 02.04.2015
Ozy
Distant Present
nothings66, 2015
Text Kristoffer Cornils
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Redaktion
Cover Ozy - Distant Present

Kaum ein Titel könnte die Wirkungsmacht von Ambient Techno besser auf den Punkt bringen als dieser. Ambient Techno ist, mit einem Wort Walter Benjamins, die Erscheinung einer Ferne, so nahe das sein mag, was er hervorruft. Seine Aura ist nicht greifbar, seine Melodien bleiben nicht haften und seine Struktur ist dermaßen immergleich, dass sie völlig zu verschwinden scheint. Der Isländer Örnólfur Thorlacius hat über mehrere Jahre um die Jahrtausendwende mit seinem Label Thule die Szene seiner Heimatinsel abgebildet, ist aber nach einigen Releases auf unter anderem auf dem Mille Plateaux-Mutterschiff Force Inc. zunehmend verstummt. »Distant Present« ist per Definition nach kein effektvolles Comeback, sondern klingt eher wie eine verblichene Postkarte, die nach langer Zeit endlich ihren Weg ans Ziel gefunden hat und an ihren Absender erinnert. Zwar handelt es sich per se um kein geschlossenes Album, aber auch solche sind im Ambient Techno eher die Ausnahme. Was Thorlacius viel eher gemeistert hat, ist aus kleinen Motiven große Tracks zu bauen. Die scheinen unbeirrt von sich hin zu mäandern, keinem Ziel zu folgen. Aber es geht ihm eben viel eher darum, den Weg auszukosten. Dass »Distant Present« heterogen scheint, ist insofern kein Nachteil. Zum Vorteil wird seine innere Disparität schließlich, wenn er selbst, Laurel Halo, Demdike Stare-Mitglied Miles Whittaker und der japanische Youngster College Drop alte Ozy-Tracks mit ihrer Handschrift erweitern. Insbesondere Miles‘ »Method Remix« vom 2002 erschienen Stück »Drama Club« strahlt einen eigenartigen Glanz aus. »Distant Present« weist eine Menge solcher auratischen Momente auf.

Das Album »Distant Present« von Ozy findest du bald bei hhv.de.
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