Music Review | verfasst 02.04.2015
Yasunao Tone + Talibam! + Sam Kulik
Double Automatism
Karl Records, 2015
Text Peter Gebert
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Redaktion
Cover Yasunao Tone + Talibam! + Sam Kulik - Double Automatism

Wie soll man sich gegenüber einer solchen Übermacht verhalten? Auf der einen Seite: Yasunao Tone, heuer achtzig Jahre alt, Medienkunstpionier. Auf der anderen: ein Trio aus Matt Mottel am Roland Alpha Juno-1 und Kevin Shea am MIDI-Stabspiel sowie Sam Kulik an der Posaune. Hat man Tones jüngste Arbeiten auf Editions Mego verfolgt, ob solo oder mit Russell Haswell, ahnt man bereits: Das Trio steht hier auf verlorenem Posten. Das Werkzeug des Japaners, im Jahr 2009 mit einem Team an der Universität von York entwickelt, reißt in seinem fröhlichen Klangstrudel alles mit, was ihm in den Weg kommt. Wie es klingt? Am besten stellt man das sich so vor: Es klingt nach korrupten MP3-Dateien und den von ihnen ausgelösten Fehlermeldungen; dazu einigen Optionen grundlegender Klangmanipulationen, die die Software zu einem Live-Instrument machen. Mottel, Shea und Kulik versuchen zunächst, sich anzupassen, um nicht verschlungen zu werden. Mit dem Ergebnis, dass das Ungetüm sich umso struppiger durch die Frequenzbänder wälzt. Zu Beginn der zweiten Halbzeit scheinen die drei einen Weg für sich gefunden zu haben, indem sie sich immer wieder querstellen, auch gemeinsam agierend unabhängig machen. Es durchzuziehen gelingt ihnen nicht, zu verführerisch ist das ölig bunte Gewirr, um sich nicht wieder hineinzuwühlen, brabbelnd und schnatternd in ihm aufzugehen.

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