Music Review | verfasst 12.06.2015
Marsimoto
Ring der Nebelungen
Four Music, 2015
Text Jenny Spitzmüller
Deine Bewertung:
7.9
Nutzer (15)
7.1
Redaktion
Cover Marsimoto - Ring der Nebelungen

Als deutsches Pendant zu Quasimoto greift Marsimoto auch auf »Der Ring der Nebelungen« wieder tief in die Wortspielkiste, kratzt aber inhaltlich doch nur an der Oberfläche. Textlich scheint Marsimoto in einer Schleife gefangen zu sein: leicht verkopftes, halluzinatives Storytelling meist über Tiere, Legenden oder Indianer mit mehr oder weniger versteckten Referenzen reiht sich an pseudo-philosophische Gedankenfetzen (»Bin stark wie ein Spartaner und heb’ kurz mal die Titanic hoch./ Archäologen graben in Karthargo nach dem Marsi-Thron«). Marsimotos gespaltene Kiffer-Persönlichkeit schlüpft in verschiedenste Rollen. »Sie berichten von mir wie von Usain Bolt.« schneidet der hochgepitchte Marten Laciny rotzig ironisch auf. Green Berlin hat sich diesmal für die Produktion in Jamaika einquartiert. Wie schon auf den drei Vorgängern sind die knallenden, mitreißenden grimey Beats, unter anderem von Kid Simius und The Krauts, der Trumpf des Albums. Während sein Alter Ego Marteria seit »Zum Glück in die Zukunft« zum Kassenschlager avanciert, möchte Marsimoto nicht im Mainstream schwimmen (wenn dies nicht längst mit Marterias Erfolg ungewollt einhergeht) und fordert für den Erhalt des Marsianer-Alleinstellungsmerkmals, die Illegalisierung von Cannabis. Jetzt fehlt nur noch, dass »Illegalize It!« im Radio läuft. Ich würde es laut aufdrehen. Denn trotz der Kritik besticht Marsimoto durch Witz und seinen seit »Halluziehnation« (2006) merklich gewachsenen Erfahrungsschatz.

Das Album “»Ring der Nebelungen« von Marsimoto”: findest du bei hhv.de: 2LP+CD und CD und Acryl Box
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 13.09.2012
Marteria, Yasha & Miss Platnum
Lila Wolken EP
Fünf Tracks, die einfach passen, liefern Marteria, Yasha & Miss Platnum mit ihrer gemeinsamen EP »Lila Wolken«.
Music Review | verfasst 30.01.2014
Marteria
Zum Glück in die Zukunft 2
Mit seinem dritten Studioalbum als Materia, legt dieser noch eine Schippe drauf.
Music Review | verfasst 04.11.2008
Marsimoto
Zu zweit allein
Wenn Marsimoto mit den Deichkindern prolligen Studenten-Bratz zelebriert »platzt Rap« endgültig »aus allen Nähten wie Queen Latifah«.
Music Bericht | verfasst 28.03.2012
Marsimoto
Live am 22.3. in der Live Music Hall in Köln
Nach dem überraschenden Riesenerfolg mit Marteria kehrt Marten Lanciny mit seinem anderen Alter Ego Marsimoto zurück zu den Wurzeln und trifft wieder auf ein ganz anderes Publikum. Und das ist gut so.
Music Kolumne | verfasst 14.04.2014
Keine halben Sätze
Proband: Marteria
Wir geben den Anfang des Satzes vor, unser Interviewpartner ergänzt diesen dann in seinem Sinne. Diesmaliger Proband: Marteria. Leistung: 1.Platz der Charts mit »Zum Glück in die Zukunft II«; hat Deutschrap wieder salonfähig gemacht.
Music Review | verfasst 19.01.2012
Marsimoto
Grüner Samt
»Endlich wird wieder gekifft!« Marsimoto’s Grüner Samt bringt einmal mehr seine kranken Kiffer-Fantasien auf den »springenden Punkt«.
Music Review
Serge Bulot
Les Legendes De Brocéliande
Ein ätherisch schönes Album irgendwo zwischen Leftfield-Ambient, New Age-Pathos und Electronic Jazz.
