Music Review | verfasst 12.05.2015
Rüdiger Lorenz
Southland
Bureau B, 2015
Text Tim Caspar Boehme
Deine Bewertung:
/
Nutzer
6.8
Redaktion
Cover Rüdiger Lorenz - Southland

Die Geschichte klingt vertraut: Apotheker mit großer Leidenschaft für elektronische Musik baut sich in seinem Haus ein Heimstudio mit allerlei Synthesizern zusammen und zeichnet seine privaten Erkundungen auf Band auf. So ähnlich las sich der musikalische Werdegang der Pharmazeutin Ursula Bogner, die Jan Jelinek für sein Label Faitiche entdeckte. Während bei Bogner allerdings als ziemlich gesichert gilt, dass die Musik von Jelinek selbst stammt, gehört Rüdiger Lorenz allem Anschein nach nicht ins Reich der Tarn-Fiktionen, sondern war ein begeisterter Dilettant, der werktags sein Geld mit dem Verkauf von Arznei verdiente. Seine Musik, insgesamt 18 Alben, veröffentlichte er in Kleinstauflagen zunächst auf Schallplatte, später als CD. Jetzt hat Bureau B die Platte »Southland« von 1984 einem breiteren Publikum zugänglich gemacht. Tatsächlich gibt es bei Lorenz einige schöne Entdeckungen zu machen, sein Ansatz liegt etwas quer zu den deutschen New Wave-Spielarten der Achtziger, spielt schon mal mit arabischen Anleihen und genehmigt sich an anderer Stelle ein paar selbstbewusste Albernheiten. In den ersten Nummern jedoch geht die Euphorie mit Lorenz etwas durch, insbesondere die Timing-Unsicherheiten bei den Melodien, die nicht immer sonderlich originell ausfallen, können für Verlegenheit beim Hören sorgen. Gehört dann wohl zum Authentizitätsnachweis, dass Lorenz wirklich Hobbymusiker war.

Das Album »Southland« von Rüdiger Lorenz ist bereits bei Bureau B erschienen. Bestelle die Schallplatte bei hhv.de als LP.
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 22.03.2011
Kreidler
Tank
Auch auf ihrem neunten Album spielen Kreidler ihr Gemisch aus Post- und Krautrock souverän aus.
Music Review | verfasst 06.05.2014
Cluster
Apropos Cluster
Nach knapp einem Jahrezehnt Pause spielten Moebius und Rodelis 1990 die Platte »Apropos Cluster« ein.
Music Review | verfasst 30.07.2014
Moebius/Story/Leidecker
Snowghost Pieces
Warme Klangwoge. Auf »Snowghost Pieces« legen die Elektroniker Moebius / Story / Leidecker Klang-Schicht um Klang-Schicht übereinander.
Music Review | verfasst 08.08.2014
Ziguri
Ziguri
Dieter Kölsch, Udo Erdenreich und Günter Schickert alias Ziguri präsentieren mit dem selbstbetitelten Album hypnotischen Trance-Psych-Rock.
Music Review | verfasst 28.08.2014
Cluster
One Hour
»One Hour«, das Studioalbum des Duos Dieter Moebius und Hans-Joachim Roedelius, bietet eine Stunde bewusst »unabsichtlicher« Improvisation.
Music Review | verfasst 12.08.2014
Roedelius
Flieg Vogel Fliege
Der »Über Berg und Tal«, »Klares Wasser« und »Kleines Glück«: Das erstmals 1981 erschienen »Flieg Vogel Fliege« von Roedelius tut nicht weh.
Music Review
Wilma Archer
A Western Circular
Passender könnte Wilma Archers intimes Werk »A Western Circular« in Zeiten der Quarantäne kaum sein.
Music Review
Ennio Morricone
OST Uccidete Il Vitello Grasso E Arrostitelo
Transversales Disques hat mit »Uccidete Il Vitello Grasso E Arrostitelo« einen unbekannteren Soundtrack von Ennio Morricone veröffentlicht.
Music Review
Minor Science
Second Language
Mit seinem Debüt »Second Language« widmet sich Minor Science musikalischen Übersetzungsproblemen. Geschichten lassen sich so nicht erzählen.
