Music Review | verfasst 08.06.2015
Ben Zimmermann
The Baltika Years
Software, 2015
Text Tim Caspar Boehme , Übersetzung Julia Frohn
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Redaktion
Cover Ben Zimmermann - The Baltika Years

Entdeckungen sind eben doch noch möglich. Die musikalischen Möglichkeiten etwa von DeskMate, einem Betriebssystem für Rechner der Hausmarke der US-amerikanischen Elektronikmarkt-Kette Radio Shack, wurden bisher selten erkundet. Schon gar nicht öffentlich. Auch der Brooklyner Musiker Ben Zimmerman hat seine Aufnahmen, die er als Student mit Samples aus seiner Plattensammlung daheim am Rechner erstellte, sehr lange Zeit der Musikwelt vorenthalten. Zwischen 1992 und 2002 entstanden so eigentümlich rohe, unbehauene Studien mit einer Körnigkeit, wie sie für eine geringe Samplerate typisch ist. Stakkato-Melodien, Rhythmen zwischen Swing und Maschinenklappern und immer wieder kurze Stimmenfetzen werden zu abstrakten Song-Miniaturen verdichtet. Zwischen einer und zwei Minuten dauern die meisten dieser fragil-energischen Computer-Kammermusiken, in denen gelegentlich schon mal (gesampelte) Klavier- oder Streichertöne die tragenden Stimmen bilden. Vereinzelt kommt sogar die Faszination Zimmermans für Drum ‘n’ Bass zum Tragen. »The Baltika Years«, zugleich Zimmermans Debütalbum, zeichnet nach, wie er über die technische Selbstbeschränkung zu einer völlig idiosynkratischen Tonsprache gefunden hat. Ein echter Fund.

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