Music Review
Itadi K. Bonney
Inye
»Inye« von Itadi ist nun neu gemastert und um zwei bislang unveröffentlichte Tracks ergänzt auf Hot Casa erschienen.
Books Review
Zugezogen Maskulin
Alle Gegen Alle
Wie schwer es ist, seinen Platz zu finden und dann zu halten – davon wissen Zugezogen Maskulin zu erzählen.
Music Review
Lee Gamble
Mnestic Pressures
Die Rache der Erinnerung. Irgendetwas lastet auf dem Gedächtnis. »Mnestic Pressure« dazu zu sagen, klingt allerdings wesentlich besser.
Music Review
Four Tet
New Energy
Die dritte Inkarnation des Four Tet haut eher nicht vom Hocker. Doch »New Energy« ist immer noch eine verdammt gute Platte.
Music Review
Tresque
Lensomni EP
Minimalistischer Techno im Thomas Brinkmann’schen Sinne findet sich auf der »Lensomni EP«, der erst zweiten Veröffentlichung von Tresque.
Music Review
Beck
Colors
Beck greift auf seinem neuen Album »Colors« so schamlos wie nie zuvor in die bunte Trickkiste des Pop.
Music Review
Fatima Al Qadiri
Shaneera EP
Das ist ganz große, hochartifizielle Ausrast-Kunst und selbstverständlich ein politisches Statement. Und dazu ein wichtiges.
Music Review
King Gizzard & The Lizard Wizard
Sketches Of Brunswick East
»Sketches Of Brunswick East« ist zurückgelehnter und nicht ganz so überdreht, wie von King Gizzard & The Lizard Wizard gewohnt.
Music Review
Juju & Jordash
Sis-Boom-Bah
Juju & Jordash neues Album folgt dem klassischen Jam-Prinzip. Klingt aber von langer Hand geplant.
Music Review
Various Artists
Digital Zandoli 2
Julien Achard und Nicolas Skliris haben für »Digital Zandoli 2« weitere musikalische Schätze von den Westindischen Inseln gehoben.
Music Review
Cuthead
Big Time EP
Auf seiner neuen EP für Rat Life Records bricht Cuthead aus seinen gewohnten Strukturen aus. Weniger soulful soll es sein. Ob das gutgeht?
Music Review
Radiante Pourpre
Radiante Pourpre
Nicht ist heißer als die Tape-Ästhetik der 80er. Alle verbrennen sich die Finger daran. Außer die beiden Hommes aus Bordeaux.
Music Review
Various Artists
Studio One Supreme
Mit »Studio One Supreme« bekommt man jetzt Spätsiebziger- und Frühachtziger-Material des damaligen state of the art der Reggaeproduktion.
Music Review
Million Brazilians
Red Rose & Obsidian
Das Album des Trios aus Portland ist eines, das sich aus dem Fenster lehnt und seinen Kopf im Sturm wiederfindet
Music Review
Abra
Rose
»Rose«, das herzerwärmenden Soul mit kalten Maschinenklängen zusammenzubringende Debüt von Abra, erscheint erstmals auf Vinyl.
Music Review
Shigeto
The New Monday
Neue stilistische Facetten geben »The New Monday« von Shigeto, eine erfrischende Note. Eingefleischte Fans kommen dennoch auf ihre Kosten.
Music Review
Kelela
Take Me Apart
»Take Me Apart«, das Debütalbum von Kelela, kann sich schon mal für den Titel Pop-Album des Jahres warmlaufen.
Music Review
Iglooghost
Neō Wax Bloom
Iglooghost führt die kunterbunte Freak-Show seiner ersten EP auch auf dem Debütalbum »Neō Wax Bloom« fort.
Music Review
Wolves In The Throne Room
Thrice Woven
Wolves In the Throne Room kehren mit »Thrice Woven« zu ihren Wurzeln zurück: Black-Metal-Raserei mit Kreischen und Röcheln.
Music Review
Protomartyr
Relatives In Descent
»Relatives In Descent«, das vierte Album von Protomartyr, ist noch wütender, stoischer und dystopischer als die Vorgänger geworden.
Music Review
Kamasi Washington
Harmony Of Difference
»Harmony Of Difference«, die neue EP von Kamasi Washington, bearbeitet ein in diesen Zeiten wichtiges Thema: die Schönheit der Vielfalt.