Music Review
Pharoah Sanders
Welcome To Love
Tidal Waves veröffentlicht »Welcome To Love«, 1991 nur auf CD veröffentlichte Balladen des Saxophonisten Pharoah Sanders, auf Vinyl.
Music Review
Guilherme Coutinho E O Grupo Stalo
Guilherme Coutinho E O Grupo Stalo
»Guilherme Coutinho E O Grupo Stalo« von 1978 ist ein nirgends erhältlicher Archivfund. Jetzt wurde die Platte restauriert und neu aufgelegt
Music Review
Popnoname
Horizons
Jens-Uwe Beyer feiert mit »Horizons« sein Comeback als Popnoname und bindet viele Schleifen, die gelegentlich von Pop aufgelockert werden.
Music Review
Cucina Povera
Tyyni
Schlicht im Klang, dazu offen und leicht hallig im Arrangement: Cucina Povera hat mit »Tyyni« ein neues Album veröffentlicht.
Music Review
Gang Starr
Jazz Thing
Mr Bongo legt einige Rapklassiker aus den 1990er Jahren wieder auf Vinyl-7inch auf. Darunter auch »Jazz Thing« von Gang Starr.
Music Review
Roman Flügel
Garden Party
Die Dancefloors? Dicht! Roman Flügel lädt für sein Running-Back-Debüt zu einer »Garden Party«, die vier überragende Hits bietet.
Music Review
Four Tet
Sixteen Oceans
Selbst da, wo er sentimental zu werden droht, berührt Four Tet einen auf »Sixteen Oceans« am Ende doch.
Books Review
Nick Cave
Stranger Than Kindness
Es ist seine Biografie, sein Leben – zusammengehalten von zwei Buchdeckeln und 270 Seiten. Über »Stranger Than Kindness« von Nick Cave.
Music Review
Phi-Psonics
The Cradle
Der Jazz auf Phi-Psonics’ »The Cradle« begeistert mit fast schon erotischem Charme. Dieser Band steht die Zukunft offen.
Music Review
Various Artists
Oto No Wa: Selected Sounds Of Japan (1988 - 2018)
Mit »Oto No Wa: Selected Sounds Of Japan (1988 – 2018)« widmet sich das Label Music For Dreams entdeckungswürdigen Klängen aus Japan.
Music Review
Knxwledge
1988
»1988«, das zweite Album von Knxwledge für Stones Throw, zeigt auf 22 Stücken in nur 37 Minuten das ganze Können des Beatmakers.
Music Review
Rosa
Acqua Di Sale
Aus dem Umfeld der Neapolitaner von Mystic Jungle kommt Rosa. Ihre 6-Track-EP »Acqua Di Sale« ist ausnahmslos cocktailtauglich.
Music Review
Space Dimension Controller
Planète Contraire
Mit seiner zweiten Dekmantel-EP nimmt Space Dimension Controller Kurs auf »Planète Contraire« und kommt nur mit einer guten Nummer zurück.
Music Review
Electric Indigo
Ferrum
»Ferrum«, Eisen, ist das Ausgangsmaterial auf dem neuen Album von Electric Indigo, um das sich alles schichtet und zerfasert.
Music Review
Ben Bertrand
Manes
Auf seinem neuen Album »Manes« verbindet der belgische Klarinettist Ben Betrand klassische Musik mit elektronischen Effekten.
Music Review
Ratgrave
Rock
Ratgrave ist das gemeinsame Projekt von Max Graef und Julius Conrad. Ihr neues Album »Rock« ist bei Black Focus erschienen.
Music Review
Tony Allen & Hugh Masekela
Rejoice
Der Nigerianer Tony Allen und der Südafrikaner Hugh Masekela sind Legenden des Jazz. Auf »Rejoice« sind sie gemeinsam zu hören.
Music Review
Matthew Tavares & Leland Whitty
Visions
Die Kanadier Matthew Tavares und Leland Whitty, bekannt als Teil von BadBadNotGood, haben mit »Visions« ein Album veröffentlicht.
Music Review
Hailu Mergia
Yene Mircha
Der äthiopische Musiker Hailu Mergia feiert gerade seinen zweiten Frühling. MIt »Yene Mircha« ist nun sein neues Album erschienen.
Music Review
Shabaka & The Ancestors
We Are Sent Here By History
Der kraftstrotzende Jazz von Shaba Hutchings ist auch auf dem mit The Ancestors eingespieltem Album »We Are Sent Here By History« zu hören.
Music Review
Inoyamaland
Danzindan-Pojidon
Mit »Danzindan-Pojidon« veröffentlichten Inoyamaland 1983 ein nah am Zeitgeist agierendes Album. Nur wie klingt das heute?
Music Review
Alabaster DePlume
To Cy & Lee Instrumentals Vol.1
Eine weitere Entdeckung auf International Anthem: Der britische Saxophonist hat sein Album »To Cy & Lee Instrumentals Vol.1« veröffentlicht.
Music Review
Zebra Katz
Less Is Moor
»Less Is Moor« ist das späte Debütalbum von Zebra Katz. Auf ihm schreibt Ojay Morgan seine Geschichten unter eigenen Bedingungen neu.
Music Review
Jon Hassell
Vernal Equinox
»Vernal Equinox«, das erste Album des amerikanischen Klangpioniers Jon Hassell wurde wiederveröffentlicht.
Music Review
Various Artists
Jura Soundsystem Presents Transmission Two
Die Compilation »Jura Soundsystem Presents Transmission Two« präsentiert einen Kessel Buntes, den weirden Shit, lose Fäden, Unerhörtes.
Music Review
Ranil
Ranil Y Su Conjunto Tropical
Analog Africa stöbert abseits ihres Kerngebietes und veröffentlicht eine Compilation der peruanischen Kombo Ranil Y Su Conjunto Tropical.
Music Review
Roger Eno & Brian Eno
Mixing Colours
Schlappe 37 Jahre nach ihrer Arbeit zu »Dune« gibt’s mit »Mixing Colours« wieder gemeinsames Material der Brüder Roger Eno und Brian Eno.
Music Review
Buck 65
Laundromat Boogie
»Laundromat Boogie« tänzelt im Sixstep in den Waschsalon und wird mit lakonischem Witz in den Trockner gepackt.
Music Review
Tornado Wallace
Midnight Mania
Der Australier Tornado Wallace legt sein zweites Album vor. »Midnight Mania« ist druckvoller, aber weiterhin rätselhaft und entrückt.
Music Review
Various Artists
Black Riot: Early Jungle, Rave And Hardcore
Die Compilation »Black Riot: Early Jungle, Rave And Hardcore« lässt das aufwühlende, energische, rastlose Genre wiederaufleben.
Music Review
World Quake Band
Everything Is On The One
»Everything Is On The One«, das 1981 erschienene, einzige Album der World Quake Band wurde nun bei Mad About Records wiederveröffentlicht.
Music Review
Atmosphere
Whenever
Das Duo Atmosphere aus Minneapolis meldet sich mit einem neuen Album zurück. »Whenever« verzichtet auf Experimente und liefert verlässlich.
Music Review
Delroy Edwards
Slap Happy
Der Zahn musste ihm gezogen werden: »Slap Happy« zeigt, das Delory Edwards mit den gewohnten Mitteln, nicht die gewohnte Qualität erreicht.
Music Review
M.Rux
Vermonische Melodien
Mit »Vermonische Melodien« verneigt sich der Beatbastler M.Rux vor Reinhard Lakomy und benutzt DDR-Hardware. Ostalgie aber? I wo!
Music Review
The James Hunter Six
Nick Of Time
Auch »Nick Of Time«, das vierte Album von The James Hunter Six, ist musikalisch und textlich völlig aus der Zeit gefallen.
Music Review
Stephen Malkmus
Traditional Techniques
Nur ein Jahr nach »Groove Denied« veröffentlicht Stephen Malkmus mit »Traditional Techniques« ein neues, komplett akustisches Album.
Music Review
Pharoah Sanders
Live In Paris 1975
Pharoah Sanders nahm »Live In Paris 1975« in Umbruchszeiten auf. Das schlägt sich in seiner Diversität, nicht aber im Spiel nieder.
Music Review
Kris Baha
Barely Alive Remixes
Der Asutralier Kris Baha ist nicht müde zu kriegen und veröffentlicht mit »Barely Alive Remixes« ein weiteres Release.