Music Review
Greg Fox
Gradual Progression
Greg Fox findet mit »Gradual Progression« vielleicht keine Antworten im engeren Sinn. Dafür Klänge, von denen die Welt erfahren soll.
Music Review
Neddy Smith
Give It Up
Best Record Italy veröffentlicht mit »Give It Up« von Neddy Smith einen weiteren kruden, sexy und coolen Funk-Boogie.
Music Review
Jon Hassell
Fourth World Volume Two: Dream Theory In Malaya
Nur ein Jahr nach »Fourth World Volume One« veröffentlichte Jon Hassel den zweiten Teil. Er ist in vieler Hinsicht noch avancierter.
Music Review
Laraaji
Bring On The Sun
Laraaji hat der elektrisch verstärkten Zither schon vor »Bring On The Sun« ihren Platz in der Musikgeschichte gesichert.
Music Review
Godspeed You! Black Emperor
Luciferian Towers
Mit der aktuellen Verschiebung der sozialen und politischen Realitäten scheint eine neue Dringlichkeit bei GY!BE entstanden zu sein.
Music Review
Girls In Airports
Live
Girls in Airports zeigen auf »Live«, warum sie sich weder in eine Ambient- noch in eine Jazz-Schublade stecken lassen.
Music Review
Kölsch
1989
Mit »1989« schließt der Däne Kölsch seine musikalische Zeitreise ab. Das Finale ist tatsächlich der Höhepunkt dieser Trilogie.
Music Review
Kram aus der Ecke
Got Jazz, Need Money
Bei der Bingener Crew Kram aus der Ecke gilt »Got Jazz, Need Money«. Auf Albumlänge. Was lässig in Serie gehen kann.
Music Review
Cristobal And The Sea
Exitoca
Schon mit ihrem zweiten Album »Exitoca« unterziehen sich Cristobal And The Sea schon einer Generalüberholung.
Music Review
Orson Wells
Pneumatics
»Pneumatics«, das auf Live at Robert Johnson erscheinende Debütalbum von Orson Wells, ist eine futuristische Techno-Platte par excellence.
Music Review
Hypnobeat
Prototech
Hypnobeat können mit dieser Wiederveröffentlichung – zum Teil auch Erstveröffentlichung – ihrer Vergangenheit gar nicht zeitgemäßer sein.
Music Review
Beard In Dust
BAH038
Für »BAH038«, dem neuesten Release des Labels Bahnsteig 23, darf Leonid Lipelis als Beard In Dust sein Können zeigen.
Books Review
Cogitatio.Factum & Jo Preußler (Hrsg.)
The Death Of Graffiti
In The Death Of Graffiti formuliert Oliver Kuhnert eine Fundamentalkritik. Und bittet Kenner und Aktivisten zur Stellungnahme.
Music Review
Lee Ranaldo
Electric Trim
Nichts also mit müdem Alterswerk: »Electric Trim« zeigt Lee Ranaldo so flexibel und spannend, wie selten zuvor.
Music Review
Ninos du Brasil
Vida Eterna
Ninos du Brasil wirken auf ihrem dritten Album »Vida Eterna« verstörender als zuvor. Da gibt es gar kein Vertun. Zumal es klasse ist.
Music Review
Ariel Pink
Dedicated To Bobby Jameson
Nach R. Stevie Moore gräbt Ariel Pink auf »Dedicated To Bobby Jameson« ein weiteres obskures Vorbild aus.
Music Review
Odesza
A Moment Apart
Die Musik von »A Moment Apart«, dem dritten Album von Odesza, ist nicht an Musik-Connaisseure/Kritiker/alte Säcke gerichtet.
Music Review
Fink
Resurgam
Läuft jetzt zwar dem Titel »Resurgam« zuwider, aber das neue Album von Fink ist ist mehr Vollendung als Auferstehung.
Music Review
Trio Da Kali And Kronos Quartet
Ladilikan
Auf »Ladilikan« trifft das Trio Da Kali aus Mali trifft auf das in San Francisco beheimatete, legendäre Streichereinsemble Kronos Quartet.